Unter Lehrarten oder Systemen versteht man in der Freimaurerei die Art und Weise, wie in einem Lande oder an einem Orte die Freimaurerei gelehrt und durch Sinnbilder dargestellt wird.[15] Da die Freimaurerei (wie in unserer Schrift „Adhuc stat“, eingehender in den Geschichten der Freimaurerei gezeigt wird) ihre Heimat in England hat, so ist natürlich die englische Lehrart die älteste.[16] Ihre erste Einrichtung beruht auf dem von dem Prediger Dr. James Anderson im Jahre 1723 verfaßten Gesetzbuche, „Konstitutionenbuch“ genannt. Es war gerade die Zeit, in welcher die Werkmaurer, die die englische Großloge 1717 gegründet hatten, aus den leitenden Beamtenstellen verschwanden und durch Adelige und Gelehrte ersetzt wurden. Die Londoner Brüder waren jedoch nicht die einzigen im Lande; schon 1725 entstand in York eine eigene Großloge, die beinahe das ganze 18. Jahrhundert hindurch eigene Logen leitete, doch ohne die von London aus gestifteten zu behelligen. In demselben Jahre erscheinen hier die drei Grade zum ersten Male, und im Jahre 1730 trat der erste freimaurerische Katechismus an das Tageslicht. Es wurden bald darauf an der Stelle der bisherigen weißen Gleichförmigkeit in der maurerischen Kleidung für die Großbeamten farbige Unterschiede im Besatze der Schurze und in den Bändern eingeführt. Auch der Einheit des Bundes drohte in der nächsten Zeit eine Gefahr, nicht von der Großloge in York, sondern von einer neuen, die sich 1751 vorzüglich aus Irländern bildete und deren Mitglieder sich Ancient Masons, Alte Maurer, nannten, weil sie die alte echte Freimaurerei herzustellen beabsichtigten. Seitdem nannte man die früher entstandene Großloge die der Neuen Maurer (Modern Masons). Die sog. Alten Maurer hatten bis 1756 keinen adeligen Großmeister, wählten sich aber dann ebenfalls einen solchen. Beide Körperschaften lebten indessen im Frieden miteinander. Beide auch führten in den vierziger Jahren eine neue Abweichung vom alten Freimaurertum ein, nämlich den über den ersten 3 Graden stehenden „Royal Arch-Grad“ (Grad des königlichen Gewölbes), den ersten Keim des unseligen Hochgradwesens. Erst in den Jahren 1809 bis 1813 vereinigten sich die beiden Großlogen zu einer einzigen auf der Grundlage der vier Grade, mit Ausschluß aller „höheren“ oder der sog. Ritterorden. Dagegen setzte die 1736 gestiftete Großloge von Schottland an die Stelle des Royal Arch die beiden „Markgrade“ (die später in einen verschmolzen), und die von Irland (1731) anerkannte gleich eine ganze Menge von Hochgraden, sogar von Tempelrittergraden, doch ohne ihnen als solchen den Zutritt in die Logen der 3 alten Grade zu gestatten.
Schon früh, jedoch ohne alle diese Zutaten, fand sowohl das alt- als das neuenglische System Eingang in Deutschland, und zwar in dreierlei Gestalt: 1. in Frankfurt am Main 1742, wo die dortige englische Gründung (die spätere Loge zur Einigkeit) wacker gegen die damaligen ritterlichen und hochgradigen Verirrungen Stand hielt und sich 1783 zum Eklektischen Bunde entwickelte, der sich erst 1822 von der englischen Großloge trennte und zur selbständigen Großloge wurde. Seit 1844 ist hier die seit 1811 bestandene Ausschließung der Nichtchristen wieder aufgehoben, aber 1846 trennten sich vom Bunde die hessischen Logen und errichteten eine eigene Großloge in Darmstadt. 2. In Berlin arbeitete Ignaz Aurelius Feßler (1756-1839), der frühere österreichische Kapuziner, das Ritual der Loge „Royal York“ um 1800 in englischer Weise um, wobei an die Stelle höherer Grade ein Innerer Orient mit „Erkenntnisstufen“ höheren moralischen Gehaltes trat. Nach der Erhebung jener Loge zur Großloge verbreitete sich deren Ritual nicht nur über ihr Gebiet, sondern auch über andere Orte Deutschlands; doch fanden mehrfache Abänderungen statt, und an die Spitze der Inneren Oriente trat ein Innerster Orient; 3. In Hamburg wurde 1801 durch Friedrich Ludwig Schröder (1744-1816) das Gebrauchtum der dortigen Großen Loge durch Abschaffung aller Hochgrade verbessert und alles, was über den 3. Grad hinausging, in dem Engbund mit kritisch-historischem Charakter vereinigt. Dieses dem englischen nachgebildete System ist das der Großlogen von Hamburg und Sachsen und auch außerdem mehrfach verbreitet. Der Engbund hat jedoch seine Bedeutung längst eingebüßt, und sein Inhalt gehört der öffentlichen wissenschaftlichen Forschung an.
Im Hergange der Gebräuche unterscheiden sich die beiden englischen Systeme wesentlich nur durch die Stellung der beiden Aufseher (s. oben S. 6). Das neuenglische anerkennt 3 große Grundsätze: Bruderliebe, Hilfe und Treue, als die 3 großen Lichter die sonstigen 3 kleinen, und die sonstigen 3 großen L. bloß als die Logengeräte. Die 3 Umführungen werden nicht als Reisen (da ja Lehrlinge noch nicht reisen), sondern nur als Vorbereitungen zur Aufnahme betrachtet. England kennt weder die Elementarproben, noch Hut und Handschuhe in der Loge, auch die Kette nicht mehr, was alles aber in den deutschen Übernahmen der englischen Systeme gebräuchlich ist. — Dagegen blieben in England noch andere Sinnbilder, die in Deutschland nicht Aufnahme fanden. Ebenso verhält es sich mit den Royal Arch- und Merkgraden, die übrigens in England unter besonderen Behörden (Kapiteln) stehen. Die englische Lehrart hat gegenüber dem aristokratischen Wesen der Hochgrade einen wesentlich demokratischeren Charakter.
In einzelnen Logen haben sich neuerdings Ableger der englischen Systeme gebildet, so 1865 und 70 in Freiburg im Breisgau durch Gottfr. Aug. Ficke aus Hamburg (1808-1887), der mit dem Polen Twenlowski eine eigenartige religiös-moralische Reform durchführte. In St. Gallen wurde 1868 das bis dahin geltende rektifizierte schottische System in altenglischem Geiste mit einigen neuen Gedanken umgearbeitet, was auch in andern deutsch-schweizerischen Logen Annahme fand. Die Großloge zur Sonne in Baireuth einigte sich 1873 auf das vom Professor J. K. Bluntschli in Heidelberg (1808-1881) verfaßte Gebrauchtum auf englischer Grundlage, diejenigen von Marbach und Findel fanden ebenfalls Beifall. Überall, wo die englische Lehrart in Deutschland Fuß faßte, huldigen die Logen dem humanitären Prinzip ohne religiöse Ausschließlichkeit. In den drei alten Graden ist auch unter der Oberherrschaft der zwei folgenden Systeme das Gebrauchtum der englischen Lehrart im wesentlichen erhalten geblieben.
Wenn auch nicht die ersten, wie vorhin gezeigt, so schreiben sich doch die schwersten und schädlichsten Abweichungen der Freimaurerei von ihren alten und echten, einfachen und prunklosen Grundsätzen von ihrer Einführung in Frankreich her. Hier entstanden in Mitte des 18. Jahrhunderts die sog. Schottengrade und Schottenlogen. Mit Schottland haben diese nichts zu tun, wie die dortige Großloge wiederholt erklärt hat. Woher also der Name kam, ist nicht sicher nachzuweisen, doch wohl von irgend welchen Verbindungen mit dem in Frankreich flüchtigen Hause Stuart oder von Sagen über alten Bestand der Freimaurerei in Schottland. Viel liegt nicht daran; denn der Inhalt dieser Grade, deren es etwa 50 an der Zahl gab oder noch gibt, bezieht sich auf ganz andere Dinge, so daß der Name willkürlich und unzutreffend erscheint. Es ist nicht hier, sondern in der Geschichte der Freimaurerei der Ort, zu erzählen, wie sich dieses Unwesen in Frankreich und zeitweise als „strikte Observanz“ auch in Deutschland verbreitet hat, in welcher Verbindung es mit Schwärmern und Schwindlern, sowie mit der römischen Kirche und den Jesuiten stand und welche Wahnideen von einer Fortdauer des Tempelritterordens in der Freimaurerei es nährte und pflegte.
Der heute noch bestehende und am weitesten verbreitete Zweig der sog. schottischen Maurerei ist das sog. altschottische oder französisch-schottische System der 33 Grade, deren Namen und angeblichen Inhalt wir oben (S. 41 ff.) aufgezählt haben, — angeblich sagen wir, weil es doch unwahrscheinlich ist, daß sich ernsthafte Männer mit solch’ unnützen Dingen beschäftigen sollten, unter denen wohl anderes (gewiß harmloses) verborgen steckt.
Die ersten Spuren dieses Systems finden sich in dem sog. Kapitel von Clermont, welches am 24. Nov. 1754 der Chevalier de Bonneville in Paris stiftete. Der Name Clermont war bezeichnenderweise von dem Collège Clermont entnommen, einem Jesuiten-Kollegium in Paris, von wo aus die Unternehmungen der Prätendenten Jakob III. und Karl Eduard Stuart unterstützt wurden. Das System Clermont arbeitete mithin im doppelten Interesse der Jesuiten und der Stuarts, und ist die Mutter oder wenn man will Großmutter des „alten und angenommenen schottischen Ritus“. Es enthält sieben Grade, nämlich über dem Meister: 4. schottischer Meister, 5. erwählter Ritter des Adlers, 6. erhabener Ritter oder Templer, 7. höchster erhabener Ritter. Diese Titel waren schon nichts weniger als bescheiden; aber es kam noch stärker. Es bildete sich auf Grundlage des genannten Systems 1757 in Paris ein neues, dessen Bekenner sich nicht geringer benannten, als: Souveräne Maurerfürsten, allgemeine Stellvertreter der k. K., Große Aufseher und Beamte der großen und souveränen Rechteck von St. Johannes zu Jerusalem. Neben diesem langen Titel trugen die Oberen des Ordens noch den kürzern, aber erhabenern der „Kaiser vom Osten und Westen“. Unter ihnen war der Orden in 25 Grade eingeteilt, welche sieben Klassen bildeten. Diese 25 Grade sind in den jetzigen 33 immer noch vorhanden, und unsere Dreiunddreißiger sind mithin die direkten Nachfolger von Leuten, welche sich selbst in vollem Ernste „Kaiser vom Osten und Westen“ nannten. Im gewöhnlichen Leben würden Menschen von gesundem Verstande Leute, die sich eine Würde beilegen, die sie nicht besitzen, einfach „Narren“ nennen. Diese Titularkaiser vereinigten sich 1772 mit der französischen Großloge; 1780 aber nahmen sie, wieder getrennt, den Titel „Souveräner Rat und erhabene Mutterloge der Vortrefflichen“ an. Von diesem System nun, aber als es noch den Kaisertitel führte, erhielt am 27. Aug. 1761 der Pariser Jude Etienne Morin ein Patent als „Großer Erwählter, vollkommener und alter erhabener Meister, Maurerfürst, Ritter und erhabener Fürst aller Orden der Perfektions-Mrei“ u. s. w., die Würde eines Deputierten Groß-Inspektors in allen Teilen der Neuen Welt, und die Vollmacht, in Amerika die Freimaurerei durch die Mitteilung aller von den „Kaisern“ anerkannten 25 Grade zu verbreiten u. s. w. Morin tat dies, verbreitete das System der Kaiser des Ostens und Westens in San-Domingo, Jamaika und Charleston, und hier war es, wo sich dasselbe um 8 Grade erweiterte und also deren 33 erhielt (angeblich nach den Lebensjahren Jesu, der aber von solchen Prunktiteln nichts wußte). In Frankreich gingen unterdessen die „Kaiser des Ostens und Westens“ und ihre Nachfolger in der Revolution unter wie die übrigen Freimaurer auch; aber im Jahre 1804 kehrte der Graf de Grasse-Tilly mit den französischen Truppen aus San-Domingo nach Paris zurück, versehen mit einer Vollmacht des Suprème Conseil des schottischen Ritus zu Charleston, laut welcher er in Europa Logen nach diesem Systeme zu errichten das Recht besaß. Noch in demselben Jahre gründete er den noch heute bestehenden Suprème Conseil des 33. Grades und trat an dessen Spitze als Souverain Grand Commandeur, welche Stellung er bis 1806 bekleidete, wo der Kanzler Cambacerès ihm nachfolgte, welcher zugleich Großmeister des Grand Orient war, was er bis zum Sturze des Kaiserreichs 1814 blieb. Mit dieser Zeit begannen die Reibungen und Zwistigkeiten der beiden Körperschaften, welche beide die 33 Grade besaßen und jede die allein rechtmäßige sein wollte.
Die ganze Einrichtung des schottischen Systems der 33 Grade beruht nun auf der erdichteten Behauptung, Karl Eduard Stuart (welcher gar nie Maurer war, sondern die Freimaurer zur Erreichung seiner dynastischen Zwecke zu mißbrauchen suchte) habe Friedrich II., König von Preußen (welcher mit Karl Eduard gar nie in Verbindung stand, sondern ein beständiger Verbündeter des in England regierenden Hauses Hannover war, welches Karl Eduard zu stürzen versuchte) zum Großmeister (welche Würde Karl Eduard niemals zu vergeben hatte) und zu seinem Nachfolger (in einer Würde, die er selbst nicht besaß) ernannt, und dieser, Friedrich der Große, habe am 1. Mai 1786 (als er sich längst nicht mehr um die Freimaurerei bekümmert hatte) die Hierarchie des schottischen Ritus (der in dieser Form in Deutschland niemals existiert hat) von 25 auf 33 Grade (welche Zahl erst 1801 in Amerika entstand) erhöht und die oberste Gewalt einem Suprème Conseil (welche Behörde es in Deutschland niemals gegeben hat) übertragen. Zum Überfluß hat die von Friedrich im Anfang seiner Regierungszeit (um 1740) gegründete Große Mutterloge zu den 3 Weltkugeln in Berlin im Jahre 1862 jene Ordenssage offiziell als eine Lüge erklärt. Endlich hat im Jahre 1875 der Kongreß des schottischen Ritus in Lausanne ebenfalls für gut gefunden, die Erzählung von Friedrich dem Großen aufzugeben. Es scheint dies jedoch mehr aus französischem Preußenhaß, als aus wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit geschehen zu sein; denn wäre die letztere maßgebend gewesen, so hätten auch die 33 Grade aufgegeben werden müssen. Es ist jedoch an letzteren kein Jota abgelassen worden, obschon Jedermann weiß, daß die 33 Grade in Wahrheit gar nicht existieren, sondern in fünf bis sieben Einweihungen erteilt werden, — so daß hier der beste Anlaß gewesen wäre, die Grade auf fünf bis sieben zu vermindern, — wenn nicht das Bestreben, mit pomphaften Titeln und klingendem Anhängsel an bunten Bändern zu prunken und zu prangen, alle anderen Rücksichten überwöge. Die schottischen Brüder werden zwar darin Mangel an brüderlicher Liebe und an Festigkeit in den maurerischen Prinzipien finden; aber die Wahrheit tut der Liebe niemals Eintrag. Wer auf Liebe Anspruch macht, muß auch die Wahrheit ertragen können, ja er muß dem Bruder, der ihm die Wahrheit sagt, sogar dankbar sein!!!
Die Fabeldichtung des sog. schottischen Systems, an sich schon stark genug der Wahrheit ins Gesicht schlagend, wurde noch weit übertroffen durch zwei spätere französische Ordensschöpfungen, die ihren Ursprung aus Ägypten herleiteten.
1. Der Ritus von Misraim (hebr. Name von Ägypten) wurde im Anfange des 19. Jahrh. durch den jüdischen Armeelieferanten Michel Badarride aus Avignon und seine zwei Brüder in Frankreich eingeführt und verbreitet. Die Sage von seinem hohen Alter ist zu lächerlich, um erwähnt zu werden. Die Lehre des „Orientalischen Ordens“, wie er sich auch nennt, ist eine Art mystischer Naturphilosophie und wird in 4 Serien, 17 Klassen und 90 Graden mit äußerst hochtrabenden Titeln „mitgeteilt“. Er behauptet, über seinem sichtbaren Oberhaupt, dem „souveränen Fürsten“, noch ein unbekanntes, den souveränen Großmeister zu besitzen. Seine Bemühungen, vom französischen Großorient anerkannt zu werden, blieben ohne Erfolg. Er brachte es bis 1898 auf 10 Logen.
2. Der ganz ähnliche Ritus von Memphis, der sich ebenfalls orientalischer Freimaurer-Orden nennt und eine ebenso keck erfundene Sage von uraltem Ursprunge behauptet, wurde in Wirklichkeit erst 1814 von Samuel Honis aus Kairo nach Frankreich gebracht und hatte 1816 in Montauban in einem gewissen Marconis sein „Groß-Hierophant“ genanntes Oberhaupt. Er schlief bald ein, erwachte aber 1838 unter Marconis dem Jüngern und verbreitete sich nach Belgien, England, dem Orient und Amerika. Seine von der Polizei nicht sehr geachteten Geheimnisse verteilte er in 7 Klassen und 90 Graden, deren oberer „Souveränes Sanktuarium“ (Heiligtum) genannt wurde. Die Lehre des Ordens ist ein Wandelgang durch alle Mysterien und Geheimbünde der Geschichte. Im Jahre 1860 schränkte er seine Grade auf die Zahl 33 ein. Vom Großorient erhielt er 1862 die Anerkennung, worauf sich jenem seine Pariser Logen anschlossen, während die auswärtigen unabhängig blieben, sich aber mit dem Misraim-Orden (1898) verschmolzen; neuerdings hat der vereinigte Orden auch in Deutschland Eingang gefunden.
Die Freimaurerei wurde in Schweden 1735 eingeführt und erhielt dort sieben aus Frankreich stammende Grade. Gründer des schwedischen Systems aber wurde 1756 der spätere Kanzleirat Karl Friedrich Eckleff (1726-1789), indem er auf Grund eines Freibriefes unbekannter Herkunft in Stockholm ein Kapitel errichtete, das er als „Vikar Salomos“ leitete. Es folgte 1760 durch ihn die Gründung der Großen Landesloge von Schweden, der sieben Logen unterstanden und in der er das Amt des zugeordneten Landesgroßmeisters bekleidete. Die Logen vermehrten sich, König Gustav III. trat selbst bei und übernahm den Schutz der Landeslogen. Die aus Frankreich stammende Fabel von einem Zusammenhange mit den Johannitern der Kreuzzüge wurde angenommen; auch die Legende vom Fortleben der Tempelritter kam dazu und veranlaßte die Errichtung drei weiterer Grade. Nachdem Eckleff seine Rechte dem spätern König Karl XIII. verkauft hatte, ging die Leitung des Ordens ganz an den jeweiligen König über und so blieb es bis heute, indem stets der König Ordensmeister und der Kronprinz Landesgroßmeister ist.
Schon 1766 wurde die schwedische Lehrart in Deutschland eingeführt, 1814 in Norwegen und 1855 in Dänemark; und 1891 erhielt Norwegen eine eigene Große Landesloge. In allen drei skandinavischen Staaten steht die Ordensleitung beim König.[18]
Von der Lehrart der drei nordischen Reiche weicht die in Preußen eingeführte in manchen Dingen ab. Eingeführt wurde hier das schwedische System durch den Feldarzt Joh. Wilhelm Ellenberger (1731-1782), der durch Adoption den Namen v. Zinnendorf erhielt. Zwar bereits der „strikten Observanz“ angehörend, aber nach höheren Geheimnissen begierig, ließ er sich aus Schweden von Eckleff die Akten seiner Grade und einen Freibrief senden, gründete Logen und 1770 die Große Landesloge von Deutschland, und 1773 erhielt er für diese eine Anerkennung aus England und im nächsten Jahre diejenige als Landesgroßmeister von Preußen. Nicht so günstig gestaltete sich das Verhältnis zu Schweden, von wo der Freibrief Eckleffs widerrufen wurde, worauf Zinnendorf 1777 seine Schöpfung von Schweden trennte. Auch mit England erfolgte ein Bruch, mit Schweden aber 1819 Versöhnung. Seit 1860 bekleidete der König von Preußen das Protektorat der Gr. L. L., seit 1895 führt es Prinz Friedrich Leopold. Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere König und Kaiser Friedrich III. verlangte als Ordensmeister 1870 eine genaue Prüfung der geschichtlichen Ansprüche der Gr. L. L. und Reformen in ihrer Einrichtung, im Sinne einer Vereinfachung des Gebrauchtums, wie im Geiste der Zeit.
Der Gr. L. L. war dies unbequem; sie schloß den mit den Forschungen beauftragten Archidiakon Schiffmann und die Logen in Stettin und Stralsund aus; 1880 ließ sie sich aber wenigstens dazu herbei, die Templerfabel aufzugeben.
Die Gr. L. L. von Deutschland (deren Grade oben S. 40 angegeben sind) und die übrigen des schwedischen Systems huldigen einer strammen protestantischen (doch unbekannt ob streng dogmatischen) Orthodoxie und nehmen Nichtchristen nicht auf. Für sie ist die Bibel kein bloßes Sinnbild, sondern eine Art Gesetzbuch. Die 3 alten Grade sind zur Unbedeutendheit herabgedrückt und den höheren Graden unbedingt unterworfen. Doch soll dieses Regiment (wohl infolge von Unzufriedenheit der Unterdrückten) in neuester Zeit milder geworden sein. Immerhin besteht ein scharfer Unterschied zwischen der Gr. L. L. und den dem englischen System zugetanen Logen. Einigermaßen wird diese Kluft notdürftig überbrückt durch die einem gemischten System huldigende, weil Hochgrade (vier an der Zahl) besitzende, Gr. National-Mutterloge zu den 3 Weltkugeln in Berlin (1740 von Friedrich dem Großen gegründet), eine deutsche Reform des schottischen Systems, die zwar dem schwedischen System formell nähersteht, als dem englischen, deren Mitglieder aber mit diesem mehr sympathisieren, wie auch die christliche Ausschließlichkeit in ihr nur noch auf schwachen Füßen steht.
Werfen wir einen Blick auf die drei Hauptlehrarten der Freimaurerei zurück, so gestaltet sich ihr geographisches Gebiet, wenn nach der Großzahl, die sie in diesem einnehmen, gerechnet wird, die Minderheiten anderer Systeme aber außer Berücksichtigung fallen, folgendermaßen:
I. Englisches System. Dieses umfaßt Großbritannien, die Niederlande, Deutschland westlich der Elbe[19], die Schweiz, Ungarn, die britischen Kolonien und die Vereinigten Staaten von Nordamerika.
II. Schottisches (eigentlich französisches) System. Dieses umfaßt Frankreich, Belgien, Italien, Griechenland, Rumänien, Spanien, Portugal, Mittel- und Südamerika.
III. Schwedisches System nebst den drei Weltkugeln, obschon diese ihm keineswegs angehören: Deutschland östlich der Elbe[20], Dänemark, Norwegen und Schweden.
Die herrschenden Richtungen sind folgende:
I. Aufgeklärter Theismus, ohne konfessionelle Färbung.
II. Früher Katholizismus, doch ohne Abhängigkeit vom Papsttum; jetzt entschiedenes Freidenkertum.
III. Protestantische Orthodoxie, doch mit Hoffnung auf Entwicklung im Sinne größerer Geistesfreiheit. —