Sechzehntes Kapitel.

Ecuador. — Reise nach Quito. — Fahrt auf dem Guaya. — Savanetta. — Die Tambos. — Der Camino real. — Guaranda. — Uebergang über die Cordilleren nächst dem Chimborazo-Gipfel. — Die Hochebenen von Ambato und Latacungo. — Ausbruch des Cotopari. — Haziendas-Besitzer.

Auf dem Dampfer Santiago fand ich die Kabinen besetzt und bekam einen Platz in der bereits beschriebenen Kajüte auf dem Vorderdecke angewiesen. Ich kam Abends an Bord und mußte den Weg dahin im Finstern suchen — der Zugang war nicht einmal mit einem Lämpchen erleuchtet. Ich tappte über die Achsen der Wasserräder durch Kohlenschmutz und Nässe, gerieth zu weit links, und stieß — an die Hörner von Ochsen, die, wie ich am folgenden Morgen sah, kaum zwei Schritte von dem Eingange der Kajüte standen. Mich rechts wendend, fiel ich über einen Kohlenhaufen, der noch nicht eingeräumt war und gerade vor unserer Thüre lag — eine höchst comfortable Einrichtung, die der Reisende aber auch mit schwerem Gelde bezahlen muß.

Am 1. März erreichten wir Guayaquil.

In dieser, der wichtigsten Hafenstadt des Reiches Ecuador, gibt es keinen Gasthof. Jeder Reisende muß sich mit Briefen an Familien versehen, um irgend wo aufgenommen zu werden. Ich wagte es, ohne Brief zu dem Hamburger Konsul Herrn Garbe zu gehen, der mir sein Haus auch gastfreundlich öffnete.

Ecuador hat sich im Jahre 1830 von dem Spanischen Mutterlande losgesagt und als Republik erklärt. Die Bevölkerung des Landes besteht aus 400,000 Seelen, die Staatseinkünfte betragen 900,000 Dollars, die Ausgaben bedeutend mehr; dessen ungeachtet hat der Staat keine Schulden. Die Regierung macht einen kurzen Prozeß und zahlt die Gehalte meistens nur zur Hälfte. Die Regierungsform ist dieselbe wie in Peru.

Die Hauptausfuhr des Landes besteht in Cacao (jährlich fünfzehn, sogar bis fünfundzwanzig Millionen Pfund), Kaffee noch wenig, aber von vorzüglicher Güte, vielen heilsamen Kräutern und Pflanzen, schön geflochtenen und sehr dauerhaften Strohhüten (dreißig bis vierzigtausend Stück per Jahr), die in ganz Südamerika von Männern und Frauen getragen werden.

Ich kam unglücklicher Weise nach Guayaquil zur Regenzeit, die im Monat December beginnt, bis halben April währt, und natürlich zur Reise in das Innere die ungünstigste ist. Man sagte mir, die Wege seien so schlecht, daß jeder Verkehr mit der Hauptstadt des Landes (Quito), die Post ausgenommen, für diese Zeit unterbrochen werde. Der Postbote selbst habe die größte Mühe durchzukommen und müsse oft auf Bäume klettern und sich von einem zum andern an den Aesten fortschwingen, um derart über die grundlosen Sümpfe zu gelangen. Ich dachte aber, daß manches von der Beschreibung übertrieben sein möge; auch traute ich mir noch so viel Kraft und Ausdauer zu, eben so gut fortkommen zu können, wie der Postbote, und traf meine Anstalten zur Reise.

Wider meinen Willen war ich gezwungen, meine Reise drei Wochen zu verzögern, da ich abermals einige Anfälle des abscheulichen Sumatra-Fiebers hatte.

Während meines Aufenthalts zu Guayaquil wurde der Unabhängigkeits-Tag (6. März) gefeiert. Vormittags fand in der Kirche ein Hochamt statt, Abends eine Beleuchtung. Letztere war über alle Maßen erbärmlich, kaum, daß hie und da ein Paar Kerzen an einem Fenster prangten. Am folgenden Abend ward dasselbe Kinderspiel wiederholt. Zugleich mit diesem Feste wurde die Sklaverei gänzlich aufgehoben, welche, vermöge eines Vertrages bei der Unabhängigkeits-Erklärung, noch zehn Jahre länger, nämlich bis 1864, hätte dauern sollen.

Am 22. März ging ich Abends 5 Uhr mit dem Postboten in einem kleinen Boote nach dem Städtchen Bodegas ab.

Man hatte mich zu überreden gesucht, einen Diener mitzunehmen, besonders weil ich der Spanischen Sprache nicht mächtig sei, und weil in den Gebirgen während der Regenzeit, wo jeder Verkehr unterbrochen ist, die Tambos (Schenken) unbewohnt wären; die Leute gingen für diese Zeit in die Niederungen, ich könnte daher weder einen Trunk Wasser, noch Feuer oder sonst etwas bekommen. Trotz meinem Abscheu gegen solche Diener ließ ich mich leider dazu bewegen — die Folge zeigte, daß ich auch dießmal Unrecht hatte, nachzugeben.

Bodegas liegt 15 Leguas stromaufwärts an dem Flusse Guaya. Wir hatten eine häßliche Nacht: es war stockfinster und der Regen strömte unausgesetzt auf uns herab.

23. März. Nachmittags landeten wir an der Treppe des ersten Beamten von Bodegas. Das ganze Städtchen steht während der Regenzeit so tief unter Wasser, daß man in Booten von einem Hause zum andern fährt. Die Häuser sind auf Pfähle gebaut.

Als ich die wenigen Stufen hinan stieg, hob ein Neger mein kleines Gepäck aus dem Boote und trug es mir nach; ich hielt ihn für den Diener des Hauses. Kaum hatte er es jedoch abgelegt, so verlangte er zwei Realen[16] für diese unbedeutende Mühe. Der Beamte so wie mein Diener hörten dieß unverschämte Begehren; allein weder der eine noch der andere machten die geringste Einwendung: weil das Zahlen nur mich und nicht sie anging, waren sie zu träge, den Mund zu öffnen. Ich erzähle absichtlich dergleichen Prellereien und Betrügereien, um meinen Lesern einen Begriff von diesem abscheulichen Volke zu geben, und zugleich zu beweisen, daß ich Recht habe, wenn ich behaupte, mich als einzelne, schutzlose Frau unter den Wilden überall besser befunden zu haben, als unter Christen. Ueberall, wo ich hinkam, hieß es zwar in diesem Lande: „Pobrezita Sennorita;“ dabei war man aber schon bedacht, wie man dieser „armen Frau“ ihr bischen Geld abnehmen könnte.

So hatte ich z. B. einen Brief an einen Kaufmann in Bodegas, Herrn Verdesotto. Dieser Mann kam zu mir, und seine erste Frage war, ob ich einen Sattel habe. Als ich es verneinte, sagte er, ich müsse durchaus einen solchen haben, da man mir keinen mit den Maulthieren vermiethen werde; er besitze einen sehr guten, beinahe ganz neuen, den er mit einer Unze bezahlt habe; aus Rücksicht der Empfehlung wolle er ihn mir um die Hälfte überlassen. Als er sah, daß ich zu dem Handel nicht geneigt war, erklärte er, mich ohne Sattel nicht fortlassen zu können, und wollte mir denselben um acht Thaler geben. Ich bezahlte das Geld, und er sandte mir einen Sattel, der so schlecht, zerrissen und erbärmlich war, daß man ihn kaum mehr gebrauchen konnte[17]. Derselbe ehrliche Mann wollte mich auch noch um einen halben Thaler mehr betrügen. Er hatte für mich für den kommenden Tag ein Boot von hier nach Savanetta bestellt, sagte der Preis sei 2½ Thaler und verlangte im voraus das Geld. Zufällig erfuhr ich von dem Beamten, bei welchem ich wohnte, daß man nur zwei Thaler zu bezahlen habe; der Betrüger mußte mir daher einen halben Thaler wiedergeben.

In dem Hause des Beamten aß ich zum ersten Male nach der Landessitte. Das Mahl fing mit der Sopa an, einer Art Wassersuppe mit Fett, Kartoffeln und vielem rothen Pfeffer, dann kamen kleine Stückchen geröstetes Fleisch, Reis, geröstete Pisangs, und zum Schlusse Locro, ein Mittelding zwischen Sauce und Suppe, aus kleinen Fleischstückchen, Brod, Käse, ein Paar hart gekochten Eiern und rothem Pfeffer bestehend. Als Nachtisch fungirte eine Süßigkeit unter dem allgemeinen Namen Dulce (Früchte, zu einer Sulze in Zucker gekocht), ohne welche der Reichste wie der Aermste (den Indianer ausgenommen) keine Mahlzeit schließen kann; der Arme begnügt sich mit Syrup (Molasses); aber süß muß die Mahlzeit enden.

Zum Schlafen wurde mir eine Hängematte angewiesen; glücklicher Weise gab es keine Mosquitos, weshalb ich auch ohne Netz schlafen konnte.

Die Hängematten sind hier wie in Peru so beliebt und so im Gebrauche, daß eher jedes Möbel, nur dieses nicht, fehlen darf. Den ganzen Tag über wiegt sich alles in Hängematten, jeder Besucher trachtet einer solchen habhaft zu werden. Mädchen und Frauen verrichten sogar die Handarbeiten in schaukelnder Bewegung.

24. März. Savanetta, 5 Leguas. Von dem Postboten hatten wir uns schon gestern getrennt; dieser setzte seine Reise ohne Unterlaß fort.

Savanetta ist ein kleines, schmutziges Oertchen mit elend gebauten, strohgedeckten Bambushütten. Aus seinem Aeußeren würde man auf größte Armuth schließen; dessen ungeachtet soll sein Handel ziemlich bedeutend sein. Es ist der Hauptstapelplatz der Lebensmittel und Waaren, welche von und nach den Cordilleren gebracht werden. Die höher gelegenen Gegenden liefern hauptsächlich Kartoffeln, Butter, Käse, Schweinefett, Eier, Geflügel; auch die meisten Säcke zur Verpackung der Cacaobohnen werden in den Gebirgen verfertigt. Alles wird hier in kleine Boote oder auf Thiere geladen, erstere gehen auf dem Savanetta-Flusse nach dem Guaya, auf diesem nach Guayaquil, letztere mit Salz, Zucker, Kaffee und anderen Waaren nach Quito und anderen Gegenden.

Mädchen und Frauen sahen durch die Nachlässigkeit in der Kleidung ekelhaft aus. Sie tragen Kleider nach Französischem Schnitt, sind aber zu bequem, sich in die engen Leiber derselben zu pressen. Sie lassen sie lose herab fallen; eben so luftig hängt das Hemd über die Achseln. Die Leute kamen mir wie Megären vor. Die Negerinnen bedienen sich derselben Tracht, nie aber sah ich sie an einer Indianerin. Letztere tragen gefärbte wollene Röcke und ein drei Ellen langes, eine Elle breites Stück Wollenstoff, das sie gleich einem Shawl über den Obertheil des Körpers schlagen.

In der trockenen Jahreszeit macht man die Reise schon von Bodegas aus zu Lande; in der jetzigen aber ging es noch eine Legua über Savanetta hinaus zu Boot. Doch mußte ich hier Maulthiere miethen. Bei dieser Gelegenheit zeigte es sich, daß mich mein Diener betrogen hatte. Ich nahm ihn nach Quito, wohin er ohnedieß zu gehen hatte, unter der Bedingung mit, daß ich nur ein Maulthier für ihn, aber keins für sein Gepäck zu bezahlen habe. Als ich bei der Abreise von Guayaquil in dem Boote vieles Gepäck sah, sagte er, es gehöre nicht ihm; der Bootführer habe es da- oder dorthin zu bringen. Hier erwies es sich, daß es dem Schurken, meinem Diener gehörte, der nach Quito ging, um zu handeln. Er mußte für sein Gepäck ein Thier miethen, dessen Zahlung natürlich bei der meinigen eingerechnet wurde. Zum Glück kam die Reise doch nicht so hoch zu stehen, als ich dachte; der Preis per Maulthier bis Quito (62 Leguas) betrug nur zehn Thaler.

Die Nacht in Savanetta gehörte zu den schlechtesten, obwohl ich nicht ohne Empfehlungsbrief gekommen war. Ich fing schon früh an, einen geringen Begriff von der Gastfreundschaft dieses Landes zu bekommen. Sie steht bei weitem nicht auf dem Höhepunkt, auf welchem ich sie unter den Arabern, Beduinen oder den wilden Völkern Borneo’s und anderer Länder gefunden habe. In Bodegas betrog mich der eine, an den ich einen Brief hatte, mit dem Sattel, der andere, bei dem ich wohnte, wies mir eine Hängematte zum Schlafen an, während die Uebrigen vom Hause in Betten unter Mosquito-Netzen schliefen, und ließ mich Morgens, obwohl es schon gegen 9 Uhr war, ohne Imbiß aus seinem Hause ziehen. Hier mußte ich in eine Garküche gehen, um meinen Hunger zu stillen, und Nachts auf dem Boden schlafen, in einem Gemache mit vielen Leuten, die rund um mich ihre Mosquito-Netze aufzogen. Mir gab man keins, obwohl es hier ganze Schwärme dieser abscheulichen Thiere gab.

25. März. Playas, 4 Leguas. Erst um 9 Uhr kamen wir fort. Die erste Legua machten wir in einem kleinen Kahne, der von den Leuten mehr fortgestoßen und gezogen, als gerudert wurde. Dann ward meine Geduld noch eine ganze Stunde auf die Probe gestellt, bis die Thiere erschienen. Die Umgebung glich einem Sumpfe, wir setzten uns auf abgehauene Baumstämme und erwarteten so die Maulesel. Die ferneren drei Leguas waren zwar sehr schlecht: es ging beständig durch Morast und Wasser, allein der Beschreibung nach hatte ich es mir noch ärger vorgestellt. Eine große Entschädigung für den schlechten Weg bot mir der Anblick der schönen Waldungen, durch die wir ritten. Obgleich die Bäume weder sehr hoch noch sehr umfangreich waren, fand ich hier doch eine so reiche, herrliche Vegetation, eine solche Fülle der schönsten, mannigfaltigsten Flora, wie sie mir auf allen meinen Reisen nur in Brasilien vorgekommen ist. Wenn die Sonne nur einigermaßen durch das Gewölk drang, schwärmte sogleich eine große Anzahl der verschiedenartigsten, buntgefärbtesten Schmetterlinge und Libellen umher, sich scherzend verfolgend oder auf den Blumen wiegend. Einige dieser holden Schwärmer fielen mir zur Beute; wie ein tüchtiger Jäger nie ohne Gewehr, war ich nie ohne Schmetterlingsnetz, und da das Reiten sehr langsam ging, konnte ich, auf dem Maulthiere sitzend, gar manchen Gefangenen machen.

In Playas betrat ich zum ersten Male einen Tambo, d. h. eine Art Schenke, meistens eine erbärmliche Hütte, gerade groß genug, den Eigenthümer sammt Familie nebst einigen Gästen gegen das Unwetter zu schützen. In derlei Schenken findet der Arriero (Eseltreiber) ein Glas Branntwein, die Thiere Klee, der Reisende, wenn es gut geht, eine Portion Sopa. Wir waren nicht so glücklich. Die Bewohner hatten keine Reisenden erwartet und so wenig gekocht, daß sie uns nichts überlassen konnten. Ein zweites Mal ihre Kochkunst zu entfalten, dazu waren sie viel zu faul. Ich hatte Käse und Brod bei mir, an Wasser fehlte es nicht, und ich gab mich daher zufrieden. Für die Nacht mußte ich mit der offenen Veranda vorlieb nehmen, die das Wohngemach umgab.

26. März. Jorje, 6 Leguas. Heute erhielt ich schon einen richtigeren Begriff von den hiesigen Wegen in der Regenzeit, und fand es sehr natürlich, daß niemand reist, wenn nicht das wichtigste Geschäft ruft. Wir hatten viel bergauf zu steigen, das Erdreich war weich und lehmig, die Thiere glitten vor- und rückwärts aus, sanken von einem Loch in’s andere, von Pfütze in Pfütze; es galt noch als ein Glück, wenn Löcher und Pfützen nicht grundlos waren, und die Thiere sich herausarbeiten konnten; aber oft versanken sie so tief, daß man absteigen und ihnen die Lasten abnehmen mußte. Gerade an den schlechtesten Stellen hieß es: zu Fuße gehen. Ich kam kaum vorwärts, glitt und fiel fast bei jedem Schritte. Zwar rief ich meinen Diener; aber weil ich nur eine Frau war und seine Maulthiere leider schon bezahlt hatte, ging er ruhig seines Weges und überließ mich meinem Schicksale. Einer der Arrieros, ein Indianer, nahm sich meiner an, zog mich aus den Pfützen und half mir fort. Wir hatten zu einer Legua durchschnittlich zwei starke Stunden nöthig. Auch mehrere Gießbäche warfen sich über den Weg; sie waren jetzt tief und reißend, mitunter höchst gefährlich; im Sommer soll von den meisten das Flußbett kaum benetzt sein.

Die Gegend war schön: man hatte herrliche Ueberblicke üppiger Gebirgsthäler, von Hügeln durchzogen und von den ersten Ketten der Cordilleren umschlossen.

In dem Tambo zu Jorje fand ich ausnahmsweise ein gedieltes Zimmer zum Schlafen und eine Sopa. Alles war zwar ekelhaft und schmutzig; aber das muß man in diesen Ländern nicht so genau nehmen, und dem Himmel danken, wenn man ein Obdach und ein dampfendes Gericht findet, besonders in solcher Jahreszeit, wo die Tambos häufig geschlossen oder die Leute auf den Besuch der Reisenden nicht vorbereitet sind.

Wir waren diesen Tag so unvorsichtig gewesen, unserem Arriero voraus zu reiten; zur Strafe hatte ich für die Nacht nichts von meinem Gepäcke, nicht einmal meine wollene Decke; ich vermochte kaum zu schlafen vor Kälte, die hier Nachts schon sehr empfindlich ist. Die beladenen Thiere konnten der gräßlichen Wege halber nicht bis Jorje gelangen.

27. März. Bogia, 2 Leguas. Diesen Morgen kamen wir erst nach 9 Uhr fort, da wir unsere Thiere erwarten mußten. Die Wege waren heute noch schrecklicher als gestern; wir hatten den sehr bedeutenden Berg Angos zu ersteigen. Glücklicher Weise trafen wir zu Jorje einen Zug leer gehender Thiere, die demselben Eigenthümer gehörten, von welchem wir die unseren gemiethet hatten. Das Gepäck wurde abgetheilt und den leeren Thieren aufgebürdet. Trotz dieser Abhilfe verzweifelten die Leute beinahe, an einigen Stellen durchzukommen. Nachdem wir die Hälfte des Berges erstiegen hatten, wozu wir sieben Stunden benöthigten, wurde beschlossen, in dem ersten besten Tambo einzukehren, weil weder wir noch die Thiere weiter konnten.

Ich kam so durchaus beschmutzt an, daß ich aussah, als hätte ich ein Schlammbad genommen. Die Schuhe nebst dem Regenmantel gab ich meinem Diener, sie zu reinigen; allein er ließ sie liegen und that mir durchaus keine Dienste. Es war gerade, als hätte ich ihn nur mitgenommen, um das Vergnügen zu haben, seine Maulthiere und seine Kost zu bezahlen. Ich mußte Schuhe und Mantel selbst waschen, und konnte mir sogar das hierzu nöthige Wasser nur mit Mühe verschaffen, denn obwohl in diesen Gegenden überall der größte Ueberfluß an Holz und Wasser ist, findet man davon in den Hütten doch keine Vorräthe. Die Trägheit der Leute geht so weit, daß sie nicht einmal hinein schaffen, was vor der Thüre liegt. Das Wasser holen sie in Töpfen, die kaum zwei Flaschen enthalten; ein größeres Gefäß zu tragen, wäre schon eine viel zu beschwerliche Arbeit. Zum Waschen der Hände und des Gesichts erhält man höchstens eine kleine Tasse voll. Ich sah nicht selten die Kartoffeln in dem Wasser waschen, in welchem die Leute erst sich selbst, dann das Kochgeschirr gereinigt hatten. Eben so sparsam wird mit dem Holze umgegangen. An ein Trocknen der durchnäßten Kleidung ist nicht zu denken, da kaum so viel Feuer vorhanden ist, um die Sopa zu kochen.

Der Tambo Bogia war einer der schlechtesten. Die Hütte hatte kaum Raum für die Familie und die Feuerstelle. Ich mußte mein Quartier vor der Hütte auf einer hölzernen Bank aufschlagen. Gewöhnlich springt das Dach so weit vor, daß man gegen den Regen geschützt ist, was wir wahrhaftig sehr nöthig hatten, denn Regen war auf dieser Reise unser steter Begleiter. Selten zerstoben die schweren Wolken auf Augenblicke und ließen uns die wundervollen Naturschönheiten gewahren. Welch’ entzückende Gebirgswelt! Welche Massen von Bergen und Bergketten. Die niedlichsten, üppigsten Thäler lagerten dazwischen, oft tief, tief unter uns. Das Geräusch der tosenden Wildbäche schlug nicht einmal an unser Ohr, wir sahen nur den Lichtstreifen in der Tiefe, gleich einem Silberfaden. Was für einen hinreißenden Zauber muß diese Reise in schöner Jahreszeit entfalten! Entschädigten mich doch jetzt die seltenen Momente der Anschauung überreich für die unzähligen Mühen und Leiden. —

Diese Nacht um 11 Uhr fühlte ich vier gleichmäßige Erdstöße von Süden nach Norden; sie folgten ziemlich rasch auf einander; kaum hatte ich Zeit, zur Ueberzeugung zu gelangen, daß es ein Erdbeben sei. Ich sprang von meinem Lager auf — in demselben Augenblicke stürzten die Einwohner unter dem Rufe „Misericordia!“ aus der Hütte und warfen sich auf die Kniee.

Nach überstandener Gefahr sagten sie mir, daß dieses Erdbeben wie zwei andere, die sie kürzlich verspürten, von dem Vulkane Cotopaxi herrühre, welcher gegenwärtig so thätig sei, wie er es seit 57 Jahren nicht gewesen.

28. März. Tamboco, 6 Leguas. Lange ging es noch den Angos hinauf — wir hatten heute wie gestern zu steigen. Einen Theil des Weges nannte man „Camino real.“ Ein ähnlich schlechter, unausgesetzt halsbrecherischer Weg wie dieser ist mir nirgends vorgekommen. Ich stieg oft von meinem Thiere ab, und mußte, um nicht fortwährend zu gleiten, gleich den Indianern mit bloßen Füßen gehen — eine unangenehme Aufgabe, da es beständig regnete und kalt war. Besonders eisig waren die Gebirgswässer, die sich respektlos über den „königlichen Weg“ ergossen.

Statt schöner Aussichten umhüllten uns Nebel und Wolken. Bald senkten sie sich in dichten Massen auf uns nieder, daß wir kaum dreißig Schritt weit sehen konnten, bald ließen sie die Höhen etwas freier, verdeckten dagegen die Tiefe unter uns. Zuweilen zerriß wohl auch das graue Leichentuch, und wie durch Fensterchen sahen wir dann auf die blühenden, in der Sonne erglänzenden Landschaften. Besonders reizend war dieses Bild durch den auffallend bezeichneten Uebergang der Vegetation von der tropischen Zone in die gemäßigte; hier wucherten die Palme, der Kaffee- und Cacaobaum, die Banane, das saftige Zuckerrohr, etwas höher hinauf erinnerten mich die mit Getreide, Kartoffeln, Feldbohnen, Klee[18] bepflanzten Felder an meine Heimath.

Wenn man so schöne, reiche Gegenden sieht, sollte man meinen, die Bewohner müßten damit übereinstimmen — leider ist dieß hier weniger der Fall als irgendwo. Die erbärmlichen Hütten des Volkes sind von Strauchwerk geflochten, mit Erde überworfen; keine Oeffnung außer dem Eingange verbreitet Licht über die grenzenlose innere Dürftigkeit. Da gibt es weder Betten noch Hausgeräth, noch Kisten und Körbe, da die Leute nichts zu bewahren haben. Sie schlafen entweder auf dem nackten Erdboden oder höchstens auf einem Bambus-Gestelle mit einer Strohmatte überlegt, in den einzigen Kleidungsstücken, die sie besitzen, und die sie so lange tragen, bis sie als Lumpen vom Körper fallen. So dürftig wie ihre Wohnung und Kleidung ist ihre Nahrung. Sie leben durchgehends schlecht, die Indianer beinahe ausschließend nur von Gerste, die sie ein wenig rösten und zu Pulver stoßen. Dieses Mehl essen sie für gewöhnlich ohne alle Beimischung in trockenem Zustande, oder sie rühren es mit Wasser ab und trinken es. Wenn sie auf einige Zeit vom Hause gehen, nehmen sie nichts mit als solches Mehl in einem ledernen Sacke. Auch der wohlhabende Alt-Spanier genießt es zuweilen, mischt dann aber gewöhnlich etwas Zucker bei, wodurch es einen ziemlich guten Geschmack erhält. Auf langen Reisen nimmt er es gleichfalls mit, und mischt dann nebst Zucker zerriebenen Cacao und Zimmet bei. Auf diese Art bereitet, ist es nicht nur ein sehr schmackhaftes, sondern auch ein sehr gesundes und nahrhaftes Gericht. Man braucht wenig Raum, um es mitzuführen und weder Feuer noch Topf zum Kochen. Der Soldat auf Märschen hat selten eine andere Nahrung als Gerstenmehl.

Daß die Indianer die Parias dieses Landes sind, ist leicht begreiflich; aber selbst bei den Alt-Spanischen Bauern, ja sogar bei den Hazienda-Besitzern sieht man selten äußerlich anscheinende Wohlhabenheit. Und doch stehen sich viele, z. B. die Eigenthümer von Tambos, gewiß nicht so schlecht, um in einem so elenden Zustande zu leben. Sie lassen sich ihre Sopa, ihren Klee verhältnißmäßig sehr gut bezahlen. Sie begehren für ein paar Löffel dieser erbärmlichen Wassersuppe, die nichts als einige Kartoffeln und etwas rothen Pfeffer enthält, einen Medio[19], eben so viel für die Fütterung eines Maulthieres. Im Sommer nehmen sie des Tages oft mehrere Thaler ein, ohne Ausgaben zu haben, denn jeder Wirth ist zugleich der Erzeuger der Produkte, die er verkauft.

Diesen Nachmittag stieß ein kleiner Trupp von acht Llamas zu uns. Ich fühlte mich ganz glücklich, diese lieben Thiere mit ihren schlanken Hälsen, ihrer stolzen Haltung, ihren sanften Augen um mich zu sehen. Ich schreibe meine Vorliebe für die Llamas der Geschichte Robinson Crusoe’s zu, die ich als Kind gelesen. In Verbindung mit dieser Geschichte kehrten bei dem Anblicke dieser Thiere die Erinnerungen meiner frühen Jugend in mein Gedächtniß zurück.

Der Tambo zu Tamboco war im Vergleich zu dem vorigen ein Palast. Er war aus ungebrannten Ziegeln erbaut und bestand aus einem großen Gemache mit einem halben Dutzend hölzerner Schragen zum Schlafen. Ein Theil des Gemaches diente zwar zur Bewahrung der Feldgeräthschaften, und das ganze war voll Schmutz und Unrath; doch war man vor Wind und Wetter wohl geschützt und nicht gezwungen, mit den Tambo-Besitzern in Gemeinschaft zu leben.

Eine sonderbare Sitte herrscht in diesem Lande. In den Tambos, wo man übernachtet und Abends etwas genießt, muß man sogleich bezahlen, da der Wirth dem Gaste nicht bis zur Abreise traut, obgleich er dessen Thier nebst der Ladung unter seinen Händen hat, ein Beweis, welche hohe Meinung die Leute selbst von einander haben.

29. März. Guaranda, 5 Leguas. Heute gab es nur hie und da schlechte Stellen; der größte Theil des Weges war ziemlich gut. Wir waren nun der schönen Gebirgskette, deren Haupt der Chimborazo ist, schon ganz nahe; allein Nebel und Wolken hielten uns den edlen Ahnherrn sammt seiner riesigen Verwandtschaft gänzlich verborgen. Wir mußten uns mit dem Anblicke der nahen Thäler begnügen, deren Hügelreihen mit den üppigsten Pflanzungen prangten.

Der Pueblo (Markt, Dorf) Guaranda liegt in einem schönen, beinahe zirkelrunden Thale, am Fuße des Chimborazo. Ich stieg hier bei einem ziemlich wohlhabenden Hazienda-Besitzer ab und wurde freundlich aufgenommen.

Ich kam gerade zu einer kleinen Feierlichkeit zurecht; es wurde ein acht Monate altes Kind reicher Leute begraben. Da in kleinen Orten alles Aufsehen erregt und das Volk erscheinen macht, besonders in einem Lande wie dieses, wo die Leute an Arbeiten nicht gewöhnt sind und daher Zeit genug haben, so sah ich bei dieser Gelegenheit die schöne und unschöne Welt vereint. Das Kindchen saß in einer Art kleiner Loge, die mit weißem Musselin drapirt, mit Gold- und Silberfransen und Blumen verziert war, und mittelst Stangen getragen wurde. Der Kopf des Kindes war durch eine Schlinge um den Hals an den oberen Theil der Loge befestigt, aber so lose, daß er hin und her schwankte. Dieß machte einen abscheulichen Eindruck, denn es sah aus, als wäre das Kindchen aufgehangen. Dem Zuge folgte Musik, aus zwei Violinen und einer Harfe bestehend, welch’ letztere auf den Rücken zweier Jungen ruhte. Der Spieler riß von Zeit zu Zeit einen jämmerlich klingenden Accord herunter. Auf dem Friedhofe wurde das Kind in einen kleinen Sarg gelegt.

Die Leute sahen hier schon viel blühender aus als in der heißen Gegend von Guayaquil. Die Kinder besonders waren mit ihren rothen Backen, den großen, feurigen Augen gar hübsch anzusehen. Auch an schönen Frauen und Mädchen gab es keinen Mangel, besonders unter der wohlhabenden Klasse. Die reinen Indianer sind gerade nicht hübsch, doch auch nicht unangenehm. Der Kopf ist ein klein wenig zusammen geschoben, der Körper gedrungen, die Augen bei vielen etwas schmal geschlitzt (doch haben sie mitunter auch schöne Augen), die Nase etwas breit, aber bei weitem nicht so gequetscht, wie bei den Malaien. Auch der Mund ist nicht gar so groß und häßlich wie der Malaische, die Zahnkiefer sind gut geformt, die Zähne glänzend weiß. Ihre Hautfarbe ist schmutzig bräunlich-gelb. Am meisten entstellt sie das Haar, welches in größter Unordnung um das Gesicht flattert; hätten sie es besser geordnet, so würden sie sich im ganzen nicht übel ausnehmen.

Die Kleidung der Alt-Spanier, desgleichen der Indianer, ist wie in Peru. Die Frauen und Mädchen tragen hier Umschlagetücher, die zugleich den Kopf und das halbe Gesicht verbergen. Sogar zu Hause lieben sie es, ihren höchst nachlässigen Anzug mit solch einem Tuche zu bedecken. Sie sind beständig so eingewickelt, daß sie kaum die Hände gebrauchen können. Freilich haben sie dieß auch nicht nöthig, denn arbeiten ist nicht ihre Leidenschaft. Ich sah bei Familien, in welchen es drei bis vier erwachsene Töchter gab, Kleider und Wäsche in dem elendesten Zustande, die Kinder in Lumpen herum laufen, mit nackten Füßen oder ganz zerrissenen Schuhen; man hätte sie für Bettelkinder halten können. Dergleichen beleidigt das Auge der Leute nicht, weder Mütter noch Töchter gewahrte ich je beschäftigt, zerrissene Wäsche oder Kleidungsstücke auszubessern; dagegen ist das Hemd oft oben und unten mühsam ausgenäht und gestickt, welche nutzlose Arbeit sich bis auf die Polsterüberzüge, ja bis auf die Handtücher erstreckt.

In Guaranda war ich genöthigt, die Thiere zu wechseln. Man muß sich nie bereden lassen, dieselben Thiere von Savanetta bis Quito zu behalten, außer man ruht hie und da einen Tag aus, denn mit abgematteten Thieren ist es nicht möglich, den Uebergang über den Chimborazo zu machen.

30. März. Der heutige Tag gehörte unter die besonders merkwürdigen meines Lebens; ich überstieg die Riesenkette der Cordilleren oder Anden an einem der interessantesten Punkte, dem Chimborazo. Zur Zeit, als ich jung war, galt dieser Berg für den höchsten der Welt (21,000 Fuß); seit man aber die Spitzen des Himalaja-Gebirges in Asien gemessen, ist er in die zweite Klasse getreten.

Wir brachen sehr zeitlich auf, da wir elf Leguas auf theilweise schrecklichen Wegen, beinahe unausgesetzt bergan, zu machen hatten. Vor diesen elf Leguas gab es kein Obdach für die Nacht.

Zu Anfang war der Weg wirklich fürchterlich, ich sah mich abermals genöthigt, auf den schlechtesten Parthien vom Maulthier zu steigen und zu Fuß zu gehen, was mir um so beschwerlicher fiel, als die kalte Gebirgsluft sehr auf meine Brust wirkte. Ich fühlte große Beängstigungen, Athemlosigkeit und Zittern am Körper — ich fürchtete jeden Augenblick, hinzusinken; allein es hieß: Vorwärts, und nur mit der größten Mühe schleppte ich mich fort durch Koth und Schlamm, durch Gießbäche, Löcher, Sümpfe und über Gestein. Wenn ich mich schon auf der Höhe befunden hätte, würde ich mein Uebelbefinden der zu feinen Luft zugeschrieben haben, die bei vielen dieselbe Erscheinung bewirkt. Man nennt dieses Uebel „Veta.“ Es währt bei manchen nur einige Tage, bei anderen, wenn sie auf den Höhen verbleiben, wohl auch einige Wochen.

Nach den ersten zwei Leguas fing der Weg an, mehr felsig und steinig zu werden; ich konnte dann wenigstens auf meinem Thiere sitzen bleiben. Wir hatten fortwährend Regengüsse, Schauer, sogar einen kurzen Schneefall. Der Schnee löste sich sogleich auf, als er die Erde berührte; nur an sehr wenig Stellen blieb er liegen; ich kann daher doch sagen, daß ich über Schnee ging. Die Wolken und Nebel lüfteten sich leider kein einziges Mal; ich bekam die Kuppe des Chimborazo nicht zu sehen, ein Unglück, das mir noch ungleich empfindlicher war, als mein körperliches Leiden.

Bis auf den höchsten Punkt des Ueberganges rechnet man von Guaranda sechs Leguas. Der Rücken des Berges bildet da eine kleine Ebene von ein paar hundert Schritten, die von allen Seiten abfällt, die Nordseite ausgenommen, auf welcher die Kuppe des Chimborazo beinahe senkrecht emporsteigt.

Auf dieser kleinen Hochebene ist ein Haufen Steine zusammengeworfen, nach einigen als Zeichen, daß man hier den Höhenpunkt des Ueberganges erreicht habe, nach andern als Denkmal eines Mordes, der hier im vorigen Jahre an einem Engländer verübt wurde. Dieser Mann ging von einem Arriero allein begleitet über die Cordilleren. Wahrscheinlich wäre ihm nichts widerfahren, hätte er nicht die Unvorsichtigkeit gehabt, bei jeder Gelegenheit, wo es etwas zu zahlen gab, seine mit Gold wohlgefüllte Börse sehen zu lassen. Diesem Schimmer konnte der Führer nicht widerstehen, und als er sich mit dem Krösus in dieser verlassenen Gegend allein sah, schlug er ihn von rückwärts mit einem großen, in ein Tuch gewickelten Stein (gewöhnliche Art des Todtschlags hier zu Lande) auf’s Haupt. Die Leiche verbarg er im Schnee. That und Thäter wurden jedoch bald entdeckt, letzterer durch das Gold, von welchem er einige Stücke wechseln ließ.

Ich stieg, obwohl im höchsten Grade ermüdet, von meinem Thiere ab, trug einen Stein herbei und fügte ihn dem Denkmale hinzu; ich dachte: der Stein wird noch da ruhen, wenn meine Gebeine schon längst in Staub verwandelt sind. Dann kletterte ich an der Westseite des Berges hinab, bis ich Wasser fand, füllte damit meinen Becher, trank einige Mund voll, eilte mit dem Rest auf die Ostseite und goß ihn in das erste Bächlein. Dasselbe that ich mit einem Becher Wasser von der Ostseite des Berges. Ich hatte in den Reisen des Herrn v. Tschudi gelesen, daß er dieß auf der Wasserscheide bei Passeo de serro auf den Cordilleren gethan habe. Der Gedanke, daß ein Becher Wasser, der nach dem stillen Meere fließen sollte, auf diese Art nach dem atlantischen Ocean floß, und so umgekehrt, machte ihm Vergnügen und gefiel auch mir so gut, daß ich ihn gleichfalls in Ausführung brachte[20].

Die Höhe des Ueberganges konnte ich nicht mit Bestimmtheit erfahren; die einen gaben 14,000, die andern 16,000 Fuß an. Ich möchte sie auf nicht ganz 15,000 schätzen. Die Schneelinie wird unter dem Aequator auf 15,000 Fuß gerechnet. Wir kamen über kein eigentliches Schneefeld, hätten jedoch, um zur ewigen Schneelinie zu gelangen, höchstens noch zwei- bis dreihundert Fuß zu steigen gehabt; sie lag ganz nahe an unserer Seite. Der Thermometer stand auf Null (Réaumur).

Die Vegetation hört nur auf dieser kleinen Hochebene gänzlich auf. Bis drei Leguas von Guaranda findet man Feldbau, dann folgen magere Waldungen mit vielen schönen Blumen. Farrenbäume, wie auf den Höhen von Sumatra oder Java, fand ich nirgends; das höchste Farrenkraut maß hier nur drei Fuß. Dagegen rankten sich noch sehr verkrüppelte, dünne Bäumchen bis zu einer Höhe von 14,000 Fuß, aber nur auf der Westseite; auf der Ostseite zeigte sich lange kein Baum. Die Bäumchen hatten ein merkwürdiges Aussehen: sie waren beinahe von Rinde ganz entblößt und trugen gar kein Moos.

Auf der kleinen Hochebene des Chimborazo herrschen häufig rauhe, sehr heftige Winde, die dem Reisenden Sand und Steinchen in großer Menge in das Gesicht werfen. Man bindet deshalb gewöhnlich eine seidene Maske vor, die an den Augenstellen mit Gläsern versehen ist. In den Monaten August und September ist der Uebergang mitunter sogar lebensgefährlich: plötzliche Winde kommen nicht selten mit solcher Kraft, daß sie die Maulthiere sammt der Last in die Luft führen und weit vom Platze erst wieder zur Erde setzen.

Von dieser Hochebene bis zur Nachtstation Chacquiporgo, einem einzelnen, elenden Hause, rechnet man noch fünf Leguas. Die Wege waren nun gut, es ging zeitweise sachte nach abwärts oder über Hügelland; allein der beständige Regen, die kalten Winde machten diesen Ritt im höchsten Grade unangenehm. In meinem Leben kam ich nie so gänzlich erschöpft an, wie diesen Abend. Ich litt sehr von Brustbeschwerden, dabei klapperten mir die Zähne vor Kälte, ich war so steif und starr, daß ich mich nur mit Mühe von meinem Maulthiere bis zur Schlafstelle schleppen konnte. Obgleich von Koth und Schmutz ganz bedeckt, Gesicht und Hände nicht ausgenommen, fühlte ich mich unfähig, mir selbst Wasser zu holen, mein Diener brachte mir keins, ich sank hin auf die hölzerne Lagerstätte und hüllte mich in meinen Mantel. Doch fand ich wenig Erholung, die Brustbeschwerden zwangen mich oft, aufzusitzen. Erst nach einigen Stunden war ich im Stande, einige Bissen Brot und Käse zu mir zu nehmen. Ich erhielt nichts Warmes, weder zu essen noch zu trinken; auch Morgens mußte ich ohne warmen Imbiß weiter ziehen. In der Winterszeit hält sich kein Wirth hier auf, denn es reist Niemand.

Das Haus Chacquiporgo auf dem Chimborazo ist das einzige Gebäude, welches zwischen Guayaquil und Quito von der Regierung für Reisende errichtet ist. Es besteht aus zwei Gemächern mit einigen hölzernen Schlafstellen und Bänken und einem großen Raume für die Arrieros. In keinem Lande der Welt, von allen, die ich bisher bereiste, sah ich so wenig, oder, besser gesagt, nichts für Reisende gethan, wie in diesem. Die Tambos sind so über alle Maßen klein und unsauber, daß man sie für Schweineställe und nicht für menschliche Wohnungen halten möchte. Der Reisende findet darin nichts weiter, als ein Obdach gegen Regen und Sturm und, wenn es gut geht, zum Imbiß die elende Sopa. Dem armen Arriero ist in den Tambos nicht einmal ein Plätzchen gegönnt; er kann von Glück sagen, wenn er neben dem Tambo ein Dach findet, das auf vier Pfählen ohne Seitenwände ruht. Sein Loos ist wirklich bedauernswerth. Den ganzen Tag muß er auf den schrecklichsten Wegen neben seinen Thieren herlaufen; kommt er Abends an, und hat er die Thiere abgeladen, so muß er fort, das Futter für sie zu schneiden (der Wirth thut dieß nicht; nur in Ortschaften, wo die Kleefelder entfernter sind, findet man den Klee in gebundenen Büscheln). Hat er sein Tagwerk vollbracht, so kann er sich auf die nasse Erde hinstrecken, mit seinem zerrissenen Poncho bedecken und seinen Hunger mit Gerstenmehl stillen.

Nicht minder bemitleidete ich die armen Lastthiere. Man nennt Lima „die Hölle der Esel;“ man kann diesen Namen auf ganz Peru und Ecuador ausdehnen, und nicht nur auf die Esel allein, sondern auch in Bezug auf Maulthiere, Pferde und Arrieros anwenden.

Man beladet hier z. B. ein Maulthier, ein Pferd mit acht bis zehn Arobas (eine Aroba = 25 Pfund), einen Esel mit vier bis sechs. Die Ladung muß hinauf, die Thiere mögen auf Rücken und Seiten ganz wund sein, das kümmert nicht. Eines Tages empfand ich während des Reitens einen beständigen, starken, unangenehmen Geruch; als ich Abends abgestiegen war, fand ich mein Kleid voll Blut, das von einer Wunde meines armen Thieres herrührte. Ich sah mehrmals auf schlechten Wegen zwei Personen auf einem Pferde oder Maulthiere, auch wohl auf einem Esel sitzen.

Wie ganz anders sorgt der Türke, der Perser, der Hindu, ja sogar der Kannibale auf Sumatra (der Battaker) für Reisende und Thiere. In den Karavansereien der Türken und Perser, in den Serai’s der Hindu findet der Reisende ein Kämmerchen für sich, der Treiber ein gleiches mit seinen Gefährten, die Thiere einen gedeckten Stall; der Battaker hat in jedem Dorfe Hütten (Soppo) für die Reisenden errichtet. Und diese Hütten sind ohne Unterschied dem Eingebornen wie dem Fremdlinge geöffnet, ohne daß er dafür etwas zu bezahlen hat. Wie höchst nöthig wären nicht dergleichen menschenfreundliche Anstalten zwischen Guayaquil und Quito, einer Straße, die von vielen Reisenden begangen wird, auf welcher im Sommer täglich große Züge von Lastthieren verkehren! Und mit wie geringen Kosten könnten mehrere hölzerne Häuser aufgeführt werden, in einem Lande, wie dieses, wo es nirgends an Baumaterial fehlt.

31. März. Ambato, 8 Leguas. Schon gestern fiel mir der merkwürdig grelle Unterschied zwischen der Ost- und Westseite der Cordilleren auf. Auf der Westseite ist das gebirgige Element vorherrschend, mit Klüften und Pässen und meistens schmalen Thälern, die wie zwischen die Berge eingeschoben erscheinen; dabei die üppigste Vegetation, Ebenen und Höhen mit den schönsten Waldungen, und die Berge selbst in bedeutender Höhe mit üppigen Feldern bedeckt. — Ganz anders ist es auf der Ostseite; Berge und Hügel werden von großen Hochebenen zurückgedrängt, die wegen ihrer geringen Vegetation das Auge durch ihre Einförmigkeit ermüden. Die schönen Wälder verschwinden, die Blumen sind seltener, und Haidegras, das jedes Thier verschmäht, bedeckt große Strecken. Drei Leguas von dem Uebergangspunkte entfernt, sah ich wohl schon wieder in den Tiefen hie und da kleine Viehheerden weiden; den ersten Anbau fand ich aber erst sieben Leguas hinter dem Uebergangspunkte. Eine Strecke von neun bis zehn Leguas ist daher unangebautes Land, von welchem jedoch gewiß ein großer Theil urbar gemacht werden könnte, wäre die Bevölkerung nicht so geringe.

Wir ritten heute viel zwischen Alleen von Kaktus und Aloe. Die Kaktus wachsen hier zu einer Höhe von acht bis zehn Fuß; die Aloes glichen jenen, die ich um Neapel gesehen habe; der Blüthenstamm schoß aus der Mitte der Blätter zu einer Höhe von einigen zwanzig Fuß.

Die Hochebene von Ambato gehört zu den schönen; sie ist von dem Chimborazo, dem Tungaragua und andern majestätischen Bergen eingefaßt. Die Temperatur ist hier schon wieder so mild, daß die Banane und andere südliche Früchte vorkommen.

Das Städtchen Ambato liegt in einem Kessel dieser Hochebene und gewährt, von der Höhe gesehen, mit seinen Gärten und Fruchtbäumen, die es von allen Seiten umsäumen und durchschneiden, einen wahrhaft überraschenden Anblick. Ich hielt mein Thier mehrmals an und betrachtete mit Vergnügen das liebliche Bild. Das Städtchen ist ungemein ausgedehnt, die Häuser sind jedoch über alle Beschreibung erbärmlich und klein, da die meisten gar keine Fenster und nur eine Thür haben; erst gegen den Platz zu gestaltet sich das Ganze ein wenig besser.

Ich stieg hier ebenfalls bei einem Hazienda-Besitzer ab. Die guten Leute verstehen noch nicht, daß man einem Reisenden, besonders wenn er von Regen triefend ankommt, wie es mit mir der Fall war, ein Fleckchen anweist, wo er sich waschen und umkleiden kann. Hier bietet man ihm nicht einmal eine Erfrischung an, wenn man auch weiß, daß er vielleicht ein Dutzend Leguas mit leerem Magen gemacht hat. Er muß unter der Familie in seinen nassen, beschmutzten Kleidern oft zwei bis drei Stunden sitzen bleiben und mit Geduld die Mahlzeitstunde erwarten. Die Familie, die sich den ganzen Tag in den Hängematten schaukelt und die Zeit mit Schwatzen verbringt, ist froh, wenigstens ein neues Gesicht angaffen zu können. Bei mir, die ich der Spanischen Sprache nicht mächtig war, hatten sie wahrhaftig kein anderes Vergnügen.

1. April. Latacunga, 8 Leguas. Aus der Tiefe des Kessels steigend, gelangten wir an einen schönen Gebirgsfluß, der sich in eine natürliche Grotte verlor und nach einigen hundert Schritten wieder zum Vorschein kam. Einige tiefe Schluchten oder Erdspalten hatten wir auf lebensgefährlichen Brückchen zu überschreiten, andere zu durchziehen. In solchen Schluchten ist ein Zusammentreffen, selbst mit einzelnen Reitern, sehr unangenehm, da die Wege so schmal sind, daß gerade nur ein Thier Platz hat. Der Arriero schreit, pfeift und lärmt auch beständig, wenn er an einen solchen natürlichen Hohlweg gelangt, um sein Dasein so weit als möglich zu verkünden. Diese Stellen abgerechnet, war der Weg gut, und zum ersten Male trübte kein Regen unsere Tagereise.

Ein großer Theil der Hochebene von Ambato war kultivirt; Dörfer oder Hütten gab es jedoch nur sehr wenige. Der Tungaragua, der sich aus den Wolken immer mehr und mehr heraus arbeitete, stieg ohne Verbindung mit den andern Bergen als kolossaler Kegel majestätisch vor uns auf.

Von der Hochebene Ambato kamen wir in die noch weit bedeutendere und schönere von Latacunga, an deren Eingange das Städtchen gleichen Namens liegt. Den Chimborazo verliert man nun schon aus dem Gesichte, dagegen tauchen andere hohe Berge auf, unter welchen besonders der Cotopaxi und der Iliniza.

In Latacunga, einem gleich Ambato sehr ausgedehnten Neste, stieg ich ebenfalls wieder bei einem Hazienda-Besitzer ab. Ich wurde zwar überall freundlich aufgenommen, allein Morgens ließ man mich stets fortziehen, ohne mir auch nur eine Tasse Thee oder Chocolade zu reichen, obgleich die Morgen kalt, nebelig oder gar regnerisch waren, und man wohl wußte, daß ich oft bis Abend keinen Ort finden würde, wo ich einige Erfrischungen erhalten konnte.

Ich war nun schon viel mit Hazienda-Besitzern in Berührung gekommen, brachte ganze Tage unter ihnen zu und hatte daher Gelegenheit, ihre Lebensweise zu beobachten. Die Mehrzahl lebt in einer Unordnung, in einer Dürftigkeit und Unsauberkeit, die jede Beschreibung übertrifft. Ich ziehe das Haus eines nur einigermaßen bemittelten Deutschen Bauers den meisten dieser Hazienda’s vor. In ersterem findet man doch so viel Reinlichkeit, daß man sich mit Lust an den Tisch setzt, um das einfache, aber gut gekochte Mahl zu verzehren. Nicht so in den letzteren. Da wird der Tisch mit einem zerrissenen Tuche gedeckt, das vor Schmutzflecken kaum eine weiße Stelle mehr aufzuweisen hat. Auch an den anderen Tischgeräthschaften ist selten das Nöthigste vorhanden. So fand ich z. B. in einer Hazienda elf Personen an der Tafel, und ich glaube nicht, daß es drei ganze Bestecke der gemeinsten Art gab. Eine Person besaß einen Löffel, die andere eine Gabel, die dritte ein Messer. Hatte der Löffelbesitzer seine Suppe gegessen, so gab er den Löffel seinem Nachbar, eben so ging es mit Messer und Gabel; die Kinder aßen zum Theil mit den Fingern. Eine zerbrochene Waschkanne enthielt das Trinkwasser, ein Glas diente der ganzen Gesellschaft. Die Kinder kamen in zerlumpten Kleidern zu Tische, mit bloßen Füßen oder mit abgenützten Schuhen, mit beschmutzten Händen und Gesichtern; dabei hatten sie aber ein so hübsches, blühendes Aussehen, so feurige, schöne Augen, daß ich mit wahrem Vergnügen diesen bausbackigen Engelsköpfen zusah, wie sie einen Bissen nach dem andern mit wahrer Herzenslust verschlangen. Eine in Lumpen gehüllte Negerin oder ein paar kleine, halbnackte Negerkinder besorgten die Aufwartung bei Tische.

In demselben Hause wurde mir ein Zimmer zum Schlafen angewiesen, das Gott weiß wie lange nicht gereinigt worden war, und außer dem Bett nichts als zwei zerbrochene Stühle nebst dem Fragmente eines Tischchens enthielt. Alles, was ich benöthigte, mußte ich begehren; ich fand nicht einmal Wasser, und als man es mir brachte, mußte ich vor die Thür gehen, mich zu waschen, denn ein Waschbecken war nicht vorhanden.

In einem andern Hause lag ich kaum ein halbes Stündchen im Bette, so sprang ich wieder heraus — ich war im vollsten Sinne des Wortes von Ungeziefer bedeckt. Die ganze Nacht brachte ich auf einem Stuhle zu, und Morgens war ich so voll rother Flecke, als hätte ich einen Ausschlag bekommen. Und beinahe in jedem Hause traf ich eine, auch mehrere erwachsene Töchter, die ohne große Mühe das Hauswesen in guter Ordnung hätten halten können. Allein das ist nicht ihre Sache. Das große Tuch um Kopf, Schultern und Arm geworfen, sitzen sie den ganzen Tag umher, und stehlen, wie wir Deutsche sagen, unserem lieben Gott die Zeit. Bei der grenzenlosen Bettelhaftigkeit einerseits findet man andererseits mitunter einigen Luxus zur Schau gestellt. In einem Hause war der Empfangssaal mit Teppichen, Spiegeln u. s. w. geschmückt, in einem andern fand ich ein ziemlich gutes Klavier, eine sehr schöne Englische Reiseschatulle — alles Gegenstände, die hier sehr hoch kommen, da man sie mühsam über die Gebirge schleppen muß. Die Frauen, die Töchter zeigten mir kostbare Kleider, Chinesische Shawls u. s. w. Mich wunderte dieß um so mehr, als die Hazienda-Besitzer hier zu Land durchschnittlich nicht sehr wohlhabend sind. Sie besitzen wohl viel Grund; aber es fehlt an Märkten und an Straßen. Große Städte gibt es nicht, und die Wege sind so schlecht, daß es kaum die Mühe lohnt, Lebensmittel drei bis vier Tagereisen weit zu senden.

2. April. Machacha, 11 Leguas. Heute ging es fortgesetzt auf der Hochebene von Latacunga. Die Wege waren sehr gut und führten größtentheils zwischen Hecken von Kaktus und Aloe, reich untermischt mit schönen Blumen, hindurch. Umfaßt von dem Kranze der herrlichsten Gebirge, von welchen, wie bemerkt, der Cotopaxi und Iliniza die hervorragendsten, würde diese Hochebene entzückend schön sein, hätte die eigensinnige Natur nicht zwei Hauptsachen vergessen: Waldparthien und Wasser. Kultivirt ist wenig; es mag wohl an Händen fehlen. Der Boden scheint auch nicht aus so fetter Erde zu bestehen, wie auf der Westseite der Cordilleren. Der größere Theil des Thales zeigt wohl ein frisches, saftiges Grün; doch gibt es auch viel Staub und Sand und genug Strecken voll großer Steine und Felsstücke, die gewiß einst der Cotopaxi in seiner Wuth rings umher geschleudert hat. Dieser Riesen-Vulkan hielt den ganzen Tag meine Aufmerksamkeit gefesselt. Die mächtigsten Rauchsäulen entwirbelten seinem Krater, umfangreichen Baumstämmen mit reichen Kronen, oder Aehren vergleichbar, oder in wild sich auf einander folgenden Wolken aufsteigend. Leider zerstoben die pittoresken Gebilde eben so schnell, als sie entstanden.

Der Cotopaxi war bis an den Krater mit einer leichten Schneedecke bekleidet; der ihm gegenüber stehende Iliniza aber prangte in einer so dichten, weißen Hülle, daß man sah, wie die Strahlen der Sonne keine Macht über ihn ausübten.

Die Nacht brachte ich sehr schlecht in einem Tambo zu.

3. April. Quito, 8 Leguas. Morgens, bevor ich das Maulthier bestieg, blickte ich noch einmal nach dem Vulkan zurück, um ihm Lebewohl zu sagen, denn der Weg leitete uns nun in die Hochebene von Quito. Der Feuerspeier schien meine Aufmerksamkeit dankbar anzuerkennen und lohnte mir mit einem prachtvollen Ausbruche. Dichte Rauchwolken wirbelten auf, das Feuer schlängelte sich gleich blitzenden Flammen hindurch, überstieg die Rauchwolken und senkte sich in einem dichten Regen zur Erde. Wie herrlich müßte dieses Schauspiel bei Nacht gewesen sein! Doch auch so war ich reichlich befriedigt, und dankte Gott, daß er mir gestattete, von vielen Wundern der Natur auch dieses zu erblicken.

Wenn man anstatt über Ambato über Riobamba nach Quito geht, kommt man dem Cotopaxi um vieles näher, und sieht bei dieser Gelegenheit die Ruinen dreier kleiner Gebäude, die noch aus den Zeiten der Inkas stammen. Der Zeichnung nach, die ich später zu Gesicht bekam, würde sich jedoch der Umweg nicht lohnen, am wenigsten in der Regenzeit.

Das Wetter war heute herrlich, die Wege trefflich, drei Leguas ausgenommen, welche wieder zu den sehr schlechten gehörten. Es gab Schluchten, steile Hügel, große Steine mitten auf dem Wege. Nicht einmal so nahe der Stadt sorgt die Regierung für einige Abhilfe. Für Wege und Brücken wird in diesem Lande gar nichts gethan. Findet man hie und da eine feste, gemauerte Brücke, einen etwas besseren Weg, so kann man versichert sein, daß sie noch aus den Zeiten der Spanischen Regierung rühren.