Mr. Blackwood war Werkdirektor in Brooklyn und hatte sich mit Miss Danckward verheiratet, die in die Ehe eine Mitgift moderner Anschauungen brachte. Um seine geliebte Frau nicht als seine Magd sehen zu müssen, hatte Mr. Blackwood sich mit ihr in einem Boardinghouse in Pension gegeben.
Die Frau, die nichts zu tun hatte, verbrachte den Tag mit Musik und Billardspiel und die halbe Nacht mit Gesprächen über die Frauenfrage und Grogtrinken.
Der Mann hatte 5000 Dollar Gehalt; die lieferte er regelmässig an seine Frau ab, damit die sie verwalte. Sie hatte 500 Dollar Nadelgeld, über die sie selbst verfügte.
Da kam ein Kind. Ein Kindermädchen wurde angestellt, das mit 100 Dollar den kostbaren Beruf der Mutter übernahm.
Es kamen noch zwei Kinder.
Und die Kinder wuchsen heran, und die beiden ältesten begannen in die Schule zu gehen. Aber die Frau langweilte sich und hatte nichts zu tun.
Eines Tages kam sie angeheitert zum Frühstückstisch.
Der Mann nahm sich die Freiheit, sie daran zu erinnern, das sei unpassend.
Sie wurde hysterisch und legte sich zu Bett, und alle Freundinnen des Hauses warteten ihr mit Blumen auf.
– Warum trinkst du, fragte der Mann so zärtlich wie er nur konnte. Hast du einen Kummer?
– Soll ich keinen Kummer haben, wo mein Leben verfehlt ist?
– Wieso verfehlt? Du hast drei Kinder geboren und könntest deinen Tag dazu anwenden, sie zu erziehen.
– Ich eigne mich nicht für Kinder.
– Dann solltest du es lernen, mit Kindern umzugehen. Das ist eine Arbeit für die Gesellschaft und eine ehrenvolle Lebensaufgabe, ehrenvoller als Leiter einer Werft zu sein.
– Ja, wenn ich frei wäre.
– Du bist freier als ich. Ich stehe unter deiner Administration. Du bestimmst von meinen Einkünften die Ausgaben. Du hast 500 Dollar Nadelgeld, über die du frei verfügen kannst, aber ich habe kein Nadelgeld. Ich muss aus der Kasse, das heisst von dir betteln, wenn ich Tabak kaufen will. Bist du also nicht freier als ich?
Sie antwortete nicht, versuchte aber zu denken.
Das Resultat war, dass sie einen eigenen Haushalt haben müssten. Und sie richteten einen eigenen Haushalt ein.
– Teure Freundin, schrieb Mrs. Blackwood einige Zeit nachher an ihre Freundin, ich leide und bin todmüde. Aber ich will bis ans Ende leiden, denn das Leben hat einer unglücklichen Frau, die für nichts zu leben hat, nichts mehr zu bieten. Ich will der Welt zeigen, dass ich nicht die bin, die von der Gnade ihres Mannes lebt, und darum will ich mich – tot arbeiten ...
Sie stand am ersten Tag um neun Uhr auf und brachte das Zimmer ihres Mannes in Ordnung. Dann verabschiedete sie die Köchin und ging um elf Uhr fort, um einzukaufen.
Als der Mann um ein Uhr nach Haus kam, um Frühstück zu essen, war das Essen nicht fertig. Das war die Schuld der Magd.
Die Frau war furchtbar müde und weinte. Der Mann hatte nicht das Herz, sich zu beklagen. Und er ass ein verbranntes Kotelett und ging wieder. Aber er sagte noch:
– Arbeite dich nicht ab, mein Kind!
Abends war die Frau so müde, dass sie einen Teil der Arbeit lassen und um zehn Uhr zu Bett gehen musste.
Am nächsten Tage, als Mr. Blackwood ihr guten Morgen sagte, war er erstaunt über die gesunde Farbe, die seine Frau hatte.
– Hast du gut geschlafen? fragte er.
– Wie so?
– Ich finde, du siehst so gesund aus.
– Sehe – ich – gesund – aus?
– Ja! Etwas Beschäftigung scheint dir gut zu tun.
– Etwas? Nennst du das etwas? Ich möchte wissen, was du dann viel nennst?
– Nun nun, ich meinte es nicht böse.
– Doch, du meintest, ich arbeite zu wenig. Und doch habe ich wie eine Magd dein Zimmer aufgeräumt und wie eine Köchin am Herd gestanden. Vielleicht leugnest du auch, dass ich deine Magd bin?
Als der Mann ging, sagte er zum Mädchen:
– Sie müssen um sieben Uhr aufstehen und mein Zimmer aufräumen. Meine Frau soll nicht Ihre Arbeit tun!
Am Abend kam Mr. Blackwood fröhlich nach Haus; aber seine Frau war böse.
– Warum darf ich dein Zimmer nicht aufräumen? fragte sie.
– Weil ich nicht will, dass du meine Magd bist.
– Warum willst du das denn nicht?
– Weil es mich quält!
– Aber es quält dich nicht, dass ich dein Essen koche und nach deinen Kindern sehe?
Jetzt wurde er nachdenklich.
Während er mit der Trambahn nach Brooklyn fuhr, dachte er hin und her.
Als er abends heim kam, hatte er ein gut Stück gedacht.
– Hör mal, mein Kind, ich habe viel über deine Stellung im Hause nachgedacht, und ich will natürlich nicht, dass du meine Magd sein sollst. Ich habe daher so gedacht. Ich gebe mich bei dir in Pension und bezahle für mich. Dann bist du Herrin im Hause und ich esse bei dir gegen Bezahlung.
– Was meinst du? fragte seine Frau etwas unruhig.
– Wie ich sage. Wir nehmen an, du hältst ein Boardinghouse und ich gebe mich bei dir in Pension. Wir nehmen es nur an.
– Gut! Was willst du bezahlen?
– Ich will natürlich so viel bezahlen, dass ich auf keinen Fall in deiner Schuld stehe. Meine Stellung wird dadurch auch angenehmer, denn ich erhalte dann nicht mehr alles aus Gnade.
– Aus Gnade?
– Ja, du setzest mir ein Essen vor, das nicht gargekocht ist, und wiederholst unaufhörlich, du seist meine Magd, das heisst, du arbeitest dich für mich ab.
– Wohinaus willst du?
– Sind drei Dollar täglich genug für meine Pension? Im Boardinghouse bekomme ich sie für zwei.
– Drei Dollar müssen sehr gut reichen.
– Gut! Das sind jährlich rund 1000 Dollar. Sieh, hier hast du sie im voraus!
Und er legte eine Rechnung auf den Tisch.
– Hier ist die Berechnung:
| Miete | 500 | Dollar |
| Lohn des Kindermädchens | 100 | „ |
| Lohn der Köchin | 150 | „ |
| Unterhalt der Frau | 500 | „ |
| Kleider der Frau | 500 | „ |
| Unterhalt des Kindermädchens | 300 | „ |
| Unterhalt der Köchin | 300 | „ |
| Unterhalt der Kinder | 700 | „ |
| Kleider der Kinder | 500 | „ |
| Holz, Licht, Hilfe | 500 | „ |
| –––––––––––– | ||
| 4050 | Dollar | |
– Teile diese Summe mit zwei, da wir repartieren, so bleiben 2025 Dollar übrig. Zieh meine 1000 ab und gib mir 1025 Dollar. Hast du sie bei dir, um so besser.
– Repartieren? war das einzige Wort, das die Frau hervorbringen konnte. Soll ich dich bezahlen?
– Ja, natürlich, wenn es gleich sein soll. Ich bezahle den halben Unterhalt für dich und die Kinder. Oder willst du, dass ich alles bezahle? Gut, dann bezahle ich also 4050 Dollar plus 1000 Dollar für meine Pension. Aber ich bezahle besonders: Miete, Essen, Licht, Holz, Bedienung. Was bekomme ich denn für meine Pension? Das Essen bereitet? Das Essen bereitet für 4050 Dollar? Ziehe ich nun wirklich die Hälfte ab, das heisst, was ich zu bezahlen schuldig bin, 2025 Dollar, so bleiben 2025 für die Bereitung des Essens. Nun aber bezahle ich die Köchin besonders für die Bereitung des Essens, wie kann ich da 2025 für Bereitung des Essens bezahlen, und noch 1000 Dollar dazu?
– Das verstehe ich nicht!
– Ja, ich auch nicht. Aber das weiss ich, dass ich dir nichts schuldig bin, wenn ich dir deinen ganzen Unterhalt, den ganzen Unterhalt deiner Kinder, den ganzen Unterhalt deiner Mädchen bezahle; der Mädchen, die deine Arbeit tun, die nach deiner Ansicht meiner gleichkommt oder sie noch übertrifft. Auch wenn deine Arbeit mehr wert wäre, so hast du auch 500 Dollar extra, die von den Ausgaben des Hauses ausgenommen sind, während ich nichts habe, das davon ausgeschlossen wäre.
– Ich wiederhole noch einmal, dass ich deine Berechnung nicht verstehe.
– Ich verstehe sie auch nicht! Vielleicht lassen wir deshalb diese Pension. Das ist vielleicht das beste. Und stellen einfach das Debet und Kredit des Hauses auf. Willst du dein Konto kennen lernen, hier hast du es:
| Mrs. Blackwood für Hilfe im Haus, | ||
| Mrs. Blackwoods Köchin und Kindermädchen geleistet: | ||
| Unterhalt mit Miete | 1000 | Dollar |
| Kleider | 500 | „ |
| Vergnügungen | 100 | „ |
| An Nadelgeld bar | 500 | „ |
| Unterhalt für ihre Kinder | 1200 | „ |
| Und Erziehung | 600 | „ |
| Für die Mägde, die ihre Arbeit leisten | 850 | „ |
| –––––––––––– | ||
| 4750 | Dollar | |
| Bezahlt: Mr. Blackwood, Werftleiter. | ||
– Ah, es ist schändlich, seiner Frau mit Rechnungen zu kommen.
– Mit Gegenrechnungen! Und du brauchst auch die nicht zu bezahlen, denn ich bezahle alle Rechnungen.
Die Frau knüllte das Papier zusammen.
– Soll ich auch die Erziehung deiner Kinder bezahlen?
– Nein, das will ich, und das tue ich, und ich bezahle die Erziehung deiner Kinder auch! Aber du bezahlst nicht einen Cent für meine. Ist das Gleichstellung? Aber ich will den Unterhalt meiner Kinder und meiner Mägde abziehen: dann geniessest du noch 2100 Dollar für die Hilfe, die du meinen Mägden im Haus leistest. Willst du noch mehr Berechnungen?
Sie wollte keine Berechnungen mehr, niemals mehr!