Lektion 2.
Die Libelle und ihre Gefährten.

(Zweites Vollbild.)

Jedes Landkind sollte sich ein Teichnetz machen, wenn es etwas über Wassertiere lernen will. Man braucht nur einen Weidenzweig zu nehmen und daraus einen Reifen zu binden. Dann macht man einen Sack aus Musselin, näht unten einen kleinen Stein hinein und befestigt den Sack an dem Reifen. Aus einer Hecke schneidet man sich einen Stock und befestigt einen langen Bindfaden daran. Letzteren teilt man am unteren Ende und bindet die beiden Teile an den Seiten des Reifens fest. So hat man ein Netz, das man hinunterlassen und mit dem man Tiere von dem Grunde des Teiches heraufholen kann. Es ist auch gut, eine weithalsige Flasche mitzunehmen, in die alles, was man fängt, hineingesteckt wird. Ich kenne einen schattigen Teich in der Nähe eines Gutshofes, wo die Insekten an hellen sonnigen Tagen sehr geschäftig sind.

Frosch und Kaulquappen.
II. 1.

In einer Ecke des Teiches schwimmen die kleinen Taumelkäfer umher und beschreiben Kreise im Wasser. Ihre glänzenden schwarzen Rücken schimmern beinahe grün in der Sonne. Dann und wann springt einer in die Höhe, um ein Insekt aus der Luft zu fangen, und ein anderer taucht hinab, um eine Larve zu fressen. Taucht euer Netz ins Wasser, bringt es schnell unter einen Käfer, hebt ihn heraus und steckt ihn in die Flasche, so daß ihr ihn betrachten könnt.

Man könnte meinen, daß er vier Augen hat, denn jedes seiner beiden Augen ist in zwei Teile geteilt. Die eine Hälfte ist nach oben in die Luft gerichtet, die andere nach unten ins Wasser. Während er umherschwimmt, kann er also die Fliegen in der Luft und die Larven im Wasser sehen.

Mücken schweben über dem Teiche hin und her, und außerdem sehen wir ein Gewimmel von jenen Fliegen mit so feinen, durchsichtigen Flügeln, daß sie fast wie Gaze aussehen. Sie heißen Eintagsfliegen. Und jetzt erhebt sich ein weit prächtigeres Insekt, 7,5 cm lang mit vier großen Gazeflügeln, aus den Binsen und fliegt über den Teich.

Alle Kinder kennen wohl die Libelle oder Wasserjungfer. Ihre reizenden Flügel haben Längs- und Queradern, die zum Teil mit Luft gefüllt sind und zum Atmen dienen, und schillern in der Sonne in roten, blauen und grünen Farben. Sie hat einen langen Hinterleib, eine dicke Brust mit sechs Beinen und einen runden Kopf mit sehr großen Augen.

Jedes Auge hat mehr als zehntausend winzige Fenster, so daß sie nach oben und unten, nach rechts und links sehen kann, während sie dahinschießt und die Schmetterlinge und Motten, die ihr in den Weg kommen, fängt. Zuweilen setzt sie sich auf eine Pflanze oder einen Busch am Ufer und ruht, bis sie ihren Flug wieder aufnimmt.

Wenn man im April öfter zu einem Teich geht, wo sich Libellen finden, kann man vielleicht beobachten, wie sie ihr Leben in der Luft beginnt. Dies geschieht folgendermaßen.

Aus dem Wasser heraus kriecht ein großes Insekt auf den Stengel einer Pflanze. Es hat einen Körper mit sechs Beinen, der ebenso groß ist wie derjenige der Libelle. Aber es hat ein seltsames, schläfriges Aussehen, und an Stelle der Flügel sehen wir nur zwei kurze Stümpfe.

a. Fressende Libellenlarve.
b. Libelle aus der Larvenhaut kriechend.

Langsam kriecht es am Stengel hinauf aus dem Wasser in die Luft. Dann ereignet sich etwas Seltsames. Die Haut auf dem Rücken zerreißt, und eine wirkliche Libelle kommt heraus.

Zuerst erscheint der Kopf, dann der Körper mit seinen sechs Beinen und vier weichen runzeligen Flügeln und endlich der Hinterleib. Die Libelle kann noch nicht fliegen. Sie sitzt neben ihrer alten leeren Haut und streckt ihre Flügel langsam der Sonne entgegen. In einigen Stunden sind sie lang, stark und fest. Dann ist sie fähig, über den Teich zu fliegen und zu fressen.

So kommt die Libelle in die Luft hinauf. Ihre Larve wird man nicht so leicht unter dem Wasser finden, aber wir wollen es in der nächsten Woche mit unserem Netz versuchen. Heute haben wir so viel auf der Oberfläche des Teiches gesehen, daß wir keine Zeit hatten, unten im Schlamme zu fischen.