Also soweit hat es nun die Muschi gebracht; an die Varietétheateragenten ist sie verhandelt worden. Laß mal sehen. Wirklich, da steht sie auf der Bühne, in einem erbärmlichen Flitterröckchen, in hohen Schuhen mit geschweiften Absätzen, in knallroten Strümpfen, die bis über die Knie hinaus sichtbar sind, und muß für den Taglohn tanzen. Hübsch ist sie indessen geworden, das kann man auf den ersten Blick sehen, sie ist denn auch die beste Nummer auf dem ganzen Programm. Sie hat was Vornehmes an sich, was Stolzes, das nur von der Abstammung herrühren kann. Die Zuschauerkater sind ganz plebejisch aussehende Kerle mit breiten Mäulern und ziemlich dreckigen Manieren. Mit den Vorderpfoten klappen sie die Bierglasdeckel zu und freuen sich über die ganze stumpfsinnige Bedeutungslosigkeit ihres Tuns. Ein schlechter Dunst weht im Lokal, Kellnerinnen bedienen und wollen immer etwas zum besten bekommen haben. Muschi tanzt, und sowie sie den Tanz beendet hat, setzt sie sich zu anderen Tänzerinnen auf eine samtüberzogene Bank, um sich gelassen angaffen und anwitzeln zu lassen. Ihr Köpfchen hält sie gesenkt, und mit ihren Pfoten spielt sie wie in lange, wehmütige Gedanken verloren mit den knisternden Spitzen ihres Tanzröckchens. Ihre Augen, wenn sie sie aufschlägt, sind so groß, traurig und schön. Es sind gelbe Augen. Man wird nie vergessen dürfen, daß es eben nun einmal, so wie die Dinge liegen, Katzenaugen sind, aber es sind Katzenaugen von der feinsten und edelsten Sorte. Ein unauslöschlicher Kummer, mit einer unauslöschlichen Erinnerung verbunden, scheint darin zu brennen. Da will sie ein Kerl von unten her an das in der Tat fesche Bein fassen, pfui, mit den Saupfoten. Sie versetzt ihm einen heftigen Stoß mit dem scharfkantigen Stiefelabsatz ins breite Schnauzengesicht hinein, daß er laut miauend davonläuft, um dem Herrn Wirt Anzeige zu erstatten. Leider ist es nun gerade ein guter Duzfreund des Wirtes. Dieser stürzt vor und ohrfeigt die Muschi, die nun in Tränen ausbricht. Die Kellnerinnen, die dem Gast flattieren wollen, sagen, das sei recht, so gehöre es sich, nur munter in die Fresse gehauen, das sei gesund für solch ein Stolztruthähnin. Muschi weint und muß weinend tanzen, sie tanzt aber so schmerzlich schön, daß es den wüstesten Schmierfinken nicht mehr erlaubt ist, aus irgendeiner innern Ahnung heraus, sie noch ferner zu belästigen. Der feuchte Glanz in Muschis großen Augen hat sie energisch eingeschüchtert. Die Kater brüllen Bravo und klatschen in die Pfoten und lecken das ausgeschüttete Bier von den Tischen ab. Der Wirt, ein urgelungenes, dickes Tier, macht eine unendlich komische wichtige Miene.