ANHANG.

Mit der Erlaubniss des Herrn Bates, ständigen Secretärs der Royal Geographical Society, werden die folgenden interessanten Auszüge aus den Verhandlungen dieser Gesellschaft veröffentlicht:

Der Vorsitzende las vor der Verhandlung folgenden officiellen Brief vor, den er vom Staatssecretär für die Auswärtigen Angelegenheiten, Lord Clarendon, als Antwort auf die Petition erhalten, welche die Regierung um Unterstützung für Dr. Livingstone ersucht hatte. Er war überzeugt, die ganze Gesellschaft würde Lord Clarendon und der Regierung Ihrer Majestät für diese Mittheilung einmüthig ihren tiefgefühlten Dank aussprechen.

„Auswärtiges Amt, 19. Mai 1870.

Mein Herr!

Ich habe keine Zeit verloren, meinen Collegen Ihre Bemerkungen über die Lage, in welcher sich Dr. Livingstone infolge von Geldmangel befindet, mitzutheilen und die Regierung Ihrer Majestät hat nicht unterlassen alles das in Betracht zu nehmen, was Sie zu Gunsten einer weitern dem ausgezeichneten Reisenden zu bewilligenden Geldsumme vorgebracht haben: dass er sich nämlich drei Jahre lang ohne Hülfe und Verbindung mit England allein durchgekämpft; nach den letzten Nachrichten einen Punkt erreicht hat, von dem er ohne Vorräthe weder vorwärts noch zurück kann, und das ihm bei seiner Abreise bewilligte Geld erschöpft ist, also weitere Mittel sehr dringend nöthig sind, um ihn neu auszurüsten und ihm seine Bedürfnisse ins Innere des Landes zu transportiren.

Ich habe hiermit das Vergnügen, Sie davon in Kenntniss zu setzen, dass Ihrer Majestät Regierung bereit ist, 1000 Pfd. Sterling für die Expedition des Dr. Livingstone zu bewilligen und sich der ernstlichen Hoffnung hingibt, dass die Summe dazu dienen möge, ihn sicher in sein Vaterland zurückzubringen.

Ich bin, mein Herr,

Ihr gehorsamer Diener
CLARENDON.

Sir R. I. Murchison, Bart.

Am 23. Mai 1870 spricht Sir R. Murchison in folgender Weise über seinen Freund Dr. Livingstone:

Im Verlaufe des letzten Jahres sind wir in einem Zustand ängstlicher Spannung in Bezug auf die Lage unsers grossen Reisenden Livingstone geblieben, und ich bedauere diese Ansprache schliessen zu müssen, ohne im Stande zu sein, irgendetwas Ermuthigendes in der Beziehung zu sagen, dass wir ihn bald zu Hause begrüssen können. Zu gleicher Zeit ist aber keine Ursache vorhanden, an seinem Leben und seiner Sicherheit zu verzweifeln. Wir wissen, dass er sich einige Zeit in Udschidschi am See Tanganika aufgehalten hat, woher er am 30. Mai vorigen Jahres nach Hause geschrieben, von wo er aber aus Mangel an Lastträgern und Vorräthen ausser Stande war sich fortzubegeben. Zwar wurden ihm diese durch Dr. Kirk aus Zanzibar zugeschickt, aber leider hat der Ausbruch der Cholera diese Hülfsexpedition aufgehalten und an der Weiterreise verhindert. Nach neueren Mittheilungen jedoch, die das Auswärtige Amt erhalten, hat die Seuche so sehr nachgelassen, dass wir annehmen können, der Verkehr zwischen der Küste und Udschidschi sei jetzt schon wieder eröffnet.

Die Aufgabe, die Livingstone noch bevorsteht, ist häufig erörtert worden, und hoffentlich wird er am Leben bleiben, um bis an das nördliche Ende des Tanganika zu gelangen und dort festzustellen, ob sein Wasser in den Albert-Nyanza Baker’s fliesst. Wenn diese Verbindung erwiesen würde, so können wir dem Gedanken Raum geben, dass Livingstone, der jetzt weiss, dass das grosse Unternehmen Sir Samuel Baker’s gegenwärtig ausgeführt wird, es versuchen werde, mit seinem grossen Collegen zusammenzukommen. Da die grosse Expedition Baker’s anfänglich aufgehalten worden, so hat er bekanntlich Chartum erst im Februar verlassen, um den Weissen Nil hinaufzugehen. Nachdem er Gondokoro, wie man annimmt, in den ersten Tagen des März erreicht hat, wird einige Zeit nothwendig damit vergehen, eine Faktorei an den oberen Stromschnellen und jenseits des Nebenflusses Asua zu gründen, wo die Dampfboote zusammengesetzt werden sollen, ehe sie auf das Wasser des Nils gebracht werden, auf dem sie in den grossen Albert-Nyanza-See zu fahren gedenken. Sobald sich jedoch ein Dampfer auf dem See befindet, können wir uns versichert halten, dass Baker mit seiner bekannten Energie und Raschheit nicht einen Augenblick verlieren wird, um es zu versuchen, das südliche Ende desselben zu erreichen in der Hoffnung, dort Livingstone hülfreiche Hand bieten zu können. Wollen wir uns daher dieser freudigen Hoffnung hingeben, die in der That die glücklichste Erfüllung unserer Herzenswünsche sein würde.

Das britische Publikum wird sich über diesen Gegenstand am besten informiren, wenn es ein neuerlich erschienenes kleines Werk des Herrn Keith Johnston jun. studirt. In dieser Schrift hat der Verfasser eine kurze Geschichte aller Forschungen in Südafrika gegeben und auch nach den besten Autoritäten (Petermann u. A.) eine Karte gezeichnet, die deutlich nachweist, in welcher Ausdehnung die Flüsse, welche von den südlich und südsüdwestlich vom See Tanganika gelegenen Hochlanden herfliessen, zum grössten Theil von diesem See unabhängig und wol Zuflüsse des Congo sind. Auf der andern Seite sind die Flüsse, welche in den See Tanganika durch den Livingstone’schen See Liemba eintreten, wahrscheinlich die letzten Quellen des Nils selbst, wogegen der Kasai und andere Ströme, welche die Seen Bangweolo und Moero bilden, wol in den Congo fliessen.

Wenn sich diese letzte Hypothese als wahr erweisen sollte, werden sich die Gewässer, die Livingstone zuerst entdeckt hat, sowol als die Quellen des Nils als des Congo herausstellen. Was aber den Nil betrifft, so muss mein scharfsinniger Freund fühlen, dass das Problem in Bezug auf denselben ungelöst bleibt, bis er beweist, dass einige der Gewässer des Tanganika in den Albert-Nyanza fliessen.

Mittlerweile ist die Hypothese von Herrn Findlay u. A. (dass der See Tanganika mit dem Albert-Nyanza in Verbindung steht) nach den jetzigen Abschätzungen der relativen Höhenlage dieser südlichen Gewässer die wahrscheinlichste. Gebe Gott, dass der berühmte Livingstone die Wahrheit derselben erweise und dass wir ihn bald als den Entdecker der letzten Quellen des Nils sowol als des Congo zu Hause begrüssen mögen.

Ueber diesen wichtigen und höchst interessanten Gegenstand ist es angenehm die Mittheilung zu machen, dass unser ausgezeichnetes Ehrenmitglied Dr. Petermann auf einer Generalkarte von Südafrika in der letzten Nummer seiner „Mittheilungen“ eine chronologische Skizze aller der wunderbaren, schwierigen Reisen Livingstone’s vom Jahre 1841–1869 entworfen hat. In Bezug auf die Nebenflüsse des Congo unterscheidet sich die Karte Petermann’s von der Johnston’s in der Annahme, dass die Gewässer der Seen Bangweolo, Moero und Ulenge nach Norden und Osten zeigen. Wenn dies der Fall sein sollte, so werden sie auch in den grossen Albert-Nyanza Baker’s münden.

Indem ich die Betrachtung dieses überaus interessanten Gegenstandes schliesse, freue ich mich im Stande zu sein mitzutheilen, dass Ihrer Majestät Regierung infolge der Darstellungen, die ich Lord Clarendon über die isolirte Stellung Livingstone’s in Udschidschi gemacht habe, wo er sich trotz der Nähe seines letzten Zieles, des nördlichen Endes des Sees Tanganika, ohne Lastträger und Vorräthe befand, freundlichst die Mittel bewilligt hat, wodurch der grosse Reisende wirksame Unterstützung erhält, ehe er in sein ihn bewunderndes Vaterland zurückkehrt.

In der Ansprache des Vorsitzenden der Königl. Geographischen Gesellschaft wird gesagt, dass den Herren Dr. Beke, Arrowsmith und Findlay grosser Ruhm dafür gebühre, dass sie auf theoretische Gründe hin die grosse nach Süden reichende Ausdehnung des Nilbeckens unterstützt hätten, falls nämlich das grosse Problem der südlichen Wasserscheide des Nils gelöst würde.

Wenn ihnen der Ruhm für diese Theorie gebührt, welchen soll jetzt Sir H. Rawlinson, nachdem Sir R. Murchison, der treue Freund Livingstone’s, todt ist und Dr. Beke seine Unterstützung der obigen Theorie zurückgezogen hat, diesem für die theoretische Unterstützung zuschreiben, die der Herr der Ansicht leiht, dass die Wasserscheide nicht die des Nils, sondern die des Congo ist?

Aus der 14. Sitzung der Königl. Geographischen Gesellschaft vom 13. Juni 1870 ersieht man, dass der Vorsitzende derselben es ausspricht, dass man keine Expedition beabsichtigt hat, um Livingstone aufzusuchen. Ich erhielt meine Befehle im October 1869. Die Königl. Geographische Gesellschaft sollte es mir also nicht zum Vorwurf machen, dass ich das gethan, was sie zu thun beabsichtigt habe, und nicht darüber ärgerlich sein, dass ich ihn aufgefunden, da das mit ihren Pflichten durchaus nicht collidirt hat.

Ehe der Vorsitzende auf die zu haltenden Vorträge einging, sprach er sich aus über die Art der Unterstützung, welche zum Ruhme des Earl Clarendon und der englischen Regierung dem Dr. Livingstone zugeschickt worden. Es hätten in Bezug auf die Angelegenheit viele Misverständnisse geherrscht, wenn man nach den zahlreichen Petitionen schliessen dürfe, die er von verschiedenen thatkräftigen jungen Leuten erhalten, die es gewünscht hätten, Dr. Livingstone aufzusuchen. Man habe nämlich angenommen, dass eine Expedition im Begriff sei, zu diesem Zweck aus unserm Vaterlande abzugehen. Eine solche Expedition wäre jedoch nicht beabsichtigt worden. Dr. Livingstone sei mehr als 3½ Jahre ohne einen einzigen europäischen Begleiter im Herzen von Afrika gewesen. Er (der Präsident) wisse nicht bestimmt, ob nicht ein nicht acclimatisirter junger Mann aus England Livingstone ungelegen kommen würde, weil er ausser andern Mühen auch noch die haben würde, für ihn zu sorgen. Deshalb kündige er hiermit an, dass die 1000 Pfd. Sterl., welche die Regierung hergegeben hätte, durch den Consul in Zanzibar, Herrn Churchill, der zufälligerweise hier im Lande sei und bald nach Zanzibar gehe, abgeschickt werden würden. Dieser wird Dr. Kirk instruiren, eine ähnliche Expedition wie die vorjährige, die durch die Cholera verhindert wurde, auszurüsten. Die Epidemie hat sehr nachgelassen und jetzt besteht die einzige Schwierigkeit darin, nach Udschidschi zu kommen, wo Dr. Livingstone sich nach den letzten Berichten befindet und aus Mangel an Lastträgern und Vorräthen nicht im Stande ist sich an einen andern Ort zu begeben. Damit diese Vorräthe von Zanzibar nach Udschidschi kommen, bedarf es zweier Monate; daher soll man sich in den nächsten Monaten keinen Sorgen hingeben. In etwa 7 bis 8 Monaten können gute Nachrichten da sein und bald darauf würden wir hoffentlich wol unsern Freund in seinem Vaterlande wiedersehen.

Brief von Herrn Churchill, Consul in Zanzibar, in Bezug auf Dr. Livingstone.

„Zanzibar, 18. November 1870.

Mylord!

Nach einem sehr grossen Zeitverlust, der denjenigen, die mit diesem Lande unbekannt sind, unnöthig erscheinen wird, ist es mir gelungen, Dr. Livingstone eine Verstärkung von 7 Mann zuzuschicken, welche sich verpflichtet haben, sich als Lastträger, Bootsleute u. s. w. zur Disposition des Doctors zu stellen und eine Menge Perlen, Tuch und Provision zu seinem Gebrauch mitgenommen haben. Er wird durch dieselbe Gelegenheit die Briefe und Schriftstücke, die mir Lord Clarendon und die Geographische Gesellschaft anvertraut haben, nebst einigen Kleidungsstücken erhalten, die seine Verwandten mir übersandt haben. Ich hoffe, dass sie Udschidschi im Monat Februar erreichen werden, jetzt aber lässt sich noch nichts Sicheres darüber sagen. In einer künftigen Depesche werde ich einen Bericht über die durch diese Expedition veranlassten Ausgaben abstatten. Etwa vor einem Monat erhielten wir Nachrichten davon, dass Leute und Vorräthe, die im October 1869 von Dr. Kirk abgesandt worden, am letzten Juni in Unyanyembé angekommen seien. Sieben der Leute waren an der Cholera gestorben und der Rest hatte, nachdem sie die ihnen mitgegebenen Provisionen verzehrt, auf Anrathen des Gouverneurs von Unyanyembé die Vorräthe, die sie Livingstone bringen sollten, zu ihrem eigenen Unterhalt angegriffen. Dies erscheint auf den ersten Blick unglaublich; wenn man aber weiter darüber nachdenkt, so kann man es dadurch erklären, dass die Karavane, wenn sie nicht irgendwelche Lebensmittel gehabt, an der Weiterreise verhindert worden wäre und dass der Gouverneur von Unyanyembé ihr, ohne Autorität des Sultans, die nöthigen Subsistenzmittel verweigerte.

Die letzten Berichte aus dem Innern theilen mit, dass Dr. Livingstone, nachdem er einen Ort Manime (Manyuema) besucht habe, nach Udschidschi zurückgekehrt sei.“

Im weitern Verlaufe sagte der Präsident, dass der Brief von Dr. Kirk, welcher in Sir Roderick Murchison’s Brief an die „Times“ erwähnt werde, drei Wochen später als der von Herrn Churchill geschrieben sei, und da dieser nicht die Behauptung enthielte, dass Dr. Livingstone wirklich in Udschidschi angekommen sei, obwol er seine Nachrichten aus derselben Quelle wie Herr Churchill habe, so scheine es, dass der Letztere dieses Ereigniss gleichsam vorausgenommen habe. Dr. Kirk sage nämlich nur, dass ein arabisch geschriebener Brief vom Juli 1870 vom Gouverneur von Unyanyembé eingetroffen sei, welcher aussage, dass Livingstone in Udschidschi zu gleicher Zeit mit den Leuten und Vorräthen erwartet werde, die auf dem Wege dahin seien. Auch sagte er, dass der Reisende in einem fernen Manime genannten Lande gewesen sei. Um die Wichtigkeit dieser Mittheilung zu begreifen sei es nöthig, auf den letzten Brief Rücksicht zu nehmen, den Livingstone selbst nach Hause geschrieben habe. Es sei ein vom 30. Mai 1869 datirter, aus Udschidschi an Dr. Kirk gerichteter Brief. In demselben sage Livingstone: „Was die mir bevorstehende Aufgabe betrifft, so besteht sie darin, die Quellen, die ich entdeckt und die 5–700 Meilen südlich von Speke’s und Baker’s Nil liegen, mit diesem zu verbinden. Die Wassermasse, welche von 12° südl. Br. nach Norden fliesst, ist so gross, dass ich vermuthlich sowol an den Quellen des Nils als des Congo herumarbeite. Ich muss also das östliche Wassersystem bis an den Punkt verfolgen, wo Baker umgekehrt ist. Tanganyika, Nyige Chowambe (Baker’s?) sind ein Wasser und das Ende desselben liegt 300 Meilen südlich von hier. Den Ausfluss desselben, ob er nun Congo oder Nil sei, muss ich feststellen. Die westlich von hier wohnenden Menschen, welche Manyema heissen, sind, wenn die Araber die Wahrheit reden, Kannibalen. Dort werde ich wol zuerst hinzugehen und dann, wenn ich ungefressen zurückkomme und meine neuen Leute aus Zanzibar vorfinde, den Tanganika hinunterzugehen haben.“

Das folgende ist ein wichtiger Brief Dr. Kirk’s, den er etwa einen Tag nach seiner Rückkehr von der in Kikoka, dem ersten Lager jenseits des Kingani, abgehaltenen Jagdpartie geschrieben hat.

„Zanzibar, 18. Februar 1871.

Mylord!

Ich habe die Ehre Ihnen zu berichten, dass ich, nachdem ich durch einen Eingeborenen erfahren, dass sich die von Herrn Churchill mit Vorräthen für Dr. Livingstone, laut seiner Depesche vom 18. November 1870, abgesandten Leute noch in Bagamoyo, einer uns gegenüberliegenden Seestadt des Festlandes, befänden und noch gar keine Schritte dazu gethan hätten, sich Lastträger zu verschaffen oder ihre Reise anzutreten, beschloss, womöglich selbst hinzugeben und bei ihrer Abreise zugegen zu sein. Kapitän Tucker, der Befehlshaber von Ihrer Majestät Schiff “Columbine„, hat mir auf meine Bitte freundlichst einen Platz in seinem Schiffe zu diesem Zweck zur Disposition gestellt.

Als ich Bagamoyo erreichte, entdeckte ich, dass die betreffenden Leute noch im Dorfe seien, wogegen arabische Karavanen sich auf dieselbe Reise begeben hatten. Freilich sind Lastträger in diesem Jahre schwer zu haben, da nur wenige Leute aus Unyamwezi infolge der daselbst wüthenden Cholera hierher gekommen sind.

Es ist mir jedoch, indem ich meinen Einfluss bei den Arabern benutzte, gelungen, alle Vorräthe, mit Ausnahme von vier Lasten, abzusenden und ich bin ihnen selbst eine Tagereise bis ins Binnenland gefolgt. Die noch übrig bleibenden vier Lasten sollten, wie ich bei meiner Rückkehr anordnete, durch eine arabische Karavane nach Unyanyembé gebracht werden und von dort durch Said bin Salim, den dortigen Gouverneur, nach Udschidschi geschickt werden.

Wenn sie einmal auf der Reise sind, so gibt es wenig Motive für die Leute sich aufzuhalten; wogegen sie in Bagamoyo in guten Hütten unter ihren eigenen Leuten gern verweilen, da sie dort, ohne dass man es erfährt, ihr Leben geniessen und trotzdem ihren Monatslohn erwerben zu können meinen. Wäre ich nicht persönlich hingegangen, so hätten sie sich wol noch mehrere Monate daselbst aufgehalten.

Als ich auf dem kurzen Ausfluge, den ich von Bagamoyo machte, auf der Handelsstrasse reiste, begegneten mir mehrere Karavanen auf dem Wege von Unyamwezi, Urori u. s. w., und aus meinen an die Eingeborenen und ihre Führer gestellten Fragen stellte sich heraus, dass man in Unyanyembé keine Nachrichten aus Udschidschi erhalten und dort nichts über Dr. Livingstone bekannt sei. Alle konnten berichten, dass er auf eine Reise gegangen sei, von der er nach den letzten Nachrichten noch nicht zurückgekehrt war.

Das Land, durch das ich zog, nachdem ich über den Kingani gesetzt, war ein schönes Wald- und Parkland voll der verschiedensten Arten grossen Wildes, wie z. B. Giraffen, Elenn, Zebras, Hartebeests, Wildbeests u. s. w., von denen ich einige in einer Entfernung von noch nicht 12 Meilen von der Küstenstadt Bagamoyo erlegte. Der Kingani ist voll von Flusspferden und an seinen Ufern finden sich wilde Büffel.

Leider wird diese reiche und verhältnissmässig gesunde Gegend, wo die Giraffe vorkommt, stets von der Tsetsefliege heimgesucht, die dem Vieh und den Pferden gefährlich ist.

Auf meiner Heimreise nach Bagamoyo habe ich einen Tag dem Studium der französischen Anstalten und ihrer Behandlung Freigelassener gewidmet. Hierüber werde ich mir die Ehre geben, Eurer Lordschaft einen besondern Bericht abzustatten.

Seitdem ich vor vier Jahren die Stadt Bagamoyo gesehen, hat sie sich um das Dreifache vergrössert. Die Hütten der Eingeborenen werden rasch durch Steinhäuser verdrängt und hier, wie sonst an der Küste, geht der Handel rasch in die Hände der Kutchees über.

JOHN KIRK.“