Fünftes Buch.
Bäume und Sträucher.

Lektion 1.
Der Nutzen der Bäume.

Habt ihr wohl schon einmal darüber nachgedacht, wie nützlich die Bäume sind? Wir haben im dritten Buch gesehen, daß die Pflanzen die Luft, die wir einatmen, reinigen. Die Bäume mit ihren Hunderten von Blättern verrichten einen großen Teil dieser Arbeit, und sie nützen auch in anderer Weise noch sehr viel.

Stellen wir uns einen kleinen Baum vor, der im Walde oder auf dem Felde wächst. Vielleicht wird er von Kaninchen oder Rehen abgefressen, ehe er ein Jahr alt ist. Wenn dies der Fall ist, so hat er als Nahrung genützt. Wächst er aber auf, so wirft er gleich im ersten Jahre seine Blätter im Herbst ab, und diese tragen dazu bei, fruchtbare Erde zu bilden und so Nahrung für andere Pflanzen zu liefern.

So geht es nun jedes Jahr; der Baum treibt Blätter, reinigt die Luft und hilft fruchtbare Erde erzeugen. Aber sehr bald fangen die Insekten an, in dem jungen Schößling sich ein Heim einzurichten, denn alle Arten von Bäumen beherbergen Insekten, die davon leben. Schmetterlinge kommen und legen ihre Eier unter die Blätter, von denen sich die Raupen, wenn sie ausgekrochen sind, nähren. Der Käfer legt seine Eier in die Rinde, und seine Larve nährt sich da, bis sie selbst zum Käfer wird, oder bis der Specht oder die Spechtmeise sie finden und fressen.

So bietet jeder Baum einer kleinen Kolonie von lebenden Wesen Unterkunft. Dann kommen die Vögel; sie schlafen nachts in seinen Zweigen und bauen in diesen ihre Nester im Frühlinge. Ulmen werden oft von den Krähen für ihren Horst gewählt; in den Fichten des Waldes schläft die Holztaube, und Fasanen und Falken ruhen auf ihren Zweigen, während Amsel und Drossel die Nacht gern in Nadelholz- oder anderem immergrünen Gebüsch zubringen.

Wenn der Baum groß geworden ist, so trägt er Blüten und Früchte. Diese Früchte und ihre Samen dienen vielen Lebewesen als Nahrung. Die Vogel nähren sich von Beeren, Nüssen und Eicheln. Das Eichhörnchen baut sich ein Nest in Buchen und frißt alle Arten von Nüssen, die es finden kann. Für Feldmaus, Igel und Schwein bilden die Bucheckern und Eicheln eine vortreffliche Nahrung, die sie auf dem Boden finden, während wir die Frucht der Edelkastanie (Marone), des Walnußbaumes und Äpfel, Birnen und Kirschen aus dem Obstgarten essen.

Roßkastanie, links unten Frucht.
V. 1.

Wie nützlich sind doch die Bäume dem Menschen! Sie helfen, den Boden feucht und frisch zu halten. In einem Lande, wo Wälder sind, regnet es mehr als in einem baumarmen, und der Erdboden würde trocken und ausgedörrt werden, wenn die Bäume nicht ihren angenehmen Schatten spendeten. Wie das Weidevieh sich unter ihnen sammelt, wenn die Sonne ihre glühenden Strahlen herniedersendet, und wie friedlich wiederkäuend sie unter ihnen stehen, geschützt vor der Hitze und Glut! Und wie froh seid ihr auf dem Schulwege, wenn ihr unter ihrem Schatten dahingehen könnt, anstatt auf der staubigen Landstraße! Wie schön sind sie auch im Frühling, wenn die frischen grünen Blätter ausschlagen! Immer wieder macht uns der Gedanke froh, daß das Leben des Baumes alle Jahre von neuem beginnt.

Andererseits gibt es Bäume, die so alt sind, daß sie uns an lang vergangene Zeiten erinnern. Der Gedanke, was für eine lange Geschichte solche Bäume erzählen könnten, trägt dazu bei, uns die Heimat lieb und wert zu machen.

Aber selbst Bäume müssen endlich sterben, und wenn sie uns nützlich sein sollen, so müssen sie gefällt werden, ehe sie vermodern. Und wie nützlich ist uns nun erst der Baum nach seinem Tode!

Wir wollen einmal den Lauf eines Tages betrachten und sehen, wie viel wir von dem Baume benutzen. Wenn man am Morgen aufsteht, ist das erste, was geschehen muß, daß ein Feuer mit Holz angezündet wird. Man setzt sich auf einen Stuhl; er ist aus Holz gemacht. Man öffnet die Tür; auch sie ist aus Holz. Ihr nehmt, wenn ihr nach der Schule geht, den Regenschirm; sein Stock war einst der Zweig eines Baumes. Ihr geht die Treppe hinab; ihre Stufen bestehen vielfach aus Holzplanken. Ihr habt auf eurem Schulwege eine Brücke zu überschreiten; sie ist aus Holz gebaut. Das Gattertor auf dem Felde, der Zaun um die Schule, alles besteht aus Holz.

Ihr nehmt euren Platz in der Klasse ein. Eure Füße ruhen auf Holzbrettern, die vom Fichtenbaum stammen. Ihr sitzt auf hölzernen Bänken. Eure Schiefertafel hat einen hölzernen Rahmen. Das Tafelgestell und die Tafel selbst bestehen aus Holz. Der Lehrer öffnet die Tintenflasche, um die Tintenfässer zu füllen; den Kork der Flasche liefert die Rinde eines Baumes, während die Tinte selbst aus einer Säure gemacht ist, die aus Galläpfeln gewonnen wird. Diese werden durch den Stich eines Insekts auf den Blättern der Eiche hervorgerufen.

Wenn ihr aus der Schule kommt, läßt euch vielleicht ein Landmann auf seinen Wagen steigen, der auch aus Holz gemacht ist, ebenso wie der Schubkarren, mit dem er den Dünger in den Garten fährt. Ihr legt eure Schulbücher in die alte eichene Kommode, die in der Ecke steht, und wenn ihr nach dem Abendessen zu Bett geht, seht ihr über eurem Kopfe die Stubendecke, die aus hölzernen Balken zusammengefügt ist. Ihr könntet noch vieles hinzufügen, was ich vergessen habe; und dann haben wir noch nicht aufgezählt das Gummi, den Terpentin, die Öle, die Gerbsäure und die vielen Wohlgerüche, die wir von den Bäumen erhalten. Auch haben wir noch nicht von Schiffen und Eisenbahnwagen gesprochen und von den hübschen Holzschnitzereien in unseren Kirchen und öffentlichen Bauten. Sicherlich, ohne Bäume würde es schlecht mit der Welt stehen!

Nenne noch andere Dinge, die aus Holz gemacht sind.