Aber wieder zu meiner Mutter zu kommen. —
Meines Onkels Toby Meinung, Madame, daß nichts Böses dabei sein könnte, oder vielmehr das Wort Ehefrau — denn das war alles, was meine Mutter davon hörte —, faßte sie bei der schwachen Seite des ganzen weiblichen Geschlechts. Sie müssen mich nicht falsch verstehen; ich meine ihre Neugierde. Sie schloß flugs, man spräche von ihr; und wenn Sie den Glauben bei ihr annehmen, so werden Sie leicht begreifen, wie sie jedes Wort, das mein Vater sagte, auf sich oder auf ihre häuslichen Angelegenheiten deutete.
Sagen Sie mir doch, Madame, ich bitte, in welcher Gasse wohnt die Dame, die es nicht ebenso getan hätte.
Mein Vater hatte einen Sprung auf Sokrates' Tod getan und gab meinem Onkel Toby einen Auszug aus seiner Schutzrede vor seinen Richtern. Sie war unwiderstehlich; nicht die Rede des Sokrates, sondern die Versuchung, die meinen Vater dazu trieb. Er selbst hatte das Jahr vorher, ehe er den Handel niederlegte, das Leben des Sokrates[1] zu schreiben angefangen. Ich fürchte, das eben förderte seinen Entschluß, aus dem Handel zu scheiden. Also war niemand fähiger, mit so vollen Segeln und mit solcher hohen Flut von heroischer Beredsamkeit über die Gelegenheit daherzufahren als mein Vater. Es gibt keine Periode in Sokrates' Rede, die mit einem kürzeren Worte schließt als: sterbliche Hülle verlassend, oder: ewiger Vernichtung geweiht —, oder einen geringeren Gedanken in der Mitte derselben hatte als: sein oder nicht sein. — Der Übergang zu einem neuen unversuchten Zustande der Dinge oder zu einem langen, einem tiefen, einem ruhigen Schlafe ohne Träume, ohne Auffahren: daß wir und unsere Kinder geboren sind, zu sterben, aber keiner von uns geboren zu Sklaven. — Nein, da irre ich; das war eine Stelle aus Eleazars Rede, wie uns solche Josephus aufbewahrt hat. Eleazar gesteht, er habe es von den Philosophen aus Indien. Nach aller Wahrscheinlichkeit hat Alexander der Große bei seinem Einfall in Indien, nachdem er Persien mit Krieg überzogen, unter den mancherlei Dingen, die er gestohlen, auch dieses Sortiment Beute gemacht, von dem es dann, wo nicht den ganzen Weg durch ihn allein — denn wir wissen alle, daß er zu Babylon starb —, wenigstens durch einige von seinen Marodeurs nach Griechenland gebracht ist. Von Griechenland kam es nach Rom, von Rom nach Frankreich und von Frankreich nach England. So kommen die Sachen herum.
Zu Lande kann ich mir keinen anderen Weg denken.
Zu Wasser konnte das Sortiment ganz gemächlich den Ganges herunter- in den Sinus Gangeticus oder die Bai von Bengalen und so in das Indische Meer kommen, und indem es den Weg des Handels nahm — der Weg über Cap de bonne espérance war damals noch nicht entdeckt —, konnte es mit anderen Gewürz- und Spezereiwaren übers Rote Meer nach Joddah, dem Hafen von Mekka, oder nach Tor oder Suez, zwei Städtchen im Innersten des Golfo, gebracht werden. Von da mit den Karawanen nach Coptos, das nur drei Tagereisen davon liegt. Dann den Nil herunter geraden Weges nach Alexandria, woselbst das Sortiment gerade unten an der Treppe der Alexandrinischen Bibliothek ausgeschifft werden konnte. Und aus diesem Packhause konnte es geholt werden. Gott segne uns, was in den Zeiten die Gelehrten für einen Handel betrieben!