Geburtstagsverse.
Einem Fünfzigjährigen.
D
ie, eigner Stärke bar, auf fremde Schwächen lauern,
Sie möchten gar zu gern das Leben dir versauern.
Allein des Lebens Mahl, wofern es sonst geraten
Und man noch Zähne hat, schmeckt auch als Sauerbraten.
Desgleichen.
D
em Dichter, wenn ihm schon das Haar ergreist,
Die Muse immer höh’re Gunst erweist.
Er blüht und reift — sein Alter ist nur Schein —
Und wächst voll Lust in Gottes Schoß hinein.
Einem Sechzigjährigen.
D
as Schönste hat man dir gesagt, gewünscht —
Und doch bleibt mir noch eins zu wünschen — leider!
Bewahre dich in Sieg, Triumph und Glück
Ein guter Gott vor dem Geschmeiß der Neider!
Einem Fünfundsiebzigjährigen.
D
er braucht mit nichten zu zagen,
— Was auch die Zeit entrafft —
Dem stark das Herz geschlagen;
Du lebst noch fernen Tagen
Nach Mayers Erhaltung der Kraft.
Dein Werk ist still-lebendig
— Mag Schnee darüber weh’n —
Die Kraft sitzt ihm inwendig,
Die wacht und wirkt beständig.
Im Frühling wird man’s seh’n.
Marie v. Ebner-Eschenbach.
(Zum 80. Geburtstage.)
W
er wurde nicht fromm, wenn du erschienst?
Melde mich auch zum Mariendienst
Und wollte, meines Mundes Hauch
Würd’ lauter Myrrhen und Weihrauch.
Zwar wehrst du dem Dank mit schlichtem Mut;
Aber unseren Herzen tut er gut.
Petrus Rosegger.
(Zu seinem 70. Geburtstage.)
D
er Peter saß mit frommem Sinn,
Flickte sein Netz und sang dazwischen.
Sprach Jesus: „Leg die Nadel hin,
Von nun an sollst du Menschen fischen“.
Mozart.
(1906.)
Ü
ber Rosenwolken ein geflügelt Schreiten,
Gott im Auge, Blumen in der Hand;
Dann ein jähes, großes Flügelweiten
In das ewige, das dunkle Land.