Am 7. Mai 1872 um 5 Uhr nachmittags langte die Dhow, welche meine Expedition nach Zanzibar zurückführte, im Hafen an, und meine Leute, hoch erfreut, sich einmal wieder so nahe ihrer Heimat zu finden, feuerten eine Salve nach der andern ab. Die amerikanische Flagge wurde aufgehisst, und alsbald sahen wir, wie die Hausdächer und Werfte von Zuschauern, unter denen sich viele Europäer befanden, besetzt waren, die ihre Gläser auf uns richteten.
Langsam kamen wir ans Ufer; ein Boot wurde ausgesetzt, um uns ans Land zu bringen; wir stiegen hinein, und alsbald war ich bei meinem Freunde, dem Consul, der mich in Zanzibar herzlich willkommen hiess. Bald darauf wurde ich dem Pastor Charles New vorgestellt, der noch vor einigen Tagen ein wichtiges Mitglied der englischen Expedition gewesen war, einem kleinen, schmächtigen Herrn, der, obgleich er schwächlich aussah, doch einen solchen Grad von Energie besass, dass er für diesen Körper fast zu gross zu sein schien. Auch er beglückwünschte mich herzlich.
Nach einem reichlichen Mahle, dem ich in einer Weise, die meine neuen Freunde in Erstaunen setzte, Gerechtigkeit widerfahren liess, machte mir Lieutenant Dawson, ein kräftiger, starker, junger Mann, von prächtiger Gestalt, stattlichem Aussehen, raschen, intelligenten Zügen, einen Besuch und sagte:
„Herr Stanley, erlauben Sie, dass ich Ihnen gratulire.“
Dann erzählte er mir, wie er auf meinen Erfolg neidisch sei, wie ich ihm den Wind weggefangen habe (ein seemännischer Ausdruck, den auch Lieutenant Henn gebraucht hatte), wieder, als er von meinen Leuten erfahren, dass Dr. Livingstone aufgefunden sei, sofort von Bagamoyo nach Zanzibar übergesetzt sei und nach einer kurzen Unterredung mit Dr. Kirk seine Stelle niedergelegt habe.
„Aber meinen Sie nicht, Herr Dawson, dass Sie auf den blossen mündlichen Bericht meiner Leute hin etwas zu rasch darin verfahren sind?“
„Das kann sein“, sagte er; „ich hörte aber, dass Herr Webb einen Brief von Ihnen erhalten und dass Sie und Livingstone entdeckt hätten, der Rusizi laufe in den See, sowie dass Sie des Doctors Briefe und Depeschen bei sich hätten.“
„Ja, aber Sie haben doch alle diese Nachrichten nur von meinen Leuten erhalten; Sie hatten doch nichts selbst gesehen und haben also Ihre Stelle früher niedergelegt, als Sie persönliche Beweise für die Thatsache besassen.“
„Nun, Dr. Livingstone ist doch aufgefunden und hat Hülfe bekommen, wie Herr Henn mir sagte, nicht wahr?“
„Ja, das ist wahr. Er ist mit allem gut versehen, braucht nur einige wenige Genussmittel, die ich ihm durch eine Expedition von 50 Freien zukommen lassen will. Gewiss ist Dr. Livingstone aufgefunden und hat Hülfe bekommen, und ich habe alle Briefe und Depeschen, die er seinen Freunden schicken konnte, bei mir.“
„Glauben Sie denn nicht, dass ich vollständig richtig gehandelt habe?“
„Kaum; obgleich es vielleicht am Ende ganz dasselbe geworden wäre. Denn ein grösserer Vorrath an Tuch und Perlen, als er schon hat, würde ihm nur eine Last sein. Indessen Sie haben Ihre Befehle von der Königl. Geographischen Gesellschaft. Da ich diese noch nicht gesehen habe, kann ich nicht darüber urtheilen, was Sie am besten hätten thun müssen; doch meine ich, Sie haben unrecht daran gethan, Ihre Führerschaft eher niederzulegen, als Sie mich gesehen, denn dann hätten Sie wol eine ausreichende Entschuldigung für die Niederlegung Ihres Amtes gehabt. Ich wenigstens hätte bei der Expedition so lange ausgehalten, bis ich mich mit meinen Auftraggebern besprochen, obwol in einem Falle wie dieser der Befehl wahrscheinlich gelautet haben würde: “Kommen Sie nach Hause„.“
„Wie die Sache aber liegt, habe ich doch wol recht gethan.“
„Es wäre jetzt ganz bestimmt unnütz, Livingstone aufzusuchen und ihm Hülfe zu bringen, weil er sie bereits hat; aber Sie hatten vielleicht andere Befehle?“
„Nur wenn ich ins Innere ging, sollte ich meine Aufmerksamkeit auch auf die Erforschung des Landes wenden; da Sie mir aber beim Hauptzweck zuvorgekommen sind, so bin ich gezwungen nach Hause zurückzukehren. Die Admiralität hat mir nur Urlaub gegeben um Livingstone aufzusuchen und durchaus nichts über die Erforschung des Landes gesagt.“
„Steht denn in Ihren Befehlen gar nichts darüber, was Sie zu thun haben, falls Sie mit mir zusammenträfen?“
„Kein Wort, obwol die Thatsache meinen Auftraggebern bekannt war; denn eins der Mitglieder der Geographischen Gesellschaft hat mir privatim gesagt, vielleicht könnte ich auch Ihnen Hülfe bringen. Ich wusste nichts von Ihrer Expedition, ausser was in Ihren Briefen an den “Herald„ stand; wir hatten aber gehört, dass Sie am Fieber erkrankt und vielleicht todt seien. Als ich hier ankam, hörte ich viel von Ihnen reden, und man erzählte, dass Sie Livingstone gerade an dem Tage aufgefunden hätten, wo wir hier ankamen; darauf legten wir aber nicht viel Gewicht. Erst nachdem ich Ihre eigenen Leute gesprochen, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich überflüssig sei, und habe deshalb mein Amt niedergelegt.“
„Warum hat man meinen Namen in den Ihnen mitgegebenen Instructionen nicht erwähnt? Man wusste doch nach dem, was Sie sagen, dass ich mich im Innern befände, und mochte ich auch ein noch so schwacher Reisender sein, so war das doch immer eine Möglichkeit, die aufstossen konnte.“
„Um die Wahrheit zu sagen, man wünschte es nicht, dass Sie ihn auffänden. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie eifersüchtig man bei uns zu Hause auf Ihre Expedition ist.“
„Ich sollte Livingstone also nicht auffinden! Was geht es jene an, wer ihn auffindet und ihm Hülfe bringt, wenn es nur wirklich geschieht?“
Das waren meine ersten erschütternden Nachrichten, und von diesem Augenblick an betrachtete ich mich als einen bei den Engländern verurtheilten Mann. Dass jemand so unmenschlich sein könnte, mir Miserfolg zu wünschen, weil ich an der Spitze einer amerikanischen Expedition stand, war mir nie in den Sinn gekommen. Bis zu diesem Augenblicke hatte ich nie überhaupt daran gedacht, wie die Menschen mein Glück oder Misgeschick ansehen würden. Ich hatte zuviel mit meiner Aufgabe zu thun, um an so etwas Unvernünftiges, Unwahrscheinliches zu denken, dass es Leute gäbe, welche lieber Dr. Livingstone unwiederbringlich verloren geben, als wünschen würden, dass ein amerikanischer Zeitungsschreiber ihn auffinde.
Ich war jedoch nicht lange in Zanzibar, ehe ich die in England herrschenden Gesinnungen völlig durchschaute. Man zeigte mir Ausschnitte aus Zeitungen, worin mehrere Mitglieder der Königl. Geographischen Gesellschaft die amerikanische Expedition lächerlich gemacht hatten und eins derselben sogar so weit gegangen war zu sagen, es bedürfe des „eisernen Kopfes eines Engländers“, um ins Innere von Afrika zu dringen. Dr. Kirk hatte sehr freundlich hingeschrieben und es ausgesprochen, dass er sich blos auf mich verlasse; dafür war ich ihm dankbar und bedauerte es, der Ueberbringer eines so zurückhaltend formell gehaltenen Schreibens von Dr. Livingstone an ihn zu sein.
An jenem Abend schickte ich einen Knaben ins englische Consulat mit Briefen des grossen Reisenden an Dr. Kirk und Herrn Oswald Livingstone.
Von den amerikanischen und deutschen Einwohnern wurde ich warm begrüsst; sie hätten wirklich nicht mehr Gefühl an den Tag legen können, wenn Dr. Livingstone ein ihnen theurer, naher Verwandter gewesen wäre. Kapitän H. A. Fraser und Dr. James Christie lobten mich auch sehr. Wie es scheint, hatten diese beiden Herren es versucht, privatim eine Expedition auszusenden, um ihrem Landsmann Hülfe zu schicken; aber sie ist aus irgendeinem Grunde nicht zu Stande gekommen. Sie hatten 500 Dollars zu diesem löblichen Zweck zusammengesteuert. Der Mann jedoch, dem sie das Commando anvertraut hatten, war von einem andern für einen andern Zweck mit einem höhern Gehalt angeworben worden. Statt jedoch sich darüber zu ärgern, dass ich das gethan, was sie beabsichtigt hatten, gehörten sie zu meinen begeistertsten Bewunderern.
Am nächsten Tage besuchte mich Dr. Kirk und gratulirte mir herzlich zu meinem Erfolg. Er machte durchaus keine Anspielung auf den Inhalt des von Dr. Livingstone erhaltenen Briefes. Auch Bischof Tozer kam und dankte mir für den Dr. Livingstone geleisteten Dienst.
An diesem Tage entliess ich auch meine Leute, warb jedoch sogleich wieder zwanzig von ihnen an, die sich zum „grossen Meister“ begeben sollten. Bombay, der im Innern des Landes jeden Gedanken an Geldbelohnungen verächtlich von sich gewiesen, in meiner grössten Noth jedoch versucht hatte, mir in jeder Weise in den Weg zu treten, erhielt ausser seinem Sold ein Geschenk von 50 Dollars, und ein jeder der übrigen je nach seinem Verdienst 20–50 Dollars. Denn am heutigen Tage mussten alle Feindseligkeiten begraben und alles Unrecht verziehen werden. Diese armen Leute hatten ja nur ihrer Natur gemäss gehandelt, und von Udschidschi bis an die Küste hatten sie sich vorzüglich betragen, was ich nicht vergass.
Als ich mich in einem Spiegel erblickte, fand ich mein Aussehen schrecklich abgezehrt und verändert. Jedermann bestätigte meine Ansicht, dass ich viel älter geworden und mein Haar ergraut sei. Kapitän Fraser hatte bei seiner Begrüssung gesagt: „Aber Sie sind älter als ich, mein Herr!“ und mich überhaupt nicht erkannt, bis ich ihm meinen Namen gesagt. Selbst dann machte er die spasshafte Bemerkung, er glaube, dies wäre ein zweiter Tichbornefall. Ich hatte mich selbst in der kurzen Periode von dreizehn Monaten, nämlich vom 23. März 1871 bis zum 7. Mai 1872, so sehr verändert, dass meine Identität kaum festzustellen war.
Auch Lieutenant Henn kam am Morgen nach meiner Ankunft zu mir und bat um Erlaubniss, den Auftrag, den ich vom Dr. Livingstone erhalten, zu sehen, was sofort geschah. Ich füge hier eine Abschrift des Auftrags bei:
„Unyanyembé, 14. März 1872.
Ich habe durch die Benutzung von Sklaven zu Karavanen, die mir durch den englischen Consul zugeschickt worden, so viele Verluste erlitten, dass, wenn Herr Stanley noch einem derartigen Trupp begegnet, ich ihn ersuche, sie umkehren zu lassen, übrigens aber in der ganzen Angelegenheit nach eigenem Gutdünken zu verfahren.
DAVID LIVINGSTONE.“
„Das bezieht sich aber gar nicht auf unsere Expedition,“ sagte Lieutenant Henn.
„Natürlich nicht,“ erwiderte ich, „es bezieht sich nur auf Sklavenkaravanen. Mit Ihrer Expedition habe ich überhaupt gar nichts zu thun. Was mich betrifft, können Sie thun, was Sie wollen. Aber Sie fragten mich gestern Abend, wie Sie sich erinnern werden, ob Dr. Livingstone bereits Hülfe habe. Darauf antworte ich Ihnen abermals “Ja„, und hier sind die Sachen (die von Livingstone selbst aufgestellte Liste zeigend), welche er zu haben wünscht. Wenn Sie trotzdem glauben, zu ihm ziehen zu müssen, so rathe ich Ihnen, das zu thun. Jedenfalls, meine ich, sollten Sie die Waaren nicht eher verkaufen, was Sie, wie ich höre, vorhaben, bis Sie von der Königl. Geographischen Gesellschaft Nachrichten haben. Diese hat vielleicht andere Absichten mit Ihnen, da sie jetzt schon so viele Kosten auf diese Expedition verwendet hat.“
„Ich werde mein Amt niederlegen und die ganze Sache dem jungen Livingstone überlassen.“
„Thun Sie, was Sie wollen. Sie müssen Ihre eigenen Angelegenheiten am besten beurtheilen können.“
„Ich weiss, was ich thun werde. Ich werde mit Kapitän Fraser nach Kilima-Ndscharo gehen und dort eine gute Jagdpartie mitmachen. New sagt mir, dass es in diesem Theil des Landes eine Menge Wild gibt.“
Lieutenant Henn ging denn auch direct aus dem amerikanischen Consulat, um seine förmliche Entlassung einzureichen, und von nun ab befand sich die Expedition in den Händen des Herrn Oswald Livingstone, der sich dazu entschloss, die Vorräthe zu verkaufen und nur das zurückzubehalten, was seinem Vater nützlich sein könne. Ehe er sie jedoch verkaufte, sagte ich zu Dr. Kirk, es wäre doch das Beste, sie aufzubewahren, weil die Königl. Geographische Gesellschaft sie vielleicht anderweitig für Forschungsreisen zu verwenden wünsche.
„Nein,“ sagte Dr. Kirk, „diese Waaren gehören Dr. Livingstone und da er sie nicht braucht, so kann man sie für ihn ohne viel Verlust in Geld umsetzen.“
Von Pastor Charles New, einem auf der Ostküste von Afrika, einige Meilen westlich von Mombasah wohnenden Missionär, erfuhr ich eine Menge auf das Scheitern der englischen Expedition bezügliche Einzelheiten. Obgleich er mir seine Bemerkungen mündlich mitgetheilt hat, so hat er sie doch später in Gestalt eines an mich gerichteten Briefes niedergelegt und ich ziehe hier dasjenige aus demselben aus, was auf diese Angelegenheit Bezug hat:
Nach einem langen Aufenthalt in Ost-Afrika war ich im Begriff nach England zurückzukehren, als ich in Zanzibar mit der englischen Expeditionsgesellschaft zusammentraf. Ganz wider mein Erwarten und auf Rath des Senats der Königl. Geographischen Gesellschaft wurde ich ersucht, mich der Expedition anzuschließen. Nach vieler Ueberlegung und einigem Zaudern that ich dies und nahm die Stelle eines Dolmetschers und dritten Befehlshabers an. Mein vom Lieutenant Dawson aufgesetzter Vertrag lautete so:
„Ich willige ein, meine Dienste der Expedition zur Aufsuchung und Unterstützung Livingstone’s umsonst zu widmen und mich der ursprünglich in England von der Königl. Geographischen Gesellschaft organisirten Expedition unter folgender Bedingung anzuschliessen:
1) Sollte durch irgendeinen Zufall Lieutenant Dawson unfähig werden, den Oberbefehl weiter zu führen, so werde ich Lieutenant William Henn als den Befehlshaber der Expedition ansehen und mich seinen Befehlen fügen.
2) Sollte Lieutenant William Henn auch ausser Stande sein, den Befehl zu übernehmen, so werde ich ihn führen und alles thun, um die Zwecke der Expedition, wie sie in den Institutionen der Königl. Geographischen Gesellschaft niedergelegt sind, zu fördern.“
So lautete der von mir unterzeichnete Pact. Nachdem ich mich der Expedition angeschlossen, that ich alles, um die Vorbereitungen zur Abreise so viel wie möglich zu beschleunigen. Lieutenant Dawson, Lieutenant Henn und ich selbst gingen mit den Waaren und Wächtern über den Kanal nach Bagamoyo, um dort sofort Wa-Pagazi anzuwerben und uns ohne Verzug auf den Weg zu begeben. Bei unserer Ankunft in Bagamoyo trafen wir drei Leute, die ein paar Tage vor uns angeblich von Ihnen aus dem Innern angekommen waren. Wir fragten dieselben aus und erfuhren von ihnen, dass Sie mit Dr. Livingstone in Udschidschi zusammengekommen und mit ihm ans Nordende des Sees gegangen seien, den Rusizi in den See hätten fliessen sehen, dann nach Udschidschi zurückgegangen und von dort östlich bis Unyanyembé zusammengereist seien. Dort sei Dr. Livingstone mit der Absicht geblieben, seine Forschungen fortzusetzen. Sie aber kehrten in aller Eile an die Küste zurück; Sie seien schon in Ugogo und könnten in ein paar Tagen in Bagamoyo eintreffen.
Darauf sprachen Dawson und Henn ihre Absicht aus, die Expedition aufzugeben und nach England zurückzukehren auf Grund dessen, dass Sie die ihnen in Afrika gestellte Aufgabe bereits gelöst hätten. An dem Abend aber fragte mich Lieutenant Dawson, ob ich, falls es nöthig erscheine, Dr. Livingstone noch weitere Hülfe zuzuschicken, willens wäre, die Expedition zu leiten. Ich drückte meine Bereitschaft aus, über diesen Vorschlag nachzudenken. Am nächsten Tage kehrte Dawson nach Zanzibar zurück, um sich mit Dr. Kirk zu besprechen. Zwei Tage darauf erhielt ich Briefe von Dr. Kirk und von Lieutenant Dawson. Beide boten mir die Leitung der Unterstützungsexpedition an, da Herr Oswald Livingstone, dem es sehr darum zu thun war, sich zu seinem Vater zu begeben, darauf einging, sich meiner Leitung anzuvertrauen. Ich schrieb an Dr. Kirk und theilte ihm meine Bereitwilligkeit mit, die Hülfsexpedition zu führen. Mittlerweile aber hatte Lieutenant Henn seine Ansicht geändert und bestand jetzt darauf, den Oberbefehl zu führen. Ich war also genöthigt, mich zu seinen Gunsten zurückzuziehen. Man hoffte jedoch, dass ich als Zweiter dem Lieutenant Henn folgen würde und wäre das nöthig oder auch nur möglich gewesen, so hätte ich dies auch gethan.
Die Expedition war aber keineswegs das, was sie ursprünglich in England gewesen war. Sie war zu einer verhältnissmässig unbedeutenden Reise nach Unyanyembé geworden, welche von zwei Leuten, die ein wirkliches Interesse daran und genügende Energie und Ausdauer hatten, leicht auszuführen war. Das war die Ansicht, die ich von der Sache hatte. Deshalb zog ich mich, auf den Grund hin zurück, dass meine Dienste nicht mehr gebraucht und meine Anwesenheit eine leichte Aufgabe nur erschweren würde. Man hat allgemein angenommen, ich habe mich schriftlich dazu verpflichtet, unter allen Umständen dem Lieutenant Henn zu folgen. Das ist aber nicht der Fall. Mein erster Pact bezog sich auf die Expedition, wie sie ursprünglich in England organisirt worden war, und stellte fest, dass ich unter Lieutenant Henn dienen wolle für den Fall, dass Lieutenant Dawson durch irgendeinen Unfall zum Oberbefehl unfähig geworden sei. Lieutenant Dawson war aber gar nicht durch einen Unfall unfähig geworden, sondern er reichte seine Entlassung ein. Und dieser Rücktritt, der ursprünglich nicht vorhergesehen war, änderte, wie Dr. Kirk in seinem Briefe an mich sagte, vollständig alle frühem Anordnungen und auf dieser neuen Grundlage wurde mir die Expedition angeboten. Nachdem Lieutenant Dawson sich zurückgezogen, mussten neue Einrichtungen getroffen werden und jedes Individuum hatte die Freiheit, mitzugeben oder sich zurückzuziehen, wie es wollte.
Ich hatte aber andere Gründe, um nicht eine zweite Stelle in dieser Expedition unter dem Lieutenant Henn anzunehmen. Meiner Ansicht nach ist er ungeeignet und unfähig, eine solche Expedition zu leiten. Beim Abgange hatte er erklärt, sein Hauptzweck sei die Jagd, er wolle versuchen, Büffel und Elefanten zu schiessen. Solch ein Mann ist aber nach meiner Ansicht, nicht der richtige, um Dr. Livingstone Hülfe zu bringen, und ich meine, man hätte mich nicht auffordern sollen, unter ihm zu dienen. Wäre die ursprüngliche Expedition unverändert geblieben, so wäre ich unter allen Umständen mitgegangen. Noch ein Punkt: Lieutenant Henn hatte gedroht, von der Expedition zurückzutreten, ehe wir irgendetwas von Ihrer Rückkunft gehört hatten, und dadurch eine Unbeständigkeit an den Tag gelegt, welche das übelste in Bezug auf seinen Erfolg als Befehlshaber versprach. Als ich hörte, dass Lieutenant Henn mit seinem Rücktritt gedroht hatte, machte ich bei Dr. Kirk einen Besuch, um mit diesem Herrn die Angelegenheit zu besprechen. Ich zeigte Dr. Kirk, dass dieser Stand der Dinge den Erfolg der Expedition sehr beeinträchtige, und schlug ihm vor, die Leute von der Expedition zusammenzurufen, um zwischen den Lieutenants Dawson und Henn ein besseres Einvernehmen zu Stande zu bringen. Dr. Kirk sagte darauf: „Nein, thun Sie das nicht, Henn wird Sie zwei oder drei Tage lang ins Innere begleiten und dann ruhig zurückkehren.“ —
Hier wollen wir aufhören. Ich habe Herrn New eine Freundlichkeit erwiesen, da ich eine sehr hohe Meinung von seinen Fähigkeiten für seinen edeln, grossen Beruf habe, und bin überzeugt, er wird es mir vergeben, wenn ich in freundlicher Weise seine eigenen kleinen Fehler kritisire. Der Leser kann aus dem obigen Briefe ersehen, dass die Herren Dawson, Henn und New nicht auf sehr freundschaftlichem Fusse miteinander standen. In der That hätte ein Fremder nach dem, was man sich in Zanzibar erzählte, gemeint, die drei Herren ständen auf sehr gespanntem Fusse zueinander. Das schien aber nur äusserlich der Fall zu sein; es lag keine tiefe Feindschaft zu Grunde. Auch war es für einen wirklichen, ernstlichen Streit doch noch etwas zu früh. So lange sie alle unter einem festen unumschränkten Führer standen, schlummerten kleine Antipathien und kamen nicht zur Geltung; sobald sich aber dieser Führer, Lieutenant Dawson, zurückzog, trat etwas Eifersucht hervor, die durch die Frage angeregt wurde, welche Dawson an New richtete, ob er in dem Falle, dass eine Hülfe nöthig, willens sei, den Befehl zu übernehmen. Herr New wollte sich vorbehalten, darüber nachzudenken; wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass Herr Henn gleichfalls den Befehl haben wollte, da es nur ein gedankenloses Wort von ihm gewesen, als er sagte, er wolle die Expedition aufgeben, denn damals war er noch nicht zu einem endgültigen Schlusse gekommen. Nach zweitägiger Ueberlegung erklärte Herr New seine Bereitwilligkeit, den Oberbefehl anzunehmen, und gerade in diesem Augenblicke drückte auch Herr Henn seinen Entschluss aus, mit der Hülfsexpedition zu ziehen. Da er nun der Zweite dem Range nach war, so konnte er über dieses Recht nach Belieben verfügen, und die verschiedenen Parteien hatten es ihm bewilligt, da sie contractlich dazu verpflichtet waren. Herr New jedoch hat nach seiner eigenen Auslassung seine Stelle niedergelegt und als Entschuldigung dafür angeführt, „die Expedition sei nicht mehr das, was sie gewesen“; doch ist Herr New darin etwas inconsequent, wenn er sagt, dass sie sich wesentlich geändert habe. Freilich hatte der frühere Führer sich zurückgezogen, aber nach seiner eigenen Version hatte er sich dazu verpflichtet, dem Lieutenant Henn zu gehorchen, wenn der Lieutenant Dawson durch einen Zufall unfähig gemacht sei. Der Zufall, nämlich mein Erscheinen, trat ein und Lieutenant Dawson machte sich durch seinen freiwilligen Rücktritt unfähig, den Oberbefehl zu führen. Deshalb hatte Lieutenant Henn wirklich das Recht des Oberbefehls und Herr Charles New musste ihm gehorchen. „Sollte durch irgend einen Zufall Lieutenant Dawson unfähig werden, den Oberbefehl weiter zu führen, so werde ich Lieutenant William Henn als den Befehlshaber der Expedition ansehen und mich seinen Befehlen fügen.“ In diesem Pacte steht nichts von der ursprünglichen Organisation.
Ferner sagt Herr New, die Sache „sei jetzt zu einer verhältnissmässig unbedeutenden Reise geworden, welche von zwei Leuten, die ein wirkliches Interesse daran und genügende Energie und Ausdauer hatten, leicht auszuführen sei“. Darin stimme ich mit ihm überein und behaupte, dass nicht nur zwei, sondern auch einer sich hätte hinbegeben und den Plan viel besser als zwei sich zankende Leute hätte ausführen können. Aber über die verhältnissmässige Geringfügigkeit weiche ich sehr von ihm ab. Ich meine, es sei für einen Unerfahrenen viel schwerer, eine Karavane nach Unyanyembé, als für einen Erfahrenen eine solche von Unyanyembé weiter zu führen. Bis die Expedition nach Unyanyembé gekommen, wäre sie in der Schule der Erfahrung erzogen und die spätere Reise wäre im Verhältniss zu dem ersten Versuch auf einem neuen Gebiet nichts gewesen, wenigstens habe ich das gefunden. Ich hatte mehr Mühe, mit meinen Karavanen nach Unyanyembé zu ziehen, als in allen darauf folgenden Reisen zusammengenommen. Die Erfahrung, die ich auf der ersten Hälfte meiner Märsche gewonnen, setzte mich in den Stand, die übrigen Reisen rasch und leicht abzumachen. Wenn Herrn Charles New’s Erfahrung als afrikanischer Reisender irgendetwas werth war oder für eine noch unerfahrene Gesellschaft nutzbar gemacht werden sollte, so galt dies gerade von der Küste bis nach Unyanyembé und nicht auf der weitern Reise.
Nachdem Lieutenant Henn und Herr Livingstone Unyanyembé erreicht, wären sie meines Erachtens vollständig im Stande gewesen, die Karavane auch ohne Herrn New überall hin zu führen; die auf dem Marsche erworbenen Erfahrungen würden sie befähigt haben, ganz ohne ihn auszukommen. Mir scheint es doch, dass Herr New, wenn er „nach einigem Zaudern“ darauf einging, sich der Expedition anzuschliessen, als ein Mann wie Dawson ihr Führer war, um ihr die Wohlthat seiner Erfahrungen zukommen zu lassen, und wenn er, nach Dawson’s Rücktritt, Henn für unfähig hielt, nach der Ansicht aller billig Denkenden um so mehr verpflichtet war, sowol Henn als Livingstone mit seinen Erfahrungen beizustehen, bis er ihnen beigebracht hätte, wie sie ohne ihn weiter reisen könnten. Dann erst hätte sich Herr New, wenn er wollte, ohne irgendeinen Nachtheil für seinen Ruf zurückziehen können.
Wenn auch Herrn Henn’s Hauptzweck die Büffel- und Elefantenjagd gewesen, so befreite dieser Umstand doch Herrn New nicht von seiner Pflicht, ihn zu begleiten, ihm Rath zu ertheilen und ihn für den Fall, dass alles Wild fehlte, in der Treue gegen den Hauptzweck der Expedition zu ermuntern, der sie alle ihre Unterstützung zugesagt hatten. Obwol Lieutenant Henn von Natur einen unsteten, lebhaften Charakter hatte, so zeigte er sich doch consequenter als Herr New, selbst wenn sein Zweck nur die Jagd war, indem er zum zweiten mal nach Bagamoyo ging; denn jener ging, nachdem er aus Bagamoyo nach Hause zurückgekehrt war, nicht wieder an seinen Dienst, sondern gab erst seine Stellung auf, bot dann seine Hülfe wieder an, und zog sich wiederum zurück und zwar nur, weil man ihm den Oberbefehl angeboten hatte, als Henn noch nicht ganz entschieden war und weil, nachdem dieser sich zur Expedition entschlossen hatte, ihm der Oberbefehl als das ihm gebührende Recht übertragen wurde und nicht an Pastor Charles New.
Es war Herrn New’s Pflicht, unter Henn’s Commando, wie er es übernommen, mitzugehen; wenn dann Henn die Vorhersage des Dr. Kirk zur Wahrheit gemacht, hätte er mit Ehren selbst das Commando übernehmen können, das er nach seiner eigenen Aussage so sehr zu haben wünschte.
Wenn nun auch Herr New keine beneidenswerthe Rolle in diesem Akte der kleinen, nicht nachahmungswerthen Komödie spielt, so erscheint er doch im ersten Akte fast wie ein Held, und ich bewundere ihn sehr als einen wahren, ernsten und tapfern Mann. Nach einem neunjährigen Aufenthalte in Afrika erhält er am Vorabend seiner Abreise nach England, wohin er sich begibt, um seine geschwächte Gesundheit zu stärken, eine Einladung, die englische Expedition als Dolmetscher zu begleiten. Nach kurzem Zaudern unterstützt er sie aufs kräftigste und verpflichtet sich, alles zu thun, was in seiner Macht steht, um die menschenfreundliche Mission, welche diese kleine Anzahl Engländer vorhat, zu fördern. Bis er von meinen Leuten erfährt, dass Livingstone aufgefunden sei und Hülfe erhalten habe, gibt er sich seiner Aufgabe mit der ganzen Energie seiner Natur hin; er segelt von Zanzibar nach Mombasah, kehrt sofort mit 20 Soldaten als Schutz für die Expedition zurück und gewinnt durch seine treue Hingabe an seine Aufgabe aller Herzen. Herr New hat in Zanzibar einen sehr guten Eindruck unter den dortigen Europäern hinterlassen, und es ist ihre einstimmige Meinung, dass er, wenn ich nicht so bald an die Küste gekommen wäre, die grosse, kostspielige Expedition in guter Ordnung durchgeführt hätte. Ich zögere durchaus nicht, es auszusprechen, dass er wegen seiner energischen Natur und langen Erfahrung für diese Aufgabe völlig geeignet war.
Der grosse Fehler der Organisation bestand aber in dem Versuch, so viele nicht zueinander passende Charaktere zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden. Kein einziges Mitglied hatte die geringste Charakterverwandtschaft zum andern. Der eine war ehrgeizig, eigensinnig, übereilt und zum Angriff geneigt; der andere lebhaft, dem Impuls des Augenblicks hingegeben und von Natur inconsequent; der dritte energisch, reizbar, fromm und zu offenherzig; der vierte schweigsam, ernst und bestimmt. New und Livingstone wären sehr gut miteinander ausgekommen. Dawson wäre allein wol besser als in Verbindung mit einem andern gewesen. Wenn Henn allein den Oberbefehl gehabt, so würde er seine Pflicht in ehrenhafter Weise durchgeführt haben, denn Energie und Ehrenhaftigkeit sind die beiden Hauptzüge seines Charakters. Aber zu einem einheitlichen, harmonischen Organismus fehlten dreien derselben alle Vorbedingungen, während der vierte sich keiner Partei angeschlossen, sondern ein neutraler Zeuge der Streitigkeiten geblieben war. Hätten sie die Expedition unternommen, so würden sie sich gezankt haben und es wäre schmählicher gewesen, als wenn sie gar nicht fortgezogen wären. Es war daher für den Ruf der Engländer ein Glück, dass meine Ankunft ihre Expedition vor dem völligen Untergange im Innern schützte.
In Zanzibar bieten sich wenige Gelegenheiten zur Abreise. Das englische Kriegsschiff „Magpie“ war am Morgen nach meiner Ankunft zum Kreuzen abgefahren, und wir erfuhren nachher, dass es, wie beabsichtigt, den „Wolverine“ getroffen und durch dieses Kriegsschiff Briefe nach den Sechellen und England weiter befördert hatte. Wenn es wahr ist, was man mir gesagt hat, dass ein englisches Kriegsschiff auch nicht eine Stunde selbst auf Dr. Livingstone gewartet haben würde, so habe ich kein Recht, mich darüber zu beschweren, dass es nicht wartete, bis ich ihm auch nur eine kleine Depesche über Herrn Livingstone mitgeben konnte. Andererseits schien es mir aber sonderbar, dass der Kapitän eines Kriegsschiffes mit seinem Fahrzeug auf die Jagd nach Bagamoyo fahren könne, ein anderer dagegen nicht einmal ein paar Augenblicke warten durfte, um einen Brief, der gute Nachrichten über Livingstone enthielt, mitzunehmen.
Ein englischer Geistlicher hat mir zwar gesagt, dass ein britischer Kreuzer sogar wenn Dr. Livingstone selbst in Zanzibar erschienen wäre, sich nicht eine Stunde lang über seine Zeit aufhalten könne, um ihn weiter zu befördern. Ich kann aber kaum annehmen, dass die nothwendige Disciplin eines britischen Kriegsschiffes in einem solchen Ausnahmsfalle nicht hätte gelockert werden dürfen.
Nachdem ich meine Expedition aufgelöst, machte ich mich daran, Dr. Livingstone’s Bitte gemäss, eine neue zu formiren. Was der englischen Expedition fehlte, kaufte ich mit dem von Herrn Oswald Livingstone mir gegebenem Gelde. Auch die 50 Flinten wurden mir aus den Vorräthen der englischen Expedition von ihm geliefert, ebenso die Munition, das Hongatuch für die Wagogo und das für den Unterhalt der Truppen bestimmte Tuch. Herr Livingstone arbeitete angestrengt im Interesse seines Vaters und stand mir mit allen seinen Fähigkeiten bei. Er übergab mir Nautische Almanache für die Jahre 1872, 1873 und 1874 zum Einpacken; ebenso einen Chronometer, den Dr. Kirk aufbewahrt und der früher Dr. Livingstone gehört hatte. Alle diese Dinge wurden nebst einem Tagebuche, Couverts, Notizbüchern, Schreibpapier, Arzneimitteln, eingemachten Früchten und Fischen, Wein, Thee, Messern, Gabeln und Tafelgeräth, Zeitungen, Privatbriefen und Depeschen, sowie 1 Centner feines amerikanisches Mehl und einige Kästchen Zwieback in luftdichte Zinnkasten verpackt.
Bis zum 19. Mai hiess es, dass Herr Oswald Livingstone die Karavane seinem Vater zuführen werde; aber ungefähr an dem Tage änderte er seinen Entschluss und setzte mich durch ein paar Zeilen in Erstaunen, in denen er mir mittheilte, er sei entschlossen aus Gründen, die er für ausreichend und richtig halte, nicht nach Unyanyembé zu gehen. Ich erlaubte mir, ihm die Andeutung zu machen, dass es seine Pflicht sei, sich hinzubegeben, nachdem er bis nach Zanzibar gekommen. Aber offenbar handelte er nach bester Erkenntniss, und wenn man in Betracht zieht, dass Dr. Kirk ihm den Rath gegeben, nicht seine Gesundheit zu gefährden und seine Studien zu unterbrechen, wo eine absolute Nothwendigkeit seiner persönlichen Beaufsichtigung der Karavane nicht vorlag, so glaube ich, dass er ganz recht gethan hat, den Plan aufzugeben. Denn Dr. Kirk war seines Vaters Freund und früherer Genosse auf dem Zambezi; und da der junge Livingstone viel Vertrauen in sein Urtheil und zwar mehr als in sein eigenes setzte, war es natürlich, dass er den Rath des Freundes seines Vaters befolgte.
Unter diesen Umständen war es meine Pflicht, den Befehlen Dr. Livingstone’s nachzukommen und ihm einen guten, tüchtigen Führer, einen Araber, für die Expedition nach Unyanyembé zu besorgen. In dieser Absicht schrieb ich einen Brief an Dr. Kirk, worin ich ihn darum bat, seinen Einfluss beim Sultan geltend zu machen. Die Antwort, die ich von Dr. Kirk erhielt, lautete folgendermassen:
„Britisches Consulat zu Zanzibar, 20. Mai 1872.
Werther Herr!
Dr. Livingstone’s eigener Brief an Seyd Barghasch ist demselben vor langer Zeit übergeben und erklärt worden; darauf habe ich ihm aber mitgetheilt, dass Sie nicht mehr daran dächten, ihn um den betreffenden verantwortlichen Leiter der Expedition zu bitten. Unter den veränderten Umständen, wo Herr W. O. Livingstone den Gedanken aufgegeben hat, seinem Vater zu folgen, werde ich mich sehr freuen, Ihnen beim Sultan behülflich zu sein, und werde, wenn Sie es wünschen, sofort zu ihm schicken und ihn darum bitten, den geeigneten Mann auszusuchen, den Sie natürlich sich ansehen und nach Ihrem besten Dafürhalten entweder verwerfen oder annehmen können.
Ergebenst
Ihr
(gez.) JOHN KIRK.“
Dr. Kirk hatte mit seiner Bitte beim Sultan keinen Erfolg, wie er mir später mittheilte; ich traf deshalb sofort Schritte, anderweitig einen Führer zu beschaffen, und es gelang mir in wenigen Stunden einen von Scheikh Haschid sehr empfohlenen Mann zu finden, den ich gegen Vorausbezahlung von 100 Dollars miethete. Der junge Araber schien zwar nicht übermässig intelligent, aber doch ehrlich und tüchtig zu sein. Ich überliess es aber Dr. Livingstone, ob er ihn nach seiner Ankunft in Unyanyembé noch weiter benutzen wolle, da dieser dann selbst entscheiden könne, ob er ganz zuverlässig sei.
Am 25. segelte Lieutenant Dawson, nachdem er sich einen Platz auf der amerikanischen Barke „Mary A. Way“, Kapitän Russell, nach New York genommen hatte, ab. Ich gab ihm einen Einführungsbrief an einen Freund in New York mit. Wir trennten uns in höchst freundschaftlicher und wohlwollender Weise, da ich ihn für einen ritterlichen Gentleman hielt.
Am Morgen des 26. machte Dr. Kirk seinem Freunde, Herrn Webb, im amerikanischen Consulat einen Besuch und als er im Hause war, ergriff ich die Gelegenheit, ihm zu sagen: „Herr Doctor, ich fürchte, ich werde nicht im Stande sein, die Expedition für Dr. Livingstone so schnell wie ich hoffte abzusenden. Wenn das Dampfschiff, welches Herr Henn, Herr Livingstone und ich gemiethet haben, abfahren muss, ehe ich die Expedition auf den Weg bringen kann, so würde ich Sie bitten, sich der Mühe zu unterziehen.“
Hierauf erwiderte mir Dr. Kirk: „Wenn Sie das thun, so werde ich es abschlagen müssen. Ich will mich nicht wieder unnöthigen Beleidigungen aussetzen.[9] Als Privatmann habe ich nicht die Absicht, noch irgendetwas für Dr. Livingstone zu thun. Officiell werde ich für ihn ebenso handeln, wie für jeden andern britischen Unterthan.“
„Sie sprechen von unnöthigen Beleidigungen, Herr Dr. Kirk?“ fragte ich.
„Ja wohl.“
„Darf ich fragen, worin dieselben bestanden haben?“
„Er tadelt mich, dass ihn die Karavanen nicht zur rechten Zeit erreicht, und wirft mir vor, Sklaven gemiethet zu haben. Was kann ich aber dafür, dass die Leute ihn nicht erreicht haben?“
„Verzeihen Sie, Herr Doctor, aber wenn Sie an Dr. Livingstone’s Stelle wären, so würden Sie ebenso gehandelt haben. Sie würden Ihren besten Freund mindestens im Verdacht der Kälte, um nicht mehr zu sagen, gehabt haben, wenn Ihnen die Leiter der Karavanen ein mal nach dem andern erzählt hätten, dass sie vom Consul den Befehl erhalten, Sie zurückzubringen und Sie unter keinen Umständen irgendwohin zu begleiten.“
„Er konnte ja aber aus den Contracten ersehen, dass ich dieselben dazu gemiethet hatte, ihn überallhin zu begleiten. Wenn er lieber Negern und Mischlingen als meinen Worten und officiellen Mittheilungen glaubt, so ist er ein Narr; das ist alles, was ich zu sagen habe.“
„Aber, werthester Herr, wie kann Dr. Livingstone anders als einigen Zweifel gegen den Vertrag zu hegen? Schwören es ihm nicht alle die Leute zu, dass Sie ihnen befohlen haben, ihn zurückzubringen? Alle seine Bitten sind umsonst, und das Ganze endet damit, dass er gezwungen ist, von seinen Entdeckungen zurückzukehren. Musste er nicht glauben, dass dem irgendetwas Unerklärliches zu Grunde liege? Ueberall im Innern hat er dieselbe Geschichte immer wieder von neuem gehört, dass Sie ihm einen Brief geschrieben haben, der ihm befiehlt, zurückzukommen.“
„Dafür kann ich nichts; ich habe ihm einen Brief geschrieben gerade so, wie er ihn mir geschickt.“
„Dann“, sagte ich, „geht es nicht an, dass ich die Karavanen in Zanzibar lasse. Ich muss sie selbst noch auf den Weg bringen.“
Am nächsten Tage sammelte ich die Leute; da es aber gefährlich war, ihnen das freie Herumspazieren in der Stadt zu gestatten, so schloss ich sie in einen Hof ein, gab ihnen daselbst zu essen und liess sie warten, bis alle 57 beim Namensaufruf sich als anwesend meldeten.
Mittlerweile verschaffte ich mir mit Hülfe des amerikanischen Consuls die Dienste des Hauptdragomans des amerikanischen Consulats Dschohari, der den Auftrag erhielt, die Expedition über die überschwemmte Ebene des Kingani zu führen, und dem es eingeschärft wurde, in keinem Falle zurückzukehren, bis die Expedition vom westlichen Ufer des Kingani-Flusses abmarschirt sei. Herr Oswald Livingstone bezahlte ihm freigebigerweise ein Douceur dafür, dass er seiner Pflicht vollkommen nachkomme.
Als eine Dhow vor dem amerikanischen Consulat vor Anker gegangen war, hielt ich folgende Anrede an meine alten Gefährten: „Ihr steht jetzt im Begriff, nach Unyanyembé zum “Grossen Meister„ zurückzukehren. Ihr kennt ihn und wisst, dass er ein guter Mann ist und ein gütiges Herz hat. Er ist anders als ich und wird Euch nicht so schlagen, wie ich es gethan. Aber Ihr wisst doch auch, dass ich Euch alle belohnt, Euch alle mit Tuch und Geld reich gemacht habe. Ebenso wisst Ihr, wie ich stets Euer Freund gewesen bin, wenn Ihr Euch gut aufführtet. Ich habe Euch reichliche Nahrung und Kleidung gegeben. Wenn Ihr krank waret, habe ich mich um Euch bekümmert. Wenn ich nun schon so gut gegen Euch war, so wird es der Grosse Meister um so viel mehr sein. Er hat eine liebliche Stimme und spricht freundlich. Wann habt Ihr je seine Hand gegen einen Frevler aufheben sehen? Wenn Ihr Böses gethan hattet, so sprach er nicht böse, sondern nur traurig zu Euch. Wollt Ihr mir nun jetzt versprechen, ihm zu folgen, ihm in allen Dingen zu gehorchen und ihn nicht zu verlassen?“
„Das wollen wir, das wollen wir, Herr!“ riefen sie alle eifrigst.
„Dann bleibt noch eins übrig. Ich wünsche Euch allen die Hand zu drücken, ehe Ihr fortgeht und wir uns auf immer trennen.“ Alle stürzten sogleich auf mich zu und wir schüttelten uns gegenseitig kräftigst die Hände.
„Jetzt nehme ein jeder seine Last auf!“
Ich führte sie nun auf die Strasse und an den Strand, sah, wie sie alle eingeschifft und die Segel aufgehisst wurden und wie die Dhow westwärts nach Bagamoyo abfuhr.
Es war mir sonderbar zu Muthe und ich fühlte mich einigermassen verlassen. Meine schwarzen Freunde, die so viele Hunderte von Meilen mit mir gereist, so viele Gefahren mit mir getheilt hatten, waren fort und ich war allein gelassen. Werde ich wol je eins ihrer freundlichen Gesichter wiedersehen?
Am 29. fuhr der dem deutschen Consulat gehörige Dampfer „Afrika“, den die Herren Henn, Livingstone, New, Morgan und ich gemiethet hatten, von Zanzibar nach den Sechellen ab, geleitet von den besten Wünschen aller auf der Insel wohnhaften Europäer.
Auf unserer Reise nach Osten sahen wir die „Mary A. Way“, auf welcher sich Dawson allein befand. Ich wunderte mich, dass dieser eine so langsame Segelgelegenheit benutzt hatte. Nach meiner Ankunft in England bekam ich aber einen an den Secretär der Königl. Geographischen Gesellschaft gerichteten Brief zu Gesicht, worin er sagt:
„Ich hätte dieselbe Route genommen; aber wenn ich auch Herrn Stanley sein wohlverdientes Glück nicht misgönne, so wäre es mir, wenn nicht uns beiden, unangenehm gewesen, zusammen zu reisen, und von Zanzibar gibt es nur wenige Gelegenheiten nach Europa.“
Ich kann mir die Gesinnungen, von denen dieser Brief eingeflösst worden, nicht vorstellen; sie sind so anders als ich nach der offenen, edlen Natur des Schreibers voraussetzen musste. Ich kann es jedoch begreifen, dass es ihm nicht angenehm sein mochte, mit mir zu reisen, wenn sich irgend jemand unedle, misgünstige Vergleiche zu Schulden kommen liess; warum es aber mir unangenehm sein sollte, kann ich gar nicht einsehen.
Am 9. Juni kamen wir bei den Sechellen an, ungefähr zwölf Stunden nachdem die französische Post nach Aden abgegangen war. Da eine Verbindung zwischen Mahé, auf den Sechellen, und Aden nur einmal im Monat stattfand, so mussten wir auf der Insel Mahé einen ganzen Monat bleiben. Die Herren Livingstone, New, Morgan und ich mietheten ein kleines hölzernes Haus, welches wir Livingstone-Cottage nannten; Herr Henn dagegen zog in ein Hotel.
Der Aufenthalt in Mahé gehört zu den angenehmsten Erinnerungen an meine Rückreise von Afrika. Ich fand in meinen Gefährten angenehme Gesellschafter und echte Christen. Herr Livingstone entwickelte eine Menge liebenswürdiger Charakterzüge und erwies sich als ein fleissiger, nachdenkender, ernster Mann. Als schliesslich der französische Dampfer von Mauritius ankam, bedauerte ein jeder von uns, dass wir die schöne Insel und die gastfreien britischen Beamten, die dort stationirt sind, verlassen mussten. Der Civil-Commissär, Hales Franklyn, und Dr. Brooks thaten ihr Bestes, um es dem Wanderer angenehm zu machen, und ich benutze diese Gelegenheit, die vielen Höflichkeiten, die ich persönlich von ihnen erfahren, hiermit besonders hervorzuheben.
In Aden gingen die von Süden kommenden Passagiere auf den französischen Postdampfer „Mei-kong“ über, der von China nach Marseille fuhr. In diesem Hafen wurde ich von Dr. Hosmer und dem Repräsentanten des „Daily Telegraph“ mit offenen Armen empfangen. Diese sagten mir, wie man die Resultate der Expedition ansähe, aber erst bei meiner Ankunft in England machte ich mir die ganze Lage klar.
Herr Bennett, welcher das ganze Unternehmen ins Leben gerufen und erhalten hatte, krönte dasselbe jetzt durch eine der freigebigsten Thaten, die man sich denken kann. Ich hatte Dr. Livingstone versprochen, dass ich 24 Stunden, nachdem seine Briefe an Bennett in den Londoner Zeitungen veröffentlicht wären, die für seine Familie und Freunde in England bestimmten Briefe der Post übergeben werde. Um es mir zu ermöglichen, mein verpfändetes Wort zu halten, beförderte Herrn Bennett’s Agent die beiden Briefe durch den Telegraphen, was ihm nahezu 2000 Pfd. Sterling kostete.
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Nur noch einige Worte, theurer Leser, und dann zum Schluss! Es wäre vielleicht würdevoller, wenn ich hier innehielte und unter diesen Bericht über meine Reiseabenteuer und Entdeckungen das Wort Finis setzte. Es gibt aber einige Dinge, an denen ich nicht stillschweigend vorübergehen kann, und unter diesen befindet sich die Behandlung, die ich in England erfahren.
Die englische Presse scheint sich vor meiner Ankunft in England in einem Netze von Irrthümern befunden zu haben. Kaum ein afrikanisches Wort war richtig, alle Daten falsch, die Thatsachen in unbegreiflichster Weise verdreht, und das schien zu Zweifeln und Argwohn Veranlassung zu geben. Mit Ausnahme eines aus Unyanyembé geschriebenen Briefes, der Depeschen nach meiner Rückkehr aus Zanzibar und meiner Briefe aus Marseille, verwerfe ich alles übrige. Ich kann nur für das einstehen, was ich geschrieben habe. Was im „New York-Herald“ als meine Briefe und Depeschen veröffentlicht worden, erkenne ich als correct an mit Ausnahme, wo Druckfehler sich eingeschlichen haben, was bei den sonderbaren Namen und wol auch bei meiner Handschrift natürlich ist, die, wenn man am Fieber leidet, nicht sehr klar oder zierlich ausfallen kann.
Es ist aber eine erstaunliche Thatsache, dass englische Redacteure darauf eifersüchtig waren, dass ein amerikanischer Correspondent Dr. Livingstone hatte auffinden sollen. Fast alle englischen Zeitungen haben ihre Ansichten über diesen Punkt in ganz deutlichen Ausdrücken ausgesprochen, obgleich die hauptsächlichsten und angesehensten nicht gezögert haben, mir zu gleicher Zeit viel Lob zu zollen. Ich beziehe mich hierbei auf die „Times“, die „Daily News“ und die „Morning Post“.
Meine Herren Redacteure, wenn ich Ihnen auch für Ihr einem jungen und nach seiner eignen Ansicht in keiner Weise ausgezeichneten Journalisten gezolltes Lob danke, so muss ich doch offen gestehen, dass Sie kein Recht haben, auf mich oder sonst jemand eifersüchtig zu sein. Ich bin nur ein Special-Correspondent der Zeitung, der ich zu dienen die Ehre habe und ganz zur Verfügung stehe. Ich war contractlich verpflichtet, überallhin zu gehen, wenn es mir befohlen wurde. Ich habe nicht nach der Auszeichnung gestrebt, Livingstone aufzusuchen; als ich aber den Ruf erhielt, war ich gezwungen, entweder zu gehorchen oder meine Stelle niederzulegen. Ich habe es vorgezogen, das erstere zu thun. Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, so werden Sie wissen, was aus der mir anvertrauten Mission geworden, wie sie angefangen und wie sie beendet ist.
Auch haben Sie kein Recht, meine Herren, auf meinen Auftraggeber eifersüchtig zu sein. Ihnen stand ja Afrika ebenso offen wie ihm. Die Amerikaner empfanden ein ebenso grosses Interesse für Dr. Livingstone wie die Engländer. Es hatten wol ebenso viele Amerikaner seine Bücher gelesen, wie Engländer. Von dem Wunsche beseelt, die Sehnsucht der Amerikaner, etwas über Dr. Livingstone zu erfahren, zu befriedigen, hatte mein Auftraggeber den Gedanken gefasst, einen Special-Correspondenten nach Central-Afrika zu senden, um Livingstone aufzusuchen. Es standen ihm reichliche Mittel zu Gebote, und er hatte den Willen dazu. Wenn ein Special-Correspondent den Auftrag zurückgewiesen hätte, so hätte ihn ein anderer angenommen; es standen ihm genug zu Befehl, und wenn keiner der bei seiner Zeitung ständig Angestellten sich der Aufgabe unterzogen hätte, so hätte sich aus einer Menge intelligenter Leute ein Freiwilliger gefunden, und das Resultat wäre mit Gottes gnädiger Hülfe dasselbe, vielleicht sogar ein besseres gewesen. Hätte einer von Ihnen daran gedacht, die Aufgabe auszuführen und das ernstlich gewollt, so hätten sich Tausende von Engländern sofort freiwillig dazu erboten, und es wäre zu demselben Resultat, vielleicht zu einem bessern, gekommen. Sie haben sich ja alle ausgezeichnet: die „Times“ in der Krim, im indischen Aufstande, sowie überhaupt bei allen politischen Begebenheiten; ihr Name ist auf dem ganzen Erdball wohlbekannt. Ebenso haben sich der „Daily Telegraph“ und die „Daily News“ bei unzähligen Gelegenheiten ausgezeichnet. Wenn nun der „New York-Herald“ den Unternehmungsgeist der Presse ins Herz von Afrika, in dieses fabelhafte, dunkle Gebiet zu tragen wünschte, wer will es ihm verwehren? Wenn er die Kosten tragen kann, warum sollten da andere Zeitungen darüber murren? Es dreht sich hier einfach um Geld, welches der nervus rerum aller Unternehmungen ist. Man kann mit gehörig viel Geld leicht ganz Afrika erforschen; und nicht nur erforschen, sondern erobern und civilisiren; nicht nur civilisiren, sondern mit Eisenbahnen von einem Ende zum andern durchschneiden. Wozu also die Eifersucht? Die Welt steht Ihnen ebenso gut offen, wie dem „New York-Herald“.
Wo liegt denn die Grösse der That? Der Reisende, den ich gesucht habe, war gar nicht verloren. Er war am Leben. Wäre er todt gewesen und hätten seine Aufzeichnungen sich zerstreut unter den Stämmen befunden und ich hätte sie und jedes Stückchen Manuscript über seine Entdeckungen sowie seine Gebeine zusammengebracht und sie denen übergeben, welche sie zu schätzen wissen, so wäre das gross gewesen. Was ich aber so glücklich war auszuführen, war weniger gross, aber wol etwas verdienstvoll. Ich fand ihn krank und verlassen, und durch meine Ankunft wurde er heiter; mit meinen Waaren kam ich ihm zu Hülfe.
Ist der Umstand, dass ich ihm Heiterkeit und Unterstützung brachte, eine Quelle des Misvergnügens für Sie? Nun, meine Herren! würden Sie ihm nicht dieselben Dienste in eben solcher Weise geleistet haben? Wenn Sie ein Kind in den Rinnstein fallen sähen, würden Sie nicht Ihre Hand ausstrecken, um es aufzuheben? Wenn Sie einen ehrlichen, armen Mann sähen, würden Sie ihn nicht unterstützen? Wenn Sie sich dem Schwachen gegenüber befänden, würden Sie ihm nicht mit einem Theil Ihrer Kraft beistehen? Wenn Sie Leiden sähen, würden Sie dieselben nicht zu mildern suchen?
Nun denn! wie haben Sie mich dafür belohnt, dass ich das gethan, was Sie in solchem Falle auch gethan hätten? Einige von Ihnen haben erst die Wahrheit meiner Erzählung angezweifelt; dann die Briefe, die ich als von ihm kommend vorgewiesen, als Fälschungen verdächtigt; dann mich beschuldigt, auf Sensationsnachrichten auszugehen; darauf die einzelnen Thatsachen, die ich veröffentlicht, bekrittelt und mich, als ob ich ein Verbrechen begangen hätte, begeifert. Sie konnten eine einfache Erzählung, die ungekünstelte, klare, buchstäbliche Wahrheit tadeln! Wie schwach! Wie kindisch! Glauben Sie es mir aber, meine Herren Redacteure und Kritiker, oder glauben Sie es mir nicht: was in meinem Buch erzählt ist, hat sich nach meinem besten Wissen und Gewissen so zugetragen.
Und was haben Sie für sich zu sagen, meine Herren Geographen? Denken Sie mich mit Ihrem Unglauben ebenso niederzuschlagen, wie Sie James Bruce, René Caillie oder Paul du Chaillu niedergeschlagen haben? Gedenken Sie mich ebenso durch Ihre Unfreundlichkeit zu verwunden, wie den berühmten Burton und den tapfern Petherick? Sie haben die Welt glauben lassen, dass Sie sich um Ihren grossen Genossen kümmerten. Sie wünschten, dass man annähme, dass Sie sich danach sehnten, zu erfahren, was aus ihm geworden, als nichts über ihn zu hören war. Nun wird ohne Ihre Hülfe oder Ihren Beirath die Mission angefangen und bis zu Ende durchgeführt, und Sie erhalten die Nachricht, Livingstone ist aufgefunden und hat Hülfe erhalten; Ihr grosser Genosse ist am Leben und steht im Begriff, seine Entdeckungen mit noch grösserer Thatkraft weiter zu verfolgen. Und was antworten Sie darauf: „Es gibt einen Punkt, in Bezug auf den etwas Aufklärung wünschenswerth ist; denn es scheint der Glaube vorzuherrschen, dass Herr Stanley Dr. Livingstone aufgefunden und ihm Hülfe gebracht hat; wogegen es, ohne der Energie, Thatkraft und Treue des Herrn Stanley zu nahe zu treten, wahr ist, dass, wenn hier überhaupt ein Auffinden und eine Hülfe stattgefunden hat, sie von Dr. Livingstone ausgegangen ist, der Herrn Stanley entdeckt und unterstützt hat. In Wirklichkeit ging es Dr. Livingstone sehr gut, während Herr Stanley fast von allem entblösst war. Es ist nothwendig, dass die gegenseitige Lage der Parteien richtig dargestellt werde. Wir hoffen, dass die von der Königl. Geographischen Gesellschaft ausgesandte Expedition sowol Dr. Livingstone als Herrn Stanley Hülfe bringen und sie in den Stand setzen wird, ihre Forschungen fortzusetzen.“
Meine Herren, darf ich Sie wol fragen, wenn Sie glaubten, dass es Dr. Livingstone ganz vorzüglich ginge, warum schickten Sie dann Ihre Expedition aus, ihm zu helfen?
Was haben Sie dann gethan, als ich in England ankam, nachdem Sie eine Woche lang die Briefe Ihres Collegen in Händen hatten? Wollen wir den guten „Punch“ antworten lassen: „Der Präsident der Königl. Geographischen Gesellschaft, welcher entdeckt hat, dass Livingstone Stanley aufgefunden und Stanley nicht Livingstone, hat schliesslich auch die Entdeckung gemacht, dass Stanley sich in England befindet. Das ist keine üble Entdeckung. Sie scheint jedoch nur nach ernsten Anstrengungen gelungen zu sein. Herr Stanley erfährt am 6. August, nachdem er eine Woche in England ist, dass die Königl. Geographische Gesellschaft ihn entdeckt hat.“ Hören wir den „Daily Telegraph“, er sagt: „Es gebührt sich, dass die Mitglieder der Königl. Geographischen Gesellschaft Herrn Stanley eine ernste, ehrliche Ehrenerklärung abgeben, da er (Herr Stanley) für dieselbe das Leben des grossen Reisenden gerettet und uns alle diese kostbaren Documente (Briefe) gebracht hat.“ Dafür habe ich denn auch einen kalten Dankbrief erhalten, eine Woche nach meiner Ankunft in England.
Wie haben Sie sonst noch Ihre Gefühle an den Tag gelegt, nachdem Sie die gute Kunde, dass Ihr Freund am Leben sei, erhalten hatten? Ihr Vicepräsident lud mich im Auftrage Ihres Vorstandes zu einer Sitzung der geographischen Abtheilung der Britischen Gesellschaft ein. Ich kam dieser Bitte nach. Nachdem ich aber meinen Vortrag gehalten und Livingstone gegen ziemlich strenge Kritiken vertheidigt hatte, erhob sich Ihr Vicepräsident und sagte mit weicher, sanfter Stimme: „Wir wünschen keine Sensationsgeschichten, sondern nur Thatsachen.“
Was war denn die Sensationsgeschichte, die ich erzählt hatte? Nachdem ich meine Mittheilungen über die „Entdeckungen am nördlichen Ende des Tanganika-See“ gemacht, las Herr C. R. Markham einen vom Oberst Grant (dem Gefährten Speke’s) verfassten Aufsatz vor, welcher besagte, Livingstone befände sich in einem grossen Irrthume, wenn er glaube, die Quellen des Nils auf dem elften Grade südl. Br. entdeckt zu haben, und dass er (Grant), da er keine Spuren von Gorillas, Kannibalen oder Eingeborenen, die Schweine essen, gefunden habe, auch nur annehmen könne, Livingstone sei viel weiter nach Westen gekommen, als er meine. Bald darauf erhob sich Dr. Charles Beke, um seine Ansichten über den Gegenstand auszusprechen, nämlich über Livingstone’s Entdeckungen. Beke wusste ganz bestimmt, dass Livingstone die Quellen des Nils nicht entdeckt habe. Der wichtigste Einwurf gegen die Theorie, dass der Lualaba der Nil sei, ergebe sich aus Dr. Schweinfurth’s Forschungen. Dieser berühmte Botaniker habe den Uelle, einen grossen Fluss, der von Osten nach Westen fliesst, auf 3° 45′ nördl. Br. entdeckt und dieser scheine in den Blauen Bergen, westlich vom Albert-Nyanza, zu entspringen und das Becken des Nils vollständig abzuschneiden. Ferner sagte Sir Henry Rawlinson, nachdem er meiner höflich Erwähnung gethan, dass er sehr bezweifle, ob Livingstone sich auf dem Nilbecken befinde, und dass er glaube, der Lualaba endige in einem grossen centralen See, dessen Entdeckung, wie er aufrichtig hoffe, die Arbeiten Livingstone krönen werde.
Wollen wir jetzt die Motive untersuchen, welche diesen entgegenstehenden Ansichten zu Grunde liegen, dann werden wir wissen, welchen Werth wir denselben beizumessen haben. Oberst Grant war der Gefährte Speke’s auf seinem berühmten Marsche von Zanzibar nach Gondokoro und glaubte ganz fest, dass Speke die Nilquellen in dem Fluss entdeckt habe, der aus dem Victoria-Nyanza heraus und nordwestlich in einen See fliesst, dessen einen Winkel Sir Samuel Baker später entdeckt hat. Als Freund und Genosse Speke’s auf dieser Expedition liebt es der tapfere Herr nicht, davon zu hören, dass irgendein anderer Ansprüche darauf erhebt, eine andere Nilquelle entdeckt zu haben. Es ist ein Stückchen ritterlicher Freundschaft seinerseits, das gebe ich gern zu; aber was weiss denn eigentlich Oberst Grant persönlich über Speke’s Quellen des Nils? Möge Speke selbst Zeugniss ablegen: „Ich richtete es so ein, dass Grant mit unsern Gütern, dem Vieh und den Frauen direct zu Kamrasi’s Wohnsitz gehen und meine Briefe und eine Karte sofort an Petherick, nach Gani, expediren solle, während ich den Fluss hinauf bis an seine Quelle oder an seinen Austritt aus dem See ging und nachdem ich ihn, soweit als es thunlich war, beschifft, wieder zurückkäme.“
Dies beweist, dass Grant persönlich niemals den Fluss aus dem Victoria-Nyanza hat herauskommen sehen. Im besten Glauben und in naiver Unschuld zog er 60 Meilen über Land zu Kamrasi, wohin er sich wie ein gewöhnlicher Bote begab, um Speke’s Depeschen hinzubringen, und während seiner Abwesenheit entdeckt Speke die Ripon-Fälle und marschirt dann Grant nach Unyoro nach. Es ist also die Vertheidigung Speke’s eine ritterliche That par excellence, aber keine Geographie. Noch nie hat eine so kostspielige Expedition wie die von Speke und Grant so wenig Resultate erzielt. Auf dem blossen Umstande fussend, dass er einen südlichen und nördlichen Punkt eines Sees gesehen, hat Speke einen grossen Wasserkörper gezeichnet, der ein Areal von mehr als 40000 engl. Quadratmeilen einnimmt.
Weil Grant weder Gorillas, noch Kannibalen, noch schweineverzehrende Menschen gesehen hat, bildet er sich ein, dass Livingstone viel mehr nach Westen gekommen ist, als er annimmt. Dies ist abgeschmackt. Ich habe selbst die Kannibalen von Ubembe und Usansi gesehen und alle Araber in Udschidschi auch von den Menschenfressern von Manyuema reden hören. Baker hat von Menschenfressern, die sich 200 Meilen westlich von Gondokoro befanden, gehört. Burton und Speke haben die Kannibalen von Ubembe gesehen. Livingstone ist aber vier Längengrade weiter westlich als das westliche Ufer des Tanganika gewesen. Was wird also nun aus Grant’s Einwendungen? In Bezug auf Stämme, die Schweine essen, ist zu bemerken, dass fast ein jeder Stamm in ganz Afrika das Fleisch des wilden Ebers verzehrt. Ich habe zwar nie von Stämmen gehört, welche sich zahme Schweine halten; Livingstone hat sie aber gesehen und es ist guter Grund zu glauben, dass die Manyuema überhaupt ein viel höherer Menschenschlag sind als irgendeiner, den man im Osten in der Nähe des Aequators trifft.
Der Präsident der Königl. Geographischen Gesellschaft, Sir Henry Rawlinson, ist ein eifriger Vertreter der Theorie, dass alle Süsswasserseen einen Abfluss haben müssen; dennoch glaubt er gleichzeitig, dass der grosse Fluss Lualaba in einem Sumpf oder einem Süsswassersee endigt, der keinen Ausfluss hat. Ist da Sir Henry nicht etwas inconsequent? Wenn alle Süsswasserseen einen natürlichen Abfluss haben müssen, warum soll der „grosse Binnensee“, von dem man annimmt, dass er den Lualaba aufnimmt, keinen haben?
Trotzdem hat mich der Präsident der geographischen Abtheilung der Britischen Gesellschaft, Herr F. Galton, dafür, dass ich Livingstone in solcher Weise vertheidigt habe, mit merkwürdiger Leutseligkeit beschuldigt, ein Fabrikant von Sensationsnachrichten zu sein.
Warum aber das? Dr. Livingstone zog aus, um den Ngami zu entdecken, hielt tapfer auf der Reise aus und seine Anstrengungen wurden mit der Entdeckung desselben belohnt. Auch Francis Galton unternahm es, den See Ngami zu entdecken. Wie ihm das glückte, können wir von seinem Reisebegleiter Andersson erfahren (Andersson’s Reisen): „Ich muss gestehen, dass, als ich zuerst meines Freundes (Galton’s) Erzählung las, ich anfangs etwas sehr erstaunt darüber war, als ich auf seine angenehme Versicherung stiess, dass er sich nicht viel daraus mache, den See Ngami zu erreichen. Es ist zwar wahr, dass wir, als wir an der Walfisch-Bai landeten, nur wenig, Hoffnung hatten, dorthin zu kommen; aber ich hatte, wenigstens für mein Theil, immer gemeint, dass das grosse Ziel unserer Reise gerade der Ngami sei.“ Und weiter: „Galton schien von der Aussicht entzückt zu sein, bald wieder in civilisirte Länder zurückzukehren. Obgleich er bewiesen hatte, dass er fähig sei, Strapazen und Beschwerden so gut wie irgendeiner von uns zu ertragen, so leuchtete doch ein, dass er genug hatte.“ — „Dass wir (Galton und Andersson) den See Ngami nicht erreichten, hat mir sehr leid gethan.“ — „Nicht lange nach seiner Rückkehr hat ihm die Königl. Geographische Gesellschaft, wie ich mit Freuden hörte, ihre goldene Medaille als Belohnung für seine der Wissenschaft geleisteten Dienste zuertheilt.“
Ich kann dieses Kapitel nicht schliessen, ohne noch ein Wort zu Gunsten der jungen Herren zu sagen, die zur englischen Expedition zur Aufsuchung und Unterstützung Livingstone’s gehört haben. Ich muss gestehen, dass ich durchaus keine gerechtfertigten Gründe einsehen kann, warum der Vorstand der Königl. Geographischen Gesellschaft sie wegen ihrer Rückkehr getadelt hat. Das Geld für ihre Ausrüstung ist vom britischen Publikum nur für die Unterstützung David Livingstone’s zu einer Zeit gezeichnet worden, wo man diesem gesagt hatte, dass meine Expedition misglückt sei. Nach der vom Vorstand in den Zeitungen veröffentlichten Anzeige wurden freiwillige Befehlshaber gewünscht, die Dr. Livingstone Hülfe bringen sollten. Die Herren Dawson, Henn und Livingstone wurden mit der Erfüllung dieser Pflicht betraut. In einer Versammlung der Gesellschaft kündigte Lieutenant Dawson an, dass, da die Augen des britischen Publikums auf ihn gerichtet seien, die Kenntniss dieser Thatsache ihm ein um so grösserer Sporn sein werde, um das Geheimniss, das über Livingstone’s Schicksal ruhe, zu lüften und seinen Aufenthaltsort auszukundschaften. Diese jungen Herren reisten aus England nach Zanzibar, um getreulich die Instructionen zur Aufsuchung und Unterstützung von Dr. Livingstone auszuführen. Als ihr Anführer in Bagamoyo, dem Ausgangspunkt seiner Route, ankam, brachte er in Erfahrung, dass Dr. Livingstone aufgefunden sei und bereits Hülfe erhalten habe, worauf er nach Zanzibar zurück eilte, um sich mit dem britischen Consul zu besprechen, wie man es ihm befohlen hatte. Dieser rieth ihm, unter den gegebenen Verhältnissen die Reise nicht fortzusetzen; auch hörte er aus derselben Quelle, die durch eine Nachschrift in einem Blaubuch bestätigt ist, dass Dr. Livingstone mit den Geographen in England nicht auf freundschaftlichem Fusse stehe. Hierauf legte der Befehlshaber (Lieutenant Dawson) seine Stelle nieder, weil man ihn zu dem Glauben gebracht hatte, dass seine Anwesenheit Dr. Livingstone nicht angenehm sein werde. Darauf übernahm es Lieutenant Henn, die Expedition zu führen; als er aber an dem Ausgangspunkt derselben ankam, erschien ich persönlich auf dem Felde und benachrichtigte ihn als Erwiderung auf die Frage, ob Dr. Livingstone in Noth sei, dass der Reisende alle nöthigen Vorräthe besässe, mit Ausnahme von funfzig tüchtigen Freigelassenen und einigen Genussmitteln, worüber ich ihm ein Verzeichniss zur Prüfung vorwies. Auch er kehrte nun nach Zanzibar zurück, besprach sich mit seinem Freunde Dr. Kirk und legte sein Commando zu Gunsten von Oswald Livingstone nieder. Schliesslich unternahm es dieser, ein Sohn des Reisenden, eine Expedition zu seinem Vater zu führen. Da er aber gerade an einer schweren Krankheit zu leiden anfing, die nach der Ansicht des seinem Vater befreundeten Dr. Kirk ihn ganz unfähig machte, eine solche Reise zu unternehmen, legte er, wenn auch sehr wider seinen Willen, förmlich sein Amt nieder.
Wenn wir freimüthig und ehrlich untersuchen, wer dafür verantwortlich ist, dass die englische Expedition sich zurückgezogen hat und zurückgekehrt ist, so ist das meiner unmassgeblichen Meinung nach keineswegs Lieutenant Dawson oder seine Gefährten. Sie hatten den Auftrag erhalten, Livingstone Hülfe zu bringen, gleichzeitig aber den Rath des Dr. Kirk einzuholen. Wenn dieser der Expedition den Rath ertheilte, nicht weiter zu gehen, weil er der Meinung war, dass ihre Anwesenheit dem Dr. Livingstone nicht angenehm sein würde, so hatten die jungen Herren nach meiner Meinung vollständig Recht, umzukehren; denn Dr. Kirk war berechtigt, da er zum obersten Schiedsrichter ihres Schicksals erwählt worden, ihnen den Rath zur Rückkehr zu ertheilen, wenn seiner Ansicht nach ihre Anwesenheit in Unyanyembé Dr. Livingstone nicht ganz angenehm war. Allerdings stimme ich mit Dr. Kirk in dieser Ansicht nicht überein, dass dies der Fall gewesen wäre; sondern ich weiss, dass Dr. Livingstone die jungen Leute, die dazu gekommen wären, ihm einen Dienst zu erweisen, willkommen geheissen haben würde und dass sie, soweit er dabei in Betracht kam, die Fäden seiner Arbeit hätten aufnehmen können. Dagegen stimme ich mit Dr. Kirk darin überein, dass ihre Anwesenheit nicht mehr nöthig, ihre Hülfe nicht erforderlich war. Auch bin ich nicht der Ansicht des Herrn, dass Dr. Livingstone einen Streit mit der Königl. Geographischen Gesellschaft gehabt oder den Mitgliedern derselben in irgendeiner Weise feindlich gesinnt ist. Während der vier Monate, die ich in seiner Gesellschaft verlebte, habe ich ihn nie ein Wort gegen die Königl. Geographische Gesellschaft äussern hören, und fast alle seine persönlichen Freunde sind Mitglieder gerade dieser Gesellschaft.
Die erste und eigentliche Ursache des Untergangs der Expedition bestand aber darin, dass der Vorstand es unterlassen hatte, dem Befehlshaber, Lieutenant Dawson, für den Fall Instructionen mitzugeben, dass er mich mit Dr. Livingstone’s Briefen und Depeschen treffe und die Versicherung von mir erhalte, er sei reichlich mit Vorräthen versehen. Hätten sie officiell die Möglichkeit zugegeben, dass die amerikanische Expedition in ihrem Liebeswerk von Erfolg gekrönt worden sei und die jungen Leute auf diesen Fall vorbereitet, so brauchte der Vorstand jetzt nicht Lieutenant Dawson und seine Gefährten der Untreue und Unfähigkeit zu beschuldigen und diese selbst brauchten nicht zu bedauern, dass sie freiwillig ihr Glück und ihr Leben dem Dienst der Gesellschaft gewidmet haben. Da der Vorstand diesen sehr wichtigen Artikel in seinen Instructionen ausgelassen, so sind die Mitglieder desselben einzig und allein für das Scheitern der englischen Expedition verantwortlich.
Und jetzt, theurer Leser, will ich schliessen. Ich habe den Wagogo und ihrer wilden Unverschämtheit; Mionvu, dem grössten aller Brandschatzer und Tributsauger; den lärmenden Wavinza; den ungastlichen Warundi; den arabischen Sklavenhändlern und Mischlingen; allen Fiebern, sowol remittirenden wie intermittirenden; den Makatasümpfen und Krokodilen; den Bitterwassern und öden Ebenen; meinen eigenen schwarzen Freunden und treuen Nachfolgern; dem christlichen Helden und grossen Reisenden Livingstone Lebewohl gesagt, und so biete ich denn auch Euch, Kritikern, und allen Freunden wie Feinden, ein Lebewohl!