Das hauptsächlichste sinnbildliche Werkzeug ist in der Freimaurerei nach unserer Auffassung der Hammer, weil er als Zeichen der Macht, nur den vorsitzenden Meistern zukommt. Er war auch, in den Urzeiten der Menschheit aus Stein geformt, das älteste Werkzeug ja schon von der Natur in der geballten Faust am schwingenden Arme vorgebildet. Er war bei den alten Germanen das Abzeichen ihres ältesten Gottes Thor oder Donar und hatte bei ihm dieselbe Bedeutung wie der Donnerkeil in der Hand des griechischen Obergottes Zeus (bei den Römern Jupiter). Der Hammer spielte im Kriege (als Streithammer) sowohl als im Frieden, wo ihn die nützlichen Handwerker führten, seine Rolle, und Schauberg vergleicht die drei hammerführenden Meister, den Meister vom Stuhl und die beiden Aufseher oder Vorsteher mit den Götterdreiheiten der alten Religionen; dieselben vertreten auch die drei Pfeiler der Freimaurerei: Weisheit, Stärke und Schönheit. Der Hammer ist daher das Sinnbild der Macht, und zwar für uns Freimaurer der Macht, Gutes zu tun und Edles zu vollbringen. Man darf ihn daher auch ein Attribut des höchsten Lichtes, des A. B. d. W. nennen; denn er gehört besonders dem Baumeister. Schon vorchristliche Zeit ahnte in dem Demiurgos den einzigen, den allmächtigen Schöpfer. Äußerst zahlreich sind die Beispiele hammerführender Halbgötter und Heroen, wie der Kabiren, der uralten griechischen Werkmeister. Auch christlichen Heiligen wurde der Hammer in die Hand gegeben und der Papst selbst führt ihn, wenn er bei Eröffnung eines Jubiläums an die goldene Pforte der Peterskirche klopft, in die dann eine Öffnung gebrochen wird. Es ist wahrlich nicht zuviel, wenn wir ihm die Spitze der Dreiheit einräumen, die er mit Winkelmaß und Zirkel bildet.
Wie der Hammer den vorsitzenden, so gehören Winkelmaß und Zirkel zusammen den übrigen Meistern, das Winkelmaß allein den Gesellen und der Zirkel allein den Lehrlingen. Das Winkelmaß ist das Zeichen oder Sinnbild des zweiten der drei höchsten Lichter, des Gewissens, dieses Vermittlers zwischen Gottheit und Menschheit. Im alten Ägypten war es Osiris, der Totenrichter, der es trug. Die Pythagoreer hielten es als das Maß des Raumes, der Zeit und der Zahl hoch. Es soll in der Freimaurerei zunächst den Gesellen lehren, das rechte Maß zu halten und die Meßkunst, d. h. Lebenskunst zu erlernen. Seine rechtwinklige Form lehrt den Maurer, alles rechtwinklig, d. h. redlich und gewissenhaft zu betreiben, überhaupt gewissenhaft zu leben, das richtige Maß zwischen Freiheit und Ordnung zu finden, weder in Zuchtlosigkeit, noch in Untertänigkeit zu verfallen. Die Hellenen fanden zuerst das richtige Maß in Kunst und Leben, und bei den alten Deutschen war die „Maße“ die Richtschnur des Verhaltens. Die beiden Arme des Winkels weisen auf Recht und Pflicht hin, die stets in einem rechten Winkel, d. h. im richtigen Verhältnis stehen sollen; denn das Winkelmaß läßt nichts Ungleichmäßiges zu. Es lehrt daher auch das echt maurerische Verhalten unter den Brrn. und berührt sich hierin mit dem Zirkel.
Der Zirkel beschreibt den Kreis und ist daher das Sinnbild eines Kreises von Menschen im allgemeinen und von Brüdern im besonderen. Er wird deshalb zur feierlichen Aufnahme in den Bund und zur Beförderung in die beiden höheren Grade verwendet. Er ist somit ein Sinnbild für die Menschheit, als drittes höchstes Licht, und zugleich für die Brüderschaft. Der von ihm beschriebene Kreis ist die vollkommenste Figur, da er weder Anfang noch Ende hat und überall vom Mittelpunkte gleich weit entfernt ist, daher er auch die Ewigkeit bedeutet. Der Zirkel ist ferner Sinnbild nicht nur einer Gemeinschaft überhaupt, sondern auch einer möglichst vollkommenen tadellosen Gemeinschaft. Wie die beiden Arme des Winkelmaßes, so müssen auch die beiden Schenkel des Zirkels das Gleichgewicht zwischen Recht und Pflicht bedeuten. Da aber der Kreis geschlossen ist, so zeigt er auch, daß Recht und Pflicht ihre angemessenen Grenzen haben.
Endlich ist der Zirkel auch ein Bild der Ordnung im Weltall, in dem sich alle abhängigen Gestirne, Monde und Planeten, im Kreise (genauer in der kreisähnlichen Ellipse) um ihre Richtkörper (Planeten und Sonnen) bewegen, während zudem alle Weltkörper kugelförmig sind, also ihr Durchschnitt wieder einen Kreis (oder eine Ellipse) bildet.
So umfassen Hammer, Winkelmaß und Zirkel gewissermaßen im Bilde die gesamte unsichtbare und sichtbare Welt, die äußere sowohl als die innere des Menschen.
Den drei Hauptwerkzeugen entsprechen weitere von untergeordneter Bedeutung, die aber doch in der Freimaurerei Beachtung genießen.
Dem Hammer zunächst steht der Spitzhammer (oder Pickel?), von dem gesagt wird, er werde vom Lehrling geführt, um den rohen Stein zu bearbeiten, d. h. an sich selbst Besserung zu üben. Die nämliche Bestimmung hat der Meißel, aber in etwas höherer Auffassung. Das Gemüt des Menschen wird, wo von ihm die Rede ist, einem ungeschliffenen Diamanten verglichen, dessen leuchtender Kern durch die Arbeit mit dem Meißel zutage treten soll. Es ist damit die Erziehung gemeint, durch welche die verborgenen Tugenden geweckt werden sollen. Der Meißel ist aber auch das Werkzeug des Künstlers, der mit ihm aus einem rohen Block ein wundervolles Werk hervorzaubern kann.
Dem Winkelmaß am nächsten steht das Senkblei. Es dient, vermöge des Gesetzes der Schwere dazu, ein Bauwerk senkrecht aufzuführen, trägt also zu dessen Geradheit und Festigkeit bei, wofür das sittliche Gleichnis sich von selbst ergibt. Das Winkelmaß und das Senkblei bilden in der Logensprache mit der Wasserwage (auch Bleiwage oder Richtscheit genannt) die 3 beweglichen Kleinodien der Loge. Die Wasserwage dient dazu, die Steine aneinander zu fügen, so daß sie eine wagerechte Ebene bilden, sie ist daher ein Sinnbild der Gleichheit, die unter allen Brrn. in Rechten und Pflichten herrschen soll, des moralischen Gleichgewichts unter ihnen. Sie ist das Abzeichen des ersten Aufsehers, wie das Senkblei das des zweiten und das Winkelmaß das des Meisters vom Stuhl.
Dem Zirkel nahe (weil auch dieser zum Messen dient) steht der Maß- oder Zollstab, auch der 24zöllige genannt und als Werkzeug des Lehrlings (neben dem Spitzhammer) bezeichnet. Seine 24 Zolle (also 2 engl. Fuß) bedeuten die 24 Stunden des Tages und der Nacht, die in 4 Teile zu je 6 Stunden eingeteilt sein sollen, nämlich 6 zur Arbeit, 6 zum Gottesdienst, 6 zum Freundes- oder Bruderdienst und 6 zum Schlafe. Natürlich ist das wörtlich zu nehmen unmöglich und soll nur den hohen Wert dieser 4 Beschäftigungen dartun, den Maurer an gute und nützliche Verwendung und Einteilung seiner Zeit mahnen. Die Einteilung des Tages in 24 Stunden war schon den Ägyptern und nach ihnen den Griechen bekannt und ist später allgemein geworden. Das Duodezimalsystem beherrschte auch das Leben der Assyrer und Babylonier, und die Stundenzahl des Tages hängt mit den 12 Monaten des Jahres, deren 3 auf eine der 4 Jahreszeiten kommen, also auch mit den zwölf Sternbildern des Tierkreises zusammen. Eine Teilung des Tages in 4 Teile zu 6 Stunden hat auch das schwedische System; sie werden Wachen genannt und heißen, von 6 Uhr früh an gerechnet, Mittag, Hochmittag, Mitternacht und Hochmitternacht. Die 6 Stunden jeder Wache entsprechen den 6 Werktagen der Woche.
Ein für sich, ohne Dreiheit, bestehendes Werkzeug der Freimaurerei ist die Kelle. Sie wird als Sinnbild der Freimaurerei und der Arbeit im allgemeinen betrachtet und oft als Logenzeichen verwendet. Da sie zum Streichen des Mörtels dient, bedeutet sie festes Zusammenhalten, harmonische Ausbildung der Kräfte und treue Pflichterfüllung. Sie mahnt, ihrem Zwecke gemäß, zur Fernhaltung schädlicher Einflüsse vom Bunde und von den Brüdern. Nach einer Lehrart soll die Kelle des Lehrlings unpoliert, die des Gesellen aber poliert sein, um den Fortschritt dieses Grades in der Ausgleichung der Gegensätze zu bezeichnen.
Als „unbewegliche“ Kleinodien der Loge, richtiger als Arbeitsgebiete der Freimaurer werden bezeichnet: der rohe Stein, das des Lehrlings, der behauene oder kubische Stein, das des Gesellen, und das Reißbrett, das des Meisters. Die Arbeit an rohen Steinen bedeutet die Selbsterkenntnis, die Selbstbeherrschung und die Selbstveredlung. Ihr Zweck ist die Entfernung aller Rauheiten und Unebenheiten des Verstandes, Herzens und Charakters, die Befreiung von Vorurteilen und Irrtümern, das Emporheben zum Schönen, Guten und Wahren; um ein würdiges Glied der Bruderkette und Menschheit zu werden. Geschieht dies, so wird der rohe Stein zum Quaderstein, der sich zur Einfügung in den Bau, in den Tempel der Humanität eignet. Es geht dies nicht nur den Freimaurerlehrling und Gesellen an, sondern den Menschen überhaupt; er bedarf einer solchen Vervollkommnung und wäre er auch Meister. Auch am behauenen Steine ist noch Arbeit notwendig. Es gilt die ausgearbeiteten Flächen noch zu glätten, d. h. in der Selbstzucht Fortschritte zu machen, zur Kenntnis der Künste und Wissenschaften vorzudringen. Meister sein und auf dem Reißbrette arbeiten kann nur, wer, gleich einem geglätteten Steine, sich als fähig erwiesen hat, ein tüchtiger Bestandteil des Baues zu sein. Auf dem Reißbrett entwerfen die Meister „mit dem Maßstabe der Wahrheit, dem Winkelmaß des Rechts und dem Zirkel der Pflicht“ den Plan, dem der Bau folgen muß, um sicher zu stehen und Wohlgefallen hervorzurufen. Wie der A. B. d. W. den Plan zum Weltgebäude entwarf, so soll der Mensch den Plan zu einem wohltätigen und fruchtbaren Leben entwerfen. —
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Übersicht:
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Ideale:
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Weisheit.
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Stärke.
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Schönheit.
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Grade:
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Meister.
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Geselle.
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Lehrling.
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Hauptwerkz.:
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Hammer.
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Winkelmaß.
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Zirkel.
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Nebenwerkz.:
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Pickel,
Meißel. |
Wasserwage,
Senkblei. |
Zollstab.
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geschweifte Klammer nach unten über drei Spalten
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Arbeit = Kelle = Maurerei.
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geschweifte Klammer nach unten über drei Spalten
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Arbeitsfelder:
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Reißbrett.
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Quaderstein.
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Roher Stein.
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Tugenden:
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Selbstver-
edlung. |
Selbstbe-
herrschung. |
Selbster-
kenntnis. |