Aufbruch aus Kwihara. — Bombay bekommt Prügel. — Shaw wünscht zurückzubleiben. — Ich zwinge ihn weiterzuziehen. — Ein neuer Fieberanfall. — Livingstone’s Briefträger fehlt. — Ankunft in Kasegera. — Shaw kann nicht mehr weiter und wird nach Kwihara zurückgeschickt. — Die herrlichen Wälder von Unyamwezi. — Wir kommen nach Ugunda. — Das Mukunguru. — Beschreibung dieses Fiebers. — Eine prächtige Sykomore. — Ein Opfer der Pocken. — Zahlreiche Skelete auf dem Wege. — Ankunft in Manyara. — Streit mit dem Sultan über den Tribut. — Er besucht mich. — Eine Dosis Ammoniak. — Verwunderung des Sultans. — Das Paradies des Jägers. — Meine erste Jagdbeute, eine Antilope. — Zebrajagd. — Abenteuer mit einem Krokodil. — Zwei Jagdtage. — Meuterei. — Asmani und Mabruki legen auf mich an. — Der Frieden wiederhergestellt. — Bombay erhält wieder Prügel und wird in Ketten gelegt. — Charakteristik meiner wichtigsten Leute. — Ankunft in Ziwani. — Der Honigvogel. — Utende. — Mwaru. — Ankunft in Mrera. — Allerlei Arbeit.
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UNYAMWEZI.
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UKONONGO.
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Von Kwihara nach:
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St.
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Min.
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Von Manyara nach:
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St.
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Min.
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Mkwenkwe
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1
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30
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Gombéfluss
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4
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15
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Inesuka
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2
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—
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Ziwani
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5
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20
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Kasegera
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3
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—
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Tongoni
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1
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30
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Kigandu
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2
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45
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Lager
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5
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15
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Ugunda
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7
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—
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Marefu
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3
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—
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Benta
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3
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15
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Utende
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7
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15
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Kikuru
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5
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—
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Mtoni
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4
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—
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Ziwani
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4
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—
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Mwaru
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5
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15
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Manyara
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6
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30
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Mrera
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5
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13
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Der 20. September war da. An diesem Tage hatte ich beschlossen, mich von den Leuten, die mich mit ihren Zweifeln, Befürchtungen und Meinungen quälten, zu trennen und den Marsch nach Udschidschi auf einem südlichen Wege anzutreten. Ich war sehr schwach vom Fieber, das mich am Tage vorher gepackt hatte, und es war höchst thöricht, unter solchen Umständen einen Marsch anzufangen. Ich hatte aber gegen Scheikh bin Nasib damit renommirt, dass ein weisser Mann sein Wort nie bricht, und mein Ruf als Weisser wäre ruinirt gewesen, wenn ich zurückgeblieben oder den Marsch infolge von Schwäche verschoben hätte.
Ich musterte die ganze Karavane ausserhalb meines Tembé; unsere Fahnen und Flaggen wurden entfaltet, die Leute hatten ihre Lasten auf die Mauern abgelegt und lachten und schrien ihre Neger-Prahlereien gehörig hinaus. Alle Araber, mit Ausnahme von Scheikh bin Nasib, den ich durch meine eigensinnige Opposition gegen seine Wünsche verletzt, hatten sich aus Neugierde versammelt, um Zeugen unserer Abreise zu sein. Der alte Scheikh dagegen legte sich zu Bette, schickte aber seinen Sohn, um mir noch ein Stückchen philosophischer Sentimentalität zu überbringen, die ich als die letzten Worte des patriarchalischen Scheikh, des Sohnes von Nasib, des Sohnes von Ali, des Sohnes von Sayf aufbewahren solle. Armer Scheikh! hättest du gewusst, was diesem Eigensinn, dieser eselhaften Störrigkeit, den falschen Weg einzuschlagen, zu Grunde lag, was würdest du erst dann gesagt haben? Der Scheikh aber tröstete sich mit dem Gedanken, dass ich wol besser wisse als er, was ich vorhabe. Auch ist das sehr wahrscheinlich; doch wird weder er noch irgendein Araber ganz genau das Motiv erfahren, das mich überhaupt zum Marsch nach Westen trieb, wo doch der Weg nach Osten soviel leichter war.
Meine Tapfern, die ich für einen raschen Marsch nach einem unbestimmten Ziele ausserhalb Unyanyembé angeworben, hiessen wie folgt:
Das sind die Männer und Jünglinge, die ich mir ausgewählt, damit sie als meine Gefährten auf der anscheinend unnützen Mission, den verlorenen Reisenden David Livingstone aufzusuchen, sich die Krone der Unsterblichkeit verdienten. Die Waaren, mit denen ich sie belastet, bestanden aus 1000 Doti oder circa 4000 Meter Zeug, sechs Beutel Perlen, vier Lasten Munition, einem Zelt, einem Bett, Kleidern, einem Kasten Medicin, einem Sextanten und Büchern, zwei Lasten Thee, Kaffee und Zucker, einer mit Mehl und Lichten, einer mit eingemachten Fleischsorten, Sardinen und verschiedenen Bedürfnissen und einer mit Kochgeräth.
Die Leute waren alle am Platz ausser Bombay. Dieser war fort und nicht zu finden. Ich schickte also einen Mann aus, um ihn aufzutreiben. Man fand ihn weinend in den Armen seiner Delila.
„Warum bist Du fortgegangen, Bombay, da Du doch wusstest, dass ich abreisen wollte und wartete?“
„O Herr, ich sagte meiner Geliebten Lebewohl.“
„Wirklich?“
„Ja, Herr. Thun Sie das nicht, wenn Sie weggehen?“
„Still!“
„Zu Befehl.“
„Was fehlt Dir denn, Bombay?“
„Nichts.“
Da ich sah, dass er wol in der Laune war, sich mit mir vor den ausserhalb meines Tembé als Zuschauer versammelten Araber zu zanken und ich durch nichts in meinen Absichten gestört werden wollte, so war ich veranlasst, Bombay mit meiner Peitsche einige Streiche zu versetzen, was seinen heissen Zorn alsbald abkühlte, auf mein Haupt jedoch laute einstimmige Einwendungen seitens meiner angeblichen arabischen Freunde herabzog. „Aber, Herr, thun Sie das doch nicht, halten Sie doch ein. Der arme Mensch weiss besser als Sie, was Ihnen und ihm auf dem Wege, den Sie einschlagen wollen, bevorsteht.“
Wenn irgendetwas geeignet war, mich noch mehr in Wuth zu versetzen als Bombay’s Unverschämtheit vor dieser Menge, so war es diese ungebetene Einmischung in meine eigenen Angelegenheiten. Ich hielt aber an mich und sagte ihnen nur mit lauter Stimme, ich wünschte nicht, dass sie sich in meine Sachen mischten, wenn sie sich nicht mit mir zanken wollten.
„Nein, nein, Bana“, riefen sie alle, „wir wünschen nicht mit Ihnen zu streiten. Im Namen Gottes! schlagen Sie Ihren Weg in Frieden ein.“
„Leben Sie wohl“, sagte ich und drückte ihnen die Hand.
„Adieu, leben Sie wohl, Herr! Wir wünschen Ihnen alle gut Glück. Gott sei mit Ihnen und führe Sie!“
„Marsch!“ Eine Abschiedssalve wurde abgefeuert, die Flaggen wurden von den Führern in die Höhe gehoben, jeder Pagazi stürzte auf seine Last zu und in kurzer Zeit war der vordere Theil der Expedition mit Gesang und Geschrei um das westliche Ende meines Tembé die Strasse nach Uganda entlang abgezogen.
„Nun, Herr Shaw, ich warte auf Sie. Steigen Sie auf Ihren Esel, wenn Sie nicht zu Fuss gehen können.“
„Bitte, Herr Stanley, ich fürchte, ich kann nicht mitgehen.“
„Wieso?“
„Ich weiss es nicht; ich fühle mich aber sehr schwach!“
„Das bin ich auch. Wie Sie wissen hat mich das Fieber erst spät gestern Abend verlassen. Ziehen Sie sich doch nicht vor diesen Arabern zurück. Bedenken Sie, dass Sie ein Weisser sind. Hier Selim, Mabruki, Bombay, helft Herrn Shaw auf seinen Esel und geht neben ihm.“
„O Bana, Bana, nehmen Sie ihn nicht mit! Sehen Sie denn nicht, dass er krank ist?“ sagten die Araber.
„Ihr bleibt mir davon! Nichts kann mich daran hindern, ihn mitzunehmen. Er soll mit. Bombay! vorwärts!“ —
So war der Rest meiner Gesellschaft auf den Weg gebracht. Das bis vor kurzem noch so geschäftige Tembé hatte ein ödes, verlassenes Aussehen gewonnen. Ich wandte mich gegen die Araber, lüftete meinen Hut und sagte noch einmal Lebewohl. Dann kehrte auch ich mich in Begleitung meiner vier jungen Flintenträger Selim, Kaluli, Madschwara und Bilali gen Süden.
Ehe wir 5 Kilometer gegangen erhob der wilde Unyamwezi-Esel, der von hinten vom schlauen Mabruki gekitzelt wurde, die Hinterbeine und John Shaw, der nie ein guter Reiter gewesen, lag der Länge lang in der Nähe eines Dornbusches auf dem Boden. Er schrie auf und wir liefen alle hin, um ihm zu helfen.
„Was gibt’s, mein lieber Freund?“ fragte ich, „haben Sie Schaden genommen?“
„O mein Gott, mein Gott! Lassen Sie mich doch umkehren, Herr Stanley!“
„Etwa weil Sie von einem Esel heruntergefallen sind? Fassen Sie nur Muth. Es würde mir sehr leidthun, wenn ich sagen müsste, dass Sie zurückgeblieben. In vier bis fünf Tagen werden Sie selbst über dies kleine Misgeschick lachen. Fast alle Menschen fühlen sich etwas weichherzig, wenn sie einen angenehmen Ort verlassen. Steigen Sie nur wieder auf Ihren Esel, alter Freund! Entschliessen Sie sich doch mitzugehen! Dann geht’s auch.“
Noch einmal halfen wir ihm hinauf; trotzdem überlegte ich mir aber die ganze Zeit, ob es nicht viel besser sei, den Menschen zurückzuschicken, als ihn wider seinen Willen fast mit Gewalt mehrere hunderte Meilen, die zwischen mir und Udschidschi liegen mussten, mitzuschleppen. Wenn er nun unterwegs stürbe? Vielleicht war er wirklich krank? Nein, das ist er nicht, er stellt sich blos so. Ich gestehe aber, ich hätte ihn an Ort und Stelle zurückgeschickt, wenn ich nicht der Ueberzeugung gewesen wäre, dafür von den Arabern ausgelacht zu werden.
Nach einem halbstündigen Marsche wurde die Situation belebter. Shaw fing an sich zu amüsiren. Bombay hatte unsern Zank vergessen und versicherte, wenn ich durch Mirambo’s Land ziehen könne, so würde auch ich den Tanganika erreichen. Dasselbe glaubt Mabruki-Speke. Selim freute sich, Unyanyembé zu verlassen, wo er soviel vom Fieber gelitten, und in dem kühnen Aussehen der Hügel, die sich über schöne Thäler erhoben, lag etwas, das auch mich belebte und zu meiner Reise ermuthigte.
In 1½ Stunden kamen wir in unserm Lager in dem Kinyamwezi-Dorfe Mkwenkwe an, dem Geburtsort unsers berühmten Sängers Maganga.
Mein Zelt wurde aufgeschlagen und die Güter in einem der Tembés zusammengelegt; die Hälfte der Leute war aber nach Kwihara zurückgegangen, um sich noch einmal von ihren Frauen und Freundinnen zu verabschieden.
Gegen Abend wurde ich wieder einmal vom Wechselfieber befallen. Vor dem Morgen war es zwar wieder fort, hatte mich aber schrecklich schwach und matt gemacht. Ich hatte die Unterhaltung der Leute untereinander bei ihren Lagerfeuern über die wahrscheinlichen Aussichten für den nächsten Tag mit angehört. Unter ihnen war die Frage aufgeworfen worden, ob ich den Marsch weiter fortsetzen würde. Fast alle waren der Ansicht, dass, da der Herr krank sei, ein Marsch nicht stattfinden werde. Mich trieb dagegen ein höchster Grad von Eigensinn an, ihrer Lässigkeit Trotz zu bieten. Als ich aber zu meinem Zelt hinaustrat, um ihnen zu befehlen, sich fertig zu machen, fand ich, dass wenigstens zwanzig von ihnen fehlten. Auch war Livingstone’s Briefträger Kaif-Halek — oder „Wie befinden Sie sich?“ — noch nicht mit dem Briefbeutel desselben angekommen.
Ich suchte zwanzig der stärksten und treuesten Leute aus und schickte sie nach Unyanyembé zurück, um die fehlenden Leute aufzusuchen, und Selim sollte zugleich von Scheikh bin Nasib eine lange Sklavenkette borgen oder kaufen.
Zur Nacht kehrten meine Polizisten mit neun der fehlenden Leute zurück. Die Wadschidschi aber waren alle zusammen desertirt und liessen sich nicht auffinden. Selim kam auch heim mit einer starken Kette, mit der man wenigstens zehn Leute in die daran befindlichen Halsbänder schliessen konnte. Auch Kaif-Halek erschien mit seinem Briefbeutel, den er unter meinem Geleit an Livingstone bringen sollte. Darauf hielt ich eine Anrede an die Leute und zeigte ihnen die Sklavenkette vor. Ich sagte ihnen, ich sei der erste Weisse, der eine Sklavenkette auf die Reise mitgenommen habe; da sie sich aber alle so sehr fürchteten, mich zu begleiten, sei ich gezwungen, davon Gebrauch zu machen, da es das einzige Mittel sei, sie zusammenzuhalten. Die Guten brauchten keine Furcht vor der Kette zu haben, nur die Deserteure, die Diebe, die ihren Lohn nebst Geschenken, Flinten und Munition erhielten und dann doch wegliefen, hätten sie zu fürchten. Diesmal werde ich noch keinen in Ketten legen, wenn aber für die Folge wieder jemand desertire, so werde ich halten lassen, den Marsch nicht eher aufnehmen, bis ich ihn gefunden, und dann solle er mit der Sklavenkette um den Hals nach Udschidschi marschiren. „Hört Ihr?“ „Ja“, lautete die Antwort. „Versteht Ihr?“ „Ja.“
Um 6 Uhr abends brachen wir auf und schlugen den Weg nach Inesuka ein, wo wir um 8 Uhr abends ankamen.
Als wir am nächsten Morgen im Begriff waren den Marsch anzutreten, entdeckten wir, dass wiederum zwei weggelaufen waren. Sofort wurden Baraka und Bombay nach Unyanyembé geschickt, um die beiden fehlenden Leute Asmani und Kingaru zurückzubringen, mit dem bestimmten Befehl, nicht ohne sie heimzukehren. Kingaru war, wie der Leser sich erinnern wird, jetzt schon zum dritten mal davongelaufen. Während diese Verfolgung vor sich ging, hielten wir im Dorfe Inesuka, hauptsächlich um Shaw’s willen.
Am Abend wurden die unverbesserlichen Deserteure zurückgebracht und, wie ich gedroht hatte, tüchtig geprügelt und in Ketten gelegt, um sie vor einer nochmaligen Versuchung zu sichern. Bombay und Baraka hatten eine romantische Geschichte über ihre Gefangennahme zu erzählen, und da ich bei sehr guter Stimmung war, so wurden ihre Dienste mit je einem schönen Tuch belohnt.
Am folgenden Morgen verschwand wieder ein Lastträger, welcher seinen Miethslohn von 15 neuen Tuchen sowie auch noch eine Flinte mitnahm. Aber noch irgendwo in der Nähe von Unyanyembé halt zu machen war eine Gefahr, die nur dadurch vermieden werden konnte, dass wir ohne Aufenthalt durch die südlichen Dschungelländer weiter reisten. Man wird sich erinnern, dass ich den gefürchteten Schneider Abdul Kader in meinem Gefolge hatte, welcher von Bagamoyo mit glänzenden Hoffnungen auf die Elfenbeinschätze auszog, die er sich im Innern von Afrika erwerben könne. An diesem Morgen flehte Abdul Kader aus Furcht vor den angeblich drohenden Gefahren um seine Entlassung. Er schwor mir zu, er sei krank und ausser Stande, weiter zu gehen. Da ich seiner ohnehin ziemlich überdrüssig war, zahlte ich ihn in Tuch aus und liess ihn laufen.
Ungefähr auf dem halben Wege nach Kasegera erkrankte Mabruk Salim plötzlich an Erbrechen, Diarrhöe und einem beständigen Abgang von Würmern. Ich behandelte ihn mit einem Gran Kalomel und einigen Unzen Branntwein. Da er ausser Stande war zu gehen, so versah ich ihn mit einem Esel. Ein anderer Mann, namens Zaidi, wurde vom Rheumatismus befallen. Shaw stürzte auch zweimal von dem Thiere, das er ritt, und es bedurfte sehr vieler guter Worte, um ihn wieder zum Aufsteigen zu bewegen. Wahrhaftig, meine Expedition wurde vom Misgeschick verfolgt und es schien, als ob die Schicksals-Göttinnen unsere Rückkehr beschlossen hätten. Es sah wirklich so aus, als ob alles zu Grunde ginge. Wenn ich nur 14 Tage weit von Unyanyembé wäre, so wäre ich, meiner Ansicht nach, gerettet.
Kasegera bot am Nachmittag und Abend unserer Ankunft eine Freudenscene dar. Es waren eben Leute, die an der Küste gewesen, heimgekehrt und die junge Welt hatte sich in neuen Barsatis, Soharis und langen Kleidern von glänzendem neuen Kaniki aufgeputzt, welche sie hinter einem Busch angezogen., ehe sie in vollem Staat erschienen. Die Frauen schrien „Hihi“, wie Mänaden, und „Lutulu“ ertönte es häufig und laut den ganzen Nachmittag. Sylphidenartige Mädchen blickten voll Bewunderung auf die jugendlichen Helden; alte Frauen liebkosten sie ungemein und vom Alter gebeugte Patriarchen an Stöcken segneten sie. So geberdet sich der Ruhm in Unyamwezi. Alle die glücklichen Jünglinge mussten ihrer Zunge bis zu den Frühstunden des nächsten Morgens freien Lauf lassen, um die Wunder zu erzählen, die sie in der Nähe des grossen Meeres und auf „Ungudscha“, der Insel Zanzibar, gesehen hatten. Sie mussten berichten, wie sie die Schiffe der weissen Männer und eine grosse Anzahl Weisse gesehen, welche Gefahren und Prüfungen sie auf ihrer Reise durch das Land der wilden Wagogo bestanden und was sie sonst noch erlebt hatten, kurz Dinge, die dem Leser und mir jetzt schon genau bekannt sind.
Am 24. hoben wir unser Lager auf, marschirten durch einen Wald von Imbiti-Holz in süd-südwestlicher Richtung und kamen nach ungefähr drei Stunden nach Kigandu.
Als wir bei diesem Dorf anlangten, das von einer Tochter Mkasiwa’s beherrscht wird, theilte man uns mit, wir dürften dasselbe nicht betreten ohne Zoll zu zahlen. Da wir dies nicht thun wollten, waren wir genöthigt, in einem verfallenen, von Ratten heimgesuchten Boma zu campiren, das eine Meile links von Kigandu liegt, nachdem wir von den feigen Eingeborenen dafür tüchtig beschimpft worden, dass wir Mkasiwa in der Stunde der Noth verlassen hätten. Man beschuldigte uns, des Krieges wegen ausgerissen zu sein.
Fast unmittelbar vor unserm Lager verlor Shaw bei seinem Versuch, vom Esel zu steigen, die Steigbügel und fiel aufs Gesicht zur Erde. Dieses kleine Nebenspiel des Herrn Shaw kam mir jetzt zu häufig vor. Daher befahl ich den Leuten, als sie hinstürzten, ihm aufzuhelfen, ihn liegen zu lassen. Der dumme Mensch blieb factisch in der heissen Sonne eine ganze Stunde lang auf dem Boden liegen und als ich ihn gelassen fragte, ob er sich da nicht etwas ungemüthlich fühle, setzte er sich auf und weinte wie ein Kind.
„Wünschen Sie umzukehren, Herr Shaw?“ „Ich bitte darum. Ich glaube nicht, dass ich weiter mit kann; und wenn Sie so gut sein wollen, so wünsche ich sehr, umzukehren.“ „Gut, Herr Shaw, ich bin zu dem Schluss gelangt, dass es das beste für Sie ist, zurückzukehren. Meine Geduld ist zu Ende. Ich habe es treulich versucht, Ihnen über das kleinliche Elend, dem Sie sich so ganz hingeben, hinweg zu helfen. Sie leiden einfach an Hypochondrie und bilden sich nur ein, krank zu sein, und offenbar kann Sie nichts von dieser Ueberzeugung abbringen. Hören Sie auf meine Worte: nach Unyanyembé zurückkehren, heisst sterben. Sollten Sie in Kwihara krank werden, wer versteht es wol, Sie dort mit Arznei zu behandeln? Nehmen wir an, dass Sie deliriren, wie kann einer meiner Soldaten wissen, was Ihnen fehlt oder was Ihnen gut sein würde. Noch einmal wiederhole ich es, wenn Sie zurückkehren, so sterben Sie.“ „Ach, mein Gott! ich wünschte, ich hätte es nie gewagt herzukommen. Ich dachte mir das Leben in Afrika so ganz anders, als es ist. Ich will doch lieber heimkehren, wenn Sie es mir gestatten.“
Am nächsten Tage hielten wir und trafen Einrichtungen, um Shaw nach Kwihara zurück zu transportiren. Ich liess eine starke Tragbahre anfertigen und miethete vier kräftige Pagazi in Kigandu für seinen Transport, liess Brot backen, eine Kanne mit kaltem Thee füllen und für seinen Lebensunterhalt unterwegs ein Ziegenviertel braten.
Den Abend vor unserer Trennung verbrachten wir gemeinschaftlich. Shaw spielte einige Melodien auf einem Accordion, das ich für ihn in Zanzibar gekauft. Zwar war es nur ein elendes Ding für zehn Dollars, doch kamen mir die heimatlichen Klänge, die er dem Instrumente entlockte, an jenem Abend wie himmlische Melodien vor. Das letzte Lied, das er spielte, ehe wir uns zurückzogen, war: „Home, sweet home!“ und es schien mir, dass wir, ehe es zu Ende war, weicher gegeneinander gestimmt waren.
Am Morgen des 27. standen wir alle früh auf. Es lag eine bedeutende Energie in unsern Bewegungen. Ein langer, langer Marsch stand uns an jenem Tage bevor; ich musste ja aber alle Kranken und Schwächlichen zurücklassen. Nur die Gesunden, die rasch und lange marschiren konnten, sollten mich begleiten. Mabruk Salim liess ich in der Obhut eines eingeborenen Doctors, der ihn für ein Tuch, das ich ihm im voraus gab, behandeln sollte.
Das Horn erklang zum Aufbruch. Shaw wurde auf die Tragbahre gelegt, welche die Träger auf die Schultern nahmen. Meine Leute stellten sich mit erhobenen Fahnen in zwei Reihen auf und mitten durch diese und die glänzenden Fahnen, die über den Wassern des Tanganika flattern sollten, ehe Shaw sie wieder zu Gesicht bekam, wurde dieser nach Norden zu fortgetragen. Wir zogen nach Süden mit rascheren und elastischeren Schritten, als ob uns ein Alp abgenommen sei.
Wir stiegen einen Bergrücken hinan, welcher von ungeheuern Syenitblöcken starrte, die sich über einem Walde von Zwergbäumen zeigten. Der Anblick war ein solcher, wie wir schon anderweitig oft gesehen. Ein unbegrenzter Wald erstreckte sich in grossen Wellen weit über den Gesichtskreis hinaus. Waldbewachsene Bergfirsten erhoben sich sanft übereinander, bis sie in der dunkeln purpurnen Ferne verschwanden. Ein warmer Nebel schwebte über ihnen, der, obwol klar genug in unserer Nähe, in der Ferne undurchdringlich blau wurde. Wald, Wald, nichts als Wald, Laubkugeln oder fallschirmartige Laubdächer von grüner, brauner oder welker Färbung! Die Wälder hoben sich schichtweise übereinander, ein wahrer Laubocean. Der Horizont bietet an allen Punkten denselben Anblick dar. In weiter Ferne mag sich wol die unbestimmte Contour eines Berges zeigen, oder hier und da ein hoher Baum, welcher die übrigen sichtlich überragte und sich scharf von dem durchsichtigen Himmel abhob. Mit dieser Ausnahme bleibt es immer dasselbe, immer der klare Himmel, der sich auf den dunkeln Wald herabsenkt, stets dieselben Umrisse, derselbe Wald, derselbe Horizont Tag für Tag, Woche für Woche. Wir eilen auf die Höhe eines Bergrückens in der Erwartung einer Veränderung, aber die ermüdeten Augen kehren zu der unmittelbaren Umgebung zurück, nachdem sie über die weite Fläche geschweift, von der Gleichartigkeit der Landschaft übersättigt. Carlyle sagt irgendwo in seinen Schriften, dass der Vatican trotz seiner Grösse sich doch nur wie eine Eierschale zu dem sternenfunkelnden Dom verhält, von dem Arcturus und Orion beständig herabstrahlen; und so sage ich, dass der Lustwald des Centralparks in New-York trotz seiner Grossartigkeit im Vergleich zu den armseligen Hainen, die man in andern grossen Städten sieht, dass der Forst von Windsor und die New-Forests in England trotz ihrer erhabenen Schönheit sich doch nur wie Gestrüpp im Vergleich zu diesen ewigen Wäldern von Unyamwezi ausnehmen.
Wir marschirten drei Stunden und hielten dann, um uns zu erfrischen. Ich bemerkte, dass die Leute sehr ermüdet, nach unserer langen Ruhe in Kwihara noch nicht an eine Reihe langer Märsche gewöhnt oder für ernste, angestrengte Arbeit gehörig eingeschult waren. Als wir unsern Marsch wieder aufnahmen, zeigte sich wiederholt Unmuth und Abgespanntheit, ein paar launige Bemerkungen über ihre Faulheit brachten die Leute jedoch wieder in gute Stimmung und wir erreichten Ugunda um zwei Uhr nachmittags, nach einem weitern Marsch von vier Stunden.
Ugunda ist ein sehr grosses Dorf im gleichnamigen Districte, der an die südliche Grenze von Unyanyembé stösst. Das Dorf besitzt wol 400 Familien oder 2000 Seelen. Es wird durch eine hohe und starke Pallisadenreihe von dreizölligem Bauholz geschützt. Ueber den Pallisaden hat man Gerüste mit kleinen Schiessscharten errichtet, die für die Musketen der Scharfschützen bestimmt sind, welche in diesem kastenartigen Gerüst ihre Zuflucht nehmen, um die Häupter einer angreifenden Truppe niederschiessen zu können. Innerhalb dient ein Graben, dessen Sandboden drei bis vier Fuss hoch gegen die Stakete aufgeworfen ist, als Schutz für die Hauptmasse der Vertheidiger, die in demselben niederknien und so im Stande sind, einer grossen Truppenmacht Widerstand zu leisten. Einige Meilen um das Dorf herum sind alle Hindernisse hinweggeräumt und die Belagerten werden von scharfäugigen Wächtern gewarnt, sich für die Vertheidigung bereit zu halten, ehe sich der Feind auf Musketenschussweite nähert. Mirambo hat seine Räubertruppen von diesem starkbefestigten Dorfe nach zwei bis drei erfolglosen Versuchen, es zu erstürmen, zurückgezogen und die Wagunda frohlocken seitdem darüber, dass sie diesen kühnsten Räuber, den Unyamwezi seit Generationen gesehen, zurückgeschlagen haben.
Die Wagunda haben ungefähr 3000 Quadratmorgen bebautes Land um ihr Hauptdorf, und dieses Terrain genügt, um das Korn nicht nur für ihren eigenen Bedarf zu erzeugen, sondern auch für den der vielen Karavanen, die auf diesem Wege nach Ufipa und Marungu ziehen.
Wie tapfer auch die Wagunda innerhalb der starken Einhegung sein mögen, mit der sie ihr Hauptdorf umgeben haben, so sind sie doch nicht frei von dem Gefühl der Unsicherheit, das die Seele eines Mnyamwezi während der Kriegszeit erfüllt. An diesem Ort pflegen die Karavanen ihre Leute aus dem Schwarm von Pagazi zu rekrutiren, welche sich freiwillig anbieten, die ersteren in die fernen Elfenbeingegenden des Südens zu begleiten. Ich konnte aber nicht einen einzigen dazu bewegen, mir zu folgen, so gross war ihre Furcht vor Mirambo und seinen Ruga-Ruga. Sie wussten auch viel von bevorstehenden Kriegen zu erzählen. Man behauptete, Mbogo ziehe gegen Ugunda mit 1000 Wakonongo; die Wazavira hätten vor vier Monaten eine Karavane angegriffen; Simba durchstreiche das Land mit einer Bande wilder Söldlinge, und noch manches ähnliche.
Am 28. kamen wir in einem kleinen netten Dorfe an, das in dem Benta genannten Walde liegt, 3¼ Stunden von Ugunda. Die Strasse führt durch die Kornfelder der Wagunda und tritt dann in die um die Dörfer des Kisari liegenden Lichtungen ein, wo wir den Besitzer einer Karavane antrafen, der Lastträger nach Ufipa zusammentrommelte. Er war gezwungen gewesen, hier zwei Monate halt zu machen und bemühte sich eifrig, meine Leute dazu zu bewegen, sich seiner Karavane anzuschliessen, was eben nicht dazu beitrug, Harmonie zwischen uns herzustellen. Einige Tage später fand ich, als ich wieder zurückkehrte, dass er den Gedanken, nach Süden zu ziehen, aufgegeben hatte. Nachdem wir Kisari verlassen, marschirten wir durch ein dünnes Gebüsch von schwarzem Jackholz, über ein Erdreich, das von der Sonnenhitze geborsten war, und hin und wieder an einer ausgetrockneten Pfütze vorüber, deren Boden die deutlichen Spuren von Elefanten, Rhinozeros, Büffeln und Zebras zeigte, was uns Hoffnung machte, dass wir bald auf Jagdthiere stossen würden.
Benta war gut mit Mais und einem Korn versehen, das die Eingeborenen Tschoroko nennen und das ich für Wicken halte. Ich kaufte mir einen guten Vorrath davon für meinen eigenen persönlichen Bedarf, da ich fand, dass es eine sehr gesunde Nahrung sei. Das Korn wurde auf den flachen Dächern der Tembés in grossen, aus der Rinde des Mtundu-Baumes angefertigten Kasten aufbewahrt. Hier habe ich den grössten Kasten erblickt, den ich je in Afrika gesehen; man hätte ihn für die Hutschachtel eines Titanen halten können. Er hatte sieben Fuss im Durchmesser und zehn Fuss Höhe.
Am 29. erreichten wir, nachdem wir in süd-südwestlicher Richtung gereist waren, Kikuru. Der fünfstündige Marsch führte über Ebenen, die von der Sonne geborsten waren, auf denen schwarzes Jack- und Ebenholz sowie Zwerggebüsche wuchsen, und auf denen sich zahlreiche Ameisenhügel von lichter kreidefarbener Erde wie Sanddünen erhoben.
Das Mukunguru, im Kiswahili der Name für Fieber, kommt in dieser Gegend von ausgedehnten Wäldern und flachen Ebenen häufig vor, da die Natur hier das Wasser nur sehr unvollkommen abfliessen lässt. In der trockenen Jahreszeit liegt nichts abschreckendes im Anblick des Landes. Das verbrannte Gras, das von den hartgewordenen Spuren der Thiere, die diese Ebenen während des letzten Theils der Regenzeit bewohnen, bedeckt ist, gibt aber dem Lande ein etwas düsteres Aussehen. Im Walde liegen zahllose Bäume im letzten Stadium der Verwesung umher und auf den hingestreckten Stämmen kann man zahllose Insektenarten arbeiten sehen. Unmerklich wird aber das Gift der todten und verwesenden Pflanzenwelt in den Organismus aufgenommen und von Folgen begleitet, die bisweilen tödlich sind wie die, welche aus der Nachbarschaft des Upasbaumes entstehen sollen.
Die ersten übeln Folgen, die aus der Malaria entstehen, sind Verstopfung und verstimmende Mattigkeit, ungemeine Schläfrigkeit und beständige Neigung zum Gähnen. Die Zunge nimmt eine gelbliche, krankhafte Färbung an und wird fast schwarz. Selbst die Zähne werden gelb und von einer übelriechenden Masse überzogen. Die Augen des Patienten glänzen hell und füllen sich mit Wasser. Dies sind sichere Symptome des beginnenden Fiebers, welches bald darauf den ganzen Organismus durchtobt und den Patienten zitternd vor Pein niederstreckt.
Bisweilen geht diesem Fieber ein heftiger Schüttelfrost voran, während welcher Zeit man wollene Decken über den Patienten legen kann, ohne die tödliche Kälte, die er empfindet, sehr zu mindern. Darauf folgt ein ungewöhnlich heftiger Kopfschmerz, furchtbare Schmerzen der Lenden und Rückensäule, die, sich über die Schulterblätter verbreitend, den Hals hinauflaufen und sich schliesslich im Hinter- und Vorderkopf fixiren. Gewöhnlich jedoch geht dem Fieber keine Kälte voran, sondern, nachdem Mattigkeit und Schwächegefühl, grosse Hitze und pulsirende Schläfe eingetreten, fangen Lenden und Rückgratsäule an zu schmerzen und ein wüthender Durst ergreift den Kranken. Das Gehirn wird von sonderbaren Phantasien angefüllt, die bisweilen die schrecklichsten Gestalten annehmen. Vor dem verdunkelten Gesicht des Leidenden schweben in einer glühenden Atmosphäre die Gestalten wirklicher und phantastischer Reptilien, die sich jeden Augenblick in sonderbarere Formen verwandeln und immer verworrener, zusammengesetzter, scheusslicher, entsetzlicher werden. Ausser Stande, diese nahezu toll machenden Bilder weiter zu ertragen, macht der Kranke eine Anstrengung und öffnet die Augen, bannt jedoch dadurch das Delirium nur, um bewusstlos in ein anderes Traumland hinüberzugleiten, wo sich ihm eine neue phantastische Hölle plastisch darstellt und neue Qualen beginnen. Ach, wie viele Stunden habe ich unter dem schrecklichen Alp gelitten, den Anfälle eines wirklichen Deliriums hervorgerufen! Wehe über die folternden Qualen des Körpers, denen ein Reisender in Afrika ausgesetzt ist, über die höhnische Reizbarkeit, die Marter des Geistes, welche die schrecklichen Bilder dieser Teufeleien erzeugen! Dem höchsten Grade von Geduld gelingt es nicht, den Kranken zu besänftigen; die aufmerksamste Pflege genügt ihm nicht, die grösste Unterwürfigkeit verfehlt völlig ihren Zweck. In diesen schrecklichen wechselnden Bildern, die einen wilden Wahnsinn hervorrufen, wäre Hiob selbst reizbar, wüthend und zornig geworden. Ein in diesem Zustande befindlicher Mensch betrachtet sich als den Mittelpunkt alles Elends. Wenn er sich davon erholt hat, fühlt er sich geläutert, wird leutselig und lächerlich liebenswürdig; dann versteht er allen Dingen Freuden zu entlocken, die ihm noch am vorhergehenden Tage Schrecken und Entsetzen einflössten; dann betrachtet er seine Leute mit Liebe und Freundlichkeit und sieht auch das gewöhnlichste mit Begeisterung an. Die Natur erscheint ihm reizend; in den todten, eintönigen Wäldern findet sein Geist eine stete Quelle neuer Freuden. Hier spreche ich aus eigener Erfahrung, wie ich sie aus einer sorgfältigen Analyse des Anfalls in seinen verschiedenen Stadien, dem hitzigen, jammernden und albernen, gewonnen; denn ich pflegte mich damit zu amüsiren, die humoristischen und entsetzlichen, phantastisch übertriebenen Bilder, die sich mir darboten, zu Papier zu bringen, selbst während ich an den Fieber-Paroxysmen litt.
Nach einem vierstündigen Marsche in süd-südwestlicher Richtung kamen wir am 1. October bei einer grossen Pfütze an, die als der Ziwani bekannt ist. Hier entdeckten wir ein altes, halb verbranntes Khambi, das von einem grossartigen Mkuyu (einer Sykomore), dem Riesen der Wälder von Unyamwezi, beschattet wurde und das wir binnen einer Stunde in ein herrliches Lager verwandelten.
Wenn ich mich recht besinne, so hatte der Baum 38 Fuss im Umfang. Es ist der schönste Baum seiner Art, den ich in Afrika gesehen. Unter der ungeheuern Laubkuppel desselben hätte ein Regiment Soldaten bequem zu Mittag rasten können. Der Durchmesser des von ihm geworfenen Schattens war 120 Fuss. Die kräftige Gesundheit, der ich mich zu dieser Zeit erfreute, setzte mich in den Stand, die Umgegend mit Bewunderung zu gemessen. Ein Gefühl von Wohlbehagen und vollständiger Zufriedenheit ergriff mich, wie ich es in Unyanyembé nicht gekannt, wo ich mein Leben in Unthätigkeit und Aerger verbracht hatte. Ich unterhielt mich mit meinen Leuten wie mit Freunden und meinesgleichen. Wir raisonnirten miteinander über unsere Aussichten in ganz kameradschaftlicher, geselliger Art und Weise.
Wenn das Tageslicht dahinschwand und die Sonne rasch über dem westlichen Horizont herabsank, den Himmel mit Gold- und Silber-, Safran- und Opalfarben schmückend, wenn dieses prächtige Farbenspiel sich auf den Spitzen des ewigen Waldes widerspiegelte, die heilige Stille des Himmels auf allem ruhte und selbst die rohen Gemüther meiner Umgebung die ganze Herrlichkeit des Naturlebens mitten im ungeheuern, von allen andern menschlichen Wesen leeren Walde tief empfanden, dann trat die Zeit ein, wo wir alle nach vollendeter Tagesarbeit und völliger Sicherstellung des Lagers unsere Pfeifen hervor holten und so recht den Lohn unserer Mühen, die einem tüchtigen Tagewerk folgende Zufriedenheit gemessen konnten.
Draussen hört man nichts als das Geschrei eines umherirrenden Florikans oder Perlhuhns, das seine Genossen verloren, das heisere Quaken der Frösche in der nahgelegenen Pfütze oder das Zirpen der Heimchen, welche den Tag zur Ruhe zu lullen scheinen. In unserm Lager lässt sich das Geräusch der Kürbispfeifen vernehmen, aus denen die Leute den blauen Aether einziehen, den auch ich liebe. Ich liege glücklich und zufrieden auf meinem Teppich unter dem Dom lebendigen Laubes, rauche meine kurze Meerschaumpfeife und hänge trotz der Schönheit des stillen grauen Himmelslichts und der Heiterkeit, die mich überall umgibt, meinen Gedanken an die Heimat und die Freunde im fernen Amerika nach. Doch wenden sich diese Gedanken alsbald wieder zu meiner noch unvollendeten Aufgabe, zu dem Manne hin, der für mich noch immer ein Mythus ist, der sogar todt sein kann oder vielleicht, ob nah oder fern von mir, jetzt durch einen eben solchen Wald zieht, dessen Wipfel die Aussicht aus meinem Lager beschränken. Wir befinden uns beide auf demselben Boden, vielleicht in demselben Walde, wer weiss es? — und doch ist er mir so fern, dass er ebenso gut in seiner kleinen Hütte in Ulva sein könnte. Obwol ich selbst jetzt noch nicht weiss, ob er überhaupt existirt, so fühle ich doch eine gewisse Ruhe, eine gewisse Genugthuung, die sich schwer beschreiben lässt. Warum ist der Mensch doch so schwach, dass er hunderte von Meilen ziehen muss, um die Zweifel, die sein ungeduldiges, stolzes Gemüth füllen, zu befriedigen? Warum kann mein Leib nicht dem kühnen Fluge meines Geistes folgen und das Sehnen stillen, das ich empfinde, die quälende Frage zu lösen, die sich mir stets auf die Lippen drängt: Lebt er noch? — O, meine Seele, sei geduldig, du hast eine glückliche Ruhe, um die andere Leute dich beneiden könnten! Für die Gegenwart genügt das Bewusstsein, dass deine Mission eine heilige ist! Vorwärts und hoffe!
Am Montag den 2. October zogen wir durch den Wald und die Ebene, welche sich von dem Ziwani nach Manyara erstreckt. Das kostete 6½ Stunden. Die Hitze war furchtbar drückend; doch wuchsen die Mtundu- und Miombo-Bäume hier in Zwischenräumen, die gerade ausreichten, um jedem Baum sein freies Wachsthum zu gestatten, während ihr Laub sich zu einem Dache verband, das angenehmen Schatten warf. Der Pfad war frei und bequem, der zusammengestampfte, feste, rothe Boden bot keine Hindernisse dar. Nur litten wir sehr von den Angriffen der Tsetse- oder Panga (Schwert)-Fliege, die hier schwärmte. Wir wussten, dass wir uns einem ausgedehnten Aufenthaltsort von Wild näherten und passten beständig auf, was für Gattungen diese Wälder wol bewohnten.
Als wir, im Tempo von ungefähr drei engl. Meilen in der Stunde, weiter zogen, bemerkte ich, wie die Karavane vom Wege abbog und 50 Schritt jenseits eines auf demselben befindlichen Gegenstandes, der die Aufmerksamkeit der Leute auf sich gezogen, wieder auf denselben zurückkehrte. Als ich soweit gekommen war, fand ich, dass es der Leichnam eines Mannes sei, der als ein Opfer der furchtbaren Geissel Afrikas, der Pocken, gestorben war. Er gehörte zu der Räuber- oder Guerillabande Oseto’s, die in dem Dienste des Mkasiwa von Unyanyembé steht und diese Wälder nach den Guerillas Mirambo’s durchsuchte. Sie waren aus Ukonongo von einem Raubzug, den sie gegen den Sultan von Mbogo geführt hatten, zurückgekehrt und hatten ihren Kameraden am Wege liegen lassen, wo er gestorben war. Er war ungefähr einen Tag todt.
Beiläufig bemerkt ereignete es sich häufig, dass wir ein Skelet oder einen Schädel auf dem Wege fanden. Fast jeden Tag sahen wir einen, manchmal zwei dieser Ueberbleibsel todter vergessener Menschen.
Bald danach kamen wir aus dem Wald und traten in eine Mbuga oder Ebene, in der wir eine Menge Giraffen erblickten, deren lange Hälse man über einen Busch, an dem sie gefressen hatten, emporragen sah. Dieser Anblick wurde mit einem Freudenschrei begrüsst, denn jetzt wussten wir, dass wir in ein Land jagdbarer Thiere gekommen waren und dass wir in der Nähe des Flusses Gombé, wo wir halten wollten, viele dieser Thiere sehen würden.
Ein Marsch von drei Stunden über diese heisse Ebene brachte uns an die bebauten Felder von Manyara. Vor der Dorfpforte verbot man uns hineinzutreten, da das ganze Land sich im Kriegszustande befinde und es nöthig sei, sehr vorsichtig beim Einlass irgendeiner Truppe zu sein, damit die Dorfbewohner nicht dadurch compromittirt würden. Man wies uns jedoch nach einem rechts vom Dorfe, in der Nähe einiger klarer Wasserpfützen belegenen Khambi, wo wir ungefähr ein halbes Dutzend zu Grunde gerichtete Hütten erblickten, die für ermüdete Menschen sehr ungemüthlich aussahen.
Nachdem wir unser Lager errichtet hatten, gab ich dem Kirangozi einiges Zeug, um uns Nahrungsmittel für den Durchzug der vor uns liegenden Wüste, die 135 Meilen oder neun Märsche lang sein sollte, im Dorfe zu kaufen. Man sagte ihm, dass der Mtemi seinen Leuten aufs strengste verboten hätte, Korn zu verkaufen.
Das war offenbar ein Fall, in dem nur etwas Diplomatie uns helfen konnte, denn es hätte uns mehrere Tage aufgehalten, wenn wir genöthigt gewesen wären, Leute nach Kikuru zurückzuschicken, um uns Proviant zu holen. Ich öffnete also meine Ballen der besseren Waarensorten, suchte zwei hübsche Tücher aus und schickte Bombay mit ihnen an den Sultan mit dem Freundschaftsgruss des weissen Mannes. Der Sultan schlug es verdriesslich aus und befahl ihm, zum Weissen zurückzukehren und ihm zu sagen, er möge ihn nicht weiter belästigen. Alles Bitten blieb umsonst, er wollte nicht einlenken, und die Leute waren genöthigt, in sehr schlechter Laune und hungrig zu Bett zu gehen. Hier fielen mir die Worte Ndschara’s, eines Sklavenhändlers und Schmarotzers des grossen Scheikh bin Nasib, ein: „O Herr, Sie werden es erfahren, dass Sie dem Volk nicht gewachsen sein werden und werden zurückkehren müssen. Die Wamanyara sind schlecht, die Wakonongo sind sehr schlecht, die Wazavira sind die allerschlechtesten. Sie sind zu einer schlechten Zeit in dieses Land gekommen. Ueberall herrscht Krieg.“ Und wirklich, wenn man nach dem Inhalt der Unterhaltungen schliessen durfte, die um unsere Lagerfeuer geführt wurden, so schien dies nur zu klar zu sein. Es war alle Aussicht dazu vorhanden, dass meine Leute alle zusammen ausreissen würden. Ich suchte jedoch sie zu ermuthigen und sagte ihnen, ich werde ihnen morgen Nahrungsmittel verschaffen.
Am nächsten Morgen wurde der Ballen der besten Zeuge noch einmal aufgemacht und vier gute Tücher nebst zwei Doti Merikani ausgewählt und Bombay damit sammt Grüssen und höflichen Redensarten abgesandt. Es war nöthig, sehr höflich gegen einen so verdriesslichen Mann zu sein, der zu mächtig war, als dass man sich hätte ihn zum Feinde machen dürfen. Was wäre aus uns geworden, wenn er sich entschloss, das Beispiel des gefürchteten Mirambo, des Königs von Uyoweh, nachzuahmen! Die Wirkung meiner grossartigen Freigebigkeit liess sich jedoch bald in der Masse von Vorräthen sehen, die ins Lager gebracht wurden. Ehe eine Stunde vorüber war, kamen Kisten voll Choroko, Bohnen, Reis, Matama oder Dourra und Mais, die ein Dutzend Dorfbewohner auf dem Kopfe uns zutrugen, und bald darauf kam der Mtemi selbst mit einem Gefolge von etwa 30 Musketieren und 20 Speerträgern, um sich den ersten Weissen, der je hier erblickt worden, anzusehen. Hinter diesen Kriegern kam ein grossartiges Geschenk, das an Werth dem, das er erhalten, gleichkam und aus mehrern grossen Kürbissen voll Honig, Hühnern, Ziegen und hinreichend viel Wicken und Bohnen bestand, um meine Leute auf vier Tage zu verproviantiren.
Ich ging dem Häuptling bis an die Thüre meines Lagers entgegen, verbeugte mich tief und lud ihn ein in mein Zelt, das ich für seinen Empfang eingerichtet hatte so gut als es die Umstände erlaubten. Mein persischer Teppich und die Bärenhaut lagen ausgebreitet und ein grosses Stück funkelnagelneues Scharlachzeug bedeckte meine Kitanda oder Bettstelle.
Ich forderte den Häuptling und seine Hauptleute auf, Platz zu nehmen. Der Blick befriedigten Erstaunens, den sie auf mich, mein Gesicht, meine Kleider und Gewehre warfen, ist kaum zu beschreiben. Sie sahen mich einige Secunden sehr genau an, dann blickten sie auf sich selbst und brachen in ein unbezwingliches Gelächter aus, wobei sie mit ihren Fingern wiederholt Schnippchen schlugen. Sie sprachen die Kinyamwezi-Sprache und mein Dolmetscher Maganga musste den Häuptling von der grossen Freude benachrichtigen, die ich bei seinem Anblick empfand. Nach einer kurzen Zeit, in der wir Complimente wechselten und um die Wette über einander lachten, wünschte der Häuptling, dass ich ihm meine Flinten zeige. Der „Sechzehnschiesser“, das gezogene Winchestergewehr, rief Tausende von schmeichelhaften Bemerkungen des aufgeregten Mannes hervor und die kleinen tödlichen Revolver, deren schöne Arbeit die Leute für übermenschlich ansahen, machten sie so beredt und entzückt, dass ich gern zu etwas andern griff. Die doppelläufigen Gewehre, die mit schweren Pulverladungen abgefeuert wurden, veranlassten sie scheinbar beunruhigt aufzuspringen und sich darauf in convulsivischem Gelächter wieder zu setzen. Sowie die Begeisterung meiner Gäste zunahm, griffen sie sich gegenseitig an die Zeigefinger, schraubten und zogen an diesen herum bis ich fürchtete, dass sie verrenkt werden würden. Nachdem ich ihnen den Unterschied zwischen Weissen und Arabern auseinandergesetzt, zog ich meinen Medicinkasten hervor, der ihnen wieder wegen der sinnreichen und hübschen Anordnung der Flaschen begeisterte Seufzer entlockte. Der Häuptling fragte, was sie zu bedeuten hätten.
„Dowa“, antwortete ich bedeutungsvoll, ein Wort, welches mit Medicin übersetzt werden kann.
„Oh, oh“, murmelten sie voll Bewunderung. Es gelang mir sehr bald, ihre unbedingte Bewunderung zu gewinnen, und es war ihnen ganz klar, dass ich den ausgezeichnetsten Arabern, die sie gesehen, bedeutend überlegen sei. „Dowa, Dowa“, sagten sie.
„Hier“, meinte ich und entkorkte ein Flasche mit medicinischem Branntwein, „ist das Kisungu Pombé (das Bier des Weissen). Nehmt einmal einen Löffel davon und versucht es!“ Mit diesen Worten überreichte ich es ihnen.
„Hacht, hacht, oh hacht. Was? Ach, was für starkes Bier haben die Weissen. O, wie mein Hals brennt!“ „Ja, es ist aber gut“, sagte ich, „schon ein klein wenig davon bewirkt es, dass die Leute sich stark und gut fühlen; zuviel davon macht sie dagegen schlecht und lässt sie sterben.“