Zweites Kapitel.
Der erste Schultag.

Als Aennchen an diesem Morgen erwachte, war ihr das kleine Herz recht schwer, denn gleich fiel ihr ein, daß ja heute der erste Schultag sein sollte. »Ach,« seufzte sie vor sich hin, »wie wird es mir gehen! Wenn doch dieser erste Tag schon vorüber wäre.«

Aber es half kein Seufzen; sie mußte sich dazu bequemen, aufzustehen und sich von Lisette, der alten Kinderfrau, ankleiden zu lassen. Diese that es heute beinahe etwas respektvoll und sagte:

»Nun wirst du ja wohl bald gar ein Fräulein sein und so gelehrt werden, daß du mehr weißt wie ich selbst, und mir vorlesen kannst aus deinen schönen Büchern. Auch das Ankleiden kannst du jetzt bald allein besorgen, ein Schulmädel muß ja alles können. Hast du denn schon die schönen neuen Schulkleider gesehen, welche Mama für dich bereit gelegt hat?«

Ei der Tausend, die waren freilich hübsch! Ein rotes Wollkleidchen mit weißen Borten und eine große schwarze Schürze mit Spitzen besetzt, ein helles warmes Mäntelchen und ein hübsches Mützchen – alles nagelneu, war neben dem Ränzchen auf den Tisch gebreitet. Das war freilich eine Freude für Aennchen, die ein kleines eitles Ding war und sich gar gerne putzen ließ.

Und so stand sie denn bald, ganz nagelneu angezogen, denn selbst Strümpfe und Stiefel waren neu, vor den Eltern und Geschwistern und kam sich förmlich wichtig vor, als sie nun das Ränzchen auf den Rücken nahm und Papa auf die Uhr sah und sprach:

»Nun muß unsere Tochter aber in die Schule fort; es ist hohe Zeit.«

Mama setzte ihren Hut auf und Aennchen nahm Abschied von den kleinen Geschwistern, als ginge es zum mindesten nach Amerika, dann gab sie Papa noch einen Kuß und fort ging es an der Mutter Hand zum Hause hinaus.

Auf der Straße erblickte sie eine Menge Schulkinder, Mädchen und Knaben und alle sahen sie neugierig an; je näher sie der Schule kam, desto mehr kleine Mädchen gingen mit ihnen denselben Weg, viele allein, manche von ihrer Mutter begleitet, denn das neue Schuljahr hatte noch nicht lange begonnen.

Das Schulhaus war ein großes altes Gebäude, welches wohl früher ein Kloster gewesen sein mochte. Es hatte ein großes Portal und so viele Fenster, wie Aennchen noch nie gesehen hatte. Aennchen stieg an der Hand der Mutter drei breite Treppen empor; das Herz klopfte ihr, als ob es zerspringen wollte, und sie sah gar nicht mehr, wohin sie ging. Da stand sie auf einmal in einem großen Saale und der Herr Lehrer kam auf die Mama zu und sprach mit ihr. Diese stellte ihr Töchterchen vor und sprach zu Aennchen, welche ihre Hand mit krampfhaftem Griff umklammert hielt:

»Sei doch nicht so furchtsam, Kind, und gib Herrn Milde eine Hand!« Da blickte sie langsam auf und in das Gesicht des Herrn Milde, der so sanfte Augen hatte, welche hinter einer Brille hervorblickten, und so freundlich lächelte, daß sie alle Furcht verlor und ihre kleine Hand in die seine legte. Nun blickte er sich um, die langen Reihe der Bänke entlang, welche Sitz an Sitz mit lauter kleinen Mädchen besetzt waren, und fragte:

»Ist kein Platz mehr für unser Aennchen übrig?«

In der dritten Reihe rückten zwei Mädchen zusammen und streckten die Finger in die Höhe:

»Hier!«

Herr Milde nahm Aennchen an der Hand und setzte sie zwischen die beiden Mädchen; ängstlich blickte sie sich nach der Mama um. Diese hatte sie allein gelassen bei all den fremden Mädchen. Sie legte den Kopf auf das Pult, barg das Gesicht in den Händen und weinte leise und ängstlich vor sich hin. Da streichelte ein weiches Händchen ihre Wange und eine sanfte Stimme flüsterte beruhigend:

»Sei ruhig, kleines Mädchen, du brauchst keine Furcht zu hegen.«

Aennchen blickte auf in ein sanftes Gesichtchen, das von schlichten hellen Haaren umrahmt war. Das Mädchen war klein und schmächtig gebaut und die rechte Schulter stand bedeutend in die Höhe; sie trug ein einfaches dunkles Kleid und eine hohe Schürze, um den Hals ein weißes Halstuch und sah so schlicht aus wie eine kleine Nonne. Aennchen fühlte sich neugierig angezogen und fragte, ihre Thränen trocknend:

»Wie heißt du?«

»Martha Traugott,« war die Antwort; »ich bin auch erst seit einigen Tagen in der Schule und schon ganz gut eingewöhnt, also siehst du, daß es nicht so schlimm ist.«

Die Nachbarin zur rechten Seite Aennchens, welche anfangs sehr spöttisch den Mund verzogen hatte, als sie diese weinen sah, blickte sie jetzt aufmerksam an und mischte sich in das Gespräch:

»Glaube ihr nicht, daß es nicht schlimm sein soll; ich sitze nun ein ganzes Jahr hier in der Klasse und finde es schrecklich.«

Aennchen blickte sie erstaunt an. Schon ein ganzes Jahr war sie hier in der Schule – wie furchtbar gelehrt mußte sie sein! Aeußerlich war freilich nichts Auffallendes davon zu sehen, außer daß sie sich ziemlich ungeniert benahm, sich bequem zurücklehnte und die Füße baumeln ließ und hinter des Herrn Lehrers Rücken an einer Schokoladentafel knusperte. Sie war ein wunderhübsches Geschöpf mit goldig rotem Haar, welches in tausend Löckchen um das reizende Gesicht flatterte; gekleidet war sie in ein blaues Samtkleid, aus dem ihre bloßen Schultern und Aermchen leuchtend hervorblickten. Aennchen glaubte, noch nie ein solch entzückendes Wesen erblickt zu haben, und atemlos flüsterte sie zu Martha hinüber:

»Wie heißt das Mädchen neben mir?«

Diese gab leise zurück: »Alma von Stolzau. – Aber jetzt darfst du nichts mehr sprechen – die Stunde beginnt.«

Denn soeben hob die Schuluhr zum Schlage aus und als die neun Klänge verklungen waren, da gab Herr Milde auf seinem Katheder, den er inzwischen bestiegen hatte, ein Zeichen und nahm eine Violine zur Hand.

Wir singen heute den Choral: »Ach bleib’ mit Deiner Gnade« – sagte er, »wer von den Neueingetretenen ihn von zu Hause her kennt, darf mitsingen.«

Aennchen kannte ihn wohl, die Mama hatte ihn oft mit den Kindern gesungen und so stimmte sie herzhaft mit in den Chor all der kleinen Kehlen ein. Auch ihre Nachbarin Martha sang mit klarer Stimme mit, Alma jedoch, obgleich sie schon so lange in der Schule war, hielt das feine Taschentuch an die Lippen, als ob sie Halsweh hätte, und sang nicht mit. Aennchen sah sie verwundert an.

Nach dem Choral betete die ganze Klasse stehend das Vaterunser und dann trat plötzlich eine tiefe Stille ein, bis Herr Milde gebot, die Griffel und Tafel sollten hervorgeholt werden. Das thaten nun alle mit großem Eifer und auch Aennchen nahm mit geheimem Stolz ihre schöne Tafel heraus – gewiß hatte keine der Schülerinnen eine gleiche – Marthas Tafel war wenigstens ganz einfach von Schiefer und weißem Holz, doch Alma besaß wirklich eine noch viel schönere und ihre Griffel waren mit Goldpapier umwickelt. Aennchen staunte!

Nun nahm Herr Milde eine Kreide zur Hand und schrieb an die Tafel ein kleines i – das sollten die Kinder nachschreiben und nun machten sich Hunderte von kleinen Fingern an diese Arbeit, während der Herr Lehrer von einer zur andern ging und Umschau hielt. Das gab harte Plage! Aennchen mühte und mühte sich, aber sie brachte keinen geraden Strich zu stande und bewundernd sah sie der kleinen Martha zu, welche schon eine Menge von schönen i’s gemalt hatte. Alma jedoch saß ganz müßig da.

»Warum schreibst du nicht?« fragte Aennchen erstaunt.

»Ich kann es schon und habe keine Lust,« gab sie nachlässig zur Antwort.

Als aber Herr Milde zu den drei Mädchen kam, da zeigte es sich doch, daß sie kein Recht hatte, zu thun und zu lassen, was sie wolle, denn er schalt sie aus, daß sie ihrer neuen Nachbarin kein besseres Beispiel gebe, die kleine Martha aber lobte er sehr und beauftragte sie, Aennchen etwas mit Rat beizustehen.

So ging die erste Stunde zu Ende, schneller, als Aennchen es gedacht hatte, und als es 10 Uhr schlug, da sprach Herr Milde:

»Nun dürft ihre eure Arbeit fortlegen und in den Garten springen!«

Jetzt ging ein Jubel und Lärmen los! Alle die vierzig Mädchen wollten laut zur Bank hinausstürzen, Herr Milde aber gebot: »Eine nach der andern und immer hübsch ruhig!« Da dämpften sie die fröhlichen Stimmen und schoben sich artiger zur Thüre hinaus. Auch Aennchen wurde mit fortgezogen in der Schar und befand sich schließlich in einem großen Garten, der nur wenige Beete und Blumen, dafür aber einen großen Kies- und Rasenplatz aufzuweisen hatte. Und auf diesen Plätzen spielten nun die verschiedenen Klassen und vergnügten sich, wie sie wollten.

Aennchens Mitschülerinnen hatten bald einen großen Kreis gebildet, sie kamen auch zu Aennchen und forderten sie auf, teilzunehmen. Fröhlich trat sie in die Reihe zum »Ringelreihspiel« und begann bald herzhaft zu springen und zu jauchzen und es ihrer Nachbarin, der ausgelassenen Alma, nachzumachen. Als der Kreis sich wieder drehte, sah sie die kleine verwachsene Martha ganz still und traurig außen stehen.

»Komm doch und spiele mit!« rief sie ihr zu.

»Geh, laß sie doch, sie ist ja bucklig,« wehrte ihr Alma laut und rücksichtslos ab.

Erschrocken sah Aennchen sich nach der Kleinen um, ob sie die schlimmen Worte gehört habe; wirklich glänzten dem armen Kind zwei große Thränen in den Augen und flossen langsam die schmalen Wänglein herunter. Aber Alma zog Aennchen mit sich fort und diese hatte einen solchen Respekt vor der glänzenden Gefährtin, daß sie ihr nicht zu wiedersprechen wagte, sondern sich im Gegenteil sehr geschmeichelt fühlte, so sehr von ihrer Gunst beglückt zu werden. Denn hier auf dem Spielplatz behauptete Alma entschieden die erste Rolle; sie gab alle Spiele an, entschied, wer sich dabei beteiligen durfte, lachte und jubelte am lautesten, sprang und tanzte am geschicktesten und verstand den Ball so hoch in die Luft zu schleudern und wieder zu fangen, wie Aennchen es noch nicht einmal von ihrem Bruder Fritz gesehen hatte. Sie staunte nur so vor Bewunderung und betete die neue Freundin förmlich an.

Freilich, als die Freiviertelstunde vorüber war und der Unterricht wieder begann, da mußte die Bewunderung für Almas Leistungen bald ein Ende finden, denn der Lehrer hatte gerade bei ihr immer am meisten zu tadeln und zu rügen.

Aennchen aber war ganz eingenommen von ihrer Nachbarin und diese verstand so reizend und witzig zu plaudern und ihr heimlich eine Menge Scherzhaftes zuzuflüstern, daß sie ganz den Unterricht vergaß und sich nur immer unterhalten wollte. Schon machte Herr Milde ernste Augen und sah oftmals herüber zu den kleinen Klatschmäulchen – Martha stieß die Nachbarin heimlich mit dem Fuße an, doch ruhig zu sein – allein Aennchen war wie bezaubert und die Folge ihrer Unachtsamkeit war schließlich, daß der Lehrer, ordentlich böse geworden, ihr am Schluß der Stunde die doppelte Hausaufgabe zuerteilte, als den andern, und Alma wurde gar ein Tadel ins Buch geschrieben.

Aufs tiefste beschämt nahm Aennchen die Strafe hin und suchte beim Aufbruch ganz zerknirscht ihre sieben Sachen zusammen; Alma jedoch flüsterte ihr zu, sich doch nichts daraus zu machen, dergleichen würde wohl noch öfter vorkommen. Sie faßte die neue Freundin unter dem Arm und zog sie mit auf die Straße. Unten an der Ecke des Hauses hielt ein reizender kleiner Wagen mit zwei munteren Ponies bespannt. Wie staunte Aennchen, als Alma darauf zusprang, in einem Nu den Bock erreichte und dem Kutscher die Zügel aus der Hand nahm.

»Adieu, mein Herz, auf Wiedersehen morgen!« rief sie lachend, dann schlug sie auf die Pferdchen ein und fort ging es im sausenden Galopp.

Aennchen stand noch lange und sah ihr nach; sie kam sich recht armselig vor, so zu Fuß nach Haus traben zu müssen, während die Freundin so stolz kutschieren konnte. Als sie noch dastand, kam eben die kleine bescheidene Martha vorübergegangen. Sie blieb stehen und fragte freundlich:

»Willst du vielleicht mit mir kommen, Aennchen?«

»Wo wohnst du denn?« fragte diese ziemlich kühl, »wir haben sicher nicht denselben Weg.«

»O doch,« erwiderte Martha. »Wir wohnen sogar sehr nahe zusammen und ich habe dich schon oft in eurem schönen Garten spielen sehen, denn meine Mutter hat die Wohnung in eurem Hinterhause seit einiger Zeit gemietet.«

»Aber warum bist du denn dann niemals zu mir in den Garten gekommen?« fragte Aennchen überrascht.

»Mutter erlaubte es nicht; sie sagte, wir hätten kein Recht dazu,« war die bescheidene Antwort. »Auch habe ich zum Spielen beinahe keine Zeit. Ich muß Mütterchen zu Hause an die Hand gehen und meiner kranken Schwester Gesellschaft leisten.«

»Aber du bist ja noch so klein?« staunte Aennchen.

Ein wehmütiges Lächeln fuhr über das sanfte Gesichtchen Marthas. »Freilich bin ich noch klein und schwach,« sagte sie, »aber ich thue eben, was ich kann; später wird es schon besser werden.«

Sie waren an Aennchens Haus angelangt; eine große, prächtige Eingangspforte führte hinein; weiter unten bildete eine schmale Thüre einen Durchgang, welcher zum Hinterhause führte. Hier schieden die beiden Schulmädchen voneinander; Aennchen sprang fröhlich und leichtherzig die Treppe hinauf und Martha schlich still von dannen.

Was hatte Aennchen heute zu Mittag alles zu berichten! Ihre ganze Phantasie war noch von der neuen Freundin Alma angefüllt, so daß sie ganz darüber vergaß, der Mama von der kleinen verwachsenen Martha zu erzählen. Sie kam sich den Brüdern gegenüber höchst wichtig mit ihren Erlebnissen vor und als Bruder Fritz sie wie sonst necken wollte, da meinte sie sehr stolz, diese Zeiten seien vorbei, sie sei nun ein Schulmädel und wolle sich nichts mehr gefallen lassen.

Nach Tisch mußte Fritz wieder in die Schule fort; Annchen aber hatte keine Stunde und da es fatalerweise zu regnen begann, so konnte nicht einmal in den Garten gegangen werden. Aennchen rief die kleinen Brüder zu sich auf den Hausflur zum Spielen; sie wußte zwar, daß um diese Zeit, wenn Papa schlafen wollte, nicht viel Geräusch gemacht werden durfte, und anfangs ging alles ganz still und artig zu. Bald aber fing sie mit den kleinen Knaben an, laut herumzutollen und Hermännchen so lang zu necken, bis er tüchtig zu schreien begann. Nun kam der Vater mit rotem Kopf zornig zur Thüre heraus und rief:

»Du nichtsnutziges kleines Mädel! Kannst du mich denn niemals schlafen lassen? Hast du keine Hausaufgabe für die Schule zu machen?«

Aennchen murmelte »Ja.«

»Dann marsch in die Stube und nicht eher heraus, bis alles gut fertig ist!«

So schlich denn Aennchen recht beschämt in die Kinderstube und setzte sich an den großen Tisch, wo sie sich auf ihrer Tafel bemühte, die aufgegebene Arbeit gut fertig zu bringen. Sie ächzte und seufzte dabei und sah immer sehnsüchtig aus dem Fenster, denn es hatte bereits zu regnen aufgehört und die Kinderfrau hatte die Brüderchen in den Garten genommen. Wie schwer doch das Stillsitzen war und die i’s standen alle so bucklig auf den Linien; doch endlich waren beide Seiten der Tafel bedeckt und nun atmete sie auf und sprang empor, ließ Griffel, Tafel und Ränzchen liegen, wie sie ausgebreitet waren – es zog sie hinunter nach dem Garten.

Doch halt, was tönte da für ein fröhlicher Lärm die Straße herauf. Pfeifen und Trommeln und Lachen und Schreien. Eben stürmte Fritz mit den Büchern unterm Arme den Hausflur herein: »Aennchen, komm, es giebt etwas zu sehen.« Und sofort flog diese mit ihm hinaus und starrte mit entzückten Augen die Wunder an, welche da vorüberzogen. Voran winzig kleine Pferde, auf welchen buntgekleidete Kinder saßen und standen, dann eine Schar Musikanten mit Pfeifen und Trommeln, dann ein großer großer Elefant, auf dessen Rücken lustige Aefflein Grimassen schnitten, und diesen nach ein großes braunes Kamel. Und nun folgten noch ein Zebra und eine Menge anderer Tiere, welche Aennchen nicht kannte, es war ein Lärm und Getöse und die Gassenjugend jubelte und stürmte hinterdrein. Aennchen wußte sich vor Entzücken kaum zu fassen und als vom ganzen Zug endlich nichts mehr zu sehen war, da stürmte sie mit Bruder Fritz die Treppe hinauf, den Eltern das Wunder zu berichten. Papa hatte auch aus dem Fenster geschaut und meinte nun freundlich:

»Ja, ja, solch eine Menagerie ist wohl interessant und wenn meine beiden großen Schulkinder sich bis morgen recht gut aufführen und gute Noten nach Hause bringen, dann führe ich euch morgen abend in die Vorstellung.«

Wer war glücklicher als die beiden Geschwister! Sie sprangen und jubelten und konnten den andern Tag kaum erwarten. Fritz mußte Aennchen alles erzählen, was er in der Schule schon von fremden Tieren erfahren hatte, wo die Heimat der Elefanten und Kamele sei und wie sich die verschiedenen andern Tiere alle benennen. Und gleich begannen sie dann im Garten selbst mit den kleinen Brüdern Menagerie zu spielen.

Als Aennchen spät abends endlich erhitzt zum Schlafengehen herauf kam, zankte Lisette tüchtig und sagte:

»Du hast heute wieder eine schöne Unordnung hinterlassen, Wildfang. Als ich hereinkam, waren die Kleinen über deine Sachen her und ich konnte sie nur gerade noch retten, indem ich alles rasch ins Ränzel zusammenwarf. Nun magst du selbst sehen, ob alles in Ordnung ist.«

»Es wird schon in Ordnung sein,« erwiderte Aennchen leichtsinnig und blickte nicht mehr nach dem Ränzchen um; sie ließ sich auskleiden und schlief fröhlich ein.