Liebesrausch und selige Klarheit.

Wenn wir uns tief erglüht umfangen,
Wenn sich in langem Kuß ergießt
Der volle Strom des warmen Lebens,
Der pochend unser Herz durchfließt,
Da tauchen unter die Gedanken,
Von wilder Leidenschaft umschäumt;
Die Welt, die laute Welt — vergessen!
Wir selbst — versunken und verträumt! — —
Doch sinken der Gefühle Fluten
Zu leis bewegtem Wellenschlag,
Dann leuchtet auf in unsrer Seele
Ein stiller, morgenklarer Tag.
Was wir geweint, was wir gejubelt
Am Winter- oder Sommertag,
Das klingt in solcher Feierstunde
In unsern Herzen leise nach.
Und erst, wenn so zu reinster Klarheit
Der Liebe Stern sich frei erhebt,
Dann fühlen wir, wie eine Seele
Untrennbar in der andern lebt,
Wie unser Denken und Empfinden,
Ob auch der Wonne Glut verraucht,
Durch jeden Tausch von Lust und Leiden
In der Verjüngung Bronnen taucht.