Lektion 8.
Bäume, die Zapfen tragen.

Kiefern, Fichten und Lärchen wachsen fast in allen Gegenden Deutschlands. Es sind interessante und nützliche Bäume. Sie alle bilden ihren Samen in holzartigen Zapfen, und ihre Blätter sind sehr schmal oder nadelförmig, ganz ungleich den Blättern der meisten anderen Bäume.

Ein großer Teil des Bauholzes, das wir brauchen, kommt von Nadelholzbäumen, die in Norwegen, Deutschland und anderen Ländern angepflanzt werden. Meistens ist es Kiefern- und Fichtenholz. Ohne Zweifel habt ihr schon die kleinen, runden Stellen, „Äste“ genannt, in einer Planke bemerkt und habt diese ausgepocht, so daß ein Loch entstand. Es sind dies Stellen, wo Zweige wuchsen und abbrachen, und sich der Stamm um sie herum schloß; sie sind gewöhnlich in Kiefern- und Fichtenholz. Der Saft in diesen Bäumen ist harzig, und man zapft ihn ab, um Terpentin daraus zu gewinnen. Wenn man bei einem Spaziergange durch den Wald die Blätter eines Nadelholzbaumes zerdrückt, so wird man den starken Geruch nach dem harzigen Safte bemerken.

Jedes Kind hat wohl schon die Zapfen von Nadelholzbäumen aufgelesen; man kann leicht drei verschiedene Arten finden, die von der Kiefer, von der Fichte und der Lärche.

Die Kiefer ist ein mächtiger Baum mit ausgebreiteter Krone, dessen Stamm mit einer rotbraunen, tiefrissigen Rinde bedeckt ist. Die dunkelgrünen Blätter sind sehr schmal und ungefähr 5 cm lang (vergl. bunte Tafel V, 1). Sie wachsen zu zweien in einer Scheide aus braunen Schuppen. Ihre Zapfen haben fast keine Stiele, sie buchten sich am unteren Ende aus und verjüngen sich nach oben hin zu einer stumpfen Spitze. Sie bestehen aus einer Anzahl dicker holzartiger Schuppen, die aussehen, als wären sie am Ende zurückgebogen. Das bewirkt eine verdickte kopfförmige Stelle mit einem braunen, schuppigen Flecke am Ende der Schuppenspitze. Diese Schuppen liegen so dicht übereinander, daß, ehe die Zapfen reif sind, kein Tropfen Regen hineindringen kann, und es dauert zwei, auch drei Jahre, bis sie reif werden. Manchmal hängen sie während dieser ganzen Zeit an dem Baume. Manchmal fallen sie früher ab. Sobald sie reif werden, biegen sich die holzartigen Schuppen nach außen, und man kann im Innern einer jeden zwei durchscheinende Schuppen sehen, die die Form eines Fliegenflügels haben. Sie stehen aufrecht an der holzartigen Schuppe.

Schiebe vorsichtig ein Messer unter das untere Ende einer solchen Schuppe und ziehe sie heraus! Man wird am Ende einer jeden einen Samen finden, wenn man nicht etwa die zarte durchscheinende Haut zerstört hat.

Diese Samen sind nämlich geflügelt; sie haben keine Samenkapsel über sich, sondern wachsen nackt an der Innenseite der holzartigen Schuppe. Nach einer gewissen Zeit fallen sie heraus und werden vom Winde fortgeweht. Hat man einen Zapfen, der zu alt ist, so wird man keine Samen mehr darin finden.

Alle zapfentragenden Bäume haben solche geflügelte Samen; ihre Zapfen sehen sich zwar alle ähnlich, doch kann man an ihnen recht gut die einzelnen Arten unterscheiden.

Die Fichte (vergl. bunte Tafel V, 2) ist sehr verschieden von der Kiefer. Ihre sich weit ausbreitenden Zweige wachsen fast bis auf den Boden hinunter, und ihre nadelförmigen Blätter, die 1½–2 Zentimeter lang sind, stehen einzeln. Ihre Zapfen sind lang und schmal, und die Schuppen sind nicht so dick wie bei den Kiefern. Aber der Hauptunterschied ist, daß die Enden der Schuppen nicht knopfförmig verdickt sind; sie sind vielmehr zugespitzt und ganz wenig einwärts gebogen, und daran kann man Fichtenzapfen von Kiefernzapfen unterscheiden. Die Fichten haben zwei Samen in jeder Schuppe wie die Kiefern, aber diese reifen in einem Jahre. Die Fichte ist ein echt deutscher Baum.

Zweig der Lärche mit Zapfen.

Bei der Lärche, die besonders häufig in kälteren Ländern anzutreffen ist, und der Zeder, die vom Libanon in Palästina kommt und bei uns häufig in Parkanlagen, Gärten usw. anzutreffen ist, wächst der Samen gleichfalls in Zapfen, aber diese Bäume sind recht verschieden von der Kiefer und Fichte. Ihre nadelförmigen Blätter sind sehr dünn und stehen zu Büscheln von 18 oder 20 zusammen in derselben Scheide. Die Zapfen der Zeder stehen aufrecht und sind eiförmig, aber dieser Baum erzeugt in Deutschland selten Zapfen.

Lärchenzapfen sind ganz klein, nicht größer als 2 bis 3 cm lang; sie wachsen in einer Reihe an den Zweigen. Die holzigen Schuppen liegen nicht sehr dicht übereinander.

Ich denke, ihr könnt die Zapfen von allen diesen Bäumen, ausgenommen die der Zeder, finden. Natürlich muß man nach den Zapfen der Fichten und Lärchen im Herbst suchen, weil sie jedes Jahr reif werden; aber Kiefernzapfen sitzen das ganze Jahr hindurch auf den Bäumen. Wenn ihr diese Bäume im Frühling und im Anfang des Sommers anseht, so werdet ihr die männlichen Blütenstände an den Zweigen stehen sehen. Der gelbe Blütenstaub wird dann in ganzen Wolken umhergeblasen, so daß er auf die Narben der Samenknospen in den jungen Zapfen fällt.

Zweig der Eibe.
1. Mit Blüten im Frühling.
2. Mit roten Beeren und Samen im Herbst.

Kiefern, Fichten und Zedern sind immergrüne Bäume. Ihre Nadeln bleiben drei oder mehr Jahre lang auf dem Baume, und da die Zweige nicht von demselben Alter sind, so fallen sie in verschiedenen Jahren ab, so daß die Bäume immer grün sind. Die Lärche hingegen wirft ihre Nadeln jedes Jahr ab, und man kann sie leicht im Herbste an ihren kahlen, herabhängenden Zweigen erkennen, die mit kleinen braunen Zapfen bedeckt sind.

Kiefern und Fichten gedeihen auch in sehr magerem Boden und ihre Samen keimen sehr leicht. Wenn ihr einen Kiefernwald oder einen Wald, in dem Kiefern und Fichten gemischt stehen, in der Nähe habt, so versucht eine junge Keimpflanze zu finden. Sie ist sehr eigenartig, denn sie schießt in einem langen dünnen Stämmchen auf und trägt die Samenschale mit sich empor. Fällt diese ab, so sieht man fünf oder sechs lange Keimblätter darunter und in ihrer Mitte eine Knospe mit den wirklichen Kiefern- oder Fichtenblättern.

Es gibt noch einen anderen Baum, den ihr gut kennt, und der auch nadelförmige Blätter hat. Diese wachsen alle um den Stamm herum, zwei zusammen in jeder Scheide, aber sie stehen in Reihen an den beiden Seiten des Zweiges wie die Federstrahlen an dem Schaft der Feder. Dies ist die Eibe, die man so oft in Parks und Gärten findet. Sie trägt keine Zapfen. Ihre nackten Samen sitzen einzeln in einer roten, saftigen Beere. Die Staubgefäßblüten wachsen nicht auf demselben Baume wie die roten Beeren, aber wenn ihr sorgfältig sucht, werdet ihr sie auf einem anderen Baume finden.

Suche einen Kiefern- und einen Fichtenzweig. Vergleiche die Zapfen der beiden Bäume. Versuche den Zweig einer Zeder, den Zweig einer Lärche mit Zapfen, eine Kiefern- oder Fichtenkeimpflanze, den Zweig einer Eibe mit Staubgefäßblüten im April und einen anderen mit den roten Beeren und den nackten Samen im Herbst zu finden.