Ausscheidungsprodukte als Seelenträger.

Wir sahen schon, daß man der Kreißenden, wenn die Geburt sich in die Länge zieht, Urin des Mannes zu trinken gibt, um ihr auf diese Weise besondere Seelenkräfte zuzuführen. Ich erwähnte bereits weiter oben die Amulette, welche die Wapare sich von ihren Medizinmännern gegen Verzauberung machen lassen. Oft ordnet der behandelnde Arzt an, daß sein Patient sich vier Tage lang nicht waschen solle. Nach Ablauf der Zeit zerkaut er eine Ölnuß und reibt sich mit dem so gewonnenen Brei den Körper ab. Die auf diese Weise erhaltenen, gewissermaßen konzentrierten Ausscheidungsstoffe werden den Amuletten des Medizinmannes als wertvolle Bestandteile einverleibt. Der Leser sieht, statt der christlichen Hoffnung besitzt der arme Neger nur recht traurige und unappetitliche Ersatzmittel. Bei den Tänzen, die von den Vai va nyumba bei den verschiedenen Gelegenheiten aufgeführt werden, steht immer ihre Helferin in der Nähe, um ihr den Schweiß abzuwischen. Würde jemand anders aus der Umgebung das vornehmen, so könnte er sich starken Unannehmlichkeiten aussetzen, da er sofort gefragt würde, was er mit dem Schweiße beginnen wolle. Also auch hier wiederum der Glaube, daß der Besitz von solchen Dingen, die als Seelenträger andrer gedacht werden, wenigstens zu gewissen Zeiten dem Besitzer Gewalt über die betreffenden Seelen verleiht.