Nach Beendigung des Druckes vorstehender Untersuchungen erhalte ich Kenntniss von dem eben erschienenen Aufsatze Ferd. Cohn’s »Ueber die Algen des Karlsbader Sprudels, mit Rücksicht auf die Bildung des Sprudelsinters«, Breslau 1863 besonders abgedruckt aus dem 2. Hefte des Jahrg. 1862 der Abhandl. d. schles. Ges. f. vaterl. Kultur. Die interessante Schrift enthält einige Notizen über die höchsten Temperaturgrade, bei welchen noch lebende Organismen im Karlsbader Sprudel gefunden worden. Cohn’s Messungen ergaben übereinstimmend mit Agardh’s älteren Angaben, dass über 43° R. keine Algenvegetation vorkomme. Von 35°–42° R. lebt Leptothrix lamellosa Kg., unter 35° finden sich Oscillarien und Mastigocladus, eine neue, den Oscillarien verwandte Gattung, die Oscill. labyrinthiformis Agardh. Cohn will seinen Messungen allerdings noch keine vollkommen abschliessende Bedeutung beilegen, da er eine Stelle, das Wasser des Sprudelkorbes, in welchem Schwabe früher bei 58–59° R. Oscillarien gefunden zu haben angiebt, nicht untersucht hat. Doch hegt er Zweifel an der Richtigkeit dieser Behauptungen. Jedenfalls kommt an den von Cohn untersuchten Stellen eine Vegetation von Algen nicht eher vor, bis sich das Wasser unter 43° R. abgekühlt hat. Hiernach wäre also vorläufig diese Temperatur d. h. cc 53° C. als die höchste anzunehmen, bei welcher im Karlsbader Sprudel Algen gedeihen. Auch diese Temperatur erscheint noch gegenüber dem oben pag. 48 mitgetheilten Untersuchungen über den höchsten Temperaturgrad, welchen das Protoplasma der Pflanzenzellen lebend überdauert, und welchen ich zu 47° C. bestimmte, sehr hoch, steht letzteren aber doch näher als die Ehrenberg’schen Angaben über die Quellen auf Ischia (siehe oben pag. 49), in denen sich bei 81–85° C. noch thierisches und pflanzliches Leben finden soll.
Druck von Breitkopf und Härtel in Leipzig.
Fußnoten:
[1] Reichert, in dem Archiv für Anat., Physiologie etc. 1863, p. 95.
[2] Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1862, p. 385.
[3] On the structure of the simple tissues of the human body. London 1861. Deutsch von V. Carus, Leipzig, 1862.
[4] Die Elementarorganismen, Sitzungsber. d. Akad. der Wiss. zu Wien 1861, Bd. 44, p. 381.
[5] Die neueren Reformen in der Zellenlehre. Archiv f. Anat., Physiologie etc. 1863, p. 86.
[6] Untersuchungen über den Bau und die Bildung der Pflanzenzelle. Berlin 1854.
[7] Vergl. Nachtrag 3 des Aufsatzes »über die neueren Reformen in der Zellenlehre,« in welchem die gröbsten Missverständnisse bezüglich dessen was Brücke und ich Protoplasma genannt haben, enthalten sind. So soll Brücke für die sich bewegende Masse in der Zelle des Nesselhaares, welche Mohl zum Protoplasma rechnet, den Namen Intracellularflüssigkeit einführen wollen, während Brücke mit diesem Namen gerade die ruhende Zellflüssigkeit neben dem Protoplasma bezeichnet, und ich soll, wo eine Membran vorhanden, »den ganzen Zelleninhalt mit Ausnahme des Kernes« Protoplasma nennen, während ich doch gerade auf den Gegensatz zwischen Protoplasma und Zellflüssigkeit auf das Nachdrücklichste aufmerksam gemacht habe.
[8] Archiv f. Anat., Phys. etc. 1861, p. 133.
[9] Ebenda 1862, p. 638.
[10] Ebenda 1862, p. 646; Ebenda 1863.
[11] Der Organismus der Polythalamien 1854, p. 16, 17.
[12] Monatsberichte der Akad. d. Wiss. z. Berlin 1856, p. 479. Ueber die Thalassikollen, Polycystinen und Acanthometren 1858, p. 9, 10, 15.
[13] Die Radiolarien, Berlin 1862, p. 89 ff. Hier findet sich neben den eigenen ausserordentlich umfassenden Beobachtungen des Verfassers Alles was bis jetzt über die Körnchenbewegung veröffentlicht worden, mit grösster Ausführlichkeit und Gewissenhaftigkeit zusammengestellt.
[14] Anatomie und Physiologie der Pflanzen 1855, p. 280–284. Vorher hatte schon F. Cohn das Protoplasma der Pflanzenzellen als ein contractiles bezeichnet (vergl. meinen Aufsatz im Archiv f. Anatomie, Physiologie etc. 1858, p. 335 und E. Haeckel l. c. p. 93), jedoch ohne Beziehung zur Körnchenbewegung.
[15] Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1858, p. 335 ff.
[16] Archiv für Naturgeschichte 1860, p. 300.
[17] Monatsberichte der Akad. der Wiss. zu Berlin 1862, p. 406–426. — Archiv f. Anatomie, Physiologie etc. 1862, p. 638–654. Ebenda 1863, p. 86 ff.
[18] Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1857, p. 1.
[19] Archiv etc. 1863, p. 100.
[20] Vergl. mein Buch über den Organismus der Polythalamien und Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1856, p. 165.
[21] Etudes sur les Infusoires et les Rhizopodes 1859, Planche 23.
[22] Vergl. meinen Aufsatz: Die Structur der Diatomeenschaale verglichen mit gewissen aus Fluorkiesel künstlich darstellbaren Kieselhäuten. Verhandlungen des naturhist. Vereines der preuss. Rheinlande und Westphalens Jahrg. XX, 1863, p. 31.
[23] Die Elementarorganismen, Sitzungsber. d. Akad. d. Wiss. zu Wien 1861, Bd. 44, p. 401.
[24] l. c. p. 136.
[25] Ueber den Organismus der Polythalamien Taf. I u. Taf. VII.
[26] Vergl. oben die Einleitung.
[27] Bericht über die Verhandl. d. Akad. d. Wiss. zu Berlin 1855. p. 674.
[28] Die Thalassicollen etc. aus d. Abhandl. der Akad. zu Berlin 1858. p. 20.
[29] Bericht d. Akad. zu Berlin 1855. p. 674.
[30] z. B. Claparède in Müller’s Archiv 1854, p. 413.
[31] Archiv etc. 1859, p. 822.
[32] Archiv etc. 1859, p. 805.
[33] Zeitschr. f. wiss. Zoologie 1859, Bd. I, p. 198. 200, Taf. XVII, Fig. 5 g.
[34] Unger, Anatomie u. Physiologie d. Pflanzen. 1855. p. 274.
[35] Schacht, Lehrbuch. der Anat. u. Physiologie der Gewächse. 1856. p. 39 ff.
[36] Ebenda p. 45 u. Jahrbücher f. wissenschaftl. Botanik, hrsg. v. Pringsheim, 1863.
[37] Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1858. p. 336.
[38] Die Radiolarien etc. p. 94. 98.
[39] Studien des physiolog. Institutes zu Breslau, Heft II, 1863, p. 63.
[40] Anatomie u. Physiologie der Pflanzen, p. 277.
[41] Studien des physiol. Institutes zu Breslau, herausgegeb. v. Heidenhain. Heft I. 1861. p. 99.
[42] Ebenda Heft II, p. 66.
[43] Das Verhalten der sogenannten Protoplasmaströme in den Brennhaaren von Urtica urens gegen die Schläge des Magnetelectromotors. Sitzungsber. d. Akad. d. Wiss. zu Wien, 1862, Bd. 46, p. 1.
[44] l. c. p. 66.
[45] Comptes rendus 1837, Tom. V, p. 777.
[46] Studien des physiolog. Institutes zu Breslau, hrsgegeb. v. Heidenhain. I. Heft. 1861. p. 104.
[47] Die vegetabilische Zelle. Handwörterbuch d. Physiologie. Bd. 4, p. 201.
[48] Nachträglich erhielt ich auch noch eine Species von Chara zur Beobachtung. Die Schnelligkeit der Bewegung übertrifft hier die aller bisher angeführter Formen. Sie betrug an meinen Präparaten bei gewöhnlicher Zimmertemperatur 0,025 Mm. und liess sich durch Erwärmung bis auf 0,04 Mm. in der Secunde steigern.
[49] Monatsberichte der Akademie zu Berlin 1859, p. 493.
[50] Die Radiolarien, p. 98.
[51] Sitzungsberichte der Akad. d. Wiss. z. Wien 1861, Bd. 44, p. 403, Anm. vergl. auch ebenda 1862, Bd. 46, p. 1.
[52] Studien des physiologischen Institutes zu Breslau Heft 2, 1863, p. 64.
[53] Sitzungsberichte etc. Bd. 46, p. 1.
[54] Archiv f. patholog. Anatomie, Bd. 26, 1862, p. 222. Vergl. auch Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1859, p. 814 ff.
[55] Vergl. in Müller’s Archiv 1858, p. 336, meine Beobachtungen über Tradescantia.
[56] Hagen, Ueber die Oberfläche der Flüssigkeiten. Abhandl. d. Königl. Akad. zu Berlin 1845. Pogg. Ann. Bd. 67, p. 1. Citat nach »Die Fortschritte der Physik im J. 1845 redig. v. G. Karsten. Berlin 1847« p. 14.