Außer den Vögeln, die auf dem Lande leben und sich dort ernähren, gibt es sehr viele, die hauptsächlich auf und an dem Wasser leben. Einige von diesen heißen „Watvögel“ und einige „Schwimmvögel“; sie haben mit Schwimmhäuten versehene Füße. Wir haben schon im Buche II von zwei Watvögeln gelesen, von dem grünfüßigen Wasserhuhn und dem Bläßhuhn. Heute wollen wir von den Schwimmvögeln sprechen.
Wenn man an der Küste wohnt, so kennt man die Möwen, die oft weit an den Flüssen hinauf fliegen. Die Möwen folgen den Flußläufen bis tief ins Binnenland hinein. So finden wir sie z. B. sehr häufig an den Hafenanlagen Hamburgs, wo sie selbst in der inneren Stadt an den Kanälen und Bassins der Alster, eines kleinen Nebenflusses der Elbe, nicht fehlen. Es gewährt einen lieblichen Anblick, wenn sie immer rundherum fliegen und auf das Futter warten, das ihnen die Leute zuweilen zuwerfen.
Einige von euch haben vielleicht auch schon Kormorane (siehe S. 33) gesehen, große schwarze Vögel, die schwerfällig über die See hinfliegen, mit weit vorgestreckten langen Hälsen und schmalen Flügeln. Sie lassen sich dann auf dem Wasser nieder und tauchen plötzlich mit dem Kopfe voran unter; gleich darauf kommen sie mit einem Fisch im Schnabel herauf, den zu verschlingen sie oft längere Zeit gebrauchen.
Wohnt man auf dem Lande in der Nähe eines großen Sees oder eines Teiches, so kann man mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit einen sonderbaren kleinen Schwimmvogel beobachten, den kleinen Steißfuß oder Zwergtaucher. Dies ist ein brauner Vogel mit schmalem Kopfe und dünnem Halse, der im Schilfe an den Ufern eines Teiches umherplätschert oder ruhig dahinschwimmt. Dann und wann taucht er nieder, um Wasserschnecken, Fische oder Wasserpflanzen heraufzuholen. Man muß sehr behutsam sein, wenn man in seine Nähe kommen will, denn er taucht beim geringsten Geräusch unter und kommt an einer weit entfernten Stelle, wo man ihn nicht mehr sehen kann, wieder herauf.
Hat man aber diese mit Schwimmfüßen versehenen Vögel noch nicht gesehen, nicht einmal eine wilde Ente, so kennt doch jedes Kind die zahme Ente, die auf unseren Bauernhöfen gezüchtet wird. Unsere Enten wurden vor langer langer Zeit aus wilden Enten gezähmt und sind ihnen sehr ähnlich. Wir wollen sehen, was wir über sie lernen können.
Seht sie einmal an, wie sie über den Hof watschelt. Ihre Füße haben zwischen den drei Vorderzehen eine Haut, die diese miteinander verbindet. Das heißt, sie ist mit Schwimmfüßen versehen. Nun achtet darauf, daß, wenn sie den Fuß aufhebt, die Haut sich wie ein Fächer zusammenfaltet, und daß sich dieselbe wieder ausbreitet, wenn sie den Fuß niedersetzt. Wenn sie den Teich erreicht, gleitet sie ins Wasser und beginnt zu paddeln, indem sie die Füße abwechselnd benutzt, gerade wie wir beim Gehen. In klarem Wasser kann man sehen, daß die Haut sich wie beim Gehen zusammenfaltet, wenn sie den Fuß vorwärts streckt, daß sie sich öffnet, wenn sie ihn zurückstößt und gegen das Wasser schlägt. Die Haut öffnet sich also und bildet eine Art Ruder, mit dem sie sich vorwärts treibt.
Die Beine stehen weit hinten am Körper, so daß sie diese benutzen kann, um sich schnell hin und her zu drehen. Sie kann Kopf und Körper tief in das Wasser tauchen, um nach Wasserschnecken und Kaulquappen zu suchen, so daß fast nur der Schwanz noch heraussieht, während sie gleichzeitig weiterpaddelt.
Dann achte darauf, wie leicht ihr Körper ist. Er schwimmt ganz auf dem Wasser. Dies kommt teils daher, daß eine Schicht von leichtem Fett unter ihrer Haut liegt, und teils davon, daß sie eine dichte Daunendecke unter den Federn trägt. Darin fängt sich sehr viel Luft, und diese macht sie leicht.
Wißt ihr auch, weshalb ihre Federn im Wasser nicht naß und zerzaust werden? Der Grund ist sehr sonderbar. Ihre äußeren Federn sind mit einem Fett versehen, das sie aus einer kleinen Drüse in der Nähe des Schwanzes nimmt. Seht sie an, wenn sie aus dem Wasser kommt. Sie drückt den Schnabel gegen den Schwanz und zieht dann die Federn durch den Schnabel. Wenn sie dieselben in dieser Weise eingefettet hat, so sind sie wasserdicht und halten die Nässe von ihrem Körper ab.
Dann beobachtet sie beim Fressen. Sie watschelt gierig schlingend durch den Schmutz und wirft oft den Kopf in die Höhe, um größere Bissen, die sie gefunden hat, hinunterzuschlucken. Ihr Schnabel ist breit und flach. Der Oberschnabel endet in einer nach unten gebogenen Hornspitze, und weiter nach oben ist er mit einer weichen, nervenreichen Haut versehen. Damit fühlt die Ente, was sich an genießbaren Dingen im Schlamme und Schmutze findet. Die Ränder des Schnabels sind hornig und scharf und sowohl oben als unten mit dünnen Hornzähnchen besetzt. Wenn die Ente den Schnabel schließt, so passen diese Zähnchen ineinander und bilden eine Art Sieb. Mit dem scharfen Schnabel schneidet sie die Wasserpflanzen ab und tötet sie die Schnecken. Mit dem Sieb sondert sie den Schlamm von der Nahrung in ihrem Schnabel und stößt das Wasser mit der dicken Zunge hinaus. Gänse, Schwäne und alle wilden Enten haben Füße und Schnäbel wie die unserer zahmen Ente.
Wilde Enten findet man in Seen und Flüssen. Der männliche Vogel heißt Enterich oder Erpel und ist ein sehr schöner Vogel. Kopf und Hals sind dunkel glänzend grün. Er trägt ein weißes Band um den Hals, und die Brust ist kastanienbraun gefärbt. Flügel und Rücken sind teilweise braun, teilweise grün. Die vier mittleren Federn seines Schwanzes sind glänzend schwarz und nach oben gebogen. Die anderen sind grau mit weißer Einfassung. Wenn der wilde Erpel sich im Juni mausert, wirft er dies schöne Gefieder ab und legt bis zum August ein braun-graues Kleid an wie das der weiblichen Ente. Dann fängt er wieder an, sich zu mausern und ist im Oktober bunt wie im Frühjahr.
Kormorane und Möwen haben andere Schnäbel als die Enten; denn sie suchen nicht im Schlamm nach Nahrung. Ihre Schnäbel sind scharf und kräftig, zum Fischfange eingerichtet, und ihre Flügel sind lang. Der kleine Steißfuß dagegen hat kurze Flügel, da er hauptsächlich auf dem Wasser schwimmt. Sein Schnabel ist nicht sehr lang und an der Spitze nicht bezahnt. Die Füße sind ziemlich groß, aber die Schwimmhaut kleiner als bei den Enten.
Es gibt noch eine Menge anderer Schwimmvögel. Versuche, noch einige aufzufinden.
Untersuche eine tote Ente. Achte auf die Schwimmhaut, die Teile des Schnabels, die dicke Daunenschicht, die glänzenden fettigen Federn, die im Wasser nicht naß werden. Zeichne den Fuß der toten Vögel, die du findest.