Subikoff schwieg und hörte nur in scheuer Neugier zu.
„Aber ich hoffe, daß Sie wenigstens verstehn, warum ich hergekommen bin ... Hehe ...“
Subikoff wollte zwar gleichfalls ehrerbietig lächeln, doch plötzlich ging es nicht und Herr Pralinski hörte wiederum nichts beruhigendes von ihm.
„Ich bin her–gekommen ... um, wie man sagt, zu ermuntern ... um zu zeigen, daß es ein, wie man sagt, moralisches Ziel gibt,“ fuhr Pralinski fort, doch die Stumpfheit seines Zuhörers ärgerte ihn und plötzlich verstummte auch er. Der arme Subikoff wagte nicht einmal aufzublicken, ganz als ob sein Gewissen Gott weiß wie schuldbeladen gewesen wäre. Ein wenig verwirrt nahm Exzellenz sein Glas und trank wieder einen Schluck, worauf Subikoff wie nach seinem letzten Strohhalm wieder nach der Flasche griff und von neuem einschenkte.
„Deine Ressourcen können doch unmöglich groß sein,“ dachte Herr Pralinski und betrachtete streng den armen Subikoff. Als dieser den Blick seines hohen Vorgesetzten auf sich ruhen fühlte, beschloß er endgültig, den seinen nicht mehr zu erheben. So saßen sie sich denn stumm gegenüber – das war für Subikoff eine furchtbare Zeit.
Dieser Subikoff war einer von den alten Unterbeamten, die jetzt so ziemlich ausgestorben sind. In Ehrerbietung und Gehorsam aufgewachsen, war er einerseits friedsam wie ein Huhn, und andrerseits ein guter und sogar edler Mensch. Er war ein Petersburger Russe, d. h. sein Vater und sein Urgroßvater waren in Petersburg geboren, aufgewachsen und schließlich gestorben, ohne diese Stadt auch nur ein einziges Mal verlassen zu haben. Das ist ein ganz besonderer Typ Russen. Von Rußland haben sie nicht die geringste Ahnung, was sie aber auch nicht im geringsten beunruhigt. Ihr ganzes Interesse ist auf Petersburg beschränkt und hauptsächlich auf ihren Dienst. Alle ihre Sorgen drehen sich um die Kopekenpréférence, die nächste Kolonialwarenhandlung und ihr Monatsgehalt. Sie kennen keinen einzigen russischen Brauch, kein einziges russisches Volkslied, ausgenommen das eine vom „Kienspanfeuer“ und auch das nur, weil die Drehorgeln dieses Motiv leiern. Übrigens gibt es zwei bestimmte Anzeichen, an denen man unfehlbar den Petersburger Russen von dem echten Russen unterscheiden kann. Erstens: alle Petersburger Russen, alle ohne Ausnahme, sagen „Die Akademischen Nachrichten“ und niemals „Petersburger Nachrichten“, wie das Blatt doch eigentlich heißt. Und zweitens: der Petersburger Russe wird, wenn er „Frühstück“ sagen will, niemals das russische Wort „Sawtrak“ gebrauchen, sondern immer „Frjühstick“ sagen, wobei er noch ganz besonders die erste Silbe betonen wird. An diesen beiden eingewurzelten Kennzeichen kann man sie genau unterscheiden.
Akim Petrowitsch Subikoff gehörte also zu jenen friedlichen Beamtentypen, die sich in den letzten fünfunddreißig Jahren endgültig ausgearbeitet haben. Übrigens war er keineswegs etwa dumm. Hätte Exzellenz ihn andere Dinge gefragt, Dinge, die in sein Fach schlugen, so würde er selbstverständlich geantwortet haben und vielleicht wäre dann das Gespräch gar nicht so uninteressant gewesen. Was aber hätte er als Untergebener auf solche Fragen, wie sie Exzellenz stellte, antworten sollen? Es wäre ja einfach unhöflich gewesen! Und doch hätte er für sein Leben gern etwas genaueres von den wirklichen Absichten seiner Exzellenz erfahren ...
Währenddessen aber versank Herr Pralinski immer mehr und mehr in stumpfes Nachdenken. In der Zerstreutheit griff er immer häufiger nach dem Glase um wieder einen Schluck zu tun. Und sein Nachbar ergriff jedesmal die Gelegenheit, um das Glas wieder bis zum Rand zu füllen. Beide schwiegen sie. Da fiel es Exzellenz plötzlich ein, daß man vor ihm tanzte, und alsbald nahm die Gesellschaft seine Aufmerksamkeit mehr in Anspruch. Mit einem Mal aber fiel ihm etwas auf und setzte ihn sogar in nicht geringe Verwunderung.
Man war allerdings etwas ... sehr lustig. Man tanzte, um sich zu freuen und womöglich auch um sich auszutoben. Gute Tänzer gab es nicht gerade viel, aber die schlechten drehten sich und stampften dermaßen, daß man auch sie für gewandte Tänzer halten konnte. Vor allen anderen zeichnete sich der Offizier aus: er liebte besonders Figuren, in denen er allein blieb und gewissermaßen ein Solo tanzen konnte. Dann, d. h. wenn er allein blieb, verbog und verrenkte er sich wirklich bewunderungswürdig, und zwar in folgender Weise: groß und eine Werst lang wie er war, beugte er sich plötzlich auf eine Seite, so daß man glaubte, er sei in der Taille gebrochen und würde sofort gänzlich umfallen; doch siehe, mit dem zweiten Schritt richtete er sich wieder werstlang auf und mit dem dritten beugte er sich unter demselben schrägen Winkel auf die andere Seite. Der Ausdruck seines Gesichts blieb dabei unveränderlich ernst, und überhaupt tanzte er ersichtlich mit der vollen Überzeugung, daß alle ihn bewunderten. Ein anderer Kavalier, der allzu häufig in das Hinterzimmer gegangen war, schlief in der zweiten Tour neben seiner Dame ein, so daß diese gezwungen war, allein weiterzutanzen. Ein junger Registrator, der den ganzen Abend nur mit einer einzigen Dame tanzte, mit derselben, deren blaue Schärpe seiner Exzellenz über die Nase geflogen war, hatte sich etwas ganz besonderes ausgedacht: er blieb immer ein wenig hinter seiner Dame zurück und so konnte er denn in den Touren, beim Vorübergehn u. s. w. auf das schnell aufgefangene Ende dieser Schärpe zehn bis zwanzig Küsse drücken. Die Dame aber schwamm vor ihm im Tanz einher, als ob sie ein Schwan wäre und nichts von seinen Küssen bemerkte. Der Student der Medizin tanzte tatsächlich ein Solo auf den Händen und hatte unglaublichen Erfolg: die Begeisterung, die er hervorrief, war geradezu erschütternd. Mit einem Wort, die ganze Gesellschaft benahm sich vollkommen ungezwungen. Herr Pralinski, auf den der Wein seine Wirkung hatte, ließ sich herab, sogar zu lächeln, doch allmählich schlich sich eine etwas sonderbare Enttäuschung in seine Seele: oh, er liebte natürlich sehr ungezwungenes, natürliches Benehmen; wie hatte er es herbeigewünscht, als die Gäste noch scheu zurückgetreten waren, und plötzlich überschritten die gerufenen Geister alle Grenzen! Eine Dame in einem vertragenen blauen Sammetkleide z. B. steckte sich in der sechsten Tour den Rock mit Stecknadeln derart auf, daß es aussah, als hätte sie Hosen angehabt. Das war dieselbe Kleopatra Ssemjonowna, bei der man, allerdings nach dem Ausdruck ihres Kavaliers, des Studenten der Medizin, „alles riskieren konnte“. Von diesem Studenten der Medizin lohnt es sich nicht, zu reden: einfach ein zweiter Fokin[5]. – Wie kam das nur? Noch vor so kurzer Zeit waren sie scheu vor dem neuen Gaste zurückgewichen und mit einem Mal sah er sie so emanzipiert vor sich? Es wäre ja weiter nichts dabei gewesen, aber, aber dieser schnelle Übergang war doch etwas sonderbar: er schien etwas zu bedeuten. Es hatte wirklich den Anschein, als hätten sie ganz vergessen, daß Exzellenz zugegen war. Versteht sich, Exzellenz war der erste, der lachte und er ließ sich sogar herab, Beifall zu klatschen. Subikoff kicherte pflichtschuldigst mit, doch tat er es nicht nur gezwungen, sondern mit augenscheinlichem Vergnügen, – ahnungslos, daß Exzellenz bereits einen neuen Wurm in seinem Herzen nährte.
„Sie tanzen ja großartig!“ sagte Exzellenz, als der Student in der letzten Tour an ihm vorüber ging.
Der Student wandte sich hastig zu ihm um, schnitt eine unglaubliche Grimasse und näherte sein Gesicht blitzschnell bis auf eine unhöflich nahe Entfernung und – krähte plötzlich aus voller Kehle. Das war aber denn doch zu viel! Exzellenz erhob sich. Eine wahre Lachsalve erschütterte das Haus, denn die Grimasse des Studenten war dermaßen unerwartet gekommen und er hatte so naturgetreu gekräht, daß das Gelächter nur zu erklärlich war. Exzellenz stand immer noch halb bewußtlos, als plötzlich Pseldonimoff erschien und ihn unter Bücklingen zum Essen aufforderte. Gleich nach ihm kam auch seine Mutter.
„Väterchen, Eure Exzellenz,“ sagte sie, „erweisen Sie uns die Ehre, verabscheuen Sie nicht unser bescheidenes Mahl ...“
„Ich – ich weiß wirklich nicht ...“ stotterte Exzellenz, „ich bin doch nicht mit der Absicht ... ich ... wollte schon längst ...“
Allerdings hielt er noch seine Zobelmütze in der Hand. Ja, er gab sich sogar im selben Augenblick das Ehrenwort, sich unbedingt sofort zu verabschieden, um nichts in der Welt zum Essen zu bleiben und ... und blieb natürlich doch. Nach einer Minute schritt er als erster zu Tisch. Pseldonimoff und die Alte gingen vor ihm her, um ihm den Weg zu bahnen. Man wies ihm den Ehrenplatz an und wieder stand eine volle Champagnerflasche vor seinem Gedeck. Zuerst gab es einen Imbiß: Hering und Schnäpse. Er streckte – nicht ganz bewußt dessen, was er tat – die Hand nach der Schnapskaraffe aus und goß sich ein volles großes Glas ein. Es war ihm, als ob er von einem Berge hinabflog, er glaubte zu fallen, zu fallen, zu fallen und fühlte, daß er sich an irgend etwas halten, anklammern mußte, doch wußte und fand er nicht, was das hätte sein können.
Seine Lage wurde wirklich immer exzentrischer. Er fühlte den Spott des Schicksals. Gott weiß was mit ihm alles in einer kurzen Stunde geschah. Als er eintrat, breitete er, wie man sagt, seine Arme aus, um die ganze Menschheit und alle seine Untergebenen an sein Herz zu drücken; und nach kaum einer Stunde wußte er unter allen Schmerzen seines Herzens, daß er diesen Pseldonimoff haßte und ihn samt seiner Frau und Hochzeit zu allen Teufeln verwünschte. Und zum Überfluß erkannte er noch an dessen Gesicht und Augen, daß auch er von ihm gehaßt wurde: das hatte ihm schon längst der feindselige Blick des jungen Mannes nur allzu deutlich verraten.
Selbstverständlich hätte sich Herr Pralinski, als er sich zu Tisch setzte, eher die Hand abschlagen lassen, als daß er sich selbst wirklich die ganze Wahrheit eingestanden hätte. Aber der Augenblick, da das hätte geschehen können, war noch nicht gekommen, und vorläufig gab es, wie man zu sagen pflegt, noch ein moralisches „Balancé“. Aber das Herz, das Herz ... oh, das tat so weh! es drängte hinaus, in die Freiheit, an die Luft, zur Erholung! Es war doch wirklich ein gar zu guter Mensch, dieser Iwan Iljitsch Pralinski!
Er wußte doch, wußte es ja ganz genau, daß er schon längst hätte fortgehn müssen, und nicht nur einfach fortgehn, sondern sich geradezu hätte retten müssen; daß sein ganzes Unternehmen vollkommen fehlgeschlagen, keineswegs das war, was er sich auf dem Brettersteg gedacht hatte!
„Warum bin ich denn hergekommen? Doch nicht, um hier zu essen und zu trinken?“ fragte er sich, als er den Hering aß. Er wurde sogar ganz Pessimist, und in seinem Herzen fühlte er, daß er sich selbst zuweilen lächerlich fand in seiner Heldenrolle. Ja, es kam sogar so weit mit ihm, daß er allmählich selbst nicht mehr begriff, warum er eigentlich eingetreten war.
„Wie hätte ich denn früher fortgehn sollen? So fortgehn, ohne die Sache bis zu Ende durchgeführt zu haben, war unmöglich. Was würde man sagen? Man würde sagen, daß ich mich an unanständigen Orten herumtreibe. Und das würde ja auch so sein, wenn ich es, wie gesagt, nicht durchführte. Was wird aber morgen – bis dahin wird es ja schon überall bekannt sein – z. B. Stepan Nikiforowitsch sagen, und Ssemjon Iwanytsch? Und was wird man in der Kanzlei sagen? Und bei Schembels? Und bei Schubins? Nein, ich muß so fortgehen, daß sie alle begreifen, warum ich überhaupt gekommen bin, ich muß den moralischen Zweck meines Erscheinens klarlegen ...“ Und doch wartete er vergeblich auf den pathetischen Moment. „Sie achten mich ja nicht einmal,“ fuhr er fort, zu denken. „Worüber mögen sie jetzt nur lachen? Sie sind so lustig, als ob sie ganz gefühllos wären ... Ich habe es ja immer gesagt: die ganze neue Generation taugt nichts: gefühllos. Ich muß bleiben, was es auch koste, ich muß! ... Bis jetzt haben sie getanzt, hier aber bei Tisch sind sie alle beisammen ... Ich werde einfach von den Tagesfragen reden, hm! ... von den Reformen, der Größe Rußlands ... oh! ich werde sie schon fortreißen! Ja! Und vielleicht ist überhaupt noch nichts verloren ... Vielleicht ist es in der Wirklichkeit immer so. Womit soll ich nur beginnen, um sie sofort zu fesseln? Hm! man müßte so einen besonderen Kniff erfinden ... Ich weiß wirklich nicht ... Und was wollen sie nur, was verlangen sie eigentlich? ... Wie ich sehe, lachen sie dort schon wieder. Sollten sie etwa über mich ...? Grundgütiger Himmel! Aber was will ich denn ... warum bin ich denn hier, warum gehe ich nicht fort, was will ich eigentlich? ...“ Und plötzlich, noch als er das dachte, befiel ihn eine tiefe Scham, eine unerträgliche Scham, die ihm das Herz zu zerreißen drohte.
Es war nichts mehr zu machen: das war einfach Verhängnis.
Genau zwei Minuten nachdem er sich zu Tisch gesetzt hatte, überfiel ihn ein furchtbarer Gedanke, ein Gedanke, der ihm kalten Schweiß auf die Stirn herauspreßte. Er fühlte plötzlich, daß er furchtbar betrunken war, d. h. nicht so, wie vorher, sondern wirklich total betrunken, und zwar infolge des einen Schnapses, den er nach dem vielen Champagner hinuntergestürzt hatte, und der alsbald seine Wirkung tat. Er fühlte es mit seinem ganzen Bewußtsein, daß ihn alle Kräfte verließen. Den Mut verlor er zwar deswegen nicht im geringsten, im Gegenteil, der nahm sogar noch ungeheuer zu, aber sein Bewußtsein verließ ihn keinen Augenblick und schrie ihm ununterbrochen in das linke Ohr: „das ist schlecht, sehr schlecht, sehr schlecht und sogar ganz unanständig!“ Selbstverständlich blieben die trunkenen Gedanken nicht bei diesem einen Punkte stehn: in ihm tat sich plötzlich, fast greifbar für ihn selbst, eine Duplizität seines Ichs kund. Sein erstes Ich war: Mut, das Verlangen den Feind zu schlagen, zu siegen, und die verzweifelte Überzeugung, daß er sein Ziel noch erreichen würde. Das zweite Ich aber tat sich durch dumpfen, quälenden Kopfschmerz kund: „was wird man sagen? Wie wird das enden? Was wird morgen sein, morgen, morgen!? ...“
Zuerst fühlte er nur gewissermaßen stumpfsinnig, daß er unter den Gästen Feinde hatte. „Das kommt daher, daß ich auch vorhin betrunken war,“ dachte er unter peinigenden Zweifeln. Wie groß aber war sein Entsetzen, als er wirklich an unzweifelhaften Anzeichen einsehen mußte, daß er am Tisch tatsächlich Feinde hatte.
„Und weswegen nur? Weswegen?“ fragte er sich.
An diesem Tisch saßen alle Gäste, etwa dreißig an der Zahl, doch waren von ihnen einige schon ganz und gar „unterm Tisch“. Und die anderen führten sich so sonderbar auf, mit solch einer bösartigen Ungezwungenheit, schrieen, sprachen alle laut durcheinander, kündeten vorzeitig Toaste an, schossen mit Brotkugeln auf die Damen ihrer Vis-à-vis. Irgend ein Herr in einem fettigen Rock fiel, als er sich zu Tisch setzen wollte, unter den Tisch, wo er ruhig liegen blieb – vielleicht bis zum nächsten Morgen. Ein anderer wollte unbedingt auf den Tisch steigen, um einen Toast zu halten, und nur dem Offizier, der ihn an den Rockschößen ergriff, gelang es noch, ihn von seinem vorzeitigen begeisterten Vorhaben abzubringen. Das Essen war, was die Güte anbetraf, sehr verschiedenartig, obgleich man einen Koch, den Leibeigenen irgend eines Generals, um Rat und Hilfe gebeten hatte; es gab Eisbein, gebratene Zunge mit Kartoffeln, Fleischplätzchen mit grünen Erbsen, endlich gab es noch eine Gans und zum Schluß noch Blanc-manger. An Getränken hatte man Bier, Schnaps und Sherry. Die Champagnerflasche stand dicht vor seiner Exzellenz, was ihn zwang, sich wie Subikoff selbst einzugießen, besonders da letzterer bei Tisch nicht mehr aus eigener Initiative zu handeln wagte. Zu den Toasten auf das Wohl des jungen Paares war irgend ein roter Wein bestimmt. Der Tisch an und für sich bestand aus vielen Tischen, unter denen sich auch ein Kartentisch befand, und bedeckt waren sie gleichfalls mit vielen Tischtüchern, unter denen sich wiederum ein geblümtes jaroslawsches hervortat. Die Gäste saßen in bunter Reihe. Pseldonimoffs Mutter hatte nicht am Tisch sitzen wollen; sie hatte in der Küche zu tun. Dafür erschien ein anderes, aber bösartiges Frauenzimmer, das sich vorher nicht gezeigt hatte, in einem rotseidenen Kleide, mit verbundener Backe und entsetzlich hoher Haube. Es war das die Mutter der Neuvermählten. Sie hatte sich endlich herabgelassen, zum Essen zu erscheinen; bis dahin war sie nicht zu bewegen gewesen, das Hinterzimmer zu verlassen, und das nur infolge ihres unversöhnlichen Hasses auf die Mutter ihres Schwiegersohnes; aber darauf werde ich noch später zurückkommen. Exzellenz wurde von dieser Dame gehässig, ja fast spöttisch betrachtet, und augenscheinlich wollte sie ihm nicht einmal vorgestellt werden. Das schien ihm sehr verdächtig. Doch außer ihr gab es noch andere Gesichter, die ihm verdächtig schienen und nicht wenig Sorgen bereiteten. Es schien ihm sogar, daß sie sich alle untereinander gegen ihn verschworen hatten, und während des Essens überzeugte er sich noch immer mehr und mehr davon. Vor allen anderen erschien ihm sehr bösartig: ein Herr mit einem kleinen Bart – irgend ein freier Künstler –, der mehrmals Exzellenz ostentativ betrachtete und sich dann wieder an seinen Nachbar wandte, um ihm etwas Spaßhaftes ins Ohr zu flüstern. Zweitens, ein Jüngling, der allerdings ganz betrunken war, aber nach einigen Anzeichen zu urteilen, doch keine Sympathieen für ihn übrig zu haben schien. Dasselbe konnte man auch von dem Studenten der Medizin sagen. Und sogar der Offizier war nicht ganz zuverlässig. Doch ganz unverhohlenen Haß brachte ihm der Mitarbeiter des „Feuerbrandes“ entgegen: der lag so nachlässig auf seinem Stuhl, blickte so stolz und herausfordernd drein, lachte so frech und frei. Und als plötzlich ein großes, dickes, wohlgezieltes Brotkügelchen neben seinem Teller niederfiel, da war Exzellenz fest überzeugt und hätte seinen Kopf auf die Wette gesetzt, daß der Absender dieses Geschosses niemand anderes als dieser „Mitarbeiter“ gewesen war.
Alles das beeinflußte ihn natürlich in bedauerlicher Weise.
Besonders unangenehm war auch noch eine andere Beobachtung. Herr Pralinski überzeugte sich nämlich, daß es ihm bereits einige Schwierigkeiten machte, die Worte auszusprechen, daß er sehr vieles sagen wollte, die Zunge sich aber nicht mehr so ganz bewegen ließ; und darauf, daß er sich allmählich in Gedanken verlor und plötzlich ohne jeden Grund lachte. Dieser Zustand verging aber bald nach einem neuen Glase Champagner, das er sich zwar selbst eingegossen hatte, doch im Grunde überhaupt nicht hatte trinken wollen, und das er dann plötzlich doch ganz in Versehen hinabstürzte. Darauf hätte er am liebsten geweint. Er fühlte, daß ihn wieder die exzentrischste Sentimentalität überkam, daß er wieder bereit war, alle zu lieben, alle, alle, selbst Pseldonimoff, selbst den Mitarbeiter des „Feuerbrandes“. Er wollte ihnen um den Hals fallen, sich mit ihnen versöhnen, alles vergessen. Ja, er wollte ihnen sogar alles erzählen, alles, alles, d. h. was für ein guter und lieber Mensch er war, welche prachtvollen Gaben er hatte, wie er dem Vaterlande nützlich sein würde, wie er die Damen zu unterhalten verstände und vor allen Dingen, welch ein Fortschrittler er wäre, wie human, wie bereit, zu allen hinabzusteigen, selbst zu den allerniedrigsten; er war sogar bereit, ihnen aufrichtig alle Motive zu erzählen, die ihn bewogen hatten, uneingeladen bei Pseldonimoff zu erscheinen, bei ihm zwei Flaschen Champagner auszutrinken und ihn dafür mit seiner Gegenwart zu beglücken.
„Die Wahrheit, die heilige Wahrheit vor allen anderen Dingen und die Aufrichtigkeit! Das ist’s: mit Aufrichtigkeit werde ich sie nehmen. Sie werden mir sofort Glauben schenken, ich sehe es schon kommen. Jetzt blicken sie noch feindselig, wenn ich ihnen aber alles sage, werde ich sie alle besiegen. Sie werden ihre Gläser füllen und sie mit einem Hoch auf mich austrinken. Der Offizier wird sein Glas natürlich an seinem Sporn zerschlagen. Sie könnten meinetwegen sogar Hurra schreien. Ja, selbst wenn sie mich auf Husarenart aufheben wollen, werde ich es ihnen nicht verbieten; es würde sich sogar sehr gut machen. Die Junge küsse ich dann auf die Stirn; sie ist doch wirklich ganz nett. Dieser Subikoff ist auch ein guter Mensch. Pseldonimoff wird sich mit der Zeit natürlich bessern. Ihm fehlt noch, wie man sagt, der gesellschaftliche Schliff. ... Und obgleich der ganzen neuen Generation diese gewisse Herzensvornehmheit abgeht, so ... aber ich werde von der gegenwärtigen Bedeutung Rußlands unter den anderen Mächten reden. Werde auch die Bauernfrage erwähnen, ja, und ... und alle werden sie mich lieben und ich werde als Sieger dieses Haus verlassen! ...“
Diese Gedanken waren natürlich sehr angenehm, aber unangenehm war nur, daß er plötzlich zwischen all diesen rosaroten Hoffnungen ganz unerwartet eine neue Eigenschaft an sich entdeckte, nämlich: unbewußt zu spucken. Wenigstens sah er, wenn er sprach, daß sein Speichel ganz gegen seinen Willen nur so spritzte. Zum ersten Mal bemerkte er es im Gespräch mit Subikoff, dem er plötzlich die Wange total bespritzte und der vor lauter Ehrfurcht nicht wagte, sie sich abzuwischen. Da nahm denn Exzellenz seine Serviette und wischte ihm selbst die Wange ab. Doch im selben Augenblick schien ihm was er tat dermaßen ungereimt, dermaßen gegen alle gesunde Vernunft, daß er verstummte und aus einer Verwunderung in die andere geriet. Subikoff saß wie abgebrüht auf seinem Stuhl. Da erinnerte sich Herr Pralinski, daß er schon seit einer Viertelstunde über ein äußerst interessantes Thema zu ihm sprach, dieser Subikoff aber, wenn er auch zuhörte, doch verlegen zu sein schien oder gar sich vor irgend etwas fürchtete. Pseldonimoff, der einen Stuhl weiter von ihm saß, streckte gleichfalls seinen langen Hals näher zu ihm und hörte mit dem allerunangenehmsten Gesichtsausdruck zu. Nein, es hatte wirklich den Anschein, als fühlte sich sein Registrator verpflichtet, auf ihn acht zu geben. Er überflog die Gäste mit seinem Blick und bemerkte, daß viele ihn ansahen und auslachten. Das Sonderbare war dabei nur, daß es ihn nicht im geringsten verwirrte; er tat noch einen Schluck aus seinem Glase und hob plötzlich laut zu sprechen an:
„Ich habe schon einmal gesagt,“ begann er möglichst laut, „meine Damen und Herren, ich habe schon einmal gesagt, und soeben habe ich es auch Akim Petrowitsch gesagt, daß Rußland ... ja, gerade Rußland ... mit einem Wort, Sie verstehen, was ich sa-sa-sagen will ... Rußland durchlebt jetzt, wenigstens meiner festen Überzeugung nach, eine Epoche der Hu-hu-manität ...“
„Hu-hu-humanität!“ tönte es vom anderen Tischende zurück.
„Huhuhuu!“
„Tututuu!“
Exzellenz verstummte. Pseldonimoff erhob sich und blickte streng hinüber: er wollte wissen, wer es geschrieen hatte. Subikoff schüttelte gleichsam heimlich ein wenig den Kopf, als ob er die Gäste warnen wollte. Exzellenz bemerkte es wohl, schwieg aber unter seinen Qualen.
„Humanität!“ fuhr er hartnäckig fort, „und vorhin, gerade vorhin sagte ich Stepan Niki–ki–fo–rowitsch ... ja, ... daß ... daß die Erneuerung, wie man sagt, der ...“
„Exzellenz!“ ertönte es laut am anderen Tischende.
„Wie beliebt?“ fragte der unterbrochene Redner, bemüht den Schreier zu entdecken.
„Nichts, Exzellenz, ich meinte nur so. Fahren Sie fort! Fah–ren–Sie–fort!“ ertönte von neuem dieselbe Stimme.
Herr Pralinski fühlte sich gekränkt, aber doch nicht allzu sehr.
„Die Erneuerung, wie man sagt, dieser selben ...“
„Exzellenz!“ rief die Stimme von neuem.
„Was wollen Sie?“
„Leben Sie hoch!“
Da hielt es Herr Pralinski nicht mehr aus. Er verstummte und wandte sich mit strenger Miene an den Friedensstörer und Beleidiger. Es war ein junger Gymnasiast, der viel getrunken hatte und große Befürchtungen erregte. Er hatte schon ein Glas und zwei Teller zerschlagen, unter dem Vorwande, daß man es auf einer Hochzeit so tun müsse. Als Herr Pralinski sich an ihn wandte, wies ihn der Offizier streng zur Ruhe.
„Was fehlt Dir eigentlich? Warum brüllst Du? Wenn Du nicht schweigst, werde ich Dich vor die Tür setzen!“
„Nicht von Ihnen, Exzellenz, nicht von Ihnen ist hier die Rede! Fahren Sie fort!“ schrie der heitere Schuljunge, auf seinem Stuhl in ungenierter Pose zurückgelehnt. „Fahren Sie fort, ich höre zu und bin mit Ihnen sehr zufrieden! Großartig, groß–artig!“
„Ein betrunkener Schulbub!“ raunte Pseldonimoff seinem Vorgesetzten zu.
„Das sehe ich, aber ...“
„Ich habe ihm vorhin eine Geschichte erzählt, Exzellenz,“ begann der Offizier, „von einem Leutnant unseres Regiments, der genau so mit seinem Vorgesetzten sprach; und jetzt kopiert er ihn. Zu allem, was sein Regimentschef sprach, sagte er: ‚groß–artig, groß–artig!‘ Dafür wurde er denn vor zehn Jahren aus dem Dienst entlassen.“
„Wa–wa–was ist denn das für ein Leutnant?“
„Ein Leutnant unseres Regiments, Exzellenz. Er war auf dem ‚groß–artig‘ einfach übergeschnappt. Zuerst bekam er Hausarrest, dann Verweise und dann Karzer ... Der Regimentschef redete ihm wie ein Vater zu, er aber sagt ihm: ‚groß–artig, groß–artig!‘ Und sonderbar: er war wirklich ein mutiger Offizier. Man wollte ihn schließlich vor’s Gericht stellen, aber da stellte es sich von selbst heraus, daß er irrsinnig war ...“
„Das bedeutet also ... ein Schuljunge. Für Schuljungenstreiche braucht man auch nicht so streng ... Ich bin meinerseits bereit, zu verzeihen ...“
„... was die Ärzte auch sofort bestätigten.“
„A–ber er war doch ganz lebendig? Wie, wie konnte man ihn denn anatomieren?“
Eine laute Lachsalve erhob sich. Das hatten sich die Gäste bis dahin denn doch noch nicht erlaubt! Exzellenz wurde wild.
„Meine Herren! Meine Damen und Herren!“ rief er, ohne auch nur ein einziges Mal zu stottern. – „ich weiß es sehr gut, daß man einen lebendigen Menschen nicht anatomieren kann. Ich nahm, wie gesagt, nur an, daß er im Wahnsinn nicht mehr lebendig war ... das heißt, schon gestorben war ... das heißt, ich meine nur ... daß Sie mich nicht lieben ... Ich aber liebe Sie alle ... ja, und ich liebe auch Dich, Por... Porfirij ... Ich erniedrige mich, wenn ich so spreche ...“
In dem Augenblick spritzte aber wieder Speichel von seinen Lippen und flog auf das Tischtuch – gerade auf die sichtbarste Stelle. Pseldonimoff stürzte sofort herbei, um abzuwischen. Dieses letzte Unglück vernichtete seine Exzellenz vollständig.
„Nein, das ist zu viel!“ rief er verzweifelt.
„Nur ein betrunkener Schuljunge, Exzellenz!“ flüsterte ihm wieder Pseldonimoff zu.
„Porfirij! Ich sehe, daß Ihr ... alle ... alle ... ja! Ich sage, daß ich hoffe ... ja, ich fordere alle auf, zu sagen: wodurch habe ich mich erniedrigt?“
Exzellenz war dem Weinen nahe.
„Aber Exzellenz! Wie kommen Exzellenz auf so etwas!“
„Porfirij, ich wende mich an Dich. – Sage, warum ich gekommen bin ... ja ... ja, auf die Hochzeit, ich hatte doch ein Ziel! Ich wollte moralisch erheben ... ich wollte, daß man fühlt ... Ich wende mich an alle: verehrte Anwesende! Bin ich in Ihren Augen sehr gesunken oder nicht?“
Grabesschweigen. Aber das war ja das Unglück, daß auf seine kategorische Frage nur allgemeines Schweigen die Antwort war. „Was würde es sie kosten, jetzt hurra zu schreien!“ zuckte es Exzellenz durch den Kopf. Aber die Gäste tauschten nur stumm vielsagende Blicke untereinander aus. Subikoff war weder tot noch lebendig und klammerte sich nur krampfhaft an seinen Stuhl; Pseldonimoff stellte sich, stumm vor Schreck, immer wieder die furchtbare Frage:
„Was wird mit mir dafür morgen geschehn?“
Plötzlich wandte sich der Mitarbeiter des „Feuerbrand“, der schon längst betrunken war, doch bis dahin in finsterem Schweigen vor sich hin gebrütet hatte, direkt an seine Exzellenz und antwortete im Namen der ganzen Gesellschaft:
„Ja!“ rief er mit lauter Stimme und seine Augen glänzten. „Ja! Sie haben sich erniedrigt, Sie sind ein ... Reaktionär!“
„Junger Mann, besinnen Sie sich! Mit wem Sie, wie man sagt, sprechen!“ rief heftig Herr Pralinski und sprang wieder von seinem Platz auf.
„Mit Ihnen, und zweitens bin ich kein ‚junger Mann‘ ... Sie sind hergekommen, um hier eine schöne Rolle zu spielen, um populär zu werden.“
„Pseldonimoff, was bedeutet das!“ schrie Exzellenz außer sich.
Pseldonimoff sprang in solch einem Entsetzen auf, daß er zuerst steif und betäubt stehen blieb, und nicht wußte, was er tun sollte. Die Gäste verstummten gleichfalls auf ihren Plätzen. Der freie Künstler und der Schüler klatschten Beifall und schrien „bravo, bravo!“
Der Mitarbeiter aber fuhr in unbändigem Eifer fort zu schreien:
„Ja, Sie sind hergekommen, um Ihre Humanität zu beweisen! Sie haben das allgemeine Vergnügen gestört! Sie haben Champagner getrunken und nicht bedacht, daß Champagner viel zu teuer ist für einen Beamten, der zehn Rubel monatlich erhält, und ich vermute sogar, daß Sie zu jenen Vorgesetzten gehören, die auf die jungen Frauen ihrer Untergebenen geschliffen sind! Ja, und ich bin sogar überzeugt, daß Sie Schmiergelder nehmen ... Ja, ja, ja!“
„Pseldonimoff, Pseldonimoff!“ rief Exzellenz und streckte in der Verzweiflung die Arme nach ihm aus. Er fühlte, daß jedes Wort des Mitarbeiters ein neuer Dolchstich für sein Herz war.
„Sofort, Exzellenz, beunruhigen Sie sich nicht!“ rief energisch der wieder zu sich gekommene Pseldonimoff, lief zum Mitarbeiter, packte ihn am Kragen und schleifte ihn hinaus. Solch eine physische Kraft hätte niemand von dem schwächlichen Pseldonimoff erwartet. Der Mitarbeiter war aber sehr betrunken und Pseldonimoff vollkommen nüchtern. Darauf gab er ihm noch einige Rippenstöße und schloß dann die Tür hinter ihm zu.
„Alle seid Ihr Schufte!“ schrie der Mitarbeiter hinter der Tür. „Ich werde Euch morgen alle im ‚Feuerbrand‘ karrikieren! ...“
Erregt sprangen sofort alle auf.
„Exzellenz, Exzellenz!“ riefen Pseldonimoff, seine Mutter und noch einige Gäste, die sich um den Ehrengast drängten, „Exzellenz! Beruhigen Sie sich!“
„Nein, nein!“ rief Exzellenz, „ich bin vernichtet ... Ich kam ... ich wollte, sozusagen, taufen. Und das! Das habe ich dafür ... für alles, für alles! ...“
Er sank halb bewußtlos wieder auf seinen Stuhl, legte beide Arme auf den Tisch und beugte seinen Kopf auf sie nieder – d. h. gerade auf seinen Teller mit Blanc-manger. Ich glaube, es ist überflüssig, das allgemeine Entsetzen zu beschreiben. Nach einer Minute erhob er sich wieder, augenscheinlich in der Absicht fortzugehn, wankte aber, stieß an einen Stuhlfuß und fiel der Länge nach platt hin.
Das geschieht zuweilen mit Nichttrinkern, wenn sie sich einmal zufällig angetrunken haben. Bis ins Kleinste, bis zum letzten Augenblick behalten sie ihr Bewußtsein, dann aber fallen sie plötzlich wie vom Blitz getroffen hin. Exzellenz lag vollkommen bewußtlos auf dem Boden. Pseldonimoff fuhr sich in die Haare und erstarrte in dieser Bewegung. Die Gäste beeilten sich, nach Haus zu gehn, und alle sprachen sie über das Vorgefallene. Es war schon gegen drei Uhr morgens.
Das wirklich Schlimme war nur, daß die Verhältnisse Pseldonimoffs viel schlechter waren, als man es sich damals hätte denken können, ganz abgesehen selbst von der Peinlichkeit seiner Lage am Hochzeitstage.
Noch vor einem Monat hatte er im aussichtslosesten Elend gelebt. Er stammte aus der Provinz, wo sein Vater Beamter gewesen war. Fünf Monate vor seiner Heirat, nachdem er sich ein ganzes Jahr lang vorher brotlos in Petersburg herumgetrieben, hatte er schließlich diese Stelle von zehn Rubel monatlich erhalten. Er wäre körperlich und geistig wiedererstanden, wenn sich nicht bald darauf seine Verhältnisse wieder verschlimmert hätten. Auf der Welt gab es im ganzen nur zwei Pseldonimoffs, ihn und seine Mutter, die nach dem Tode ihres Mannes die Provinz verlassen hatte. Mutter und Sohn waren beide obdachlos, und wären in der Kälte beinahe elend umgekommen: sie nährten sich nur von zweifelhaften Dingen. Auch gab es Tage, an denen Pseldonimoff selbst mit einem Krug zur Fontanka ging, um mit dem schmutzigen Flußwasser seinen Durst zu stillen. Als er die Stelle erhalten hatte, mietete er mit seiner Mutter einen Winkel. Sie wurde Wäscherin und er sparte drei, vier Monate, bis er sich ein Paar Stiefel und einen Paletot kaufen konnte. Und wieviel Unangenehmes mußte er in der Kanzlei erdulden: Vorgesetzte erkundigten sich bei ihm, ob er auch eine Badstube kannte? Über ihn verbreitete sich das Gerücht, daß im Kragen seiner Uniform sich Wanzen Nester bauten. Aber Pseldonimoff hatte einen festen Charakter. Er war ein friedlicher und stiller Mensch; seine Bildung war nur sehr gering, und sprechen hörte man ihn fast nie. Daher konnte man auch nicht wissen, ob er dachte, ob er Pläne machte und Systeme baute oder sich nach irgendetwas sehnte. Zum Ersatz dafür hatte sich aber bei ihm instinktiv der feste Entschluß entwickelt, sich aus dieser schlechten Lage herauszuarbeiten. Er besaß eine wahrhaft ameisenhafte Zähigkeit: zerstört man den Ameisen ihr Nest, so fangen sie bekanntlich sofort an, sich ein neues zu bauen, zerstört man auch dieses, so bauen sie sich wieder ein neues, und so weiter unermüdlich. Er war ein aufbauender und häuslicher Charakter. Es stand auf seiner Stirn geschrieben, daß er sich doch sein Nest bauen und vielleicht noch Vorräte ansammeln würde. Auf der ganzen Welt liebte ihn nur seine Mutter, die aber liebte ihn bis zur Grenzenlosigkeit. Sie war gleichfalls eine Frau von Charakter, war unermüdlich arbeitsam und von großer Güte. So hätten sie in ihrem Winkel unter diesen Verhältnissen vielleicht noch fünf oder sechs Jahre gelebt, wenn sie nicht mit dem Titularrat außer Diensten, dem alten Mlekopitajeff zusammengetroffen wären, der auch früher einmal in der Provinz gelebt und sich erst in letzter Zeit mit seiner Familie in Petersburg niedergelassen hatte. Mit Pseldonimoff war er bekannt und seinem Vater sogar einmal verpflichtet gewesen. Er war bemittelt, allerdings nicht sehr, wieviel er aber in Wirklichkeit besaß, das wußte Niemand, weder seine Frau, noch seine Tochter, noch sonst seine Verwandten. Er hatte zwei Töchter und da er ein eingebildeter Trunkenbold, ein Haustyrann und außerdem noch ein kranker Mensch war, so fiel es ihm plötzlich ein, die eine Tochter mit Pseldonimoff zu verheiraten: „Ich kenne ihn, sein Vater war ein guter Mensch, also wird auch er ein guter Mensch sein.“ Und was Mlekopitajeff wollte, das führte er auch durch: gesagt – getan. Er war ein sonderbarer Kauz. Den größten Teil seines Lebens brachte er im Lehnstuhl zu, da er sich infolge einer Krankheit seiner Beine kaum bedienen konnte, was ihn indessen nicht hinderte, Schnaps zu trinken. Tagelang konnte er trinken und – schimpfen. Da er ein boshafter Mensch war, so mußte er immer irgend jemanden haben, den er ununterbrochen quälen konnte. Zu diesem Zweck unterhielt er bei sich einige entferntere Verwandte: seine Schwester, die ebenfalls krank und zänkisch war, zwei Schwestern seiner Frau, die der seinen in nichts nachstanden, und eine alte Tante, die sich bei irgendeiner Gelegenheit einmal eine Rippe gebrochen hatte. Dann gab es dort noch eine verrußte Deutsche, die er gleichfalls unentgeltlich bei sich hielt, weil sie ihm so schöne Märchen „aus Tausend und einer Nacht“ zu erzählen wußte. Sein ganzes Vermögen bestand darin, diese unglücklichen freien Kostgänger jeden Augenblick und bei jeder Gelegenheit zu schimpfen und aufzusticheln, seine Frau übrigens nicht ausgenommen, – ein Wesen, das mit Zahnschmerzen bereits auf die Welt gekommen war –, und sie alle wagten ihm nicht ein Wort zu erwidern. Er hetzte sie auch gegeneinander auf, erfand und verbreitete unter ihnen Klatschgeschichten und lachte und freute sich dann, wenn sie sich gegenseitig beinahe in die Haare gerieten. Ebenso freute er sich sehr, als seine älteste Tochter, die mit einem armen Offizier verheiratet gewesen war und zehn Jahre in der größten Armut gelebt hatte, jetzt als Witwe mit drei kleinen Kindern zu ihm übersiedelte. Ihre Kinder konnte er zwar nicht leiden, da sich aber dadurch das Material zu seinen täglichen Experimenten vergrößerte, so war der Alte schließlich doch ganz zufrieden damit. Diese Sammlung böser Weiber und kranker Kinder lebte samt ihrem Peiniger zusammen gedrängt in dem Holzhause auf der Petersburger Seite, konnte sich weder sattessen, denn der Alte war geizig und gab nur kopekenweise das Geld her, obgleich er sonst zum Schnaps immer genügend Geld hatte, noch sich ausschlafen, denn der Greis litt an Schlaflosigkeit und wollte unterhalten und zerstreut werden. Kurz, alle verwünschten sie ihr Schicksal. Und da war es denn, daß ihm plötzlich Pseldonimoff auffiel. Er war erstaunt über dessen lange Nase und ergebenen Gesichtsausdruck. Seine kränkliche und unansehnliche jüngere Tochter erreichte gerade das Alter von siebzehn Jahren. Wenn sie auch früher einmal so etwas wie eine deutsche Schule besucht hatte, so hatte sie es doch nicht weiter als bis zum Lesen und Schreiben gebracht. Sie wuchs auf, mager und skrophulös, unter dem Krückstock eines betrunkenen Vaters, in einem Sodom von häuslichen Klatschereien, Spionage und Verleumdungen. Freundinnen hatte sie niemals gehabt. Sie war zu allem zu dumm. Heiraten wollte sie aber schon längst. In Gegenwart von fremden Menschen sprach sie kein Wort, zu Hause aber war sie böse und zänkisch wie eine kleine Viper. Besonders liebte sie die Kinder ihrer Schwester zu kneifen und zu stoßen, sie anzugeben, wenn sie Zucker oder Brot gestohlen hatten, weshalb denn zwischen ihr und der älteren Schwester ein ewiges unerbittliches Gezänk war. Der Alte selbst bot seine Tochter Pseldonimoff an. Wie sehr sich dieser darüber auch unglücklich fühlte, so bat er sich doch eine Bedenkzeit aus. Lange berieten Mutter und Sohn miteinander, was zu tun war. Aber das Haus wurde auf den Namen der Braut geschrieben und wenn es auch ein unansehnliches einstöckiges Holzhaus war, so hatte es doch immerhin einen Wert. Außerdem bekam sie auch noch vierhundert Rubel Mitgift, wie aber sollte man sich die je zusammensparen! „Ich nehme mir diesen Menschen in’s Haus,“ schrie der betrunkene Alte, „erstens weil ihr alle Weiber seid und das Weibspack allein langweilt mich. Ich will, daß auch Pseldonimoff nach meiner Flöte tanzt, weil ich sein Wohltäter bin. Zweitens, nehme ich ihn darum, weil Ihr ihn alle nicht wollt und Euch darüber ärgert. Und so nehme ich ihn denn Euch zum Trotz. Was ich aber gesagt habe, das werde ich auch ausführen. Du aber, Pseldonimoff, haue sie, wenn sie Deine Frau wird; ihr sitzen von Geburt an sieben Teufel im Leibe. Jage sie alle hinaus!“
Pseldonimoff schwieg, er hatte sich entschlossen. Man nahm ihn und seine Mutter bereits vor der Hochzeit ins Haus, wusch und kleidete sie und gab ihnen Geld. Der Alte protegierte sie vielleicht nur darum, weil die ganze Familie sich über sie ärgerte. Pseldonimoffs Mutter gefiel ihm sogar sehr und er enthielt sich ihr gegenüber jeglicher Gemeinheiten. Übrigens, ihrem Sohn befahl er alsbald, vor ihm den Kasatschock zu tanzen. „Nun, genug, ich wollte nur sehn, ob Du Dich mir gegenüber vergessen wirst,“ sagte er, nachdem er sich am Tanzen sattgesehen hatte. Geld zur Hochzeit gab er wie es sich gehörte und er lud sogar alle seine Verwandten und Bekannten ein. Von Seiten Pseldonimoffs waren der Mitarbeiter des „Feuerbrandes“ und Akim Petrowitsch Subikoff die Ehrengäste. Pseldonimoff wußte es sehr gut, daß seine Braut für ihn nur Widerwillen empfand und daß sie den langen Leutnant heiraten wollte, nicht aber ihn. Er ließ jedoch alles über sich ergehn, – das hatte er mit der Mutter so verabredet. Den ganzen Tag über und selbst am Hochzeitsabend noch hatte der Alte mit den gemeinsten Worten geschimpft und wieder gehörig getrunken. Die ganze Familie hatte sich des Festes wegen in die hinteren Zimmer zurückgezogen, wo es bis zum Ersticken heiß und eng war. Die vorderen Zimmer dagegen waren zum Tanz und Festessen bestimmt. Endlich, als der Alte vollständig betrunken einschlief, ungefähr um elf Uhr Abends, entschloß sich die Mutter der Braut, die sich diesen Tag ganz besonders schlecht zur Mutter Pseldonimoffs verhalten hatte, den Ärger in Güte zu verwandeln und sich am Fest zu beteiligen. Das Erscheinen seiner Exzellenz verdarb aber alles. Frau Mlekopitajeff verlor die Fassung, fühlte sich beleidigt und schimpfte, warum man es ihr nicht gesagt, daß man seine Exzellenz eingeladen hatte. Man versicherte ihr, daß er von selbst, uneingeladen gekommen wäre – sie aber war so dumm, daß sie es nicht glauben wollte. Man mußte Champagner reichen. Bei der Mutter fand sich noch ein Rubel Silber, Pseldonimoff selbst aber hatte keine Kopeke mehr. Man mußte also die alte wütende Mlekopitajeff anflehen, Geld für die eine und dann noch für die zweite Flasche zu geben. Man hielt ihr die Zukunft, die Karriere ihres Schwiegersohnes vor, die man durch solche Verbindungen machen könnte und sie gab denn auch zu guter Letzt von ihrem eigenen Gelde, doch mußte Pseldonimoff einen so bitteren Kelch dabei leeren, daß er wie wahnsinnig ins Zimmer lief, wo das Ehebett schon bereitet war, und sich mit beiden Händen sein Haar raufte und seinen Kopf in die schönen Kissen preßte, die doch nur zu paradiesischen Genüssen bestimmt waren, und vor ohnmächtiger Wut am ganzen Körper zitterte. Ja, Exzellenz ahnte es nicht, was diese zwei Flaschen Sekt, die er am Abend getrunken, gekostet hatten! Wie groß aber war das Entsetzen Pseldonimoffs, sein Kummer und seine Verzweiflung, als es mit seiner Exzellenz auf solche Weise endete! Wieder standen ihm die größten Sorgen bevor und die ganze Nacht über mußte er den Tränen seiner kapriziösen jungen Frau und den Vorwürfen der dummen Verwandten Widerstand leisten. Ihn schmerzte schon sowieso der Kopf und es wurde ihm schwarz vor den Augen. Aber man mußte doch seiner Exzellenz zu Hilfe eilen, mußte ihm doch um drei Uhr morgens einen Arzt und einen festen Wagen suchen, denn auf einem kleinen offenen Schlitten konnte man solch eine Persönlichkeit und in solch einem Zustande nicht nach Hause bringen. Und woher das Geld für den Wagen nehmen? Die Mlekopitajeff, die darüber wütend war, daß der „General“ ihr nicht ein Wort gesagt noch sie bei Tisch angesehen hatte, erklärte einfach, sie hätte keine Kopeke mehr. Vielleicht hatte sie auch wirklich keine mehr. Wo also sollte man das Geld hernehmen? Was sollte man machen? Ja, es war genug Grund vorhanden, sich die Haare zu raufen.
Vorläufig hob man seine Exzellenz auf ein kleines Ledersofa, das im Speisezimmer stand, und während man im Zimmer Ordnung schaffte und alles abräumte, lief Pseldonimoff vom Einen zum Andern, um Geld aufzutreiben. Zuerst versuchte er es bei der Magd, doch stellte es sich heraus, daß niemand welches hatte. Er wagte es sogar Akim Petrowitsch Subikoff, der noch nicht fortgegangen war, zu beunruhigen. Der aber geriet in solch eine Verwirrung, wenn er auch sonst ein guter Mensch war, und erschrak dermaßen, als von Geld die Rede war, daß er den unglaublichsten Unsinn zusammensprach:
„Ein anderes Mal werde ich mit Vergnügen,“ murmelte er, „... aber jetzt ... wirklich, entschuldigen Sie mich ...“
Er nahm seine Mütze und lief so schnell als möglich zum Hause hinaus. Schließlich blieb nur noch der gutmütige Jüngling übrig, der von dem Traumbuch erzählt hatte. Auch er war länger zurückgeblieben und nahm an dem Unglück Pseldonimoffs herzlichen Anteil. Alle drei beschlossen sie, nicht mehr nach dem Doktor, sondern nur nach einem Wagen zu schicken, um den Kranken in seine Wohnung überzuführen, sonst aber an ihm Hausmittel anzuwenden: die Schläfen und den Kopf mit kaltem Wasser abzureiben, Eiskompressen zu machen und Ähnliches. Das übernahm die Mutter Pseldonimoffs. Der Jüngling aber lief davon, um den Wagen zu besorgen. Da aber auf der Petersburger Seite um diese Zeit nicht einmal Schlitten zu finden waren, so mußte er sich auf einen weit entfernten Droschkenhof begeben und dort erst die Kutscher aufwecken. Man handelte und sprach noch lange hin und her, daß fünf Rubel zu solch einer Stunde für einen geschlossenen Wagen zu wenig wären. Indessen kam man doch mit drei Rubeln überein. Als aber der Jüngling um vier Uhr morgens mit dem Wagen bei Pseldonimoff vorfuhr, hatten sie ihren Entschluß schon längst geändert. Es erwies sich, daß Herr Pralinski, der noch immer nicht zu sich kam, so schwer erkrankt war, so ächzte und stöhnte und sich hin und her warf, daß es einfach unmöglich und viel zu gewagt schien, ihn in solch einem Zustande nach Hause zu fahren.
„Was wird aus alledem noch werden?“ rief Pseldonimoff immer wieder fassungslos.
Was sollte man tun? Es stellte sich jetzt eine neue Frage: wenn man ihn nun einmal im Hause behalten mußte, wo sollte man ihn dann betten? Im ganzen Hause waren nur zwei Betten: ein großes zweischläfriges Bett, in dem der alte Mlekopitajeff und seine Frau schliefen, und das neugekaufte zweischläfrige Bett, das für die Neuvermählten bestimmt war. Alle anderen Einwohner oder richtiger Einwohnerinnen des Hauses schliefen auf dem Fußboden, d. h. auf Matratzen, die meistens sehr zerrissen waren, aber auch diese waren alle besetzt. Wohin sollte man den Kranken legen? Ein Federbett würde sich zur Not noch haben finden lassen, man hätte es im äußersten Falle unter irgend einer Schläferin hervorgezogen, aber wo und worauf sollte man ihn betten? Im Saal natürlich, da es das entlegenste Zimmer war, von dem Familiennest etwas weiter entfernt lag und einen besonderen Ausgang hatte. Aber worauf betten? Doch nicht etwa auf Stühlen? Bekanntlich wird den Gymnasiasten, wenn sie am Sonnabend Abend aus der Schule zum Sonntag nach Hause kommen, auf Stühlen eine Schlafstelle bereitet, – aber solch einer Persönlichkeit gegenüber wäre das ja einfach unerhört respektlos gewesen. Was würde er am nächsten Morgen sagen, wenn er sich auf Stühlen gebettet fände? Pseldonimoff wollte davon überhaupt nichts hören. Es blieb nur eines übrig: ihn auf das Bett der Neuvermählten zu bringen. Dieses Brautlager war, wie ich schon erwähnte, in einem kleinen Raum neben dem Speisezimmer hergerichtet. Auf dem Bett war eine neue zweischläfrige Matratze, reine Wäsche, vier Kissen aus rosa Kaliko mit weißen Musselinschleiern, die mit Rüschen besetzt waren. Die rosa Atlasdecke war mit Mustern bestickt. Aus einem goldenen Ring hingen Musselin-Bettvorhänge von oben herab. Mit einem Wort, es war wie es sein mußte, und die Gäste, die sich fast alle das Brautgemach angesehn hatten, waren von der Einrichtung sehr entzückt gewesen. Die Braut aber lief während des Abends, obgleich sie Pseldonimoff nicht leiden konnte, einige Mal hierher, um es sich anzusehn. Man kann sich denken, wie groß ihr Unwille, ihre Wut war, als sie erfuhr, daß man auf ihrem Brautbett den Kranken, der vielleicht sogar an der Cholera erkrankt war, betten wollte! Auch ihre Mutter trat für sie ein, schimpfte gehörig und versprach am anderen Tage sich bei ihrem Manne zu beklagen: aber Pseldonimoff blieb dabei und bestand darauf: Exzellenz wurde aufs Bett gebracht und den Neuvermählten bereitete man im Gastzimmer ein Lager auf Stühlen. Die Neuvermählte weinte, war bereit, alle zu kneifen, wagte aber doch nicht zu widersprechen: sie wußte, daß Papachen einen Krückstock hatte, und der war ihr nur zu gut bekannt, und sie wußte gleichfalls, daß Papachen am nächsten Tage Rapport verlangen würde. Zu ihrer Beruhigung brachte man ihr noch die rosa Decke und die Kissen mit den Musselinbezügen. In demselben Augenblick kam der Jüngling mit dem Wagen an, und als er erfuhr, daß der Wagen nicht mehr nötig war, erschrak er furchtbar. Er mußte also den Wagen bezahlen, obgleich er in seinem ganzen Leben noch keine zehn Kopeken besessen hatte. Pseldonimoff erklärte sich für vollkommen bankerott. Man versuchte den Kutscher zu bereden, doch wollte der von alledem nichts wissen, er wütete nur und schrie. Womit das endete – weiß ich nicht genau. Ich glaube, der Jüngling begab sich sozusagen als Gefangener des Kutschers im Wagen in den Stadtteil Peski, wo er einen ihm bekannten Studenten, der bei Bekannten übernächtigte, aufzuwecken und anzupumpen gedachte. Es war schon fünf Uhr morgens, als man die Neuvermählten allein ließ und sie sich im Wohnzimmer einschlossen. Am Bette des Kranken blieb die alte Pseldonimoff. Sie wickelte sich in einen Pelz und legte sich auf den Teppich neben dem Bett, aber schlafen konnte sie nicht, denn sie war gezwungen, alle Augenblicke aufzustehn: Exzellenz litt an einem furchtbar verdorbenen Magen. Frau Pseldonimoff, eine tapfere und großmütige Frau, entkleidete ihn eigenhändig, pflegte ihn wie ihren eigenen Sohn und brachte die ganze Nacht über das nötige Geschirr hinaus und wieder zurück. Indessen hatten die peinlichen Überraschungen dieser Nacht noch lange nicht ihr Ende erreicht.
Es waren, seitdem man das junge Ehepaar allein gelassen hatte, noch keine zehn Minuten vergangen, als man plötzlich ein ohrenzerreißendes Geschrei hörte, keinen Schrei des Entzückens, nein, sondern ein sehr boshaftes Gekreisch. Nach dem Geschrei hörte man Lärm und Gepolter wie ein Fallen von Stühlen und im Augenblick stürzte völlig unerwartet in das dunkle Zimmer eine ganze Eskadron erschrockener und jammernder Frauen herein, die alle in den unmöglichsten Nachtkostümen staken. Diese Frauen waren: die Mutter der Jungen, deren ältere Schwester, die in diesem Moment selbst ihre drei kranken Kinder verlassen hatte, drei Tanten, darunter auch die eine mit der gebrochenen Rippe, ja sogar die Köchin war dabei, und auch die Deutsche, die so schöne Märchen erzählen konnte, und der man das einzige, was sie besaß, nämlich ihre Matratze, – die beste im ganzen Haus – unten weggezogen hatte, um sie dem jungen Paar zu geben, auch sie stürzte mit den Andern zusammen herein. Alle diese achtenswerten Frauen hatten sich schon seit einer Viertelstunde auf den Zehenspitzen herangeschlichen, um aus einer ganz unerklärlichen Neugier an der Tür zu lauschen. Man machte also sofort Licht und ihnen allen bot sich ein ganz unerwartetes Schauspiel. Die Stühle, von denen die breite Matratze nur an den Rändern gestützt worden war, hatten der doppelten Schwere nicht Widerstand leisten können und waren auseinander gerutscht, die Matratze war daher zwischen ihnen auf den Fußboden gesunken. Die junge Frau weinte vor Wut, dieses Mal war sie wirklich tief gekränkt. Moralisch vernichtet und wie ein Verbrecher stand der arme Pseldonimoff da – öffentlich der Gemeinheit überführt. Er vermochte nicht einmal sich zu verteidigen. Von allen Seiten hörte man Gekreisch und Geschrei. Auf diesen Lärm hin lief auch die Mutter Pseldonimoffs herbei, doch die Mutter der Neuvermählten behielt das Übergewicht. Sie überschüttete Pseldonimoff mit sonderbaren und ganz ungerechten Vorwürfen, wie: „Was bist Du denn nach alledem eigentlich für ein Mann! Wozu taugst Du denn überhaupt noch nach solch einem Skandal?“ und so weiter, nahm darauf ihre Tochter am Arm und führte sie fort, nachdem sie persönlich die Rechtfertigung dieser Handlung vor ihrem gefürchteten Manne auf sich genommen hatte. Ihr folgten kopfschüttelnd und klagend all die anderen Frauen. Nur die Mutter Pseldonimoffs verließ ihren Sohn nicht und versuchte ihn zu trösten. Aber er jagte auch sie hinaus.
Ihm war nicht nach Trost zu Mut. Er setzte sich, so wie er war, im Hemd und barfüßig, aufs Sofa und verfiel in trübes Sinnen. Gedanken durchkreuzten und verwirrten seinen Kopf. Ganz mechanisch sah er sich im Zimmer um, in welchem sich noch vor ein paar Stunden die Tanzenden gedreht hatten und wo in der Luft noch der Zigarettenrauch stand. Zigarettenstummel und Konfektpapier lagen auf dem begossenen und staubigen Fußboden umher. Das zerstörte Ehelager und die umgeworfenen Stühle zeugten von der Vergänglichkeit der besten und aufrichtigsten Erdenträume und Hoffnungen. So saß er eine ganze Stunde lang. Ihm gingen schwere Fragen durch den Kopf, zum Beispiel: was ihn jetzt im Dienst erwarten würde? Es war ihm schmerzlich einzusehn, daß er seine Stelle verlassen mußte, denn nach allem, was an diesem Abend geschehen war, konnte er unmöglich auf seinem Posten bleiben. Auch dachte er an Mlekopitajeff, der ihn vielleicht morgen schon wieder den Kasatschock tanzen lassen würde, um seine Bescheidenheit zu erproben. Fünfzig Rubel hatte er ihm zur Hochzeit gegeben, die waren aber bis auf die letzte Kopeke verausgabt worden, doch die vierhundert Rubel Mitgift auszuzahlen, daran dachte der Alte auch nicht einmal. Ja, auch von dem Besitz des Hauses hatte er keine formelle Bescheinigung. Dann dachte er noch an seine Frau, die ihn in der kritischsten Minute seines Lebens verlassen hatte und an den langen Offizier, der vor seiner Frau aufs Knie gesunken war, dachte dann an die sieben Teufel seiner Frau, auf die er von dem Schwiegervater selbst aufmerksam gemacht worden war ... Freilich fühlte er die Kraft in sich, Vieles ertragen zu können, aber das Schicksal brachte ihm solche Überraschungen, daß es wohl verständlich war, wenn er an den eigenen Kräften verzweifelte. So trauerte Pseldonimoff in der Unglücksnacht. Währenddessen brannte der Lichtstummel aus, sein flackernder Schein fiel gerade auf das Profil Pseldonimoffs und malte an die Wand in riesigen Dimensionen sein Schattenbild: seinen langen Hals, seine gebogene Nase und die zwei Haarbüschel am Kopf, den einen am Kopfwirbel, den anderen über der Stirn. Endlich beim ersten Morgengrauen, als es ihn fröstelte, legte er sich auf die Matratze, ohne das Licht auszulöschen, ohne etwas zu ordnen, ohne sich ein Kissen unter den Kopf zu schieben. Ihn überfiel ein bleierner Schlaf, wie ihn nur zum Tode Verurteilte am Tage vor der Hinrichtung zu haben pflegen.
Und andrerseits – womit hätte man diese qualvolle Nacht vergleichen können, die Herr Pralinski auf dem Brautbett des unglücklichen Pseldonimoff verbrachte! Die Kopfschmerzen, die Übelkeit mit allen ihren Folgen verließen ihn keinen Augenblick. Das waren Höllenqualen! Das Bewußtsein, wenn es für einen Moment in seinem Kopfe auftauchte, beleuchtete solche Abgründe des Entsetzens, so trübe und widerliche Bilder, daß es besser für ihn war, nicht zur Besinnung zu kommen. Übrigens drehte sich ihm alles im Kopf herum. Er erkannte, zum Beispiel, die Mutter Pseldonimoffs, hörte ihre tröstenden Beruhigungen, in der Art wie: „Halt aus, mein Täubchen, halt aus Väterchen, es kommt alles auf Gewohnheit an,“ er erkannte und hörte sie, konnte sich aber doch keine logische Rechenschaft geben über ihre Anwesenheit. Unangenehme Bilder verfolgten ihn; am häufigsten erschien ihm Ssemjon Iwanowitsch Schipulenko; strengte er sich aber an, ihn sich näher anzusehn, so war es wiederum nicht Ssemjon Iwanowitsch Schipulenko, sondern die Nase Pseldonimoffs. Auch tauchten vor ihm der freie Künstler, der Offizier und die Alte mit der verbundenen Backe auf. Aber am meisten beschäftigte ihn der goldene Ring, der über seinem Kopfe hing und an dem die Vorhänge befestigt waren. Er sah den Ring ganz genau bei dem kargen Schein des Lichtendchens, das nur trübe das Zimmer beleuchtete, und strengte sich an zu denken: wozu dieser Ring dient, warum er hier hängt und was er bedeutet? Er fragte sogar einige Mal die Alte danach, doch konnte er sich augenscheinlich nicht deutlich genug ausdrücken, denn wie er sich auch anstrengte, die Alte verstand ihn nicht. Erst gegen Morgen hörten die Anfälle auf und er schlief fest und traumlos ein. So schlief er ungefähr eine Stunde und als er schließlich erwachte, war er bei voller Besinnung, fühlte aber nur einen unerträglichen Kopfschmerz und seine Zunge schien sich in ein Stück Tuch von schlechtestem Geschmack verwandelt zu haben. Er erhob sich ein wenig, blickte sich um und dachte nach. Das bleiche Licht des Morgens stahl sich als heller Streifen durch die Ritze der Fensterläden und erzitterte an der Wand. Es war ungefähr sieben Uhr morgens. Als er sich aber plötzlich alles dessen erinnerte, was mit ihm am Abend vorher geschehn war, als er sich aller Einzelheiten beim Abendessen erinnerte, seiner fehlgeschlagenen Eroberung, seiner Rede bei Tisch, und sich plötzlich mit der erschreckendsten Klarheit alle Folgen, die sich daraus für ihn ergeben würden und was man über ihn denken würde, vorstellte, als er sich umblickte und gewahr wurde, in welch einen traurigen und ekelhaften Zustand er das friedliche Ehelager seines Untergebenen gebracht hatte – oh, da überfiel ihn solch eine Scham, da fühlte er solche Qualen, daß er sein Gesicht mit beiden Händen bedeckte und sich verzweifelt in die Kissen warf. Aber sofort richtete er sich wieder auf, sprang aus dem Bett, ergriff seine Kleider, die schon gereinigt und gesäubert neben ihm auf dem Stuhle lagen, und zog sie so eilig an, als ob er irgend jemandem entfliehen wollte. Dort auf dem anderen Stuhle lagen auch sein Pelz, seine Mütze, und in der Mütze seine gelben Handschuh. So wollte er leise verschwinden, als sich plötzlich die Tür öffnete und die alte Pseldonimowa mit einer tönernen Waschschale und mit einem reinen Handtuch über der Schulter eintrat. Sie stellte die Schüssel hin und erklärte ruhig und ohne Umschweife, daß er sich waschen müsse.
„Wie denn, Väterchen, wasche Dich doch, es geht nicht so, man muß sich zuerst waschen ...“
Und in diesem Augenblick fühlte er plötzlich, daß, wenn es auf der Welt ein Wesen gab, vor dem er sich weder zu schämen noch zu fürchten brauchte, es diese alte Frau war. Er wusch sich. Lange noch nachher erinnerte er sich in den schweren Minuten seines Lebens dieser ganzen Situation, der tönernen Waschschüssel mit dem kalten Wasser, in dem noch Eisstückchen schwammen, und der Seife im rosa Papier mit erhabenen Buchstaben, die fünfzehn Kopeken kostete und für die Neuvermählten gekauft worden war und an deren Stelle er sich nun ihrer bediente, „der Alten“ mit dem gewürfelten Handtuch auf der linken Schulter. Das kalte Wasser erfrischte ihn; er trocknete sich ab, sagte kein Wort, dankte nicht einmal seiner barmherzigen Schwester, ergriff die Mütze, nahm seinen Pelz, den sie ihm reichte, um die Schultern und lief durch den Korridor, durch die Küche, wo die Katze sich streckte und miaute und die Köchin ihm in gieriger Neugier nachglotzte, lief auf den Hof, auf die Straße und warf sich in den ersten Schlitten, den er erblickte. Der Morgen war kalt und frostig, ein gelber Nebel hüllte alles ein. Herr Pralinski schlug seinen Pelzkragen auf. Es schien ihm, daß alle ihn ansahen, alle ihn kannten und alle alles wußten.
Acht Tage ging er nicht von Hause, acht Tage erschien er nicht in seiner Kanzlei. Er war krank, qualvoll krank, – aber doch mehr moralisch, als physisch. Diese acht Tage durchlebte er wie in der Hölle, und es ist anzunehmen, daß sie ihm im Jenseits angerechnet werden. Es gab Minuten, da er glaubte, er müsse Mönch werden. Seine Phantasie entwickelte sich ganz außerordentlich nach dieser Seite hin. Er sah sich bereits in der einsamen Zelle, hörte unterirdische Gesänge, sah geöffnete Gräber, grüne Wiesen und Gefilde; aber sobald er wieder zu sich kam, erkannte er sofort, daß das doch nur der schrecklichste Unsinn wäre, Mönch zu werden, und dann schämte er sich seiner Phantasie. Darauf bekam er moralische Anfälle, die sich aus seiner vermeintlichen existence manquée ergaben. Dann flammte wieder die Scham in seiner Seele auf und verbrannte und zerstörte alles, was in ihr war. Er erzitterte bei der Vorstellung verschiedener Bilder: was man von ihm sagen wird, was man von ihm denken wird, wie er in die Kanzlei gehen wird, welch ein Geflüster ihn verfolgen wird, das ganze Jahr, zehn Jahre lang, sein ganzes Leben lang. Die Geschichte wird sich noch in seiner Nachkommenschaft fortpflanzen! Er verfiel sogar von Zeit zu Zeit in solch einen Kleinmut, daß er bereit gewesen wäre, zu Semjon Iwanowitsch Schipulenko zu fahren und ihn um seine Verzeihung und Freundschaft zu bitten. Sich selbst verteidigte er überhaupt nicht mehr, er gab sich vollständig auf.
Auch dachte er daran, seinen Abschied einzureichen und so in der Einsamkeit sich dem Glücke der Menschheit zu widmen. Jedenfalls war es unbedingt nötig, mit allen früheren Bekannten zu brechen und jegliche Erinnerung an sich auszulöschen. Darauf schien es ihm wieder, daß auch das ein Unsinn wäre und daß man durch verstärkte Strenge zu den Untergebenen die ganze Sache wieder retten könnte. Von dem Augenblick an faßte er wieder Mut und so fing er denn wieder zu hoffen an. Endlich, nach Verlauf von zehn Tagen der größten Zweifel und Qualen fühlte er, daß er die Ungewißheit nicht länger ertragen konnte und beschloß daher un beau matin wieder in die Kanzlei zu gehn.
In seiner Verzweiflung hatte er sich wenigstens tausendmal vorgestellt, wie es sein würde, wenn er in die Kanzlei tritt. Mit Entsetzen überzeugte er sich, daß er durchaus ein zweideutiges Geräusch hören, zweideutige Gesichter und auf ihnen ein zweideutiges Lächeln bemerken wird. Wie groß war daher sein Erstaunen, als in Wirklichkeit von alledem nichts geschah. Man empfing ihn ehrerbietig; man grüßte ihn, alle waren ernst und alle waren beschäftigt. Freude erfüllte sein Herz, als er in sein Kabinett eintrat.
Er erledigte sofort seine Arbeit, hörte aufmerksam allen Erklärungen und Berichten zu und traf verschiedene Bestimmungen. Er fühlte es, daß er noch nie so klug und so sachlich alles bestimmt und erledigt hatte, wie an diesem Morgen. Er sah es, daß man mit ihm zufrieden war, daß alle ihm ergeben waren, und daß man sich zu ihm ehrerbietig verhielt. Auch das allergrößte Mißtrauen hätte nichts anderes bemerken können. Die Sache ging also großartig.
Schließlich erschien auch Akim Petrowitsch Subikoff mit irgend welchen Papieren. Bei seinem Erscheinen stach Herrn Pralinski etwas ins Herz, aber nur auf einen Augenblick. Er beschäftigte sich mit Akim Petrowitsch, zeigte und erklärte ihm, was er zu tun hatte. Er bemerkte nur, daß er es vermied, ihm längere Zeit in die Augen zu sehn oder daß vielmehr Akim Petrowitsch es vermied, ihn anzusehn. Und als die Sache erledigt war, stand Akim Petrowitsch auf und suchte seine Papiere zusammen.
„Und dann ist hier noch ein Gesuch,“ begann er so trocken als möglich, „des Beamten Pseldonimoff; er bittet um seine Überführung in die ... Kanzlei ... Seine Exzellenz Semjon Iwanowitsch Schipulenko haben ihm eine Stelle versprochen. Er bittet Exzellenz um eine gütige Fürsprache.“
„Also er geht über,“ sagte Exzellenz und fühlte dabei, wie ihm etwas Schweres vom Herzen genommen wurde. Er sah auf, und in dem Augenblick begegneten sich ihre Blicke.
„Nun, ich meinerseits ... ich werde ... ich bin bereit ...“ antwortete er.
Akim Petrowitsch wollte augenscheinlich so schnell als möglich verschwinden. Exzellenz jedoch entschloß sich plötzlich – in einem Anfall von Edelmut – sich darüber auszusprechen. Ihn überfiel wieder eine gewisse Begeisterung.
„Übergeben Sie ihm,“ begann er, wobei er einen hellen und bedeutungsvollen Blick auf Akim Petrowitsch richtete, „übergeben Sie ihm, daß ich ihm nichts Böses nachtrage, ja, nichts Böses! ... Daß ich, im Gegenteil, bereit bin, alles Gewesene zu vergessen, alles, alles ...“
Aber plötzlich erstarrte Exzellenz förmlich, als er zu seinem Erstaunen das sonderbare Betragen Akim Petrowitschs bemerkte, der sich, unbekannt warum, aus einem vernünftigen Menschen in einen Dummkopf verwandelte. Anstatt nun aufmerksam zuzuhören, was er ihm sagte, errötete er über und über, verbeugte sich eilig mit kleinen Bücklingen und zog sich ängstlich zur Tür zurück. Sein ganzes Aussehn verriet, daß er den Wunsch hatte, in die Erde zu versinken, oder besser gesagt, sich an seinen Tisch zurückzuziehen. Herr Pralinski, der allein blieb, erhob sich in der Verwirrung vom Stuhl. Er blickte zwar in den Spiegel, doch tat er es, ohne sich dabei zu sehn.
„Nein, Strenge, Strenge, nur Strenge!“ flüsterte er sich selbst unbewußt zu, und plötzlich bedeckte heiße Röte sein Gesicht. Er schämte sich dermaßen, wie er sich nicht einmal in den schrecklichsten Minuten seiner achttägigen Krankheit geschämt hatte. „Konnte nicht aushalten!“ sagte er sich und sank kraftlos auf seinen Stuhl zurück.