[337] Seneca sagt von sich, daß er die societas generis humani sancit, d. h. das soziale Wirken zum unverbrüchlichen Gesetz erhebt, De benef. 1, 15, 2; über die societas auch 4, 18, 2 f.

[338] Gegen die griechische Behandlungsweise der Wohltätigkeitslehre, z. B. die des Chrysipp, die mehr spitzfindig als praktisch, wendet er sich Benef. I, 3 und 4. Chrysipp ist magnus vir, sed Graecus. Damit ist er für den Praktiker schon verworfen. Was sollen z. B., heißt es, die albernen Redereien über die drei Grazien? Damit ist nichts gewonnen. So weicht denn auch Ton und Ausführung in De beneficiis I-IV von Senecas älteren Schriften De ira und De constantia, die noch mehr den griechisch-sophistischen Geist zeigen, wesentlich ab. In den Büchern V-VII De beneficiis gibt Seneca nur einen Anhang, und in ihnen herrscht gelegentlich wieder mehr der sophistisch schulmäßige Ton.

[339] Römerbrief 13, 9: ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς ἑαυτόν, ἡ ἀγάπη τοῦ πλησίον κακὸν οὐκ ἐργάζεται.

[340] Vgl. Zur römischen Kulturgeschichte S. 152 f. und betreffs der Haltung der Sklaven S. 66.

[341] Josef Vilmain, Die Staatslehre des Thomas von Aquino, Leipzig 1910, S. 80 u. 97 ff.

[342] Nicht das größte; es gab Freigelassene, die noch reicher waren: Tacit. 14, 55.

[343] Über den animus ad civilia erectus agendique cupidus s. De tranquill. 2, 9. Wer keine führende Stellung einnehmen kann, soll wenigstens durch Akklamation helfen, si a prima te reipublicae parte fortuna submoverit, stes tamen et clamore iuves, ebenda 4, 5, wo stes tamen et clamore iuves offenbar aus einem Hexameter stammt, also Zitat ist. Auch De otio beschäftigt er sich aufs neue mit diesen Fragen: imperfectum bonum est virtus sine actu usf. (6, 3). Daselbst 6, 4 das posteris prodesse; und 6, 5: Chrysippus lebte im otium; er hatte nicht den Reichtum und die Machtstellung (ergänze: wie ich, um dasselbe wie ich zu versuchen).

[344] Das ist das maiorem virtuti materiem subministrare (De vita beata 21, 4).

[345] Das Geld, das einem Natalis zufällt, ist wie in die Kloake geworfen: Epist. 87, 16. „Der Reichtum ist mein Diener; andere sind Knechte des Reichtums,“ De vita beata 22, 5.

[346] Gegen die nimia aestimatio sui redet Seneca De v. beata 8, 3.

[347] Cassius Dio 62, 2, wo das Wort ἄκουσιν darauf geht, daß die britische Bevölkerung zum Teil der römischen Geldwirtschaft widerstrebte; s. 62, 3: πενία ἀδέσποτος πλούτου δουλεύοντος προφέρει. Schon die Regierung des Kaisers Claudius hatte große Geldsummen in diese neue Provinz geworfen, aber sie gleichfalls wieder zurückgenommen (ebenda). Das ist nicht „Geldwucher im Großen“, was Kaiser Claudius trieb; dasselbe gilt von Seneca.

[348] Nicht der strengste Stoiker hätte das von Seneca verlangt; auch Zeno hatte Geld auf Zinsen geliehen (De benef. 4, 24, 1). Daß Seneca etwa Wucher trieb, ist durch nichts angezeigt. An verächtlichen Äußerungen gegen die feneratores fehlt es bei ihm nicht: De ira 3, 33; De const. 6, 7; Benef. III, 15; so aber auch gegen die Reichen, De provid. 6: die Reichen sind innerlich schmutzig; wie ihre Stubenwände sind sie nur äußerlich dekoriert; der glänzende Stuck ist dünn und fällt ab.

[349] Martial 12, 36; Juvenal 5, 109.

[350] De vita beata 23, 5. Auch Epist. 120, 8 tadelt er: multi sunt qui non donant, sed proiciunt. Genaueres über die Art seiner Wohltätigkeit De v. beata 24.

[351] Seneca brachte also der Staatsraison zuliebe ein Gewissensopfer. Wer das beurteilen will, muß seinen Grundsatz kennen, den er wie für diesen Konfliktsfall vortrefflich so formuliert hat: facit (lies faciet) sapiens etiam quae non probabit, ut etiam ad maiora transitum inveniat, nec relinquet bonos mores, sed tempori aptabit et quibus alii utuntur in gloriam aut voluptatem, utetur agendae rei causa. Dies stand in seinen Exhortationes (Lactanz Inst. III, 15, 14), die gewiß auch in Senecas Spätzeit fallen.

[352] Ja, nach weit verbreiteter Anschauung ist der Kaiser selber Gott; der Kaiser Augustus ist der, qui dis genitus et deos geniturus dicatur, Seneca ad Marciam 15, 1.

[353] Kaiser Claudius war, nach Seneca, wie die Fortuna, die leicht zur mala fortuna wird (benef. 1, 15; 6). Straft der Kaiser einen Unschuldigen, so muß man es hinnehmen: rex ... si innocentem (punit), cede fortunae (De ira 2, 30). Man kann sich nicht einmal gegen die Geschenke eines tyrannischen Herrschers wehren: diesen Satz veröffentlicht Seneca, benefic. 2, 18, 6, nachdem er selbst von Nero wider seinen Willen mit Reichtümern überschüttet war.

[354] Es ist nicht wahr, daß Seneca De benef. 7, 20, 3 die Möglichkeit der Ermordung Neros zugesteht; Seneca sagt dort nur: den wahnsinnig gewordenen Tyrannen soll man beseitigen, und denkt dabei nicht an Nero, der trotz seiner Exzesse durchaus nicht als geisteskrank galt, sondern nur an Caligula zurück, der als wirklicher furiosus, d. h. im Irrsinn endete; dessen Beseitigung wird auch De brev. vitae 18, 6 gebilligt, und beide angezogenen Stellen erklären sich gegenseitig.

[355] Wo Seneca in diesen Jahren den Nero erwähnt (in den Briefen tut er es nie), zeigt er sich sehr zurückhaltend; s. Nat. quaest. VI, 17 und 21. Eine Höflichkeit liegt darin, daß er einmal einen geschickten Vers Neros mit Anerkennung zitiert (ib. I, 5, 6). Wenn sich endlich ib. VI, 8, 3 eine lobende Äußerung, insbesondere über Neros veritatis amor, findet, so handelt es sich dort um die von Nero veranstaltete Expedition nach den Nilquellen; Seneca quittiert für diese Unternehmung mit Dank; denn es kann kein Zweifel sein, daß Nero mit ihr einer Anregung Senecas selbst entsprochen hatte. So teilt Seneca denn auch ihr Ergebnis mit. Vgl. oben Anm. 272.

[356] Nämlich zunächst bei Tacitus. Mutmaßlich ist aber schon in dem Werk des C. Fannius über die exitus occisorum unter Nero, das unfertig blieb, aber bis zu drei Büchern gedieh (Plin. epist. 5, 5), auch Senecas Tod erzählt worden. Vielleicht ist die Schilderung des Tacitus davon abhängig. Wir haben keineswegs nötig, nur an Fabius Rusticus als Quelle zu denken. Vgl. W. Schmidt, De ultimis morientium verbis, Marburg 1914, S. 12.

[357] Noch 50 Jahre später waren sie so bekannt, daß Tacitus sie zu zitieren für unnötig hält (Ann. 15, 63 u. 67). Hätte er es doch trotzdem getan!

[358] Tacit. Ann. 14, 55.

[359] Es ist das goldene quinquennium Neros: Aurelius Victor 5, 2; Epit. 5, 3; Waltz S. 243.

[360] Juvenal 8, 212.

[361] Vgl. Römische Charakterköpfe, 3. Aufl., S. 262 f. u. 267.

[362] Das „planvoll“, certus consilii, das er fordert De brev. vitae 3, 3, gilt wirklich von ihm. Vgl. Epist. 23 über die Freude: die Freude kommt ins Herz durch ein gutes Gewissen, durch richtig Handeln, durch ein planvolles Leben.

[363] Vielmehr bezog sich Seneca nachweislich auf die Ehegesetze des Augustus; s. Fragm. 87 ed. Haase. Auch die historischen Rückblicke auf die pudicitia Altroms und die ehelichen Exzesse, die Seneca dort gab, entsprachen ganz dem Begründungsverfahren des Augustus.

[364] Vgl. Römische Kulturgeschichte S. 141.

[365] Bonorum egestas: De tranquill. 7, 6.

[366] De benef. 7, 1, 7.

[367] De vita beata 15, 5.

[368] Einige Proben hat uns der Kirchenvater Augustin aus dieser Schrift erhalten; einen Absatz daraus habe ich oben S. 231 f. wiedergegeben.

[369] Religio deos colit, superstitio violat, sagt Seneca De clem. 2, 5, 1.

[370] Seneca De remediis 5, 4 lehrt: Kümmere dich nicht um dein Begräbnis. Denn das Begräbniswesen ist gar nicht um der Toten willen, sondern nur im Interesse der Lebenden eingeführt: non defunctorum causa, sed vivorum inventa est sepultura.

[371] De benef. 4, 7, 2.

[372] Man könnte ansetzen, daß sie etwas früher fällt und ungefähr aus der Zeit der Apotheosissatire stammt, in der die gleiche sarkastische Nichtachtung der Götter herrscht und gerade auch wie in der Schrift De superstitione altrömische Götterschemen wie die Vica Pota vorgeführt werden. Aber auch De tranquill. 26, 8 berührt Seneca noch dasselbe Thema, besonders aber Epist. 95, 47, wo auch das speculum teneri Iunoni und die Sätze stehen: deum colit qui novit; primus est deorum cultus deos credere.

Römischer Mummenschanz und die Verhöhnung Christi.

[373] Eine vorsichtige und vernünftige Behandlung der Frage gab J. Geffken im Hermes, Bd. 41, S. 220 ff.

[374] Hermes 41, S. 223.

[375] Hierzu und zum Folgenden siehe meine Schrift „Elpides“ S. 61–65.

[376] Valerius Maximus 5, 1 ext. 1; Curtius Rufus 8, 4, 15.

[377] Epiktet, Dissertat. I, 25, 8.

[378] βασιλικῶς ἐνεσκεύαστο Lucian 70, 2, 10; vgl. in den Acta S. Dasii bei Cumont, analecta Bollandiana XVI, S. 11 das βασιλικὸν ἔνδυμα und κατὰ τὴν αὐτοῦ Κρόνου ὁμοιότητα. Bei keinem Gott war die Bezeichnung, daß er „König“ ist, so ständig wie bei Saturnus-Kronos; Varro de re rustica III, 1, 5: Saturnus rex; mehr gibt Maximilian Mauer bei Roscher, Mythol. Lexikon II, S. 1458.

[379] 70, 2, 12.

[380] βασιλέα μόνον ἐφ’ ἁπάντων γενέσθαι 70, 1, 4.

[381] Ebenda.

[382] So in den Acta S. Dasii.

[383] Diese Harmlosigkeit betont Lucian 70, 2, 13.

[384] Siehe Bücheler zu Seneca Apotheosis c. 8.

[385] Ich sehe, daß auch G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer, S. 207, diese Auffassung teilt.

[386] Siehe Geffken a. a. O. S. 222 f.

[387] H. Reich, Neue Jahrbücher 1904, S. 726, 1 versteht diesen Wortlaut nicht richtig, da er γελοίων διδάσκαλοι grammatisch verbindet; γελοίων hängt aber ohne Frage von ποιηταί ab: „Mimen- und Ulkdichter dienen als Lehrer der Leute.“

[388] Reich a. a. O.

[389] Auch der Mimusrest des Oxyrhynchospapyrus ergibt dafür nichts.

[390] So Reich S. 279.

[391] Der Mimus ahmte realistisch, oft auch mit Humor und Ironie Typen des Lebens nach, aber er höhnte nicht und stand dadurch im Gegensatz zur alten Komödie eines Aristophanes: so Reich selbst, Der Mimus I, S. 327, nach Jacob Bernays.

[392] S. Seneca a. a. O. c. 1. Auch Kaiser Augustus betrachtete sein Leben als einen Mimus; er fragte auf dem Sterbebett, ob er ihn gut durchgeführt habe; „wenn das Stück gut war, klatschet Beifall,“ war sein letztes Wort. Aber er denkt dabei nicht an den Königsmimus, sondern allgemeiner an den mimus vitae (Sueton Aug. 99), von dem in der Popularphilosophie jener Zeit oft die Rede ist.

[393] nec cor nec caput habet, Seneca c. 8; dis iratis natus; tria verba cito dicat et servum me ducat c. 11. Das Urteil, das Seneca fällt, gilt nicht bloß von der Regierungszeit, sondern ebenso vom früheren Leben des Claudius; mit gleichem Hohn hatte Tiberius auf seine Bewerbung ums Konsulat weiter nichts geantwortet als: „anbei 40 Louisd’or für die Saturnalien und Sigillarien“ (Bücheler). Daher endlich ließ Seneca den Claudius in einen Kürbis verwandelt werden; in welchem Sinne, habe ich in der Schrift De Senecae apocolocyntosi et apotheosi Marburg 1888/1889 ausgeführt.

[394] Diesen Umstand beachtete Mommsen nicht, als er bei Seneca a. a. O. c. 1, wo überliefert ist: obiit ille qui verum proverbium fecerat aut regem aut fatuum nasci oportere, zu lesen vorschlug: qui bis verum proverbium fecerat. Das Sprichwort gibt ein Entweder oder: „entweder ein König oder ein Narr muß man von Geburt sein.“ Diesen Satz hat Claudius wahr gemacht, da er nur eine der beiden Eventualitäten erfüllte, da er Narr von Geburt, aber nicht auch König von Geburt war. Er war kein Porphyrogennetos oder in purpura natus. Daß er das Sprichwort doppelt (bis) wahr gemacht, trifft also nicht zu.

[395] a. a. O. c. 8: si mehercules a Saturno petisset hoc beneficium, cuius mensem toto anno celebravit Saturnalicius princeps.

[396] S. Festus p. 322 M.; Plutarch Romulus 25 und Aitia Romana c. 53.

[397] μετὰ χλευασμῷ sagt Plutarch.

[398] Plutarch: ἑπισκώπτων αὐτοῦ τὴν ἠλιθιότητα καὶ ἀβελτερίαν.

[399] Plutarch an beiden Stellen; dem widerspricht das Zeugnis des Festus nicht.

[400] Auszüge des Cassius Dio 65, 20 f.

[401] Epiktet IV, 8, 30 u. 34. Die betreffenden Worte sind: εὐδὺς ἐπὶ τὸ σκᾶπτρον, ἐπὶ τὰν βασιλείαν, sowie ὁ Κυνικὸς τοῦ σκήπτρου καὶ διαδήματος ἠξιωμένος παρὰ τοῦ Διός.

Witzliteratur und Gesellschaft in Rom.

[402] Dies bezieht sich nicht nur auf des Tiberius Zerwürfnis mit seiner eigenen Mutter (Sueton Tiberius 50 f.); Tiberius ist zugleich allen Müttern in Rom verhaßt, deren Söhne er umbringen ließ.

[403] Nach v. Duhn, Pompeji (1906), S. 102 ff.

[404] Titinius v. 70 Ribb.

[405] Titinius v. 78.

[406] Titinius v. 112.

[407] Titinius v. 140.

[408] Atta v. 7 Ribb.

[409] Afranius v. 33 Ribb.

[410] Vgl. Philologus Bd. 63, S. 459.

[411] Catull C. 54; vgl. Das antike Buchwesen S. 404.

[412] Doppelt erstaunlich ist die Kunst dieses Vergilgedichtes, da das Ganze fast Wort für Wort eine Travestie und die Umdichtung eines Catullgedichtes von ganz anderem Inhalt ist.

[413] Epode 4.

[414] Epode 2.

[415] Das heißt: In den Strom wirft. Der Hebrus ist ein Strom im winterlichen Thrazien, die heutige Maritza.

[416] Dominus deus; vgl. Römische Charakterköpfe 3 S. 282.

[417] Vgl. zu diesem Gedicht Donats Bemerkung zu Terenz Adelph. 540.

[418] Römische Kulturgeschichte S. 52. Man wolle indes darum nicht glauben, daß die Medizin im Altertum auf einer niedrigen Stufe stand. Im Gegenteil: bis zu welcher bewundernswerten Höhe die wissenschaftliche Medizin sich damals entwickelt hat, ist weltbekannt. Ich habe in meinem Roman „Menedem der Ungläubige“ davon beiläufig ein Bild zu zeichnen versucht.

[419] Einige weitere Übersetzungen habe ich in meine Gedichte, die den Titel „Artiges und Unartiges“ tragen, eingeschaltet.

[420] In Curetium; in Hadrianum.

[421] Man vergleiche hierzu die Erklärung des petaurista bei Festus p. 206 M.

[422] Afranius v. 8 Ribb.

[423] Anthologia latina Nr. 303.

[424] Martial VI 62, vgl. VII, 95, 15.

[425] Martial X, 2, 13.

[426] Martial X 76. Die Sänftenträger werden z. B. VII, 53, 10; IX, 2, 11 und 22, 9 erwähnt.

[427] VII, 55, 7.

[428] XII, 57, 13.

[429] XI, 94.

[430] VII, 30.

[431] XI, 96; vgl. hierzu meine Schrift „Die Germanen“ (München 1917), S. 107.

[432] In der Übersetzung dieses Gedichtes habe ich ausnahmsweise mir erlaubt, die Schlußwendung etwas abzuändern, da sie sonst weniger verständlich wäre.

[433] Vgl. Rhein. Museum Bd. 69, S. 387.

[434] ad nationes II, 12 f.

[435] Ebenda 11, 8 f.