Die Blätter brauchen sehr viel Sonnenschein und Luft; denn sie sind den ganzen Tag lang beschäftigt, Nahrung zu bilden. Hast du jemals daran gedacht, wie wunderbar es ist, daß Pflanzen ihre eigene Nahrung bereiten können? Weder du noch die Tiere sind dazu imstande. Alles, was du ißt, stammt entweder vom Tiere oder von der Pflanze. Zu einem Kuchen zum Beispiel kommt das Mehl aus Weizenkörnern, die Korinthen von einer Weinrebe, der Zucker von Zuckerrüben, die Gewürze von verschiedenen Bäumen und die kandierte Schale (Zitronat usw.) von Früchten.
Alles andere, was man ißt, wie Fleisch, Fische, Vögel, Gemüse und Früchte, ist einmal belebt gewesen.
Pflanzen ernähren sich nicht auf diese Weise. Ihre Wurzeln ziehen Wasser und andere Stoffe, wie Kalk, Soda und Pottasche, die im Wasser aufgelöst sind, aus der Erde. Die Blätter nehmen Gase (Kohlensäure) aus der Luft auf. Für uns sind Erde, Luft, Wasser keine Ernährungsstoffe. Wir können nicht davon leben. Aber die Pflanze kann es.
Die hübschen grünen Blätter, die wir so gern haben, arbeiten angestrengt. Wenn die Sonne sie bescheint, so können sie das Wasser und die Gase in lebende Nahrung verwandeln, und diese Nahrung erzeugt wieder Blätter, Blumen und Früchte, die uns zur Nahrung dienen.
Wie nützlich sind doch die Pflanzen! Wenn sie keine Nahrung erzeugten, so könnte es nichts Lebendes auf der Welt geben. Insekten fressen Pflanzen, und Vögel fressen Insekten. Schafe fressen Gras, und wir essen Schafe. Kaninchen fressen Pflanzen, und Füchse und Wiesel fressen Kaninchen. Wenn es keine Pflanzen gäbe, so könnten auch keine Insekten, Vögel, Tiere und Menschen leben.
Aber dies ist nicht die einzige nützliche Arbeit, die die Pflanzen verrichten. Ihr wißt, daß, wenn viele Menschen in einem Raum eingeschlossen sind, sie die gute Luft verbrauchen und schlechte Luft ausatmen, die nicht wieder gebraucht werden kann. Nun gebrauchen die Pflanzen diese für uns schlechte Luft. Sie atmen dieselbe durch ihre Blätter ein und benutzen die darin befindlichen Gase zum Wachstum. So verwandeln sie nicht nur Gase in Nahrung, sondern sie verbrauchen dabei auch die schlechte Luft, die wir ausatmen und geben sie uns rein und frisch zurück. Deshalb ist das Leben auf dem Lande so gesund, weil hier so viele Pflanzen sind.
Es ist sehr lehrreich, die Pflanzenblätter zu betrachten, ihre Formen zu beobachten und zu sehen, wie sie am Stengel angeordnet sind, um Licht und Luft zu bekommen.
Ihr kennt doch wohl die gemeine Taubnessel, die einer Brennessel so ähnlich ist, aber nicht sticht. Sie wächst in Hecken und hat eine hübsche, helmförmige, weiße oder rote Blüte. Ihre Blätter sind paarweise um den Stamm geordnet, und jedes Paar steht genau quer über dem unteren Paar, um diesem genug Licht zu lassen.
Die glänzenden grünen Blätter des Efeus an der Mauer liegen flach und haben lange Stiele, so daß sie weit in die Luft hinausragen.
Die Blätter der Kresse in unseren Gärten sind wie ein runder Schild geformt. Der Stiel steht unter der Mitte des Blattes und ist sehr lang. So sieht das Blatt grade zum Himmel empor und bekommt eine Menge Luft und Licht.
Das Blatt der Roßkastanie ist in mehrere Teile geteilt, so daß es aussieht, als bestände es aus 5 oder 7 Blättern, und jeder einzelne Teil breitet sich dem Licht entgegen.
Die Blätter des Sauerklees, welche die Kinder gern essen, weil sie sauer schmecken, haben drei runde Blättchen wie das Kleeblatt, und diese legen sich in der Nacht oder an einem Regentage zusammen, stehen aber weit geöffnet, wenn die Sonne scheint.
Und nun wollen wir zu unserem Hirtentäschelkraut zurückkehren. Wir haben noch nicht nach seinen Blüten gesehen. Sie wachsen auf Stielen, die zwischen den Blattstielen und dem Stengel herauskommen. Auf diesen Stielen stehen einige kleinere Blätter und eine Menge Samentaschen.
Über den Samentaschen an der Spitze des Stieles stehen einige weiße Blüten dicht zusammen. Sie sind so klein, daß man ihre einzelnen Teile kaum unterscheiden kann. Aber man vermag doch zu sehen, daß sie vier äußere grüne Blätter und vier innere weiße haben. In der nächsten Lektion werden wir mehr darüber lernen.
Sammle sechs Pflanzen mit verschieden geformten Blättern und untersuche, wie sie am Stengel wachsen.