Was bisher erläutert wurde, kann als Schulgut der Technik gelten; ich fühle mich daher auch bestimmt, diesen Teil als abgeschlossenes Ganzes zu betrachten und mit dem nun folgenden Fehlerverzeichnis abzuschließen, da es ja einen Führer durch all’ die Fährlichkeiten bilden soll, welche dem Anfänger in den Weg treten. Zur leichten Orientierung finden wir in diesem Kapitel die Fehlresultate in chronologischer Reihenfolge behandelt, wie sie sich eben in den einzelnen Arbeitsphasen einstellen.
1. Auf der Platte bilden sich schwarze Streifen, welche trotz wiederholter Behandlung mit der Walze nicht verschwinden wollen.
Ursache: Die ersten Striche des Ätzgrundes wurden auf zu heißer Platte aufgetragen, der Firnis ist an diesen Stellen verbrannt.
Abhilfe: Entfernung des Firnisses, Entfetten und neuerliches Grundieren bei gelinder Hitze.
2. Die Walze klebt fest auf der Platte, reißt sich beim Drehen schwer los und läßt den Ätzgrund mit rauher Oberfläche zurück.
Ursache: Die Platte ist nicht, oder nicht mehr heiß genug.
Abhilfe: Gelindes Nachhitzen von unten her mittelst Gas- oder Spirituslampe.
3. Nach dem Anrauchen zeigt die kalte Platte trotz sanften Abwischens mit Watte eine schmutziggraue statt der tiefbraunen, matten Oberfläche.
Ursache: Der Docht der Fackel hat beim Anrauchen die Platte gestreift oder ist dem Firnis mindestens zu nahe gekommen.
Abhilfe: Entfernen des schlechten Grundes, neuerliches Grundieren und Rauchen.
4. Der Ätzgrund verwischt sich unter der Hand, namentlich an den Rändern.
Ursache: Warme Hand, heiße Jahreszeit, hohe Temperatur überhaupt bei allzugroßem Wachsgehalt im Ätzgrund.
Abhilfe:
a) Beim Radieren: Unterlage aus Pauspapier, Anwendung des Handbänkchens.
b) Mehr Asphalt in den Ätzgrund. (Asphalt und Ätzgrund wieder jeden einzeln schmelzen und dann mischen und kneten.)
5. Ätzgrund ist brüchig und splittert unter der Nadel.
Ursache:
a) Zuviel Asphalt im Ätzgrund;
b) Platte war nicht gut entfettet;
c) Ätzgrund ist zu heiß bereitet oder nicht homogen gemischt.
d) Ätzgrund ist beim Aufbringen auf eine zu heiße Platte oder beim Anrauchen verbrannt (siehe bei 3).
Abhilfe:
für a) Zusatz von Wachs und Mastix;
für b) Selbstverständlich;
für c) Ätzgrund nochmals einschmelzen eventuell etwas Mastix zusetzen;
für d) Ist diese böse Eigenschaft des Ätzgrundes auf der ganzen Bildfläche verbreitet, dann muß dieser entfernt und die Platte neuerlich grundiert und geraucht werden. Handelt es sich jedoch um einzelne Stellen, so kann man die schlechten Partien mit einem kantig geschliffenen Beinstäbchen wegschaben und die offenen Stellen mit Deckfirnis wieder schließen.
6. Das Ätzwasser will nicht angreifen (kommt bei allzuhoher Glätte der Platte vor).
Ursache: Das Ätzwasser ist zu schwach, zu alt und oft gebraucht; die Ätzung geschieht vielleicht bei zu großer Kälte (im Winter).
Abhilfe: Altes Ätzwasser wird mit frischem, stärkerem gemischt oder reine Säure zugegossen (siehe Seite 29.)
7. Heftiges Aufschäumen der Platte hat zur
Ursache: Zu starkes Ätzwasser oder zu hohe Temperatur desselben.
Abhilfe: Mischen mit altem, oft gebrauchtem Ätzwasser oder mit Kochsalzlösung. Arbeiten im Kühlen. Die Arbeit kann durch unverzügliches Zugießen von reinem Wasser noch gerettet werden.
8. Abblättern des Ätzgrundes (Begleiterscheinung des in 7. Angeführten).
Ursache:
a) Zu starke oder zu warme Ätzflüssigkeit;
b) Mangelhafte Entfettung der Platte, so daß die Säure zwischen Firnisschicht und Platte eindringen und den schützenden Firnis infolge Bläschenbildung sprengen und zum Abschwimmen bringen kann.
c) Unterfressen der Stege (zu dichte Strichlagen).
Abhilfe:
für a) (siehe in 7.)
für b) Gründliches Entfetten der Platte (siehe Seite 11).
für c) Auch hier läßt sich die Arbeit durch unverzügliches Zugießen von reinem Wasser noch retten, vorausgesetzt, daß das Abblättern nicht schon zu arg geworden.
9. Die Druckfarbe will trotz kräftigen Reibens mit dem Beinstab nicht auf’s Papier.
Ursache:
a) Das Papier ist zu trocken;
b) Die Druckfarbe hat zu wenig Schmierseife beigemischt;
c) Das Papier eignet sich überhaupt nicht zum Kupferdruck; es saugt nicht.
Ist kräftig genug gerieben worden, so muß sich am Papier, wenn es auch weiß geblieben, deutlich das Strichrelief des Bildes zeigen (Untersuchung mit der Lupe).
Abhilfe:
für a) Einige Blätter Filtrierpapier werden frisch gefeuchtet zwischen den Vorrat eingelegt; einen Tag später werden die Druckversuche wieder aufgenommen;
für b) Einarbeiten von Schmierseife in die vorrätige Druckfarbe;
für c) Selbstverständlich.
10. Der Druck zerfließt und wird klecksig.
Ursache: Zu nasses Druckpapier.
Abhilfe: Einen oder mehrere Tage mit den Druckversuchen aussetzen, bis das Papier unter der Presse etwas trockener geworden. Oder Einlegen von trockenem Filtrierpapier in den gefeuchteten Vorrat.
11. An flauen Flecken und blinden Stellen, deren Ursachen auf S. 26, Z. 9 von oben, erläutert wurden, ist nicht der Abdruck, sondern das Radieren und Ätzen schuld. Eine
Abhilfe im eigentlichen Sinne kann meist nicht oder doch nicht mit befriedigendem Erfolg geschaffen werden. Für den Anfänger ist hier Abschleifen der Platte und Beginnen einer neuen Arbeit das Ratsamste; nur soll nicht vergessen werden, sich vorher noch einige scharfe reine Abzüge von der verdorbenen Platte zu nehmen, um solche Drucke als Anhaltspunkte für das weitere Arbeiten bereit zu haben.
Gelegentlich dieser Ausführungen sei nun Anlaß genommen, über das Abschleifen der Platte im folgenden Abschnitt eingehend zu sprechen.