Eine gewöhnliche Amoeba
Fig. 1. Eine gewöhnliche Amoebe (Amoeba vulgaris) in zwei aufeinander folgenden Zuständen der Bewegung dargestellt; in A sind mehrere kurze, in B mehrere längere Fortsätze oder Lappenfüsschen vorgestreckt. Im Protoplasma der nackten Zelle liegt der Kern (n) und ausserdem einige fremde, als Nahrung aufgenommene Körperchen (i).
Fressende Amoeben
Fig. 2. Fressende, Amoeben ähnliche, farblose Blutzellen aus dem Blute einer nackten Seeschnecke (Thetis leporina). Die Blutzellen führen in der Blutflüssigkeit lebhafte Bewegungen, gleich echten Amoeben aus; und gleich Letzteren verzehren sie feste Farbstoffkörnchen.

Von besonderer Wichtigkeit für die Entwickelungsgeschichte ist die interessante Thatsache, dass auch die Eier der Thiere in ihrer frühesten Jugend nackte, formlose Zellen sind, welche Amoeben zum Verwechseln ähnlich sehen und gleich diesen langsame, unbestimmte Bewegungen ausführen, wobei sie ihre Form beliebig verändern (Fig. 3). Bei den Schwämmen oder Spongien unternehmen diese amoebenähnlichen Eizellen, langsam fortkriechend, oft weite Wanderungen durch den Körper des Schwammes und sind daher früher als »parasitische Amoeben« beschrieben worden, welche als fremde Eindringlinge im Schwammkörper schmarotzend leben sollten (Fig. 4).

Es giebt auch Amoeben, welche ihren nackten Zellenleib theilweise mit einer schützenden Schale umgeben, und diese bilden die Gruppe der Arcellinen oder Thekolobosen. Bald schwitzen diese gepanzerten Amoeben eine schleimige Masse aus, welche sofort erhärtet und mit Sandkörnchen und anderen fremden Körperchen zu einer festen Kruste zusammenbackt (Difflugia, Fig. 5). Bald wird die ganze Masse der erhärteten Hülle blos von ausgeschwitzter organischer Substanz gebildet, und diese zeigt oft eine sehr zierliche Structur, indem sie aus sechseckigen oder viereckigen Täfelchen zusammengesetzt erscheint (Arcella, Quadrula, Fig. 6).