IV. Ergänzungssätze.

1. Vollständige Ergänzungssätze.

79. Saat und Ernte.

(Im 4. Falle.)

Was der Mensch säet, das wird er ernten. Möchte ein Jeder beachten, daß in diesem Satze ein sehr ernster Fingerzeig für das Leben liegt.

Jeder vernünftige Mensch muß darum stets reiflich erwägen, was er thut. Er muß jederzeit bedenken, wie sich die Folgen seiner Handlungen gestalten können. Er muß mit Ruhe überlegen, wohin seine Schritte möglicherweise führen.

Der ist kein Weiser, den das Alles nicht kümmert. Diejenigen sind darum auch nicht zu bedauern, die jenen Fingerzeig nicht beachten.

Der Müßiggänger muß wissen, wohin die Faulheit endlich bringt. Der Verschwender muß einsehen, daß durch unsinnige Ausgaben auch der größte Reichthum vernichtet werden kann. Dem Schwelger muß die Erfahrung gelehrt haben, daß durch ein wüstes Leben die leibliche Gesundheit untergraben wird. Der Spieler darf sich nie verhehlen, daß die Spielwuth die Brücke zu vielen andern Lastern ist.

Von den toll in den Tag Hineinlebenden weiß man nie, wo die Fahrt zu Ende geht. Wie Mancher hat es schon am Ende seiner Tage bitter bereut, bösen Samen auf seine Lebensbahn gestreut zu haben.

Bedenke darum in frühester Jugend schon, was Dir einmal frommen kann. Träume Dir nie, Du seist vor all jenen Thorheiten sicher. Was Dich in Versuchungsstunden schützen kann, findest Du in der Religion.

Vergiß nie, was Du in diesem Artikel gelesen hast.

80. Die kranke Freundin.

(Desgleichen.)

Johanna erfuhr eines Tages, daß ihre Freundin krank sei. Sie vernahm auch, worin die Krankheit bestand. Daß der Zustand der Freundin keineswegs ungefährlich erscheine, hatte ihr deren Arzt gesagt.

Da überlegte denn nun Johanna, womit sie der Kranken eine Freude bereiten könne. Das freilich konnte sie der am Magen Leidenden nicht anbieten, was diese in gesunden Tagen gern aß.

Endlich fiel ihr ein, daß die Freundin die Feldblumen sehr liebe. Johanna wußte, wo die schönsten zu suchen seien. Sie fand daher sehr bald, was sie suchte. Das gute Mädchen verstand es ausgezeichnet, aus diesen einfachen Kindern der Flur einen reizenden Strauß zu binden.

Die Kranke errieth sogleich, woher die sinnige Gabe komme. Die Freude über dieselbe bewirkte, daß sich jene auf einige Zeit wohler fühlte.

Einige Tage später erfuhr Johanna, daß ihre Freundin auf dem Wege der Genesung sei. Wieder einige Tage darauf schrieb diese ihr sogar eigenhändig, daß sie nächsten Sonntag wieder ausgehen werde. Zugleich versprach sie, daß ihr erster Besuch Johanna gelten solle.

81. Lebensregeln.

(Im 3. Falle.)

Wer sich Dir anvertraut, dem leihe Dein Ohr. Wen Du dagegen nicht kennst, dem vertraue kein Geheimniß. Wer einer Gabe bedürftig ist, dem verschließe Deine Hand nicht. Der Dir dafür nicht dankt, dem gib noch einmal.

Wer Dich haßt, dem reiche kein Messer. Dem aber weiche nicht aus, der Dir die Hand zur Versöhnung bieten will. Danke dem, der Dich grüßt. Der Dich indeß nicht grüßt, dem zürne nicht.

Wer seine Ehre lieb hat, dem muß auch der böse Schein verhaßt sein. Wer aber von der Welt falsch beurtheilt wird, dem muß sein unbeflecktes Gewissen zum Troste dienen.

82. Mütterliche Lehren.

(Desgleichen.)

Mutter Regine mußte heute dem die Hand zum Abschiede reichen, der bisher ihr Liebling gewesen war. Wer ihre Liebe zu ihrem ältesten Sohn kannte, dem sind ihre heißen Thränen gewiß erklärlich vorgekommen. Wer auf die Wanderschaft geht, dem kann ja Mancherlei zustoßen.

Regine befahl in dieser Trennungsstunde den noch unerfahrenen Sohn dem, der jedes Menschen Geschick mit Weisheit lenkt. Darauf legte sie dem Scheidenden noch Folgendes ans Herz: „Wandere allezeit mit dem im Herzen, der auch im finstern Thale unser Stab ist. Wer das Gottvertrauen nicht fahren läßt, dem ist des Himmels Beistand immer nahe.

Traue dagegen nicht Jedem, der sich Dir als Freund anbietet. Der Weise mißtraut dem am meisten, der ihm am meisten schmeichelt. Gib jederzeit Ehre, dem Ehre gebührt. Wer Dich vor einer Thorheit warnt, dem küsse die Hand. Vergib dem, der Dich einmal beleidigen sollte.

Der Dich zum Zorne reizt, dem gehe aus dem Wege. Wem Du in irgend einer Weise helfen kannst, dem versage Deine Dienste nie. Wer Dir selbst dient, dem bleibe den Dank nicht schuldig.

Entfliehe denen, die verbotene Wege gehen wollen. Wer sich unter die Wölfe begibt, dem ist bald das Heulen gelehrt. Wem das Diebeshandwerk gefällt, dem kann ein Strick zum Halsband werden. Wer dagegen immer auf Gottes Wegen wandelt, dem wird es allezeit wohlgehen.“

83. Kindespflicht.

(Im 2. Falle.)

Der alte Vater Erasmus bedurfte, daß ihn eine liebende Hand pflegte. Zudem war er es auch würdig, daß ihm von seinen Kindern dieser Liebesdienst erwiesen werde. Niemand vermochte ihn zu beschuldigen, daß er gegen dieselben je eine Pflicht versäumt habe.

Trotz alledem aber wurde sein ältester Sohn dessen überführt, daß er den guten Alten ungebührlich behandelt habe. Der Undankbare versicherte dessenungeachtet ganz trotzig, daß er unschuldig sei.

Eines Tages ließ ihn der Geistliche des Ortes zu sich kommen und ermahnte ihn mit folgenden Worten: „Erinnere Dich dessen, der einst als der beste Sohn auf der Erde wandelte. Sei doch eingedenk alles dessen, was Dein Vater an Dir gethan hat. Werde Dir überhaupt bewußt, wie treulich Dich Deine Eltern einst gepflegt haben. Vergiß es nie, was sie für unzählige Opfer um Deinetwillen brachten.

Befleißige Dich daher, daß Du Deinem Vater all seine Liebe vergeltest. Freue Dich, daß Du ihn überhaupt noch besitzest. Zudem bedenke, daß auch Du einmal älter wirst.“

Diese Rede ging dem Sohne zu Herzen. Er klagte sich jetzt selbst an, daß er der Pflichten gegen seinen Vater vergessen habe. Er zieh sich selbst, daß er bisher ein höchst undankbares Kind gewesen sei. Und von dieser Stunde an blieb er eingedenk dessen, was das vierte Gebot von jedem Kinde fordert.

84. Ein edler Fürst.

(Der Ergänzungssatz umschreibt ein Hauptwort mit Verhältnißwort.)

Ein edler Fürst lebt nur dafür, daß es seinem Volke wohlgehe. Er trachtet zunächst darnach, daß die Landesgesetze immer vollkommener werden. Er hält aber auch darauf, daß man sie allenthalben erfülle. Er forscht, worin ein Nothstand seine Ursache haben könne. Darauf trachtet er, daß die Quelle des Uebels verstopft werde.

Ein edler Fürst kümmert sich, daß ein Jeder vor dem Gesetze gleiche Rechte habe. Er erkundigt sich angelegentlich, wie der Stand der Volksbildung sei. Er freut sich, wenn die Schulen immer größere Fortschritte erzielen. Er verwendet sich auch dafür, daß die Kunst zu immer größerer Blüthe gelange.

Ein edler Fürst sorgt getreulich für die, welche im Dienste des Vaterlandes zu Schaden gekommen sind. Er übt Gnade an denjenigen, die in Verblendung am Gesetze sündigten.

Er glaubt, daß über ihn noch ein Höherer waltet. Diesen König aller Könige aber bittet er, daß er ihm Weisheit schenke.

85. Der alte Räuberhauptmann.

(Der Ergänzungssatz umschreibt eine Zeitwort in abhängiger Form.)

Ein alter Räuberhauptmann fürchtete, daß er sein Leben noch auf dem Schaffote enden werde. Er wünschte daher, daß er bald sterben möge. Er verlangte sogar, daß man ihm Gift beibringe.

Seine Leute verneinten indeß, daß sie ihm in diesem Falle gehorchen müßten. Der alte Sünder hoffte nun von Tag zu Tag, daß er erkranken möchte.

Eines Abends glaubte er auch wirklich, daß sein Körper fiebere. Er bildete sich sogar ein, daß er bereits phantasire. Er wähnte, daß er merklich ermatte. Aber er begehrte nicht, daß man ihm etwas Stärkendes zu trinken gebe. Er vermied sogar mit allem Ernste, daß er in einen Schlaf verfalle. Die Krankheit war indeß nicht zum Tode. Seine Natur nöthigte ihn, daß er genesen mußte. Der Himmel zwang ihn, daß er noch am Leben bleibe.

86. An der Indianergrenze.

(Der Ergänzungssatz in unbestimmter Redeweise.)

Ein Farmer erfuhr, daß ein Haufen räuberischer Indianer im Anzuge sei. Sein Nachbar versicherte, daß er schon einige in der Nähe gesehen habe. Ein Kuhhirte wollte sogar wissen, daß die Räuber gegen fünfzig Mann stark wären. Ein zufällig dazukommender Reisender behauptete wieder, daß es die Indianer auf eine ganz andere Gegend abgesehen hätten.

Man einigte sich indeß, daß man in jedem Falle Vertheidigungsmaßregeln ergreifen müsse. Es wurde daher beschlossen, daß sich jeder Anwohner bewaffne. Zu gleicher Zeit aber wurde auch befohlen, daß keiner unnöthiger Weise von der Waffe Gebrauch machen solle. Ebenso wurde angeordnet, daß Niemand vorläufig seine Behausung verlassen dürfe. Namentlich empfahl der Fremde, daß ein Angriff erst abgewartet werde.

Zum Glück konnte bald darauf ein Abgesandter berichten, daß der Indianerschwarm jedenfalls vorüberziehe. Er wollte sich überzeugt haben, daß die Horde auf das nächste kleine Städtchen zusteuere. Man glaubte indeß, daß man trotzdem immer noch auf der Hut sein müsse.

Erst den nächsten Morgen nahm man an, daß nun alle Gefahren vorüber seien. Der Farmer gebot, daß Jeder seine Waffe wieder aus der Hand lege. Damit solle indeß nicht gesagt sein, daß die Räuberhorde nicht später wiederkehren könne.

1. Abgekürzte Ergänzungssätze.

87. Der Tollkühne.

Joseph bildete sich ein, ein vorzüglicher Schwimmer zu sein. Er wünschte deshalb, einmal seine Bravour zeigen zu können.

Eines Tages kündete er seinen Kameraden an, über den nahen, breiten Strom schwimmen zu wollen. Sie riethen ihm indeß, davon abzusehen. Sie beschlossen sogar, seinem Wagestücke gar nicht zuzusehen.

Joseph aber blieb dabei, seine Kraftprobe auszuführen. Er versicherte, keine Furcht zu kennen. Er bat deshalb die Kameraden, ihn zu begleiten.

Diese kamen endlich überein, ihm zum Flusse zu folgen. Der Tollkühne berechnete nicht, dem reißenden Strome nicht gewachsen zu sein. Das Schicksal verurtheilte ihn, seine Verwegenheit mit dem Leben zu büßen.

Wiederholung.

(Verschiedene Arten der Ergänzungssätze.)

88. Der feuerspeiende Berg.

Des Försters zehnjähriger Wilibald wußte recht gut, daß das Pulver ein gefährliches Ding ist. Sein Vater hatte ihm wiederholt gesagt, was für großes Unglück schon durch unvorsichtigen Umgang mit diesem Schießmaterial herbeigeführt worden sei.

Wilibald aber folgte dem nicht, der ihn schon oft gewarnt hatte. Er blieb dessen nicht eingedenk, was ihm sein Vater sagte.

Einmal nahm er sich vor, einen Sandhaufen in einen feuerspeienden Berg zu verwandeln. Er vermeinte, daß dies mit Schießpulver leicht ausführbar sei.

Wilibald war dessen gewiß, daß sein Vater heute erst spät heimkehren werde. Er hoffte deshalb, sein Werk ganz ungestört vollbringen zu können.

Das Unglück wollte, daß der Förster gerade an diesem Tage sein Pulverhorn hatte an der Wand hängen lassen. Wer die Sorgsamkeit des Försters kannte, mußte diese Unvorsichtigkeit fast unerklärlich finden. Man konnte aber auch wieder dem eine solche einmalige Vergeßlichkeit verzeihen, dem es im Kopfe oft vor Amtssorgen schwirrte.

Wilibald erinnerte sich, das Pulverhorn gesehen zu haben. Er fand daher sehr bald, was er suchte.

Den Sandhaufen hatte er bereits mit einer röhrenartigen Oeffnung versehen. Dahinein schüttete er, was sich im Pulverhorne vorfand. Schon freute er sich darauf, wie der Berg Feuer speien werde. Er erwartete, daß die Feuergarbe einen Meter hoch steigen würde.

Der kleine Vesuv bedurfte jetzt nur noch, daß ein Stück brennender Schwamm darauf gelegt werde. Bald hatte Wilibald beschafft, was eben noch fehlte. Ungeduldig sah er dem entgegen, was nun eintreten sollte. Er harrte indeß vergebens, daß das Schauspiel seinen Anfang nehme.

Endlich hielt er es für angezeigt, einmal nachzusehen. Er glaubte sich versichern zu müssen, daß der Schwamm verlöscht sei.

Wer aber unvorsichtig ist, dem kann gar Schlimmes begegnen. Wilibald bemühte sich, sich genau von der Ursache des Nichtentzündens zu überzeugen. In diesem Augenblicke aber erfolgte, was erfolgen sollte.

Das Schicksal fügte es leider, daß ihm die Pulverflamme gerade in die Augen schlug. Er verlor auf der Stelle sein Augenlicht.

Wem nicht zu rathen ist, dem ist freilich auch nicht zu helfen.

Hauptwiederholung.

(Subjectiv-, Prädikat-, Beifüge- und Ergänzungssätze.)

89. Das Reisen.

Wem Gott will eine Gunst erweisen, der wird von ihm in die weite Welt geschickt.

Das Reisen gewährt zunächst eins der größten Vergnügen, die für Geld zu haben sind. Es verleiht Vielen eine Bildung, die selbst das Studium der gelehrtesten Bücher nicht geben kann. So Mancher ist durch vieles Reisen erst geworden, was er werden sollte.

In der weiten Welt lernt der Mensch erst kennen, was für Wunder der Herr geschaffen hat. In der Fremde überzeugen ihn tausend Dinge, daß auch der Mensch in seinen Thaten groß sein kann.

Wer reist, muß freilich seine Augen hübsch offen behalten. Wer Gewinn vom Reisen haben will, muß auch die Ohren fein spitzen. Er muß sich befleißigen, mit Verstand zu reisen. Ein Wandern, dem kein bestimmter Plan zu Grunde liegt, hat wenig Zweck.

Auch die Kunst, mit rechtem Nutzen zu reisen, will freilich erst erlernt sein. Die ersten Ausflüge in die Welt kosten deshalb, was man Lehrgeld zu nennen pflegt. Man muß lernen, sich den gegebenen Verhältnissen zu fügen. Man muß auszurechnen verstehen, wie man überall am billigsten wegkommen kann. Man darf aber auch wieder gewisse Opfer, ohne welche zu besondern Sehenswürdigkeiten kein Zutritt gewährt wird, nicht scheuen.

Außerordentlich mannichfaltig sind die Verkehrsmittel, welche das Reisen ungemein erleichtern. Wer will, der kann jetzt binnen wenig Tagen in weit entlegene Länder versetzt werden. Es bedarf nur, daß er den Dampfwagen besteigt.

Das Verlangen, die weite Welt zu sehen, verallgemeint sich von Jahr zu Jahr. Wahrhaft erfreulich ist es, auf den Bahnhöfen täglich die große Menge Reisender zu sehen.

Trotzdem aber gibt es noch Leute genug, die lieber in behaglicher Ruhe auf ihrer Ofenbank sitzen bleiben. Sie ziehen den Glanz der blitzenden Thaler im Geldkasten, ihrem Abgotte, dem Anblicke der reizendsten Alpenlandschaft vor. Manche wieder sind geradezu zu faul dazu, ihren Gesichtskreis durch Aufsuchen von noch nie Gesehenem zu erweitern. Sie wollen lieber bleiben, wie sie sind. Wir aber sagen, daß dies eine Schande für sie ist.

Reise also, wer reisen kann. Das Reisen ist eine Lust, die kaum durch eine andere zu ersetzen ist.