„Im Jahre 1858 war ein blutjunger, durch radikale Zeitungslektüre europamüde gewordener Russe nach London gekommen, um von hier nach den (ihm kaum dem Namen nach bekannten) Marquesas-Inseln auszuwandern. Dieser Jüngling ... hatte seinen berühmten Landsmann gebeten, von den in seinem Besitz befindlichen 50000 Franken die Hälfte anzunehmen und für propagandistische Zwecke zu verwenden. Trotz aller Einwendungen Herzens, der wiederholt geltend machte, daß es ihm an Geld nicht fehle und daß er um die Verwendung der ihm angebotenen Summe verlegen sei, hatte der künftige Bürger der Marquesas-Inseln auf seinem Wunsche so nachdrücklich bestanden, daß Herzen schließlich nachgeben mußte. Er begleitete also seinen neuen Bekannten zu Rothschild, dessen Geschäftsleute sich vor Verwunderung nicht zu lassen wußten, als der junge Schwärmer sie fragte, welche Geldsorten auf den Marquesas-Inseln Kurs hätten und ob es nicht möglich wäre, ihm auf diesen Inseln einen Kredit zu eröffnen ... Nach langem Verhandeln kam man überein, daß der junge Auswanderer 30000 Franken in Gold auf die Reise mitnahm (allen Warnungen zum Trotz tat er diese Summe in einen kleinen schlecht verschlossenen Reisekoffer) und daß der Rest Herzen und Ogarew zur Verfügung gestellt werden sollte: beide Männer waren übereingekommen, diese Summe zinstragend anzulegen und unangetastet zu lassen, bis der Marquesas-Bürger dieselbe zurückfordere. Dabei behielt es sein Bewenden, obgleich der wunderliche Spender wider Erwarten nie wieder etwas von sich hören ließ und obgleich Bakunin sein möglichstes tat, um diese Summe in die Hände zu bekommen und mit Hilfe derselben an der Wolga oder in Odessa oder sonst irgendwo eine Revolution in Szene zu setzen. Gleichen Widerstand setzte Herzen den Werbungen der jungen ‚Nihilisten‘ entgegen, die einige Jahre später auf diesen ‚Allgemeinen Revolutions-Fonds‘ Anspruch erhoben und deren Verleumdungen er (eigener Angabe nach) ebenso gründlich verachtete, wie ihre albernen Unternehmungen. Der bezügliche Abschnitt seines Buches (‚Nachgelassene Schriften‘) gehört zum Schärfsten und zum Lehrreichsten, was über den Nihilismus überhaupt geschrieben worden ist und verdiente es, in Rußland öffentlich bekannt gemacht zu werden“.

Herzens Schriften durften in Rußland erst nach 1905 – in einer vielfach gekürzten Ausgabe – erscheinen. E. K. R.

[111] Veröffentlicht 1876 in der Juni-Nummer der Monatshefte, die Dostojewski seit dem Januar 1876 als „Tagebuch eines Schriftstellers“ allein schrieb und im Selbstverlage herausgab. E. K. R.

[112] Russischer Dichter (1783–1852), Romantiker, dessen Übersetzungen besonders der Balladen von Schiller, Goethe, Bürger, Byron, den Originalen fast gleichkommen. E. K. R.

[113] D. h. in den letzten Jahren der Regierungszeit Nikolais I., etwa von 1848–55. E. K. R.

[114] Unbedeutender Dichter, liberaler Aristokrat. E. K. R.

[115] Magnitzki – berüchtigter Zensor, bereits unter Alexander I. im streng reaktionären Sinne tätig. Staatsrat Liprandi zeichnete sich als Beamter des Polizeidepartements durch rücksichtslose Härte aus und erfreute sich der besonderen Gunst seines Gönners Dubbelt. Vgl. S. 100. E. K. R.

[116] Überpatriotische Schriftsteller und Herausgeber von Zeitschriften. Bulgarin, ein Expole, dessen Romane zu Anfang der dreißiger Jahre viel gelesen wurden, ist von Puschkin als Polizeispitzel charakterisiert worden. E. K. R.

[117] Veröffentlicht 1877 in der Januar-Nummer der Monatshefte „Tagebuch eines Schriftstellers“. E. K. R.

[118] Siehe S. 62 Anm. E. K. R.