[8] Abkürzung für San Francisco.
»Weise ihn herein,« sagte das Mädchen, indem sie sich aufrichtete und eine entschiedene Haltung annahm. Herr Sidney Algernon Burley trat ein, von Kopf bis zu Fuß in blendendes Weiß, d. h. in die leichteste und weißeste irische Leinwand gekleidet. Er trat rasch heran, aber das Mädchen machte eine Bewegung mit der Hand und warf ihm einen Blick zu, der ihn plötzlich stehen bleiben ließ. Sie sagte kalt: »Ich bin hier, wie ich versprach. Ich glaubte Ihren Versicherungen, gab ihrem ungestümen Drängen nach und sagte, ich würde den Tag bestimmen. Ich bestimme den 1. April um acht Uhr des morgens. Und nun gehen Sie.«
»O, meine Teuerste, wenn die Dankbarkeit einer Lebenszeit – –«
»Kein Wort mehr. Erlassen Sie mir Ihren Anblick und jeden Verkehr mit Ihnen bis zu jener Stunde. Nein – keine Bitten; ich will es so haben.«
Als er fort war, sank sie erschöpft in einen Stuhl, denn die lange Belagerung des Kummers, die sie ausgehalten, hatte ihre Kraft geschwächt. Gleich darauf sagte sie: »Mit knapper Not entkommen! Wenn er eine Stunde früher gekommen wäre, – – es schaudert mich, wenn ich daran denke! Denken zu müssen, daß es mit mir dahin gekommen wäre, daß ich mir einbildete, dieses betrügerische, dieses falsche, dieses verräterische Ungeheuer zu lieben! O, er soll seine Schurkerei bereuen!«
Wir wollen diese Geschichte jetzt rasch zu Ende führen, denn es ist nur weniges noch zu sagen. Am 2. April enthielt der Honoluluer ›Anzeiger‹ folgende Notiz:
»Verheiratet. – Dahier, per Telephon, gestern früh um acht Uhr, durch den hochwürdigen Herrn Nathan Hays, unter Assistenz des hochwürdigen Herrn Nathaniel Davis zu New York, Herr Alonzo Fitz Clarence von Eastport in Maine, mit Fräulein Ethelton von Portland in Oregon. Zugegen war Frau Susanne Howland von San Francisco, eine Freundin der Braut, gegenwärtig zu Gast bei Herrn und Frau Hays, dem Onkel und der Tante der Braut. Auch Herr Sidney Algernon Burley von San Francisco war zugegen, blieb aber nicht bis zum Schluß der Trauungsfeierlichkeit. Kapitän Hawthornes hübsche und geschmackvoll dekorierte Yacht wartete im Hafen, und die glückliche Braut und ihre Freunde brachen gleich darauf zu einem Ausflug nach Lahaina und Haleakala auf.«
Die New Yorker Zeitungen vom selben Datum enthielten folgende Notiz:
»Verheiratet. – Dahier, gestern, per Telephon, um halb drei Uhr in der Frühe, durch den hochw. Herrn Nathaniel Davis, unter Assistenz des hochw. Herrn Nathan Hays zu Honolulu, Herr Alonzo Fitz Clarence von Eastport in Maine und Fräulein Rosannah Ethelton von Portland in Oregon. Die Eltern und mehrere Freunde des Bräutigams waren zugegen. Nachdem die Gesellschaft ein festliches Frühstück genossen und sich bis gegen Sonnenaufgang vergnügt unterhalten, brach sie zu einem Ausflug nach dem Aquarium auf, da des Bräutigams Gesundheitszustand keine ausgedehntere Reise zuläßt.«
Gegen das Ende jenes denkwürdigen Tages waren Herr und Frau Alonzo Fitz Clarence in ein zärtliches Gespräch über die Vergnügungen ihrer beiderseitigen Hochzeitsausflüge vertieft, als plötzlich die junge Frau ausrief: »O Lonny, ich vergaß ganz! Ich that, was ich mir vorgenommen.«
»Was, Geliebte?«
»Ich machte ihn zum Aprilnarren! Und ich sagte es ihm auch! O, es war eine reizende Ueberraschung! Da stand er, schmorend in einem schwarzen Anzug, während das Thermometer oben zur Röhre hinauswollte, in Erwartung der Trauung. Du hättest die Miene sehen sollen, die er machte, als ich es ihm ins Ohr flüsterte! Ach, seine Verruchtheit hatte mir viel Herzeleid gebracht und manche Thräne erpreßt; aber in jenem Augenblick war alles quitt. Das Gefühl der Rache wich gänzlich aus meinem Herzen und ich lud ihn ein zu bleiben und sagte, ich habe ihm alles vergeben; aber er wollte nicht. Er schwur, sich grimmig zu rächen und unser Leben zu einem Fluch für uns zu machen. Aber das kann er nicht, mein Teuerster, nicht wahr?«
»Niemals in dieser Welt, meine Rosannah,« antwortete Alonzo innig. –
Tante Susanne, die Großmutter in Oregon, das junge Paar und ihre Mutter zu Eastport sind alle glücklich, während ich dies schreibe, und werden es wohl auch bleiben. Tante Susanne holte die Braut von den Sandwichsinseln ab, begleitete sie über den amerikanischen Kontinent und hatte das Glück, die entzückte Begegnung zweier sich anbetender Ehegatten mitanzusehen, die bis dahin einander nie gesehen hatten.
Ein Wort über den nichtswürdigen Burley, dessen verruchte Ränke beinahe die Herzen unseres lieben jungen Paares gebrochen und ihr Leben elend gemacht hätten, wird genügen. Bei einem Anfall auf einen verkrüppelten und hilflosen Arbeiter, der ihm, wie er sich einbildete, eine geringfügige Beleidigung angethan hatte, zersprang sein Revolver und tötete ihn auf der Stelle.