Rudolf Greinz:
Simerls guter Tag.
Rudolf Heinrich Greinz ist ein Tiroler Kind. Er wurde am 16. August 1866 zu Pradl bei Innsbruck geboren, besuchte hier das Gymnasium und schließlich auch die Universität, um Germanistik zu studieren. 1887 nötigte ihn eine schwere Krankheit, das milde Klima Merans aufzusuchen, und hier faßte er auch den Entschluß, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. 1889 ließ er sich in München nieder, wohin er auch jetzt noch, da er seinen Wohnsitz in der Heimatstadt am Inn aufgeschlagen, Jahr für Jahr auf einige Zeit zurückkehrt.
Greinz' erste dichterische Arbeiten waren sehr harmloser Art. Ulkige Studentengeschichten und Lieder wechselten mit allerlei lyrischer Kleinware ohne weitere Bedeutung. Eine solche erlangte Greinz' Schaffen erst, als er sich mit dem Tiroler Volksleben vertraut machte. Den Weg zu demselben fand er, als er mit Josef A. Kapferer die »Tiroler Schnadahüpfl« und »Volkslieder« sammelte und in zwei Bändchen von bleibendem kulturellen Wert herausgab. Auf diesen Forscherzügen gewann er jene eingehende Kenntnis von Land und Leuten, jenen tiefen Blick in das Seelenleben des Gebirgsvolkes, von denen seine nun folgenden Bücher beredtes Zeugnis ablegen. Schon die ersteren, wie z. B. »Tiroler Leut'«, »Aus'm Landl«, enthalten Stücke, die zu den besten unserer reichen Dorfgeschichtenliteratur zählen; sie wurden aber noch übertroffen durch den Band »Über Berg und Tal« und das neueste Geschichtenbuch »Das goldene Kegelspiel«. Eine Fülle prachtvoller Menschenoriginale wird uns in diesen Geschichten vorgeführt, die wir schon um des herzlichen Humors, mit dem sie geschildert sind, liebgewinnen. Denn Greinz ist vor allem Humorist, aber keiner, der auf billige Lacheffekte hinarbeitet, sondern einer, dem das Lachen der natürliche Ausdruck seiner heitern, gemütsvollen Art, die Welt zu betrachten, ist. Von dieser heiteren Art sind auch seine dramatischen Arbeiten, mit denen er sich als erster aller Tiroler Dichter die Bretter erobert hat. Aufsehen erregte sein »Krippenspiel von der Geburt des glorreichen Heilands«. Stoffverwandt ist auch die prächtige »Bauernbibel«.
Eine Charakteristik von Greinz' Schaffen wäre jedoch unvollständig, wollte man nicht auch seiner tiefsinnigen Märchen und seiner Schriften gedenken, in denen er seiner religiösen und politischen Überzeugung Ausdruck verleiht. Unerschrocken und mit Begeisterung, manchmal auch mit der Waffe stachlicher Satire zieht er gegen die Schäden unserer Zeit zu Felde. Doch über dem Rufer im Streite der Meinungen steht uns der Dichter Greinz, der das alltägliche Leben so treu und heiter zu schildern und selbst über das Leben der Ärmsten den Schimmer mitleidiger Verklärung zu werfen weiß, wie es in der Novelle: »Simerls guter Tag« geschieht.
Karl Bienenstein.