Im alten Frankfurt a. M. liegt in der Bockenheimer Landstraße eine freundliche Villa; inmitten grüner Gartenanlagen erhebt sich der geschmackvolle Bau, in welchem auch der Reichsverweser Erzherzog Johann von Österreich gewohnt hatte. Im Sommer des Jahres 1851 hatte hier der preußische Bundestagsgesandte Otto von Bismarck seinen Sitz aufgeschlagen und sein ganzes Familienglück mit hereingebracht in das freundliche Haus.
Die Sonne blinkte noch in die Tautropfen im Grase, und eine wohlige Kühle wehte von Baum und Strauch her, als er, von einem Morgenritte heimgekehrt, durch den Garten schritt, um einen lieben Besuch aufzufinden, den ihm das Geschick gestern in sein Haus geweht, und der nach Aussage des Dieners auch bereits im Freien war. Auf einem sonnigen Plätzchen traf er ihn und grüßte ihn mit Herzlichkeit.
»Guten Morgen, lieber Motley, Sie sind also auch ein Frühaufsteher!«
»Die Sonne und die Vögel locken, und hier läßt sich so gut träumen.«
»Wovon träumen Sie denn, wenn’s erlaubt ist zu fragen?«
Damit setzte sich Bismarck neben den Engländer, und dieser erwiderte lächelnd:
»Ich habe die Vergangenheit ein wenig Revue passieren lassen. Da tauchten mir die Göttinger Tage wieder auf, die wir zusammen verlebten, und ich sah Sie wieder als den flotten Burschen, der in der Kneipe und auf dem Paukboden mehr zu finden war als in den Kollegien, und dann dachte ich wieder an unsere Berliner Zeit, an die Stunden, da Kaiserlingk uns Beethovensche Sonaten spielte, und nun finde ich Sie in glücklichster Häuslichkeit und zugleich als hervorragenden Diplomaten. Verwunderlich ist mir’s just nicht, denn daß Sie aus dem Holze geschnitzt sind, aus welchem man Männer macht, die schlechthin alles fertigbringen, was sie wollen, ist mir schon in früherer Zeit klargeworden, und Frankfurt ist wohl auch der Boden, wo Sie Gelegenheit haben, Kräfte zu zeigen.«
»Sauer gemacht wird einem mitunter das Leben, aber unterkriegen sollen sie mich nicht so leicht. Sie wissen ja, wie die Dinge liegen. Österreich spielt hier die erste Geige, und die anderen hören in stummer Bewunderung zu und klatschen Beifall. Das ist nun meine Sache nicht, besonders wenn meine eigene Fiedel auf einen anderen Ton, auf den preußischen, gestimmt ist. Sie glauben gar nicht, welche Demütigungen man mitunter Preußen zumutet, oft bis ins Kleinliche hinein. Aber ich werde dem einen Damm stecken.«
»Woran liegt das aber?«
Bismarck zuckte die Achseln.
»Von Wien weht keine gute Luft her. Der Minister Schwarzenberg hat rundheraus erklärt, daß er Preußen erst erniedrigen und dann vernichten will. Und der Bundestagspräsident, Graf Thun, im ganzen ein recht genießbarer Herr, muß diesen völkerfreundlichen Absichten Rechenschaft tragen. Da lobe ich mir noch den alten Fürsten Metternich, den ehemaligen berühmten österreichischen Staatslenker, welchen ich jüngst auf seinem Schloß Johannisberg am Rhein besuchte, der war doch nicht gar so preußenfeindlich.«
»Von diesem Besuche habe ich gehört, und der alte Herr, dem sonst nicht jeder paßt, soll ganz entzückt von Ihnen gewesen sein.«
»Ja, das ist einfach zu erklären: Ich habe seine Geschichten ruhig angehört und nur manchmal die Glocke angezogen, daß sie weiterklang. Das hat dem redseligen alten Herrn gefallen. Na, ich denke auch Schwarzenberg mit der Zeit noch einige Achtung abzunötigen. Den Anfang habe ich schon mit dem und jenem gemacht. Da hatte Österreich einen Ausschuß – natürlich ohne Zuziehung Preußens – eingesetzt, der über die Sitzungsprotokolle und deren eventuelle Veröffentlichung beraten sollte. Freilich wäre Preußen bei den Publikationen schlecht weggekommen. Da bin ich den Herren in die Parade gefahren, und die Sache ist seitdem unterblieben. Und solche Geschichten könnte ich Ihnen noch manche erzählen; aber nun kommen Sie, meine Frau wird mit dem Frühstück warten, und nach demselben müssen Sie mich entschuldigen: Ich habe eine Sitzung im Militärausschuß!«
Er faßte den Freund unter dem Arm und führte ihn nach dem Hause, wo Frau Johanna anmutig und freundlich wie ein Frühlingsmorgen die Herren begrüßte, und wo Bismarck erst noch einmal nach seinen Kindern sah und sie fröhlich in die Luft hob, ehe er sich zu Tische setzte. Hier war er ganz glücklicher Gatte und Vater, ganz von fröhlichem Humor übersprudelnder Gastfreund.
Ernster sah er drein, als er nicht lange danach an dem grünen Tische saß im Parterre des Taxisschen Palais. Auch hier winkten die grünen Bäume herein zu den Fenstern, aber in dem Raume herrschte eine etwas dumpfe Luft, und der Verkehr der anwesenden Herren war ziemlich gemessen und formell.
Sie saßen in ihren Sesseln, genau nach der Rangordnung, die Vertreter der fünf deutschen Königreiche und des Großherzogtums Hessen. Der Präsidialsitz war noch unbesetzt, aber auch Graf Thun ließ nicht lange auf sich warten. Er kam mit elastischen Schritten, so daß er im ersten Augenblicke wohl für einen lebenslustigen aristokratischen Herrn, aber nicht für einen Diplomaten hätte angesehen werden können, blies vergnüglich den Rauch seiner Havannazigarre von sich, grüßte liebenswürdig herablassend die Herren »Kollegen« und setzte sich dann an seinen Platz oben an dem Tische.
Daß Graf Thun rauchte, und zwar allein rauchte, während kein anderer der Herren es wagte, dies Präsidialvorrecht ihm streitig zu machen, hatte Bismarck bereits früher mit Mißbehagen gesehen. Diesmal schien sich der Vorsitzende mit ganz besonderem Vergnügen dem Genuß hinzugeben; die bläulichen Wölkchen zogen an dem Gesichte des preußischen Gesandten hin, der feine Duft hatte etwas Verlockendes; und da diesem nicht einleuchtete, weshalb Preußen hier am grünen Tische nicht tun sollte, was Österreich sich erlaubte, zog er mit feinem Lächeln sein Zigarrenetui hervor, bat sich von Graf Thun etwas Feuer aus, und gleich darauf blies auch er die blauen Ringe in die Luft, gleichmütig, behaglich, als ob sich das just so gehörte, während die anderen Herren verwundert, ja, beinahe verblüfft schienen über den an sich so unbedeutenden Vorgang.
Daheim erzählt Bismarck die Geschichte und fügte lächelnd bei:
»Es soll mich gar nicht wundern, wenn nächstens auch Bayern raucht, und da keiner dem anderen etwas vergeben möchte, weil das als eine Zurücksetzung seines Staates gelten könnte, wird auch Herr von Nostiz (Sachsen) und Herr von Bothmer (Hannover) bald nachfolgen, und selbst die Herren von Reinhard (Württemberg) und von Münch-Bellinghausen (Hessen) werden ihre Aversion gegen das Rauchen trotz aller unbehaglichen Folgen aufgeben. So kommt’s bei allem immer nur auf den richtigen Anfang an!«
Die Folgezeit lehrte, daß er bezüglich des Rauchens recht hatte.
Nun widmete er sich wieder seinem lieben Gaste Motley, der in dieser prächtigen Häuslichkeit sich einige Tage wohl und wie daheim fühlte. Was waren das für den geistvollen Engländer für herrliche Tage und für genußreiche Abende!
Das Wetter hatte nicht erlaubt, einen derselben im Garten zuzubringen; so war man zuerst im Speisezimmer gewesen, wo man durch die Fenster hinaussah auf die Bäume des Gartens, und genoß in vergnügter Zwangslosigkeit, was die Gastlichkeit des Hauses, die Liebenswürdigkeit der freundlichen Wirte bot.
Dann ging es nach dem anstoßenden freundlichen Saale. Außer Motley war noch der treffliche Maler Jakob Becker mit seiner Familie des Abends gekommen, und so saß ein Kreis guter, fröhlicher Menschen in dem traulichen Raume beisammen. Die Herren rauchten, und der Duft der feinen Havannas wirbelte empor, indes der geistvolle Hausherr in seiner gemütlichen Weise scherzte:
»Sehen Sie, lieber Motley – das ist doch eine andere Tafelrunde als die zwar achtenswerte, aber doch wenig unterhaltende im Taxisschen Palais, wo in mir wirklich manchmal im Gefühle gähnender Unschuld die Stimmung gänzlicher Wurschtigkeit vorherrschend wird. Ich bemühe mich zunächst nur, und, wie es scheint, nicht ganz erfolglos, den Bund zum Bewußtsein des durchbohrenden Gefühls seines Nichts zu bringen. Hier aber sitze ich ohne jede andere Absicht, als mir Herz und Seele wieder zu erfrischen im Umgang mit lieben Freunden. Und in der Hauptsache kommen nur solche. Thun sieht in seinem Hause alles, was mit Österreich sympathisiert, in den Kreisen des Hochadels – ich liebe mir hier den Adel vom Schlage unseres braven Becker. Wie köstlich ist das erst im Winter, wenn ich hier am Kamine sitzen und mit der Feuerzange in der Glut herumstochern kann, während der Wind vor den Fenstern saust, wenn Freund Becker oder sonst einer etwas erzählt von seinen Künstlerfahrten und seinem Schaffen, und dann eine kunstfertige Hand in die Tasten greift … ach bitte, Fräulein Becker, machen Sie uns die Freude!«
Die Angeredete erhob sich ohne Ziererei und setzte sich an das Instrument. Die Töne rollten perlengleich unter den schlanken Fingern hervor, und behaglich zurückgelehnt in seinen Sitz lauschte der Hausherr, bis sie leise verhallend ausklangen.
»Das sind die guten Geisterchen, die dem geplagten Diplomaten manchmal das Gleichgewicht wiedergeben helfen!« sagte er lächelnd.
»Der Himmel schenke Ihnen und Ihrem Hause recht viele gute Geister!« erwiderte Motley.
»Na, einige ganz herzige und herrliche liegen da drüben in ihrem Bettchen!« sprach der Maler.
»Da mögen Sie recht haben, lieber Becker,« bemerkte der Hausherr; »es sind zwar Geisterchen mit Fleisch und Bein, aber die richtige Wirkung tun sie doch!«
So ging der Abend hin, und als es ganz still im Hause geworden war, da leuchtete der Lampenschimmer aus Bismarcks Arbeitsgemach hinaus in die Nacht. Und Stunde um Stunde verging. Lange diktierte er seinem Sekretär an den Berichten, die nach Berlin abgehen mußten, und die eine Fülle von scharfen Beobachtungen und von klarer Einsicht in die politischen Verhältnisse bekundeten. Dann entließ er den Beamten, setzte sich selbst an den Tisch und schrieb noch einige wichtige Briefe, und als er endlich zum Siegeln gekommen war, tagte bereits der Sommermorgen und warf seinen erwachenden Schimmer in den Raum.
Nun erst legte er sich angekleidet auf sein Sofa. Gleich darauf schlief er, tief, ruhig, aber kaum zwei bis drei Stunden. Der Sommermorgen weckte, und der Sonnenschein lockte hinaus. Wohl waren ihm die Glieder steif von dem nicht ganz bequemen Lager, und er fühlte eine Schwere und Abspannung, aber er war der Mann der Kraft und der Selbstbeherrschung. Er ließ sich sein Pferd satteln, und während die vornehme Welt Frankfurts noch im Morgenschlummer träumte, ritt er die Bockenheimer Landstraße hinaus, am Zoologischen Garten vorüber und in die lachende Landschaft hinein, und da und dort blieben wohl zwei oder drei stehen und sahen ihm nach, und einer sagte:
»Das ist der preußische Bundesgesandte – soll ein schneidiger Mann sein!«
Motley war wieder abgereist, aber in Bismarcks gastliches Haus kamen immer neue Besucher, und alle fühlten sich hier wohl und ungemein angeheimelt von dem herzlichen und zwanglosen Ton, welcher hier herrschte.
Da ließ sich eines Tages ein besonders erlauchter Gast melden, Prinz Wilhelm von Preußen. Er war schon vordem gelegentlich einer Truppeninspektion in Frankfurt gewesen und auf dem Bahnhofe bei seiner Ankunft war ihm Bismarck vorgestellt worden, der in seiner Uniform als Landwehrleutnant mit der Lebensrettungsmedaille auf der Brust dem hohen Herrn besonders auffiel, so daß er nochmals dem General von Rochow gegenüber seine Bedenken äußerte über die Wahl des Landwehrleutnants Bismarck zu einem so wichtigen Posten. Aber im Gespräch mit diesem überzeugte er sich selbst bald genug, daß der preußische Diplomat trotz seiner verhältnismäßig jungen Jahre ein klarblickender und energischer Mann und ein sehr warm fühlender Patriot sei.
Als er nun diesmal nach Frankfurt gekommen war, erbat sich der Baron Rothschild eine Audienz und ersuchte, ihm die Ehre zu erweisen und bei ihm zu speisen. Der Prinz erwiderte lächelnd, daß er sich bei Bismarck bereits eingeladen habe, und als der Baron trotzdem in ihn drang, legte er es ihm nahe, sich mit dem Bundesgesandten darüber abzufinden.
Rothschild fuhr in der Bockenheimer Landstraße 40 (jetzt 140) vor. Er traf Bismarck daheim und trug ihm sein Anliegen vor, ihm den hohen Gast zu überlassen.
»Es tut mir leid, mein verehrter Baron, Ihnen nicht dienen zu können, aber abgesehen von der Ehre, welche ich damit meinem Hause entziehen würde, ist mir jede Stunde wertvoll, welche ich in der Nähe des Prinzen meines Königshauses zubringen kann.«
»Aber Exzellenz würden mich außerordentlich beglücken, wenn Sie gleichfalls in meinem Hause und an meinem Tische erscheinen wollten.«
»Besten Dank, mein Herr Baron, aber ich muß schon auf meinem Schein bestehen und auf meinem Vorrechte beharren.«
»Dann wollen Exzellenz mir mindestens gestatten, daß meine Speisen auf Ihrer Tafel serviert werden, so daß wir uns in die Ehre, den hohen Gast zu bewirten, teilen.«
»Ich kann Ihnen leider auch darin nicht entgegenkommen. Es würde mindestens sehr verwunderlich sein, wenn der preußische Bundestagsgesandte bei Bewirtung eines preußischen Prinzen nichts weiter als den Tisch hergeben würde. Außerdem aber bin ich ein Gegner jeder Halbheit – also verzeihen Sie, Herr Baron –«. Rothschild erkannte, daß er den anderen nicht umstimmen würde, und leistete seufzend Verzicht, der Prinz aber speiste an dem gastlichen Tische Bismarcks und fand auch hier immer neues Wohlgefallen an dem prächtigen Manne.
Dieser aber arbeitete unverdrossen und kraftvoll weiter in der Wahrung der Interessen seines Staates. Dabei machte er aber bald genug die Wahrnehmung, daß er nicht nur durch die österreichische Botschaft sehr beobachtet werde, sondern daß man zweifellos auch Briefe von ihm auffange und öffne. Es ging übrigens den anderen Bundesgesandten nicht besser. Eines Tages klagte ihm Herr von Bothmer, der Vertreter Hannovers, daß er begründeten Verdacht habe, daß auf irgendeinem Wege Graf Thun Kenntnis von dem Inhalt seiner Korrespondenz haben müsse. Bismarck lächelte und bemerkte, er müsse eben bei Absendung klug zu Werke gehen.
»Aber was heißt hier klug?« fragte Bothmer.
»Das will ich Ihnen zeigen, wenn Sie ein halb Stündchen Zeit haben; ich habe just eine Sendung zu expedieren.«
So gingen sie zusammen und bogen aus den belebten Straßen in ein stilleres Viertel der alten Handelsstadt. In einem engen Gäßchen vor einem schlichten Krämerladen blieb Bismarck stehen und zog seine Handschuhe an.
»Hier lassen Sie uns eintreten!« sagte er.
Erstaunt folgte der Hannoveraner. In dem engen Laden roch es wunderlich, so daß es ganz unmöglich gewesen wäre, diesen Geruch in seinen Einzelheiten zu analysieren. Ein jugendlicher Verkäufer begrüßte die beiden Herren und fragte nach ihren Wünschen.
»Ich möchte Seife, aber etwas wohlriechende,« sprach Bismarck, und der dienstbeflissene Jüngling begann seine Proben vorzulegen. Der Diplomat roch an jeder, dann wählte er jene, welche den stärksten Geruch hatte und schob sie ohne weiteres in seine Tasche.
»Haben Sie auch Briefkuverts?«
»Sehr wohl!«
Nach kurzer Auswahl nahm Bismarck die schlichteste und einfachste Sorte, zog dann ein bereits zusammengefaltetes Papier aus der Tasche, schob es in den Umschlag und bat sich nun Tinte und Feder aus, um die Adresse zu schreiben. Da jedoch die Handschuhe ihm hinderlich zu sein schienen, bat er den Verkäufer, ihm die Mühe abzunehmen, was dieser auch beinahe geschmeichelt tat. Behaglich steckte Bismarck nun das Schreiben zu der Seife in seiner Tasche, und als er mit seinem Begleiter vor der Türe stand, sagte er zu diesem:
»Glauben Sie nun, lieber Kollege, daß man unter diesem Kuvert, das nach Käse und Hering, Seife und Wichse duftet, nicht so leicht meine Depesche herausschnüffeln wird?«
Manchmal jedoch, wenn es ihm in dem Frankfurter Treiben zu unbehaglich und in den Bundestagsverhandlungen zu langweilig und zu ärgerlich wurde, setzte er sich auf die Eisenbahn und fuhr hinein in den Odenwald, oder besah sich einmal das bunte Leben und Treiben in den glänzenden Badeorten Homburg, Wiesbaden, Baden-Baden, oder er erquickte sich an der ewigen Schönheit des Rheinstromes und seiner lieblichen Ufer. So fuhr er eines Nachmittags nach Rüdesheim. Dort mietete er einen Kahn und glitt hinaus auf den Strom. Der Mond warf seinen milden, dämmerigen Schein auf die Fluten, die Luft war lau, und ihn faßte ein Gelüste an, die Kleider abzuwerfen und sich in die silbernen Wellen zu tauchen. Gedacht, getan, und bald schwamm er langsam und behaglich dahin. Hinter ihm her, im Abendschimmer verdämmernd, kam langsam das Boot, das der schweigende Ferge lenkte, hoch über dem Schwimmer wölbte sich blau und klar der Himmel mit seinen vieltausend Sternen, und drüben an den Ufern webte der bläuliche Mondenschimmer um die dunkelnden Höhen, die bewaldeten Berge, die grünen Weingärten und die grauen, schweigenden Ruinen der Vorzeit. Und das Wasser klang und rauschte und flüsterte wie von alten Sagen. Von Bingen herüber schimmerten einzelne Lichter, und nun hob sich der Mäuseturm düster und ernst aus den Wellen. Hier stieg der Schwimmer ans Land, kleidete sich an und fuhr nach Bingen hinüber, wo er Nachtrast hielt. Am nächsten Morgen aber ging’s über Koblenz nach Frankfurt zurück.
Das erfrischte Leib und Seele.
Auf den 18. Oktober fiel der Geburtstag des Königs. Auf der Villa in der Bockenheimer Landstraße wehten die preußischen Fahnen, und im Laufe des Vormittags fuhren Bismarck und die Beamten der Gesandtschaft in größtem Staat nach dem Kornmarkt, wo in der großen Reformierten Kirche der Festgottesdienst abgehalten wurde. Die Mittagstafel aber sah zahlreiche und erlesene Gäste, und der Hausherr verstand es, in kräftigen, gehaltvollen Worten der Begeisterung Ausdruck zu geben, die er selbst für seinen königlichen Herrn fühlte, und die er auch in anderen Herzen zu entflammen wußte.
Und als der Abend kam, zog er seine Landwehrleutnants-Uniform an mit der Lebensrettungsmedaille und begab sich nach der Kaserne, wo die preußischen Soldaten gleichfalls festlich den Geburtstag ihres obersten Kriegsherrn begingen. Hier war die Lust in vollem Gange. Rauschende Musik klang durch den Saal, und in lauter, aufjauchzender Fröhlichkeit drehten sich die Paare im Reigen. Als er eintrat, machten die Soldaten am Eingang Honneurs und flüsterten sich, als er vorüber war, zu: »Seine Exzellenz, der Herr Leutnant von Bismarck!« Sie kannten ihn alle, den prächtigen, stattlichen Mann, der so heiter und herzlich sein konnte, und auch diesmal wieder bald da, bald dort auftauchte und sich mit den schlichten Kriegern unterhielt.
Der Herbst entblätterte die Bäume in dem Garten, und der Winter spielte mit seinen Flocken um die freundliche Villa. Aber wenn auch der Sturmwind um die Fenster fegte, drinnen war’s um so behaglicher. Diese Winterabende waren köstlich, wenn in dem Salon bei dem flackernden Kaminfeuer sich um die liebenswürdigen Wirte prächtige Gestalten scharten, von denen jeder fand, was er nur suchen mochte: Schlichtheit, Herzlichkeit, vornehme Sitte und frischen Humor. Wie zwanglos verkehrte da Prinz Georg von Preußen mit Schriftstellern, in deren Kreis er sich zählen durfte, wie gemütvoll und vergnügt plauderte die Großfürstin Helene von Rußland (geborene Prinzessin von Württemberg) mit der Frau des Malers Becker, und wenn die Gäste in stiller Nacht schieden, nahmen sie etwas von dem Behagen dieses Hauses mit sich fort, das noch lange in ihnen nachklang.
Der Winter stellte freilich auch gesellschaftliche Anforderungen, denen Bismarck um seiner Stellung willen entsprechen mußte. Dabei fühlte er sich nicht immer besonders vergnüglich, zumal der österreichische »Botschafter« überall eine dominierende Stellung beanspruchte, und er seinerseits darüber wachte, daß auch der Würde seines Staates nichts vergeben werde.
Der englische Lord Cowley gab ein großes Fest zu Ehren seiner Königin. Die Räume waren glänzend geschmückt; Farben und Fähnchen fast aller Kulturstaaten woben sich zu einem bunten Bilde zusammen, aus welchem sich das transparente englische Wappen abhob, dem gegenüber sich der ungekrönte Doppeladler – das Wappen des deutschen Bundes – zeigte. Die Gesellschaft war eine sehr vornehme. Graf Thun tänzelte zierlich um die Damen, der Lord zeigte sich als vornehmer und lebhafter Wirt, zwischen den Gesandten der deutschen Staaten bewegten sich mit graziöser Gewandtheit der Vertreter Frankreichs, Tallenay, und der belgische Graf Briey, und der Tanz bot bei der Reichhaltigkeit der Toiletten geradezu glänzende Bilder. Bismarck lehnte behaglich an einer reichdekorierten Säule und sah in das Gewühl. Im bunten Kotillon bewegten sich die Paare, darunter viele der älteren Diplomaten, und er machte die Bemerkung, wie viele von den Damen schwarzgelbe Seidenschleifen, die Farben Österreichs, trugen, während er nach jenen Preußens vergebens suchte. Eine junge Prinzessin von Nassau kam eben an ihm vorüber, am Arme eines süddeutschen Diplomaten. Sie sah ihn flüchtig an, aber es lag in dem Blicke selbst eine unverkennbare Beimischung von Geringschätzung. In diesem Augenblicke trat ein anderes Mitglied der preußischen Bundestagsgesandtschaft an ihn heran. »Fürchten Exzellenz nicht die Ungnade Ihrer Hoheit der Prinzessin von Nassau?«
»Wieso?«
»Wir armen Preußen sind bei ihr schwer diskreditiert; Hoheit geruhte mit allen anderen Mächten zu tanzen, nur mit Preußen nicht!«
»Das ist freilich schlimm, aber ich hoffe, daß es mir nicht den Rest meiner Nachtruhe verderben wird,« sagte Bismarck lächelnd.
Nicht lange darauf verließ er das Fest.
Weihnachten wurde in freundlicher Weise verlebt, und das Fest brachte dem Vielbeschäftigten einige Ruhe und Muße. Dann wieder Arbeit in Fülle, zwischendurch aber auch manch ein vergnügter Tag! Wie war das so lustig zur Fastnachtszeit, als er seinem Dienstpersonal ein fröhliches Fest gab, wie er es daheim in der Altmark seit der Väter Tage gewohnt war! Er fehlte nicht unter den »Seinen« und freute sich, wie alle Augen lachten vor Fröhlichkeit, und wie vor allem die knusprigen, braunen »Pannkauken« schmeckten, die er selber auch kostete. In solchen Stunden wuchs er seinen Dienern noch mehr ans Herz, als es schon der Fall war, und Frau Johanna nicht minder.
Der Frühling von 1852 kam ins Land. In Österreich war an Stelle des Ministers Schwarzenberg der Graf Buol-Schauenstein getreten, und damit schärfte sich eine bereits schwebende Angelegenheit zwischen Preußen und Österreich noch mehr zu. Es betraf den von dem ersteren begründeten deutschen Zollverein, für welchen die bisher noch unbeteiligten deutschen Staaten gewonnen werden sollten, während Österreich, das von demselben ausgeschlossen war, an der Auflösung desselben arbeitete. Bismarck hatte hier seine vollgemessenen Verdienste, und da der neue österreichische Ministerpräsident mit aller Macht den preußischen Bestrebungen entgegenarbeitete, ging er im Auftrag seines Königs nach Wien, um an den Kaiser ein Handschreiben Friedrich Wilhelms IV. zu überbringen.
In den ersten Tagen des Juni traf er in der Hauptstadt an der Donau ein. Der Minister Buol empfing ihn ziemlich ungnädig und erklärte bestimmt, daß Österreich sich von Deutschland nicht als Ausland behandeln lassen werde.
Bismarck war zwar verstimmt, aber nichts weniger als entmutigt. Er freute sich der Liebenswürdigkeit, mit welcher er fast überall aufgenommen ward, lebte in dem freundlichen Schönbrunn den anmutigen Erinnerungen an seine Hochzeitsreise, und fuhr endlich am 23. Juni auf der Donau hinab nach dem alten Ofen, wo er im kaiserlichen Schlosse seine Wohnung erhielt. Hier saß er, hoch über Stadt und Strom, und ließ den Blick hinausschweifen über das weite ungarische Flachland, und dachte bei all den Schönheiten an den Kreis seiner Lieben in Frankfurt.
Von dem jungen Kaiser wurde er in besonderer Audienz mit liebenswürdiger Herablassung empfangen und machte mit dem Hofe einen Ausflug ins Gebirge. Stimmungsbilder von satter Farbenglut gingen an seinem Auge vorüber. Im Hintergrunde die ungarische Königsstadt mit ihrer hochragenden Burg, ringsum grüner Buchenwald, auf freiem Rasenplane die kleine Tafel für etwa zwanzig Personen, eine jubelnde Volksmenge, die sich ringsum drängte und bis in die Wipfel der Bäume kletterte, leise hallender Hörnerklang, und als der Abend kam, das ganze Bild übergossen vom bläulichen Mondschimmer und matt erhellt von loderndem Fackelglanz – das alles war so fremdseltsam, daß es wie eine Phantasie erschien, der die ernste Wirklichkeit bald folgte in Gestalt eines Telegramms aus Berlin, welches entschieden die österreichischen Zumutungen in der Zollvereinsfrage zurückwies.
Nicht lange darauf saß Bismarck wieder im Kreise der Seinen, der sich am 1. August 1852 noch um ein Söhnchen vermehrte, das nach seinem hohen Paten Wilhelm genannt wurde.
Im Herbste desselben Jahres mußte er zu seinem großen Bedauern seine freundliche Wohnung in der Bockenheimer Landstraße aufgeben, weil ein reicher Westfale das Haus gekauft, und nun siedelte er nach der Großen Gallusstraße Nr. 19 über; aber der Ruf der hohen Gastlichkeit, der vornehmen und dabei gemütvollen Liebenswürdigkeit haftete auch hier an dem Heim des Diplomaten.
Die kommenden Jahre gaben Bismarck genug Gelegenheit, seine Umsicht, Klugheit und Tatkraft im Interesse seines Staates zu bekunden. Und er hat in kleineren wie in gewichtigen Dingen seine Anschauungen zur Geltung zu bringen verstanden – und eine Tätigkeit entwickelt, die schon ihrem Umfange nach Staunen erregt. Die immerwährenden Reisen, die eingehenden klaren Berichte, die unmittelbare Tätigkeit im Bundestage selbst hätten einen anderen aufreiben müssen.
Da tat mitunter eine Erholung dringend not.
Im Sommer 1853 erfrischte er sich in den Wellen der Nordsee und reiste dann durch Belgien und Holland zurück. Der politische Horizont hatte sich umwölkt, der »Krimkrieg« zwischen Rußland und den europäischen Westmächten hing in der Luft, und der preußische Staatsmann suchte nach seiner besten Überzeugung seinen König in dieser Sache neutral zu erhalten, was auch gelang.
Spott, der ihn deshalb traf, wußte er sehr geschickt und scharf zurückzuweisen. So war er in diplomatischem Auftrage in München gewesen, und als dort zu Ehren eines österreichischen Generals eine Militärparade abgehalten wurde, erschien er dabei gleichfalls in seiner Landwehruniform. Auf seiner Brust lag schon längst nicht mehr die Rettungsmedaille allein, sondern zahlreiche hohe Orden schmückten dieselbe. Der General, welcher an ihn herangeritten war, sah mit einigermaßen spöttischem Blicke auf die blinkenden Auszeichnungen und fragte:
»Schaun’s Exzellenz! Alle vorm Feind erworben?«
»Jawohl, Exzellenz, alle vorm Feinde, alle in Frankfurt a. M.,« erwiderte Bismarck mit verbindlichem Lächeln.
Noch schärfer führte er den französischen Gesandten in Berlin, de Moustier, ab. Die Franzosen waren über die Neutralität Preußens in der orientalischen Frage verstimmt, und als der Gesandte mit Bismarck zusammentraf, ließ er sich zu der Äußerung verleiten: »Preußen wird seine Haltung noch einmal bedauern; auf diesem Wege kommt es vermutlich nach Jena!«
»Und warum nicht nach Leipzig oder Waterloo?« fragte Bismarck dagegen, und de Moustier war durch diese Antwort so gekränkt, daß er sich beim König – jedoch ohne Erfolg – beschwerte.
Bismarck war einmal nicht der Mann, der seiner Würde, noch weniger aber der Würde seines Staates etwas vergab.
Der Krimkrieg war zu Ende, und in Paris fanden sich die Vertreter der Mächte ein, um über den Frieden zu verhandeln. Damals reiste auch der Minister Graf Buol über Frankfurt dahin und hielt sich kurze Zeit in letzterer Stadt auf. Da beeilten sich denn die meisten der deutschen Bundesgesandten, ihm einen Beweis ihrer Ergebenheit zu geben, und ließen sich durch den Graf Rechberg, welcher indes an Graf Thuns Stelle getreten war, anfragen, wann sie ihre offiziellen Besuche machen könnten. Aber der Herr Minister, ermüdet von der Reise, lehnte solche Besuche ab, bestimmte jedoch eine Stunde, in welcher er für die Herren in seiner Wohnung zu einer vertraulichen Besprechung anzutreffen sei. Diese Mitteilung war auch Bismarck, trotzdem derselbe nicht angefragt hatte, zugegangen. Er ließ dem Grafen Rechberg wissen, daß er durchaus gar nicht die Absicht habe, die wertvolle Zeit des Grafen Buol in Anspruch zu nehmen, und während die anderen Gesandten im Vorzimmer der österreichischen Exzellenz warteten, bis es derselben genehm war, sich von ihnen respektvoll begrüßen zu lassen, wartete Bismarck, ob nicht Graf Buol zu ihm kommen werde.
Und derselbe kam trotz seiner »Ermüdung«.
Auch die Unterdrückung Schleswig-Holsteins durch die Dänen war eine Angelegenheit, welche den Bundestag viel beschäftigte, ohne daß eine Einigung zu erzielen war. Preußen hatte den besten Willen, zu helfen, aber die Eifersucht Österreichs, die Zwietracht der anderen Mächte banden ihm die Hände.
Trotzdem wußte Bismarck auch hier einiges zu erreichen, und vor allem zu erlangen, daß Dänemark für den Herzog von Schleswig-Holstein eine entsprechende Abfindungssumme entrichte.
In der schleswig-holsteinischen Sache war er übrigens selbst in Kopenhagen gewesen. Im August 1857 war er aufgebrochen, seine Familie hatte er nach Reinfeld gebracht, wo sie in ländlichem Behagen sich freuen und erholen konnte, und in der dänischen Hauptstadt fand er eine durchaus höfliche Aufnahme.
Hier war ihm alles fremd und neu, und so ließ er sich gern veranlassen zu Ausflügen, welche den Reiz der nordischen Gegenden vor ihm entrollten und überdies eigenartige neue Jagdvergnügen boten. Diese Ausflüge erstreckten sich bis nach Schweden, wo er bis Tomsjonäs in Smaland vordrang. Fremdseltsam mutete ihn die Gegend an mit ihren weiten, wüsten Strecken, wo bald zwischen Sumpf und Moor dichtes Gestrüpp und Unterholz wuchert, bald über grauverwittertes Gestein und zwischen felsigen Ufern schäumende Bergwasser hinwegrauschen, bald, von Waldesgrün umsäumt, große, dunkle Seen im Sonnenscheine träumen – wo die Menschheit zu fehlen scheint in der großen Szenerie der Natur, die wie im Sonntagsgewande ihrer Schöpfung ruht und mit tiefer Stille den Jäger umfängt.
Manch jagdbares Getier verfiel seiner sicheren Büchse, und das Jagen war nicht immer gefahrlos. So stand dem Jäger auf einer seiner Fahrten plötzlich ein unbehaglicher Gesell gegenüber, ein braunes Ungeheuer, das wie aus dem Boden gewachsen schien, ein Bär, der die zornigen Augen gegen ihn wandte und nicht freundlich ihn anbrummte. Da galt kein langes Überlegen. Auf sechs Schritte Entfernung gab der mutige Schütze Feuer, und das Tier brach zusammen. Aber »Meister Petz« war zäh; er begann sich noch einmal, jetzt zur Wut entfacht, zu erheben, doch Bismarck lud schnell und ohne merkliche Bewegung seine Waffe, und als das Tier sich nun erhob, traf es die zweite Kugel und streckte es tot nieder.
An Körper und Geist erfrischt, die Seele erfüllt von neuen Bildern, kam Bismarck nach Frankfurt zurück, froh, mit seinen Lieben wieder vereint zu sein, die er sich manchmal zur Seite gewünscht hatte in einem kleinen, stillen, freundlichen Landhause an einem der Nordlandsseen. – Da brachte der Herbst wiederum Trübes. König Friedrich Wilhelm IV. war infolge eines Schlaganfalles erkrankt und hatte die Stellvertretung in der Regierung seinem Bruder, dem Prinzen Wilhelm, übertragen. Es war eine bange Zeit für die preußischen Herzen, die bei aller Verehrung für den Prinzen doch den Schmerz empfanden, der in dem königlichen Hause lebte.
So ging wieder ein Jahr vorüber, und der politische Himmel schien sich von neuem zu bewölken; zwischen Österreich und Italien begann eine Spannung, welche für den Einsichtigen, zumal bei dem Ehrgeiz des dritten Napoleon eine Einmischung Frankreichs zu befürchten war, eine drohende Kriegsgefahr barg. Im Oktober 1858 übertrug der unheilbar kranke König seinem Bruder die Regierung gänzlich, und der Prinzregent schien der preußischen Politik eine andere Richtung geben zu wollen, indem er ein neues Ministerium berief, auf welches er wie sein Volk große Hoffnungen zu setzen geneigt waren.
Auch an Bismarck war anfangs dabei gedacht worden, aber seine Zeit war noch nicht gekommen. Er wußte sich, trotz der Verstimmung seiner Angehörigen, zu trösten, und tat auch angesichts der augenblicklichen Situation das, was ihm das Richtige schien. Der Bundestag war in Aufregung, mittel- und süddeutsche Staaten drängten zum Kriege gegen Italien und Frankreich und zur Bundesgenossenschaft mit Österreich. Eine solche unbedingte Heeresfolge ging dem preußischen Diplomaten gegen seine Überzeugung. Dieselbe hatte er schon vorher unumwunden in einer Denkschrift an seine Regierung ausgesprochen, in welcher er eine selbständige preußische Politik dringendst empfahl und verlangte, daß Preußen als der größte deutsche Staat an die ihm gebührende Stelle in Deutschland treten müsse, selbst, wenn es darüber zum Bruche mit Österreich komme.
Und als jetzt der Krieg sozusagen in der Luft schwebte, sahen die übrigen deutschen Gesandten zu ihrem Erstaunen, ja Entsetzen, auf der »Zeile« Bismarck Arm in Arm mit dem Gesandten Italiens, dem Grafen Barral, einherschreiten.
In Berlin aber war man noch nicht geneigt, mit Österreich geradezu zu brechen, und so erhielt der preußische Bundestagsgesandte an einem schönen Februartage seine Ernennung zum Gesandten in Petersburg. Erfreut war er über die Mitteilung nicht, er hatte die Empfindung, daß man ihn »kaltgestellt« habe, aber der Prinzregent selbst gab ihm die Versicherung, daß diese Versetzung ein Beweis ganz besonderen Vertrauens sei – und der Mann der Pflicht tat seine Schuldigkeit.