Die Kinder werden in einem Lederbeutel oder in einem Tuch auf den Hüften oder dem Rücken der Mutter getragen, in welcher Lage sie schön in Schlaf gewiegt werden. Etwa vom zweiten Monat nach der Entbindung an geht die Frau ihrer gewohnten Beschäftigung im vollen Umfange wieder nach. Will sie auf dem Felde arbeiten, nimmt sie das Kind mit und setzt es auf dem Acker in den Schatten eines Baumes. In den ersten Monaten wird aber ängstlich darauf geachtet, daß nicht viele Leute das Kind zu sehen bekommen, aus Furcht vor dem bösen Blick und sonstiger Verzauberung. Das gilt im besonderen für die Zeit, solange die Zähne noch nicht durchgekommen sind, also die Möglichkeit besteht, durch Verzauberung diesen Vorgang ungünstig zu beeinflussen.
Zum Schutz gegen diese Zauberer wird frühzeitig ein Medizinmann gesucht, welcher der Mutter und dem Kinde ein Amulett (kikobwa) macht, das beide vor den bösen Einflüssen schützt. Dazu schneidet er etwa 4 cm vom Hals einer Kürbisflasche ab. In diesen Zylinder werden von Fuß und Hand je ein Stückchen Zehen- bzw. Fingernagel, des weiteren ein kleines Büschel Haare und etwas Erde hineingetan, auf die man vorher den Schatten der Hände, der Füße und des Kopfes der Mutter hat fallen lassen. Die Wahl dieser Mittel läßt sich aus dem Seelenglauben der Neger erklären. (S. 164. 165.) Die Öffnungen des Behälters werden mit Wachs verschlossen. Dieses Amulett trägt das Kind an einer Schnur um den Hals. Für die Mutter wird ein gleicher Zauber bereitet und mit Nägeln und Haaren usw. des Kindes gefüllt. Der Medizinmann nimmt nun eine Schale mit Bier, setzt sich an dem Opferplatz neben der Haussäule auf die Erde und gießt etwas von dem Bier als Trankopfer für die Ahnengeister auf den Boden. Dabei betet er: Nkoma nijenjani, ambu nekirita, nde nywi vabaha, nemuarira. Ambu twekivona vwedi aho mtondo tunemukumbukawa! = Geister, helft mir! denn wenn ich auch hier behandle, ihr bleibt die Großen, denen ich vertraue. Wenn alles glücklich abläuft, so werden wir uns euer erinnern!
Der Rest des Trankopfers wird an die Hausbewohner verteilt, auch die kleinen Kinder trinken davon. Anschließend findet ein kleines Biergelage statt, bei welchem der Medizinmann den Eltern die Sorgen ob der Zähne des Kindes und seiner weiteren Entwicklung damit zu verscheuchen sucht, daß er sie auf den Schöpfer hinweist: Kiumbi ni kibaha = der Schöpfer ist groß, ihr habt eure Pflicht getan, nun laßt ihn sorgen!
Dem Kinde wird das Haupthaar nicht eher abrasiert, als bis es laufen kann. Die Mutter läßt dementsprechend ein Haarbüschel auf der Mitte des Kopfes stehen. Wird das Kind nachher krank, so wird es zum Hausarzt gebracht, der es behandeln muß. Nachdem die Zahnung glücklich vorüber ist, und das Kind laufen kann, wird der Arzt wieder gerufen. Er bringt den Ahnengeistern das versprochene Speis- und Trankopfer dar mit den Worten: „Habt Dank, ihr Geister, nun wissen wir, daß ihr mächtig seid und helfen könnt. Helft dem Kinde weiter; wenn es groß ist, wird es euch seinen Dank bringen.“
Der Rest des Trankopfers wird von allen Anwesenden getrunken, dann wieder andres Bier eingegossen, um dem Kinde und der Mutter den Kopf damit zu waschen, nachdem der Medizinmann ihnen die Haare abrasiert hat.