Drei Jahre später erfocht der Hausmeier Pippin bei Tertri den entscheidenden Sieg, der in Wahrheit der Herrschaft der Merowinger ein Ende machte, wiewohl sie dem Scheine nach noch bis über die Mitte des folgenden Jahrhunderts im Regiment saßen. In der letzten Phase ihres Zeitalters hatte die Heiligenschreibung angefangen sich zu der litterarischen Industrie zu entwickeln, als die wir sie dann unter den Arnulfingern bald genug entfaltet finden. Die karolingische Schule für Hagiographie hat auf den Errungenschaften der merowingischen aufgebaut und stellt sie scheinbar weit in den Schatten; denn in ihr floriert das Interesse an der Vergangenheit, und so bevölkert sie denn kaltblütig den Merowingerstaat nachträglich mit Heiligen aller Art, die uns auf unserer Wanderung durch die gleichzeitigen Quellen gar nicht oder anders begegnet sind. Da echte Forschung damals nicht möglich ist, handelt es sich um Mißbrauch der Forschung, um Erfindung und Fälschung [149-1]. Die bescheidenen Machwerke der Merowinger Zeit dagegen sind durchweg ehrlich. Selbst beim hieronymischen Märtyrerverzeichnis ist die Unterschiebung des Kirchenvaters harmlos, da sie nur die Vorrede betrifft und den Inhalt in keiner Weise in Mitleidenschaft zieht. Bei aller Unzuverlässigkeit kann man also bei den beschriebenen Schriften von historischer Treue reden und sie deshalb schätzen, wie ja denn überhaupt das Frankenreich der Merowinger zwar höhere Bildung aber auch höhere Heuchelei nicht kennt, noch roh aber auch noch naiv ist.