Vierter Abschnitt.
Der Name.

Aus dem Frankenreich der Merowinger sind uns etwa zweihundert Gotteshäuser bekannt, die den Namen eines christlichen Heiligen tragen. Die durch diese Kirchennamen repräsentierte Heiligenversammlung stellt sich äußerst bunt dar; von den christlichen Urheiligen bis zum kleinen Lokalmärtyrer sind zugewanderte und einheimische Selige in gemeinsamer Verehrung vertreten. Und nicht etwa so, daß in abgeteilten Bezirken hier Fremde und dort Landesbürger hausten, sondern gemischt und gekreuzt zwischen Morgenländern ein Kelte und zwischen Germanen ein Kind des Südens. Der nationale Charakter der alten fränkischen Landeskirche verrät sich indessen auch hier. Das Gros ihrer Heiligen ist eben doch autochthon, was in diesem Fall freilich weniger besagen will, sie seien eingeboren, als sie seien in der heimischen Erde bestattet. Diese Heiligengräber gruppieren sich um eine Metropole, die deren mehrere enthält und diese wieder werden überragt von dem Reichsheiligtum in Tours. Nicht nur unter sich, sondern auch mit dem Auslande unterhielten diese Kultusstätten einen lebhaften Verkehr, der sich teils als Reliquientausch, teils als Missionspropaganda äußerte.