Und doch, ohne „Rani“ nach Europa zu gehen, schien dem Maharadscha ebenfalls unmöglich. Nach allen Seiten sandte er Beauftragte, um ihm die zu suchen, die seinen Enthusiasmus für Europa zu teilen und gleich ihm alles Indische abzustreifen bereit war. Jedoch vergeblich. Endlich entschloß er sich, sein Glück selbst zu versuchen und nach einer geeigneten Rani Umschau zu halten.
Dschagatdschit Singh hatte die Erlaubnis des Vizekönigs erhalten, auf vierzehn Tage das ihm selbst in Simla, dem Sommersitz der anglo-indischen Regierung im Himalaja, gehörende Haus bewohnen zu dürfen. Der Aufenthalt dort ist aus Gründen der Rücksicht auf die Engländer Indiens für die Fürsten Indiens beschränkt. Sie vermehren durch den endlosen Troß ihrer Bedienung die sehr fühlbare Wohnungsnot dieser für die Gesundheit der Beamten unentbehrlichen Bergfrische und treiben durch protzenhafte Verschwendung die Preise in die Höhe. Es muß also jedesmal eine besondere Erlaubnis zum Besuche des Ortes erwirkt werden. Nur ausgewählte Günstlinge der Regierung, wie der Scindia von Gwalior oder das Haupt der Radschputen, der Maharadscha von Bikanir, die zu persönlichen Adjutanten des Königs von England und Kaisers von Indien ernannt worden sind, dürfen jederzeit den geheiligten Boden betreten.
Unweit von Simla findet alljährlich ein großer Markt, „Sibi-Markt“, statt, wohin Eltern ihre unverheirateten Töchter bringen, um sie heiratslustigen Männern zur Wahl vorzustellen. Es ist dies keineswegs entehrend. Achtbare Bauernfamilien, Semindare, Landbesitzer und höhere Kasten machen von dieser Gelegenheit, ihre unversorgten Töchter zu verheiraten, Gebrauch. Witwer oder kinderlose Ehemänner suchen sich dort eine neue Gattin zu kaufen. Zwar stimmen die so an den Mann gebrachten Mädchen nicht immer mit dem von den Eltern abgeschlossenen Handel überein, sei es, daß dem Mädchen der Käufer zu alt oder sonst nicht annehmbar erscheint. In solchem Falle verflüchtigen sie sich noch vor der festgesetzten Abreise. Der Bräutigam hat das Nachsehen und ist sein Geld an die Eltern losgeworden. Allzu bindend sind diese Kontrakte nicht, die von den Gerichtshöfen nicht ernst genommen werden.
Der Maharadscha von Kapurthala benutzte nun den Aufenthalt in Simla, um den Sibi-Heiratsmarkt zu besuchen. Dort sah er ein junges, sechzehnjähriges Mädchen, schlank, mit klugem Gesicht, in der Hautfarbe nicht dunkler als eine Italienerin; denn dies war für Dschagatdschit Singh die Hauptsache. Er selbst war zwar braun wie eine Ratte, hielt aber seine Gesichtsfarbe für rosig. Für diese Vorliebe hatte er gute Gründe. Die Verachtung der Engländer für „niggers“ gibt sich überall im Osten und in Australien in der auffälligsten und beleidigendsten Weise kund, und wird natürlich stets zunächst von der Gesichtsfarbe des Betreffenden ausgelöst. Es ist daher nicht verwunderlich, daß der Maharadscha in seinem Bestreben, möglichst europäisch zu wirken, auf recht hellen Teint größtes Gewicht legte. Das junge Mädchen, das Kanari hieß, wurde nun für die Summe von dreihundert Rupien oder etwa 450 damaligen Mark sein Eigentum. Unter der Etikette einer Kammerzofe der Maharani kam sie nach Kapurthala. Es dauerte nicht lange, und sie hatte die Lage vollkommen verstanden, fanden sich doch genügend Leute, sie über die Anschauungen und Absichten des Maharadscha aufzuklären.
Doch noch zögerte Dschagatdschit Singh, den entscheidenden Schritt zu tun. Zwar war auch ihm nicht unbekannt, daß Kanari bereit war, ihm in seinen europäischen Ansichten bis zur Grenze des Möglichen entgegenzukommen. Aber der Schritt, in so ausgesprochener Weise mit allen Anschauungen seiner Umgebung zu brechen, bereitete ihm doch noch Kopfzerbrechen. Da entschied ein indisch-ehelicher Zwischenfall über die Zukunft des klugen Mädchens.
Der Hof von Kapurthala war nach Dharamsala im Gebirge übergesiedelt, und dort überraschte der Maharadscha eines Tages die Rani Luxmi, seine zweite Frau, beim vertrautesten Zusammensein mit einem seiner Kammerdiener. Dieser Schlag traf den unwiderstehlichen Don Juan an seiner empfindlichsten Stelle. Er verlor sein sonst so ausgeprägtes Gleichgewicht, seine stoische Ruhe. Mit eigener Hand verprügelte er den Diener, und fast hätte er sich auch an der Rani Luxmi vergriffen.
Dieser Vorfall bewirkte, daß er nicht länger zögerte, Kanari zu seiner Rani zu machen. Nach Kapurthala zurückgekehrt, vollzog er unter großen Festlichkeiten die Erhebung des schönen Mädchens zu seiner fünften Gemahlin und Lieblingsfrau. Die Zenanaräume, in denen die Frauen des Maharadscha wohnten, lagen im zweiten Stock des Palastes, wo nun auch Rani Kanari ihre Zimmer erhielt. Bis zu ihrer Ankunft hatten die Damen es stets für unvereinbar mit ihrer Würde als Radschputen gehalten, mit dem Maharadscha, der aus einer niederen Kaste stammte, zusammen zu speisen. Denn wenn sie auch nichts dagegen hatten, seine Frauen zu sein, so ist die Zeremonie des Essens doch von bedeutend größerer Wichtigkeit. Als sie aber gewahr wurden, daß die Rani Kanari keinen Anstoß nahm, mit dem Maharadscha sogar auf europäische Weise zu Tisch zu sitzen, ließen sie sich herbei, den Maharadscha einmal wöchentlich zu ihren gemeinsamen Mahlzeiten zu bitten; vielleicht auch, um über der neuen Gemahlin nicht ganz vergessen zu werden.
Eine Gouvernante mußte der Rani Kanari französischen Unterricht erteilen. Die blendendsten Kleider, die prächtigste Unterwäsche traf für sie aus Paris ein, die ihrer schlanken, biegsamen Gestalt entzückend standen. Schon träumte der Maharadscha davon, die große Welt Europas zu den Füßen seiner Rani liegen zu sehen. Sie sollte Weltdame in höchster Vollendung werden, und sein Ehrgeiz war, zu zeigen, daß eine reine Inderin es fast in jeder Hinsicht mit den Damen der europäischen Völker aufzunehmen vermöge.
So anerkennenswert auch dieses Bestreben unter gewissen Gesichtspunkten sein mag, und so gut sich auch die von ihrer Heimat im Gebirge her nicht so kastenstreng und orthodox erzogene Rani Kanari dazu eignete, eins übersah Dschagatdschit Singh und mußte es übersehen — denn Psychologie war ihm von seinen englischen Lehrern nicht ausreichend nahe gebracht worden. Der gegenüber seiner eigenen robusten Natur feiner und reizbarer geschaffene Organismus des jungen Mädchens verfiel viel zu schnell den Einflüssen europäischer Genußmittel. Die Anregung, die Weine, Sekt und Liköre auf sie ausübten, wurde ihr bald zum Bedürfnis, und sie fand nur zu viele Helfer, die ihr bereitwillig auch in ihre Gemächer Kognak und ähnliche starke Spirituosen zusteckten.
Dem Maharadscha, dem dies nicht verborgen blieb, ging diese Neigung des schönen, jungen Mädchens sehr nahe, war er doch selbst bei aller Wertschätzung, die er einem Glase Wein oder Champagner entgegenbrachte, stets mäßig geblieben. Er hoffte, daß die so lange geplante Reise nach Europa, die er nun bald anzutreten beabsichtigte, die Rani Kanari von ihrer fatalen Angewohnheit heilen würde.
Solche Reisen der Vasallenfürsten Indiens unterliegen aber der Genehmigung der anglo-indischen Regierung, die in jedem einzelnen Falle besonders eingeholt werden muß. Im Prinzip besteht eine starke Abneigung, die Erlaubnis zu erteilen, was seine guten Gründe hat. Es hat sich stets gezeigt, daß die Behandlung, die in Europa den indischen Fürsten zuteil wird, nur zu geeignet ist, ihr Selbstbewußtsein zu stärken. Nicht nur behandelt man sie dort ganz allgemein als gleichberechtigt, wirbt um ihre Gunst als Kunden und Gäste und ergeht sich in Ehrenbezeugungen, sondern in London wurden Maharadschas als Ehrengäste an der königlichen Tafel empfangen; auf Dampfern und in den Bahnzügen konnten sie sich die besten Plätze mit ihrem Gelde kaufen, und die teuersten Zimmerfluchten standen ihnen in den besten Gasthäusern auf Wunsch anstandslos zur Verfügung.
In Indien jedoch, wie in allen englischen Besitzungen des Ostens, ist das anders. Überall macht die Unterkunft in den Gasthöfen Schwierigkeiten und muß sehr teuer bezahlt werden. Die besten Zimmer zu erhalten, ist ganz ausgeschlossen. Die Gäste englischer Abstammung wenden sich sowieso sofort an die Hotelleitung mit Beschwerden über die Anwesenheit eines „dreckigen Negers“ im Hause, drohen mit dem Boykott oder mit Veröffentlichung der Tatsache, die nur zu geeignet ist, die betreffenden Häuser bei den reisenden Engländern in schlechten Ruf zu bringen. Daß man jemals einen indischen Fürsten, sei er auch noch so reich, zu irgendwelchen Geselligkeiten der englischen Gesellschaft an den besuchten Plätzen einlüde, ist eine vollständige Unmöglichkeit.
Wenn dies seinen Grund auch zunächst in der allgemeinen Überheblichkeit und Unwissenheit des Europäers, und ganz besonders des Engländers, über die wirklichen Grundlagen der verschiedenen asiatischen Kulturen hat, deren, von der seinen so ganz verschiedenen, Aufbau und Entwicklung er verständnislos gegenübersteht, so spielen doch ebenfalls auch sehr praktische Fragen mit, diesen Standpunkt überall und weitestgehend durchzuführen. Im Verhältnis zwischen besonders Engländern und Asiaten — von afrikanischen Negern ganz zu schweigen — ist alles auf schärfste Betonung der Gegensätze zwischen Weißen und Farbigen angelegt. Nicht zum wenigsten dadurch, daß man immer und überall ohne jeden Unterschied der Bildung, der Stellung, der Würde, des Vermögens jeden Farbigen sich mit hochmütiger Geste vom Leibe hält und ihn vollständig von der Teilnahme am inner-gesellschaftlichen Leben ausschließt, hat man es erreicht, daß das ungeheuere Land Indien mit seinen weit über dreihundert Millionen Einwohnern sich einer Handvoll Engländern so viele Jahrzehnte hindurch willenlos gebeugt hat.
Dies hindert jedoch keinen der weißen Herren und Damen, ihrerseits die Gastfreundschaft eines reichen indischen Fürsten so viel wie nur immer möglich in Anspruch zu nehmen, seine Feste mitzufeiern, seine Pferde zu reiten, seine Jagden mit ihrer Gegenwart zu beehren, seine Geschenke anzunehmen, — und mögen über die Zustände an irgendeinem großen indischen Fürstenhofe noch so skandalöse Klatschereien im Umlauf sein, und Klatsch ist das Öl in den Rädern des anglo-indischen Gesellschaftslebens, — keiner der so hochmoralischen englischen Damen würde es einfallen, sich dadurch von einer Eintragung in das Besuchsbuch eines indischen Fürsten abhalten zu lassen.
Selbstverständlich waren diese Zusammenhänge auch Dschagatdschit Singh bekannt, und wie alle Inder, die in ihrer Eitelkeit äußerst empfindlich sind, fühlte er scharf und bitter das Zurücksetzende und Beleidigende dieser Behandlung. Daher auch seine Sehnsucht nach Europa und seine Vorliebe für den Westen, die sein erster Besuch nur um so fester gründen sollte.
Mit der Rani Kanari als zukünftige europäische Modedame zur Seite, drängte er darauf, die vizekönigliche Erlaubnis zu erhalten, die ihm 1893 auch zum ersten Male erteilt wurde. Sofort begannen die praktischen Vorbereitungen, die besonders hinsichtlich der nach Hindu-Begriffen unmöglichen Mitnahme der Rani Schwierigkeiten machten. Doch es wurde ein Ausweg gefunden. Die Rani reiste als Jüngling verkleidet, und wenn sie als solcher auch überall wegen ihrer Schönheit das größte Aufsehen erregte, so war dies doch immer noch nicht so schlimm, als sie in ihrer wirklichen Rolle als Rani des Maharadschas die Überfahrt von Indien nach Europa machen zu lassen[5].
Je näher Dschagatdschit Singh nun endlich dem Ziele seiner jahrelangen Sehnsucht, Paris, kam, desto höher stieg seine Erwartung. Er sollte auch nicht enttäuscht werden. Damals gehörten authentische indische Maharadschas noch zu den Seltenheiten, und man überhäufte ihn mit Einladungen.
Doch der Ehrgeiz des Fürsten stand nach anderem. Er wollte gleich dem späteren König Eduard VII. eine Rolle in der Welt, in der man sich nicht langweilt, spielen. Geld genug stand ihm zur Verfügung. Er war also im siebenten oder achten Himmel, als ihm eines Tages bei einem von ihm gegebenen Essen im Café de Paris durch irgendeinen der tönend betitelten französischen Rastas — sie stammen meistens aus der Walachei und ihre Titel bestenfalls vom Papste — die damals gefeiertste Schönheit der Pariser Lebewelt, Liane de Pougy, vorgestellt wurde. Sie war die geschiedene Frau eines französischen Marineoffiziers und lebte, dank der Freigebigkeit eines russischen Großfürsten, auf sehr großem Fuße, besaß einen selten schönen Juwelenschatz und war nicht zum wenigsten auch wegen ihrer prachtvollen Perlen berühmt.
Diese kleinen Nebendinge entgingen dem indischen Krösus, der sich stets mehr auf seine schönen Körpergaben als Adonis einzubilden liebte, als von seinen mehr praktischen Eigenschaften Gebrauch zu machen. Daher zweifelte er auch nicht daran, den russischen Großfürsten in den Gefühlen der schönen Frau ersetzen zu können und war begeistert, auf diese Weise Indien gegen Rußland in der glanzvollen Pariser Gesellschaft zum Siege zu verhelfen.
Liane de Pougy aber sah sich schon im Besitz eines neuen Prunkstückes für ihre Juwelensammlung und lud huldvollst den strahlenden Maharadscha zum Tee in ihre Wohnung in der Avenue du Bois de Boulogne. Um sich seiner Meinung nach würdig einzuführen, verlor Dschagatdschit Singh keine Zeit, sondern erstand promptest für zwölftausend Franken ein Armband bei seinem Hofjuwelier in der Rue de la Paix, der ihm sehr wahrscheinlich auch noch indische Preise machte, und sandte dieses Angebinde mit wohlgesetzten Worten der Schönen, die er Rußland zu entreißen gedachte.
Als er nun allein und ohne Adjutanten zu seinem Besuch in der Wohnung der gefeierten Liane eintraf und mit ihr am Teetisch saß, bemerkte er zu seinem Entsetzen, daß das ihn bedienende Mädchen mit spöttischem Lächeln ihm das ihrer Herrin gesandte Armband am eigenen Arm bei jeder Handreichung vor die Augen hielt.
Immerhin war er taktvoll genug, den ihm angetanen Affront ohne Erwähnung zu lassen, und auch Liane de Pougy, die ein Schmuckstück von märchenhaftem Wert aus der indischen Schatzkammer des Maharadscha erwartet hatte, ließ kein Wort über die Angelegenheit fallen. Anscheinend erschien ihr der indische Adonis zu sehr Othello, ein Gedanke, der allerdings Seiner Hoheit dem Maharadscha von Kapurthala niemals gekommen wäre.
Tief bedrückt von dem schmählichen Ausgang dieses ersten Abenteuers, das ich mir alle Mühe geben mußte, nicht ruchbar werden zu lassen, kam er zurück. Doch in seiner angeborenen Freundlichkeit lehnte er später nicht ab, der Hochzeit Liane de Pougys mit dem Zigeunerprinzen Ghika den Glanz seiner Anwesenheit zu leihen.
Die Rani Kanari vergnügte sich unterdessen auf ihre eigene Weise. Sie kostete alle Schnäpse und gab sich einem eingehenden Studium der verschiedenen Champagnermarken und Weinsorten hin. Dabei vernachlässigte sie aber ihre äußere Erscheinung nicht und erfüllte alle Wünsche des Maharadscha, indem sie in immer neuen und blendenden Toiletten die Rennplätze besuchte, wo sie mit mehr Glück als Verständnis wettete. Als man sie gar eines Tages in Auteuil für Cleo de Merode hielt und daraufhin ansprach, fühlte Dschagatdschit Singh sich für alle seine Mühe mit ihr reichlich belohnt. Was konnte ihm mehr schmeicheln, als daß seine Rani der damals auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes als Weltdame stehenden Geliebten Leopolds, des Königs der Belgier, zum Verwechseln ähnlich sah?
Von Paris ging die Reise nach London, um der Königin von England Besuch zu machen, worauf die Weiterreise zur Weltausstellung in Chikago erfolgte. Dort machte der Maharadscha die Bekanntschaft der Familie Leiter, deren drei bildschöne Töchter ihn durch ihr ungezwungenes Benehmen auf das höchste begeisterten. Damals ahnte er noch nicht, wie teuer ihm die Bekanntschaft mit ihnen zu stehen kommen sollte, als die eine von ihnen Lord Curzon, den späteren Vizekönig von Indien, geheiratet hatte.
Der Aufenthalt in den Staaten dagegen gefiel ihm weniger. Man behandelte ihn mehr wie eine Kuriosität, ein sensationelles Ereignis, denn als tonangebenden Pariser Weltmann, und trug, trotz seiner Einladungen, die man sich gern gefallen ließ, die amerikanische Geringschätzung und Abneigung gegen jeden „Neger“ offen zur Schau. Enttäuscht fuhr er daher über England nach Indien zurück.
Das Diamant-Jubiläum der Königin Victoria sah uns wieder in Europa. Nach kurzem Aufenthalt in Paris rief die Pflicht. Wir mußten in das Hotel Cecil in London übersiedeln, und kurz darauf wurde der Maharadscha nach Windsor befohlen.
Die Königin Victoria zeigte in ihren letzten Lebensjahren gesteigertes Interesse für Indien und war soweit gegangen, selbst Hindostani zu lernen. Ihr Lehrer war ein Mohamedaner, Munschi Hafis, aus Agra, der am Hofe von St. James für einen gewissenlosen, geldgierigen, ränkevollen Emporkömmling galt. Daß ihm zur Ausübung solcher Eigenschaften genug Möglichkeiten zu Gebote standen, lag in dem Umstande, daß die Königin sich mehr und mehr mit eingeborenen indischen Dienern umgab und sich mit Vorliebe von ihnen im Park von Windsor spazieren fahren ließ. Bei diesen Gelegenheiten übte sie sich mit ihnen in Hindostani, wobei ihr nach indischer Art vornehmlich Klatschgeschichten vorgetragen wurden, deren Kenntnis sie dann wieder zu recht unangenehmen Maßnahmen für die Betreffenden veranlaßte. Da nach und nach die Königin niemals ohne indische Dienerschaft um sich zu haben war, konnte kein Weißer sie sprechen, ohne daß Munschi Hafis davon Kenntnis erhielt, denn die Inder verstanden alle genügend Englisch, um den geführten Gesprächen zu folgen.
Dabei waren diese Leute von einer unausstehlichen Hochmütigkeit und Überhebung, so daß das Leben des Hauspersonals der Königin während deren letzter Lebensjahre wenig friedlich verlief. König Eduard verlor keine Zeit, den intriganten Munschi Hafis an die Luft zu setzen.
In Windsor eingetroffen, wohin der Maharadscha zur Tafel befohlen war, machten wir einen Spaziergang im Schloßgarten. Dort traf der Maharadscha einige dieser Diener, die er in seiner freundlichen Art in ihrer Muttersprache anredete. Doch als auserwählte Lieblinge der weißen Königin behandelten sie ihn kaum als ihresgleichen, bis einige Goldstücke ihren Stolz schmelzen ließen und sie zu untertänigster Haltung veranlaßten.
Aus irgendeinem Grunde wurde von dem Haushofmeister der Königin übersehen, mir mitzuteilen, wo ich während meines Aufenthaltes im Schloß meine Mahlzeiten einnehmen sollte. Als daher der Maharadscha, dessen Zimmer an die meinigen stießen, von dem indischen Günstling der Königin, Munschi Hafis, der in indischer Tracht, mit Perlen und Edelsteinen geschmückt, erschien, zur Tafel abgeholt wurde und man unsere beiden Kammerdiener ebenfalls irgendwohin zum Essen führte, machte ich mich auf, um in dem dem Schloß gegenüberliegenden Gasthaus „Zum weißen Hirsch“ zu Abend zu essen.
Als ich abends zurückkam, fand ich den Maharadscha, von indischen Dienern umringt, im Salon unserer Wohnräume, freudestrahlend in die Betrachtung des Ordens versunken, den ihm die Königin eigenhändig überreicht hatte, wobei ich gesprächsweise erwähnte, wo ich meinerseits den Abend zugebracht hatte.
Im nächsten Jahre waren wir wiederum in England, und der Maharadscha wurde von neuem von der Königin eingeladen, nach Windsor zu kommen. Ich hatte noch nicht die Handschuhe abgestreift, als der oberste Hausverwalter, der „Chief Stewart“ der Königin, vor mir stand und mir die bittersten Vorwürfe machte. Zuerst verstand ich den Sinn der langen Rede durchaus nicht, bis mir klar wurde, daß meine vorjährige Bemerkung dem Maharadscha gegenüber hinsichtlich meines abendlichen Besuches des „Weißen Hirschen“ von den indischen Dienern gehört und der Königin überbracht worden war. Sie hatte dann den unglückseligen Vorstand der Hofverwaltung zur Rede gestellt, der selbstverständlich über den unerhörten Vorfall, daß Gäste ihrer britischen Majestät sich mühsam ihr Abendbrot in einem, sei es auch noch so nahen Gasthofe beschaffen mußten, entsetzt gewesen war, ganz abgesehen von dem Verweis, den er sich dank der indischen Zwischenträgerei zugezogen hatte.
Als ich ihm sagte, daß man doch nicht erwarten könne, ich werde, um meinen Hunger stillen zu können, in dem Riesenbau des Schlosses zu Windsor aufs Geratewohl umherirren, versprach er, mich dieses Mal selbst abzuholen, wodurch mir Gelegenheit geboten wurde, mit den hohen Dienern der hohen englischen Hofgesellschaft zu essen.
Nachdem ich dem Maharadscha sein Turban-Diadem und sein großes Perlenhalsband ausgehändigt hatte — die Verwahrung der Millionenwerte an Schmucksachen, die er mit sich führte, hatte ich übernommen, denn die Unerfahrenheit eines Inders wäre nur zu leicht von der Schlauheit irgendeines europäischen Liebhabers solcher Gegenstände ausgenutzt worden —, erschien dann auch der oberste aller oberen Diener der Königin, befrackt und besternt, und führte mich in das Speisezimmer der „unteren“ Hofgesellschaft. Dort fand ich die Stewarts und Kammerzofen der Elite der oberen englischen Zehntausend versammelt, alle in großer Toilette und von einer Haltung, die der der Herzöge, Lords und Barone an der „oberen“ Hoftafel nichts nachgab. Da war der Post- und Telegraphenverwalter, der Obergärtner, der Chef der Palastpolizei, die Vorsteherinnen der königlichen Wäschekammern, die der Kleiderschränke und was sonst noch Rang und Würde im königlichen Haushalt hatte. Ich selbst saß neben dem Großmogul dieser unmittelbaren Trabanten der Person ihrer großbritannischen Majestät, dem Chief-Stewart.
Auf der weißen Tafel lief ein zierliches Schienengleis ringsum, das in einem silbernen Behälter alle Sorten von Getränken enthielt, von denen ein jeder sich nach Belieben bedienen konnte. Jedoch dies Belieben unterlag einem leichten Zwange, indem nach jedem Gang — und ihre Zahl gab der der „oberen“ königlichen Tafel kaum nach — der Chief Stewart sich erhob und der Reihe nach das Wohl der Königin, das des Prinzen von Wales und absteigend der weiterfolgenden Mitglieder des königlichen Hauses ausbrachte, was jedesmal stehend unter Leerung der Gläser getrunken wurde. Diese „libationes ad majestatem“ brachten die Herrschaften sehr bald in eine etwas angeregte Stimmung. Als ich aber nach Aufhebung der Tafel und dem Abmarsch der Damen nach englischer Sitte in den anstoßenden Salons bat, mir ein Glas von dem berühmten alten Whisky des Schlosses zu geben, sah mich — fast hätte ich gesagt, Seine Hoheit — der Chief Stewart erstaunt an und erklärte mir, daß jeglicher Likör ebenso wie das Rauchen in den Schlössern ihrer Majestät verboten seien. Doch der Postverwalter erbarmte sich meiner und lud mich ein, das Ende des Abends bei ihm zu verbringen, wo, wohl wegen der Wahrung des Postgeheimnisses, die Überwachung der Befehle der Königin auf gewisse nur ihm bekannte Schwierigkeiten stieß.
Der Maharadscha war von seiner Abendunterhaltung weniger befriedigt als ich. Er hatte auf die nächsthöhere Klasse des ihm im vergangenen Jahre verliehenen Sternes von Indien gehofft, aber nur ein, wenn auch annehmbares Abendessen erhalten.
Am nächsten Morgen saß ich vor acht Uhr, noch im Schlafanzuge, in dem Wohnraume unserer Zimmerflucht, als plötzlich ein Herr gemeldet wurde, Lord Strafford, der Oberhofmarschall der Königin, der dem meldenden Diener auf dem Fuße folgte. Mit liebenswürdiger Handbewegung schnitt er meine Entschuldigung über meinen unvollkommenen Anzug ab, und sagte, er müßte unbedingt und sofort den Maharadscha sehen, der, da er nie vor elf Uhr aufstand, natürlich noch zu Bett lag. Ich entschloß mich aber, den Fürsten zu wecken.
Vergeblich zerbrach sich der Maharadscha den Kopf, wo, wie und wann er wohl gegen die Hofetikette verstoßen haben könne und war entsetzt, als er hörte, daß ich mit dem Oberhofmarschall im Nachtanzug gesprochen habe. Zum Schluß sollte ich versuchen, festzustellen, was denn die Ursache dieses ungewöhnlichen und frühen Besuches sei, während er sich ankleidete.
Doch als ich hörte, daß es sich für den Maharadscha nur darum handele, sich in das Gästebuch einzutragen, war ich ganz damit einverstanden, daß dieser hochwichtige Akt sehr wohl von Dschagatdschit Singh im Bett vollzogen werden könne, und wir verfügten uns daher in das Schlafzimmer des Maharadscha, der immer noch darüber grübelte, welche Missetat er wohl begangen haben möge. Erleichtert atmete er auf, als der Oberhofmarschall ihm Buch und Feder reichte, um seinen Namen einzutragen, aber noch lange nachher war er tief entrüstet über die Unhöflichkeit, Gäste wegen einer solchen Kleinigkeit mitten in der Nacht im Schlafe zu stören. In Indien wäre man sicherlich mehr auf die Bequemlichkeit und das Wohl seiner Gäste bedacht, worin er unzweifelhaft recht hatte.
Überhaupt hatte der Aufenthalt im Schlosse zu Windsor wenig Angenehmes. Schon die Bedienung ließ zu wünschen übrig. An den altmodischen Schellen konnte man sich zum Glöckner ausbilden, ehe ein dienstbarer Geist sich zum Erscheinen bequemte; doch zum Empfang der Trinkgelder waren sie alle vollzählig und pünktlich zur Stelle.
Wir waren daher froh, wieder unsere Zimmer im Hotel Cecil in London beziehen zu können, wo der Aufenthalt zwar nicht so historisch-majestätisch, dafür aber mehr modern-menschlich war.
Immer auf der Jagd, seinen Ehrgeiz als Don Juan der großen Welt zu stillen und Indien auf seine Weise in Europa zur Geltung zu bringen, war es dem Maharadscha irgendwie gelungen, die berühmte Cavalieri kennenzulernen. Sie war als Blumenmädchen irgend jemandem aufgefallen, der sie für das Theater ausbilden ließ, wofür sie ihn mit einem Jungen beschenkte. Eine große, hoheitsvolle und doch anmutige Gestalt, war die berühmte Italienerin eine der ersten Schönheiten jener Jahre.
Aus irgendeinem Grunde suchte ich den Maharadscha an jenem Abend der Cavalieri in seinem Privatspeisezimmer nochmals auf und fand den Tisch für zwei Personen gedeckt. Da er die Rani Kanari auf das Land zu Bekannten gesandt hatte und er selbst meistenteils abends auswärts aß, fragte ich, wen er wohl erwarte. Freudestrahlend weihte er mich in das Geheimnis ein.
Er, der indische Maharadscha, sei von einer Dame auserwählt, die selbst von europäischen Fürsten umworben werde. Er war sichtlich ganz begeistert über seinen Erfolg, und ich war gespannt, ob sie, die Cavalieri, wohl überhaupt erscheinen werde. Und sie kam.
„Comment ça va, Maharadja!“ begrüßte sie ihn herablassend in ihrem italienischen Französisch.
Ich beglückwünschte ihn noch auf hindostanisch und warnte ihn vor unüberlegten Ausgaben, denn ich fürchtete neue Komplikationen.
Als ich gegen elf Uhr zurückkam, war der Wagen der Cavalieri verschwunden, und ich hörte, daß sie, ganz Liebenswürdigkeit und Anmut, kurz vorher das Hotel verlassen habe.
Am nächsten Morgen suchte ich Dschagatdschit Singh auf und fand zu meinem Erstaunen im Wohnzimmer sein persönliches Scheckbuch offen auf dem Tisch liegen. Von bösen Ahnungen erfaßt, sah ich mir die letzte Seite an, wo ein Scheck über tausend Pfund an L. C. — L. Cavalieri — verzeichnet stand. Ich legte das Buch vorsichtshalber in eine Schublade und wartete ab, was ich wohl hören würde. Augenscheinlich war der Fürst nicht ganz so entzückt von seiner Eroberung wie am Abend vorher. Er teilte mir aber mit, ich möchte die Zimmerflucht neben der seinen bei der Hotelverwaltung für ihn belegen lassen, denn gegen vier Uhr würde die Cavalieri eintreffen, die ihre Wohnung im Savoy-Hotel aufgäbe, um ins Cecil überzusiedeln.
Obgleich die fraglichen Zimmer von einem deutschen Prinzen bestellt waren, gab die Hotelverwaltung doch dem Maharadscha den Vorzug. Dschagatdschit Singh beabsichtigte nach dem Tee mit der Cavalieri im Hyde-Park aller Welt seine Überlegenheit als Herzensbezwinger vor Augen zu führen. Im Hofe wartete sein offener Landauer mit den indischen Dienern. Der Teekessel summte. Die Brötchen lagen bereit. Doch keine Cavalieri kam. Mir ahnte Böses.
Endlich wurde ein Groom in das nahegelegene Savoyhotel gesandt, der mit der Nachricht zurückkam: Madame Cavalieri sei um elf Uhr früh mit dem Nordexpreß nach Petersburg abgereist!
Wie ich einige Tage darauf von dem mir gut bekannten Leiter des Savoy-Hotels, dem berühmten Hotelier Ritz, erfuhr, hatte sie ihre langausstehende Rechnung mit einem Scheck des Maharadscha von Kapurthala über tausend Pfund beglichen und sich den überschießenden Betrag auszahlen lassen.
Dschagatdschit Singh war tief unglücklich. Nur die Rani Kanari, die selbstverständlich davon erfuhr, freute sich.
Möglicherweise trug diese Enttäuschung zu einem der für Dschagatdschit Singh sicherlich schwierigsten Entschlüsse bei, den er je durchgeführt hat: sich die Haare schneiden zu lassen. Es geschah dies in Ostende, und auf die Nachricht, daß Felix Faure eine offizielle Reise an den Hof von St. Petersburg machen würde, beschloß der Maharadscha, ebenfalls dorthin aufzubrechen. Vor dem Antritt dieser Reise vollzog sich nun dieses unerhörte Ereignis des Haareschneidens.
Dschagatdschit Singh gehörte der Kaste der Sikh an, deren Kastenabzeichen gerade das ungeschnittene Haar ist. Sie tragen es zu einem Knäuel geschlungen unter dem Turban, und es ist Todsünde, es mit der Schere zu berühren. Jedoch die langen Haare sind äußerst lästig, denn sie müssen oft gewaschen werden, und das Trocknen nimmt viel Zeit in Anspruch. Dazu bedingen sie das ständige Tragen eines Turban, und den Turban wieder muß ein Jeder kunstgerecht sich selbst binden, da es eine außerordentliche Kunstfertigkeit und Übung erfordert. Nur der Träger kann ihn so um den Kopf legen, daß er gut Halt hat und kleidsam wirkt. Jedoch mit dem Turban angetan war der Maharadscha auf einen Kilometer als Inder kenntlich. Den Turban aber ablegen und die Haare behalten war ebenfalls unmöglich, also ließ er sich, ohne jemandem ein Wort davon zu sagen, die verräterischen und lästigen Haare abschneiden. Und erschien im Hut!
Sein indisches Gefolge war entsetzt, bestürzt, ganz verstört, fürchteten sie doch alle von dem Sikh Guru, dem Priester, zu schwerer Rechenschaft gezogen zu werden. Doch der Maharadscha blieb gleichmütig; wie man die Sache in der Heimat vertuschen werde, würde sich schon finden.
Zunächst ging es nach St. Petersburg. Die erste Person, die er dort im Hotel Europa trifft, ist die Cavalieri. Sie stand unter dem Schutze des Prinzen Baratinski, der als vorzüglicher Pistolenschütze bekannt war und sehr eifersüchtig sein sollte.
Ein Duell zwischen ihm und dem Maharadscha um einer treulosen Neapolitanerin willen war keine Aussicht, die mich mit irgendwelcher Freude erfüllen konnte. Ich gab mir also redlich Mühe, den Maharadscha zu beruhigen, und es gelang mir auch, daß er seine Begegnungen mit der Dame in den Grenzen strikter Höflichkeit hielt.
Petersburg jedoch vermochte Dschagatdschit Singh nicht lange zu fesseln. Wohl wurde er zu einem Empfang im Winterpalast und zu einer Truppenschau in Krasnoje Selo geladen, im übrigen aber ziemlich gleichgültig behandelt. Auch erregte seine große Gestalt, trotz aller Orden und Edelsteine, unter den reichen Uniformen und den nicht minder kräftig gebauten russischen Offizieren kein besonderes Aufsehen. Dann war er als englandfreundlicher Fürst bekannt, und die Völker des nahen Ostens waren England wegen seiner Politik an den Grenzen Indien-Afghanistans nicht zugetan. Dazu noch die peinliche Nähe der Cavalieri!
Kurz, der Maharadscha schüttelte bald den Staub der russischen Residenz und Hauptstadt von seinen Füßen und begab sich über Kiew — wo zu seiner Ehre Galavorstellungen im Theater, Bälle und Festessen gegeben wurden, und wo die polnischen Damen seiner Adoniseinbildung in jeder Weise und mit Hingabe entgegenkamen — zunächst nach Odessa und von dort nach Konstantinopel.
Obgleich der Sultan ihn durch einen seiner Adjutanten, den Generalleutnant Ali Khan, im Hotel begrüßen ließ, der sich ihm während seines Aufenthaltes in der osmanischen Hauptstadt zur Verfügung stellte, war dennoch die Abneigung zu spüren, welche die Türken gegen alle empfanden, die einen nicht-mohamedanischen Turban tragen. Auch war es bekannt, daß gerade Kapurthala-Truppenkontingente gegen die mohamedanischen Afridis gekämpft und dabei schwere Verluste erlitten hatten.
Daher war es auch nicht verwunderlich, daß man dem Wunsch des Maharadscha, vier prachtvolle Araberpferde zu erwerben, die ihm bei einem Besuche des kaiserlichen Marstalles in Konstantinopel aufgefallen waren, nicht stattgab. Mich betrübte dies sehr, doch man gab uns unzweideutig zu verstehen, daß man nicht die Absicht habe, so wertvolles Material Ungläubigen zu überlassen.
All dieses, sowie die ganze Atmosphäre von Mißgunst und Mißtrauen, die uns hier umgab, bewogen den Maharadscha, Konstantinopel bald zu verlassen. Über Wien und München, von wo aus wir noch die den Maharadscha höchlichst interessierenden Schlösser König Ludwigs II. von Bayern besuchten, kehrten wir nach Paris zurück, um im Grand-Hotel wiederum Wand an Wand mit der anscheinend unvermeidbaren Cavalieri zu wohnen. Schon wollte der Maharadscha das Hotel wechseln, als eines Tages die schöne Neapolitanerin verschwunden war; sie war nach Amerika abgereist.
Bald darauf traf auch die Rani Kanari in Paris ein, und die Familie des Maharadscha kehrte für die kalte Jahreszeit nach Indien zurück. Diesmal für lange!
Denn als Dschagatdschit Singh im folgenden Jahre um die Erlaubnis, nach Europa reisen zu dürfen, einkam, wurde sie ihm verweigert.
Die anglo-indische Regierung wußte sehr wohl, daß der Maharadscha von Kapurthala seine Zeit in den Ländern des Westens nicht mit Studien verbrachte, durch die er irgendwelche Verhältnisse in seinem Staate oder auf seinen Besitzungen in Oudh verbessern könne. Gewiß, man erkannte gern an, daß er sich stets englandfreundlich bewies und sich seine Ideale aus Europa holte. Doch diese Ideale waren der Regierung zu persönlicher Art, und man wußte nur zu genau, daß jeder Inder, der europäische Sitten und Gebräuche annimmt — wobei zu beachten ist: ohne daß er sich zum Christentum bekehrt —, sogleich und vor allen Dingen die Laster der Weißen sich angewöhnt, ohne auf die ihm angeborenen indischen zu verzichten. Daher ist die Regierung den loyalen einheimischen Fürsten, die fest an den Überlieferungen und Gesetzen ihrer Vorfahren und ihres Landes halten, viel mehr gewogen. Denn dies Verhalten übt auch seinen Einfluß auf die Bevölkerung aus, und ein indischer Inder ist leichter zu beherrschen, als einer, der durch europäische Erfahrungen zu Vergleichen, zu Wünschen und Bestrebungen angeregt wird, welche die ungestörte englische Herrschaft über Indien nicht zu festigen geeignet sind.
Die außerordentliche Ungerechtigkeit dieser Behandlung liegt aber vor allem darin, daß die jungen indischen Fürsten, die unter die direkte Obhut Englands fallen, wie dies bei Siyadschi Rao und ebenso bei Dschagatdschit Singh der Fall war, zunächst vollständig auf englischer Grundlage erzogen und ihnen ausschließlich europäische Wissens- und Bildungsgrundlagen beigebracht werden, und daß so die englischen Lehrer den jungen, stets sehr geweckten und aufnahmefähigen Geist des Inders mit rein europäischen Anschauungen füllen. Bei erlangter Volljährigkeit wird er seiner indischen, in indischen Begriffen erzogenen und aufgewachsenen Umgebung vorbehaltlos zurückgegeben. Man zieht sich ganz von ihm zurück und behandelt ihn gesellschaftlich als „damned nigger“, als „dreckigen Neger“.
Welche politischen und Opportunitätsgründe man auch hierfür ins Treffen führen mag, der ganze Charakter eines so unglücklich gestellten Menschen muß notwendig darunter leiden. Die ganze Behandlung ist, individuell gesehen, ein grobes Verbrechen an vollständig wehrlosen Kindern ad majorem, wenn auch nicht gloriam, so doch utilitatem Britanniae.
Nur ein im Innersten so gutmütiger und freundlicher Mensch wie Dschagatdschit Singh konnte, ohne bis ins Tiefste verbittert zu werden, diese ihm aufgezwungene innere Zwiespältigkeit ertragen. Bei anderen, wie dem Maharadscha Siyadschi Rao, führte sie bis zu den äußersten Grenzen der Auflehnung, bis zu denen die Herrscher überhaupt wagen dürfen zu gehen.
Doch die Weigerung des Vizekönigs, Dschagatdschit Singh die Reise nach Europa zu erlauben, hatte einen tieferen, weniger abstrakten oder politischen Grund. Lord Curzon, der damalige Vertreter des englischen Königs in Indien, stand vor seiner Abberufung. Er brauchte daher nicht mehr allzusehr auf persönliche Feindschaften, die er sich zuziehen mochte, Rücksicht zunehmen. Der Grund, der ihm den Maharadscha von Kapurthala besonders verhaßt machte, lag in etwas, an dem der indische Fürst selbst vollständig unschuldig war.
Wie schon erwähnt, hatte Dschagatdschit Singh auf seiner ersten Reise die Bekanntschaft der Familie Leiter in Chikago gemacht, deren Töchter durch ihre Ungebundenheit Gegenstand seiner besonderen Bewunderung geworden waren. Nun hatte Lord Curzon die älteste dieser Leiter-Töchter geheiratet, und als die Krönungsfeierlichkeiten des Königs Eduard zum Kaisar-i-Hind durch den damaligen Vizekönig, eben diesen Lord Curzon, in Delhi abgehalten werden sollten, eilte Frau Leiter mit ihren beiden jüngeren Töchtern herbei, um die älteste und den hohen Schwiegersohn im Glanze des Kaiserthrones in der Hauptstadt Indiens zu bewundern. Alle indischen Fürsten, außer dem Gaekwar von Baroda, waren erschienen, und unter den fast fünfhundert Maharadschas, Nisams, Radschas, Maharanis, Begums, Nawabs und sonstigen Großen verschwand der Maharadscha von Kapurthala.
Wenn er nun auch nicht wagen konnte, der Gemahlin des „Bara-Lord-Sahib“, des Vizekönigs, sich zu nahen, so kam ihm doch der Gedanke, daß deren Mutter und Schwestern im Grunde Privatpersonen seien, gegenüber denen es wohl möglich wäre, die ihm früher in Amerika erwiesene Gastfreundschaft durch eine Einladung zu erwidern.
Er sandte also einen seiner höchstgestellten Beamten mit einer ebenso würdevollen wie freundlich gehaltenen Einladung an die jungen Damen Leiter — die Mutter war in Kalkutta zurückgeblieben —, als sie unter der Obhut des Generals Sir Bindon Blood und seiner Gattin zufällig in der Nähe von Kapurthala auf der Jagd waren. Die Einladung wurde in liebenswürdiger Form angenommen und eine baldige Ankunft in Aussicht gestellt.
Sofort gab der Maharadscha die nötigen Befehle, seine Gäste auf das beste zu empfangen, und überzeugte sich persönlich, daß in den Bungalows, die der Gesellschaft der Damen Leiter zur Verfügung gestellt werden sollten, auch nicht das Geringste für ihre Bequemlichkeit vergessen sei.
Zur Feier des Ereignisses ergingen unzählige Einladungen nach allen Ecken und Enden Indiens, um möglichst viele Bekannte und Freunde von der vollendeten Lebensart und dem europäischen Takte Dschagatdschit Singhs zu überzeugen. Spiele, Jagden, Bälle wurden in Szene gesetzt, und die ganze Bevölkerung Kapurthalas war glücklich über die glanzvolle Prachtentfaltung, mit der ihr Maharadscha den fremden Gästen, den Schwestern der Gemahlin des Vizekönigs, die hohe Bedeutung und die Zivilisation ihres Staates vor Augen führte.
Kaum aber hörte der Vizekönig von dem Besuche seiner Schwägerinnen bei dem in den geheimen Konduitenlisten der Regierung als schwersten Schwerenöter geführten Maharadscha von Kapurthala, als er umgehendst eine höchsteigene Staatsdepesche sandte, in der er den sofortigen Abbruch des Besuches anbefahl.
Jedoch die jungen Damen waren ja nicht mit Lord Curzon, dem Vizekönig seiner britischen Majestät, verheiratet und lachten über die ängstliche Besorgtheit ihres lieben Schwagers Georg. Sie dachten gar nicht daran, sich all die Vergnügungen entgehen zu lassen, die sie in Kapurthala so verschwenderisch vor sich ausgebreitet liegen sahen, und blieben.
Darauf erschien in fliegender Hast ein vizeköniglicher Adjutant, um sie zu bewegen, sofort den unziemlichen Ort zu verlassen. Doch auch jetzt ließen sie sich nicht beeinflussen, sondern nahmen von dem freundlichen und behaglichen Kapurthala trotzig erst dann Abschied, als ihre Reisepläne sie nach anderen Orten führten.
Diese Angelegenheit, in der der Maharadscha, sicherlich nicht unbeeinflußt von seiner Eitelkeit, mit großer Freundlichkeit und in aller Unschuld durchaus korrekt gehandelt hatte, als er sich bemühte, Gastfreundschaft mit Gastfreundschaft zu vergelten, erregte den heftigsten Zorn des Vizekönigs, der dadurch noch gesteigert wurde, daß seine Schwägerinnen seinen hochmögenden Anordnungen nicht sofort Folge geleistet hatten. Dschagatdschit Singh mußte nun unter diesem Unwillen leiden. Lord Curzon sperrte ihm die Ausreiseerlaubnis, so daß für den indischen Fürsten keine Möglichkeit bestand, sein geliebtes Europa in den nächsten Jahren wiederzusehen.
In der Zwischenzeit wurden die verschiedenen Bergfrischen im Himalaja aufgesucht, sowie eine Reise nach China und Japan unternommen. Auch der Bau eines Palastes in Mussoorie im Stile Ludwigs XIV. brachte Abwechslung, bis endlich Lord Minto, der bis dahin die britische Majestät in Kanada vertreten hatte, Lord Curzon in Indien ablöste. Bald darauf traf auch die langersehnte Erlaubnis, nach Europa reisen zu dürfen, ganz unerwartet nach fünfjähriger Unterbrechung ein.
Sofort wurden die nötigen Anweisungen gegeben. Seine vier Söhne, die ihm drei verschiedene Mütter geboren hatten, sollten vorausreisen, denn ihr Gezank und Gezeter untereinander hatte nichts besonders Beruhigendes an sich, obgleich Dschagatdschit Singh sie sehr liebte und sie sehr gleichmäßig und ohne Begünstigung behandelte.
Seine Begleiterin sollte die Rani Kanari sein, in die der Maharadscha damals viel Vertrauen setzte. Übrigens zog er es vor, allen häuslichen Unannehmlichkeiten weit aus dem Wege zu gehen, indem er einfach beide Augen zumachte. „Life is short and one is dead a very long time“ — kurz ist das Leben, und man liegt recht lange im Grabe —, pflegte er zu sagen, wenn er sich mit unangenehmen Dingen beschäftigen sollte.
Zudem hatte die Rani Kanari bei einer von ihr unternommenen Wallfahrt nach Hartwar zum Baden im heiligen Fluß, im Ganges, geschworen, kein berauschendes Getränk mehr über die Lippen zu bringen. Wenn der Maharadscha selbst auch der heiligen Handlung keine Bedeutung beimaß, so war er doch überzeugt, daß sie für die Rani volle Gültigkeit habe und daß sie den ihren Göttern geleisteten Schwur auch halten werde. Seine durch ihre Unmäßigkeit erschütterte Zuneigung zu ihr erwachte zu neuem Leben und damit sein Vertrauen in sie.
Doch die schöne Rani Kanari war rettungslos dem Trunkteufel verfallen. Unwohlsein vorschützend, zog sie sich in ihre Gemächer zurück und verbot jedermann, auch dem Maharadscha, ihre Türe, was nach Hindusitte nichts Ungewöhnliches hat. Doch sie benutzte diesen Vorwand nur, um sich halbe Wochen lang dem stillen Trunke hinzugeben. Als nun eine solche Periode sich länger als gewöhnlich hinzog, wurde der Maharadscha besorgt und befahl, nach dem Arzte zu senden, da er irgendeine Gefahr befürchtete, die seiner Rani drohen konnte. Er besprach die Sache mit mir und bat mich, das Erforderliche zu veranlassen, als sich sein anwesender Leibdiener einmischte und Zweifel an der Krankheit äußerte. Er wisse, die Rani könne noch immer flaschenweise Kognak trinken. Ein anderer Diener, der mit der Aya, der Kammerzofe der Rani Kanari, unter einer Decke stecke, habe ihr noch am Morgen vier Flaschen Hennessy gebracht, von denen zwei schon leer seien. Die beiden anderen stünden noch unberührt im Wandschrank.
Der Maharadscha war so entsetzt, daß er die Sprache verlor. Die Beschuldigung des Dieners gegen seine Lieblingsfrau traf ihn, nach allem, was sie versprochen hatte, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Endlich sprang er auf, um, allen Sitten und Gebräuchen zum Trotz, sich Zutritt zu den Gemächern der Rani zu erzwingen. Mir winkte er zu folgen. Mit wenig angenehmen Gefühlen kam ich seinem Wunsche nach und hoffte nur, daß es mir gelingen möge, allzuweit gehende Maßregeln zu verhüten.
Entsetzt fuhr die Rani Kanari von ihrem Bett in dem halbdunklen, kühlen Gemach, das sie als Schlafzimmer benutzte, in die Höhe, als der Maharadscha unangemeldet eintrat. Der Fluß der Räubergeschichten, welche die am Fußende des Bettes hockende Aya eintönig erzählte, brach jäh ab. Mit dem Aufgebot aller Willenskraft sammelte die arme Frau ihre halbbetäubten Geisteskräfte, und es gelang ihr auch, mit überzeugender Treue die Schwerkranke zu spielen. Flasche und Glas, die sie soeben noch benutzt hatte, waren unter der Bettdecke verschwunden.
Doch der Duft des Kognaks, der das Zimmer erfüllte, ließ sich durch keine Schauspielerkünste aus der Welt schaffen. Ohne ein Wort zu sagen, geht der Maharadscha zu dem Wandschrank, öffnet ihn und findet dort allerdings nur noch eine Flasche des scharfen Getränkes. Das war zu viel. Unter heftigen Vorwürfen über ihren Treubruch und über ihren Meineid vor den Göttern gießt er ihr den Inhalt der Flasche über den Kopf.
Weinend und mit den echtesten Zeichen tiefster Reue stürzt die Rani ihm zu Füßen und bittet um Verzeihung. Doch er bleibt unerbittlich. Anstatt mit ihm nach Europa zu reisen, soll sie den Sommer in ihrem gottverlassenen kleinen Heimatsort Dschubul im Gebirge in Verbannung verbringen.
Ohne sich umzusehen, geht er aufgeregt in sein Arbeitszimmer zurück, wo er mir ein Telegramm diktiert, in dem er die schon für die Rani bestellten Dampferplätze wieder frei gibt. Doch wie sollte der Maharadscha ohne seine ihm doch unentbehrliche Rani Kanari reisen? Alle Fehler, die sie zweifellos hatte, waren zum Schluß doch nur die Fehler oder wenigstens die Folgen ihrer Tugenden. Ich mußte suchen, die Verbannung nach Dschubul rückgängig zu machen. Die Rani mußte an der Europareise teilnehmen. Mein Plan war schnell gemacht. In aller Eile sandte ich das Telegramm wegen der Abbestellung der Dampferplätze ab.
In all den Jahren, die ich im Dienste des Maharadscha zugebracht hatte, war es zur Gewohnheit geworden, daß ich mich morgens beim Frühstück als erster zu seiner Begrüßung einstellte. Er hatte es gern, mich zu sehen. Die Frische meiner Gesichtsfarbe und meines Auftretens bringe ihm Glück den ganzen Tag über, meinte er oft.
Diese Gelegenheit benutzte ich, mich in seinem eigenen Interesse für die Rani Kanari zu verwenden. Wohl wies er mich zunächst ab, aber als ich immer und immer wieder darauf zurückkam und ihm auseinandersetzte, wie zum Schluß er selbst doch den Keim zu der unglückseligen Neigung in die Rani gelegt habe, siegte seine angeborene Gutmütigkeit. Ihm zuliebe habe sie sich an die ihr fremden Spirituosen gewöhnt, und es sei doch nicht ihre Schuld, daß ihr um so viel schwächerer Körper, als der seine, den Folgen des Trinkens nicht widerstehen könne; auch habe sie, um ihm zu gefallen, alle Vorschriften ihrer Kaste als Radschputin verletzt. Endlich willigte er ein, daß auf der „Arabia“, die vierzehn Tage nach seiner, des Maharadscha, festgesetzten Abreise Bombay verließ, Kabinen für die Rani Kanari bestellt würden. Ich aber sollte sie begleiten und dafür sorgen, daß sie an Bord nicht wieder in ihre alte Schwäche zurückfalle.
Mit zwei indischen Kammerzofen und einer englischen Beamtenwitwe als Gesellschafterin schifften wir uns zwei Wochen nach dem Maharadscha auf der „Arabia“ ein. Kurz vor seiner Abreise hatte er ihr noch persönlich seine Verzeihung ausgesprochen. Er glaubte sie jetzt gründlich und für immer von ihrem Leiden geheilt. Die Rani selbst war aber nicht sonderlich erfreut. Sie liebte Europa nicht, und es war ein Irrtum des Maharadscha, anzunehmen, daß jeder mit denselben Glücksgefühlen in den schönen Städten des Westens spazieren ginge, wie er selbst.
In Port Said kam zufällig die Ex-Kaiserin Eugenie an Bord, welche die „Arabia“ zur Rückfahrt nach Marseille benutzte. Ihre Kabinen waren denen der Rani benachbart. Wenn es der Rani Kanari gelang, in Berührung mit der Kaiserin zu kommen, so konnte sie sicher sein, daß der Maharadscha sie mit offenen Armen empfangen würde. Ich sprach daher mit ihr und empfahl ihr, das größte Entgegenkommen zu zeigen.
Wie vorauszusehen, kam auch noch am Tage der Abfahrt von Port Said der Adjutant der Kaiserin und bat mich, ihn der Rani vorzustellen, um sie bei der Ex-Kaiserin einführen zu können. Nach Port Said trafen sich die beiden Damen des öfteren im Salon der Kaiserin, die sehr anziehend war. Schon damals ging sie am Stock. Die Rani zeigte sich so gewinnend, daß sie noch vor Ankunft des Dampfers in Marseille von der Ex-Kaiserin zum Besuch auf ihre Villa in Cap Martin, in der Nähe von Monte Carlo, eingeladen wurde. Von Marseille drahtete ich erfreut an den Maharadscha und erbat seine Einwilligung, die umgehend eintraf. Freudestrahlend eilte er sogar seiner Rani entgegen und begrüßte sie aufs herzlichste bei der Durchfahrt auf dem Bahnhofe in Monte Carlo.
Nach zweitägigem Aufenthalt nahmen wir Abschied von der Ex-Kaiserin. Die Gesellschaft einer älteren Dame war nicht nach dem Geschmack der Rani, und für die Eitelkeit des Maharadscha hatte sie ihrer Meinung nach genug getan. Auch fehlten ihr die Kenntnisse, eine Unterhaltung zu führen in der in Cap Martin üblichen Art.
In Paris trafen wir dann mit dem Maharadscha zusammen, der glücklich war, seine Rani wiederzusehen. Doch dies Glück sollte sich bald verflüchtigen.
Trotz aller Beteuerungen und Versprechungen konnte die Rani Kanari ihrer traurigen Neigung nicht widerstehen. Und soviel Mühe ich mir auch gab, die Anfälle zu vertuschen und sie nicht zur Kenntnis des Maharadscha gelangen zu lassen, immer ließ es sich nicht vermeiden. Damit verlor er immer mehr auch den letzten Halt, der ihn mit seiner indischen Familie verband, und er wandte sich mit unzerstörbarem Eigensinn von neuem seinen westlichen Idealen nur umso stärker zu.