Beschneidung des Mädchens (kuiva).

Ist das Mädchen ungefähr vier Jahre alt geworden, dann sagt die Mutter zu ihrem Manne: „Jetzt wird es Zeit, daß wir unser Mädchen beschneiden lassen, damit sie nicht das Messer (mit Verstand) sieht“, d. h. versteht, was an ihr vorgenommen werden soll und aus Angst vor dem Messer fortläuft. Die Eltern beschaffen Speisevorrat für das Beschneidungsfest. Auch ein Ziegenbock wird bereitgehalten. Dann wird für den zweiten oder vierten Wochentag nach ihrer Zählung das Beschneidungsfest angesagt. Eine ältere Frau führt gewöhnlich die Operation aus.

Die Beschneidung findet im Busch nahe bei dem Hause statt. Die Frau bindet dem Mädchen je eine Zauberschnur um den rechten Fuß und um das Handgelenk. In diese Schnur hat sie unter Beschwörung Zauberknoten hineingemacht, die den allzu reichlichen Blutverlust verhindern sollen. Nachdem die anwesenden Frauen sich im Kreise aufgestellt haben, um jedem etwa heimlich Zuschauenden die Aussicht zu versperren, nimmt eine Frau ihre Kleider ab und legt sich auf die Erde. Das Mädchen wird nun auf diese Frau gelegt, und sofort treten einige andre hinzu, die es an Armen, Kopf und Beinen festhalten. Die Operateurin schneidet dann schnell die Klitoris ab und verbirgt sie in einem kleinen Ballen Kuhmist. Auch das Blut wird sorgfältig damit aufgetupft, um nichts davon in die Hände eines bösen Zauberers fallen zu lassen, dem damit die Macht gegeben wäre, das Kind zu verhexen. Diese Kotkugel wird in einem Spalt in der Hauswand versteckt und mit Lehm verklebt. Das Mädchen wird nach Hause getragen, nachdem man ihm eine Zauberschnur um den Leib gebunden und auf die Wunde etwas Butter gebracht hat. Die Operateurin bekommt Bier und einen Vorderfuß der inzwischen geschlachteten Ziege.

Die Wunde wird jeden Tag mit einer Feder gereinigt, bis nach einigen Wochen die Heilung eingetreten ist. Im Anschluß daran müssen sich die beiden Eheleute noch einer eigenartigen Zeremonie im Hause unterwerfen, deren Wiedergabe hier nicht angängig ist.

Nach der Beschneidung wartet das Mädchen ungefähr vier Jahre, um dann das nächste Frauenfest (kuaika) durchzumachen. Inzwischen unterrichtet die Mutter es im Ackern und Kochen. Auch übt es sich im Tanzen, darf es doch bald die Tanzfeste besuchen.