Im Sommer, wenn die Bäume voll belaubt sind, und ihr sie kennen gelernt habt, solltet ihr Zweige von verschiedenen Bäumen holen und beobachten, wie die Blätter an den Ästen wachsen, und welche Formen sie haben.
Wir haben schon bemerkt, daß einige Bäume wie die Roßkastanie und der Ahorn gegenständige Blätter haben, wo eins dem anderen am Stengel gegenübersteht, also zwei aus einem Sproßknoten wachsen. Andere dagegen, wie die Ulme und die Buche z. B., haben wechselständige Blätter, so daß jedes seinen Sproßknoten hat. Aber es gibt viele Arten von wechselständigen Blättern, und es wird euch Vergnügen bereiten, sie ausfindig zu machen.
Bei der Ulme und der Buche kommt jedes zweite Blatt genau über dem darunter stehenden heraus. Blatt 1 entspringt an der einen Seite des Zweiges, Blatt 2 auf der anderen Seite, Blatt 3 genau über Blatt 1. Aber wenn ihr einen Zweig der Zitterpappel oder Espe nehmt, so wird es Blatt 4 sein, das genau über Blatt 1 steht. Dann nehmt einen Eichenzweig. Ihr werdet sehen, daß ihr sechs Blätter zählen müßt, ehe ihr eins genau über dem ersten stehend findet. Alle diese Unterschiede haben ihren Zweck, und wenn man die Bäume im Walde genau ansieht, so wird man finden, wie diese verschiedenen Anordnungen die Blätter in Stellungen bringt, wodurch sie am besten Licht und Luft erhalten.
Ferner ist dann die Form der Blätter zu beachten. Botaniker haben sehr viele Namen, um die Gestalt, den Rand, die Adern und die Abteilungen der Blätter zu beschreiben. Ich kann euch nur einige davon sagen, so daß ihr eure Augen öffnen und andere selbst finden mögt.
Blätter, die ungeteilt sind, so daß man nicht ein Stück abreißen kann, ohne das Ganze zu beschädigen, heißen einfache. Die Blätter der Ulme, Buche, Edelkastanie, Linde, Eiche, Weide, des Bergahorns und viele andere sind einfach.
Blätter, die in verschiedene Teile zerschnitten sind, so daß man einen abreißen kann, ohne die anderen zu berühren, heißen zusammengesetzte. Die Blätter der Roßkastanie, Esche, Rose, des Vogelbeerbaumes und des Holunders sind zusammengesetzt. Ihr müßt euch ins Gedächtnis zurückrufen, daß die Abteilungen Blattabschnitte und nicht Blätter sind, weil sie am Ende keine wachsende Spitze und im Blattwinkel keine Knospen haben. Die Blättchen wachsen aus der Spitze des Blattstengels heraus (Roßkastanie) oder aus der schmalen grünen Mittellinie (Rose), die nicht der Stengel, sondern die Mittelrippe des Blattes ist.
Nehmt nun alle einfachen Blätter, die ihr habt und seht, wie sie gestaltet sind. Die beste Weise, dies herauszufinden ist, ein Blatt auf eure Schiefertafel zu legen und eine Linie herumzuziehen. Das ist sehr leicht bei einem Buchenblatt oder dem Blatte einer Edelkastanie. Aber wenn ihr ein Eichenblatt nehmt, so geht der Rand zuweilen bis an die Mittelrippe, so daß man meinen kann, ein geteiltes Blatt zu haben.
Um die Form eines Blattes festzustellen, muß man es anders machen. Man muß, am Stengel des Blattes beginnend, eine Linie um die äußersten Punkte desselben herumziehen, bis man wieder an den Stengel kommt. Wenn man ein Ahornblatt so mit einer Linie umzieht, so wird eine Figur heraus kommen, die einer Niere ähnlich ist. Das Blatt des Bergahorns wird mehr herzförmig sein, länger und in einer stumpfen Spitze endend. Ein Eichenblatt ist länglich rund, länger als breit. Das Ulmen- und das Buchenblatt ist eiförmig oder oval, wie man sagt, während das der Edelkastanie schmal und lang ist. Ein Lindenblatt endlich ist herzförmig, aber ungleich, da eine Seite größer ist als die andere. Es ist ungleichseitig.
Nun laßt uns untersuchen, wie die verschiedenen Blätter am Rande ausgezackt sind. Einige, wie die des Flieders und des Efeus, sind glattrandig. Andere sind buchtig und das Blatt der Stechpalme ist grobstachlig gezähnt zu seinem Schutze. Aber wenn ihr die Blätter an der Spitze des Baumes betrachtet, wohin das Vieh nicht reichen kann, so werdet ihr oft finden, daß diese Blätter keine Stacheln erzeugen.
Andere Blätter haben rund um den Rand Zähnchen. Das Blatt der edlen Kastanie ist am Rande wie eine Säge ausgezackt. Das Blatt einer Birke ist ebenso, aber wenn man es genau betrachtet, so wird man sehen, daß es zwei Reihen von Zähnchen hat. Der Rand der großen Zähnchen ist noch einmal gezähnt. Dieses Blatt hat also einen doppelt gezähnten Rand. Andere Blätter haben tiefe Einschnitte oder Lappen. Der Rand eines Eichenblattes ist manchmal nur buchtig, manchmal hat er tiefe Einschnitte. Das Blatt eines Bergahorns hat fünf große, spitze Abteilungen oder Lappen.
Vergleicht das Blatt des Bergahorns mit dem der Eiche. Ihr werdet sehen, daß die Adern, die das Skelett der verschiedenen Blattformen ausmachen, nicht überall gleich laufen. Beim Bergahornblatt gehen die großen Adern oder Rippen von der Spitze des Stengels aus und breiten sich aus gleich fünf Fingern, während die kleinen Adern von den großen ausgehen. Ein solches Blatt heißt handförmig, weil die Adern gleich sind den Fingern an der Hand. Beim Eichenblatt dagegen läuft eine lange Rippe in der Mitte empor. Von ihr gehen die kleineren aus wie die Strahlen einer Vogelfeder. So sagt man vom Eichenblatt, daß es federartig geädert oder gefiedert ist von Fieder, was gleichbedeutend mit Feder ist.
Nun nehmt die zusammengesetzten Blätter der Roßkastanie, der Esche und der Rose. Bei der ersteren wachsen die Blattabschnitte gerade wie bei dem Bergahorn. Sieben Rippen gehen von der Spitze des Stengels aus und verbreiten sich wie Finger; es ist also auch ein handförmiges oder gefingertes Blatt. Aber bei der Esche und Rose geht eine Rippe in der Mitte empor und die einzelnen Blättchen sind federartig angeordnet. Diese Blätter nennt man also gefiedert.
Es gibt außerdem viele Übergangsformen von Blättern, und wenn ihr sie sammelt und in einem alten Schreibhefte ordnet, werdet ihr bald eine Vorstellung von der Bedeutung der Namen bekommen.
Beschreibe die Blätter der Eiche, der Roßkastanie und der Ulme und ihre Stellung. Ordne die einfachen und zusammengesetzten Blätter, die du finden kannst, in einem Schreibhefte und beschreibe sie.
Kinderaugen in der Natur
Erstes Buch
Tiere und Pflanzen in Wald und Feld
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Zweites Buch
Am Teich- und Flußufer
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Drittes Buch
Pflanzenleben in Feld und Garten
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Viertes Buch
Aus dem Leben unserer Vögel
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Fünftes Buch
Bäume und Sträucher
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Sechstes Buch
Aus dem Leben der Insekten
Bisheriger Absatz ungefähr 50000 Stück
Verlag von Hermann Gesenius in Halle (Saale)
Von 8 bis 10 Jahren.
Dr. Hartmanns Jungmädchenbücher:
Die höheren Mädchenschulen: Die Bücher wollen dem Mangel an gediegenem Lesestoff für Mädchen von 8 bis 10 Jahren abhelfen. Sie erfüllen ihren Zweck in jeder Weise aufs beste. Die äußere Ausstattung mit dem Buntbild der zwei lesenden Mädchen ist sehr gefällig und lockt die Kinder; Papier und Druck sind sehr gut und die Einteilung in kurze Geschichten oder Kapitel für dieses Alter sehr glücklich. Die Stoffe sind aufs günstigste gewählt. Band 1 und 4 bieten Naturwissenschaftliches. Die Erzählungen sind so lebendig, daß man fast menschlichen Anteil an dem Schicksal der Tiere und Pflanzen nimmt. Dabei lernen die Kinder eine Menge, ohne die Absicht irgendwie zu merken. Die Geschichten sind in hohem Maße geeignet, Anteil und Liebe an der Natur bei den Kindern zu wecken. In Band 2 und 3 werden in ebenso ansprechender Weise altdeutsche und nordische Sagen erzählt. Der Heldenkreis um Dietrich von Bern und die Götter Walhalls treten den Kindern nahe. In Band 5 wird die allerliebste Erzählung vom Stuttgarter Hutzelmännchen nacherzählt. All die krausen Ranken in Stil und Erzählweise sind abgeschnitten, die für die Kinder — und nicht nur für diese — das reizende Märchen so schlimm verwirren, so daß sich alle an seinem humorvollen Kern freuen können. Für Schülerinnen-Büchereien sind die Bändchen eine wertvolle Bereicherung. Für den Familienkreis haben sie noch den Vorzug, daß Knaben sie ebenso gern lesen, und daß sie sich vorzüglich zum Vorlesen eignen, so daß sie recht zum Handbuch geeignet sind.
J. L.