17. Kapitel.
Der Zweikampf und seine Entscheidung.

Als der König Reineke so geschoren und von Fett glänzend daherkommen sah, lachte er aus vollem Halse und rief: »O, Fuchs, wer hat dich das gelehrt? Wahrlich, an Schlauheit übertrifft dich niemand! Du weißt dir immer zu helfen!«

Reineke verneigte sich tief vor dem König und grüßte auch die Königin mit größter Ehrerbietung. Er zeigte sich zum Kampf bereit und sprang munter in den Kreis hinein.

Da stand auch schon der Wolf mit seinen Freunden, die ihm alle das Schlimmste wünschten. Sie sprachen manches boshafte Wort über ihn. Bald darauf traten die Kampfrichter herbei, der Luchs und der Leopard, und beide Kämpfer mußten den Eid leisten. Isegrim schwur, Reineke sei ein Verräter, ein Dieb und ein Mörder, dafür wolle er sein Leben einsetzen. Reineke dagegen tat den Schwur, Isegrim leiste einen falschen Eid, jedes Wort, das er sage, sei eine Lüge. Und das wolle er ihm beweisen!

Da sprachen die Kreishüter: »Tut, was ihr zu tun habt! Wer im Recht ist, das wird sich bald zeigen!«

Da gingen alle hinaus, groß und klein, die nichts darin zu tun hatten. Nur der Wolf und der Fuchs blieben in dem Kreise.

Die Äffin flüsterte Reineke zu: »Vergeßt nicht, was ich Euch geraten habe!«

Frohen Mutes erwiderte der Fuchs: »Ich weiß, Ihr sähet es gern, wenn es gut endete! Glaubt mir, ich werde meinem Feinde unverzagt entgegengehen! Bin ich doch schon mancher Gefahr entronnen! Wie oft habe ich schon mein Leben aufs Spiel gesetzt; so will ich es auch gegen diesen Bösewicht wagen. Und ich hoffe, ich werde siegreich aus dem Kampfe hervorgehen und sowohl ihn wie sein ganzes Geschlecht in Schande bringen! Mir aber und allen meinen Verwandten werde ich Ehre bereiten. Ich will dem Wolf schon eintränken, was er über mich gesagt hat!«

Nun blieben diese beiden allein aus dem Kampfplatz, und ein paar tapfere Kämpfer waren es, die man da bewundern konnte.

Es erschallte die Trompete zum Zeichen, daß der Kampf beginnen sollte. Voll Ingrimm, mit offenem Rachen und blitzenden Augen sprang der Wolf aus seinen Gegner los. Dieser aber, leichter und gewandter als der schwerfällige Wolf, sprang rasch zur Seite. Dann lief er immer gegen den Wind vor dem Wolf her, seinen Schwanz im Winde schleifend. Absichtlich ließ er Isegrim nahe herankommen, und als dieser glaubte, ihn schon fassen zu können, schlug ihm der Schlaue den mit Sand gefüllten Schweif so heftig in die Augen, daß dem Wolf Hören und Sehen verging. Während dieser nun stehen blieb, um sich die Augen auszuwischen, wirbelte Reineke immer mehr Staub und Sand auf und schlug dem Gegner mit dem Schweif in die Augen, daß dieser nicht das Geringste mehr sehen konnte. Schnell faßte ihn Reineke bei der Kehle, biß und kratzte ihn und gab ihm noch lose Worte dazu. »Ei, Herr Isegrim,« spottete er, »Ihr habt oftmals manch unschuldiges Lamm gefressen und manch anderes harmloses Tier verschlungen; ich hoffe, Ihr werdet es künftig nicht mehr tun. Das gereicht Eurer Seele sicher zum Heile, daß Ihr in Zukunft nicht mehr rauben und morden könnt. Seid nur geduldig, denn es ist bald aus mit Euch, da Ihr in Reinekes Macht geraten seid. Doch wollt Ihr abbitten und Euch versöhnen, so will ich Eures Lebens gern schonen.«

Mit einem kräftigen Ruck riß sich Isegrim los. Da schlug ihm Reineke ins Gesicht, daß er ein Auge verlor! Vor Schmerzen heulte er laut auf und sprang wie rasend auf Reineke los. Er warf ihn auf die Erde nieder und packte den einen Vorderfuß des Fuchses mit seinen Zähnen, indem er rief: »O du Dieb, nun ist deine letzte Stunde gekommen! Erkläre dich als überwunden, oder ich schlage dich tot. Deine Betrügereien sind zu groß gewesen. Dein Staubaufwirbeln, dein Lügen und dein Fettschmieren soll dir nun nichts helfen! Du kannst mir nicht mehr entgehen! Du hast mir zu viel Schaden zugefügt und mir jetzt sogar ein Auge ausgerissen!«

Reineke war sehr übel zumute. »Jetzt bin ich in der größten Gefahr,« dachte er. »Ergebe ich mich nicht, so ist es mein Tod; ergebe ich mich aber, so gerate ich in Schimpf und Schande.« Er legte sich also aufs Bitten: »Lieber Oheim, schont meiner, und ich will gern Euer Lehnsmann werden. Ich will für Euch zum Heiligen Grabe wallfahren und Ablaß für Eure Seele erflehen. Ich will Euch in Ehren halten, als ob Ihr der Papst in Rom wäret, ja Euch einen teuren Eid schwören, Euer Knecht in Ewigkeit zu sein. Auch meine Verwandten sollen Euch stets dienen. Alles, was ich fangen kann, das steht Euch zu Gebote; es mögen nun Gänse, Enten, Hühner oder Fische sein, so will ich sie an Euren Tisch liefern. Nur was Ihr übriglaßt, will ich für mich beanspruchen. Ich will jederzeit auf Euer Wohl bedacht sein, daß Euch kein Schaden geschehe. Ihr seid stark, und ich bin klug. Halten wir nun zusammen, der eine mit Rat, der andere mit Macht, wer will uns dann etwas anhaben? Wir sind so nahe Anverwandte, daß wir nicht miteinander streiten sollten. Ich bin auch ungern in diesen Kampf mit Euch gegangen; wenn ich ihm nur hätte entgehen können! Allein Ihr habt mich dazu herausgefordert, da mußte ich wohl kommen, so ungern ich es auch tat. Doch bin ich bisher noch sehr gnädig mit Euch verfahren und habe nicht meine ganzen Kampfmittel aufgeboten. Ich habe eine Ehre darin gesucht, Euch als meinen Oheim zu schonen. Sonst wäre ich ganz anders mit Euch verfahren. Jetzt ist Euch noch nicht viel Schaden geschehen, außer mit Eurem Auge. Und das geschah aus Versehen! O, wie leid tut es mir! Aber ich weiß einen Rat, Euch wieder zu heilen. Doch verliert Ihr selbst das Auge, und Ihr seid sonst gesund, so ist es nicht so schlimm. Denn Ihr braucht nur ein Fenster zuzumachen, wenn Ihr schlafen geht, da andere zwei schließen müssen.

Noch eine andere Versöhnung will ich Euch anbieten. Alle meine Freunde, mein Weib und meine Kinder, sollen sich vor Euch neigen in Gegenwart des Königs, unseres Herrn, und sollen Euch um Reinekes Leben bitten. Ich will auch öffentlich bekennen, daß ich nicht die Wahrheit gesagt und Euch häufig belogen und betrogen habe. Schwören will ich, daß ich nichts Böses von Euch weiß. Tötet Ihr mich aber jetzt, so müßt Ihr allezeit in Angst vor meinen Verwandten und Freunden leben. Verschont Ihr mich hingegen, so erwerbt Ihr Euch Ruhm und Ansehen und gewinnt viele neue Freunde, die Euch jederzeit dienen werden. Tut nun, was Euch gut dünkt. Mir ist wenig daran gelegen, ob ich lebe oder sterbe!«

Da sprach der Wolf: »O du falscher Fuchs, wie gerne wärst du wieder frei! Und wäre die ganze Welt aus rotem Golde, und du bötest mir dieselbe zum Ersatz, ich ließe dich doch nicht los. Du hast mich zu oft betrogen, du falscher, treuloser Gesell! Und gäbst nur sicherlich nicht eine Eierschale, wenn ich dir dein Leben schenkte. Nach deinen Freunden frage ich nicht viel. Ich will ihre Feindschaft schon ertragen und werde mich zu wehren wissen, wenn sie mich angreifen. Ach, wie würdest du mich verspotten, wenn ich mich durch deine Verlockungen verführen ließe, dich freizugeben! Wie würdest du künftighin noch manchen betrügen, der sich auf dein Lügen nicht verstände! Du sagst, du habest mich verschont! Schau' nur her, du Bösewicht! Hast du mir nicht ein Auge ausgerissen? Hast du mir nicht an allen Teilen meines Körpers mehr als zwanzig Wunden beigebracht? Du ließest mir ja nicht die Zeit zum Atemholen. Wie töricht würde ich handeln, wenn ich dir Gnade erwiese. Nein, nein! Diesmal sollst du es mit dem Leben büßen!«

Während der Wolf so sprach, hatte Reineke auf neue List gesonnen. Er packte plötzlich den Wolf an der empfindlichsten Stelle seines Körpers mit solcher Gewalt, daß Isegrim vor Schmerz laut aufschrie. Den Augenblick benutzte Reineke, seine Pfote aus dem Rachen des Wolfes zu ziehen, und nun hielt er den Wolf mit beiden Tatzen fest umklammert und biß wie wild darauflos, wohin er eben traf. Isegrim schrie und heulte vor Schmerz und sank endlich, von Blut und Wunden bedeckt, betäubt zur Erde nieder.

Voll Schrecken und Betrübnis sahen die Freunde des Wolfes dem Ausgang des Kampfes zu. Sie eilten zum König und baten ihn, den Befehl zur Beendigung des Kampfes zu geben. Der König war damit einverstanden. Er gebot den beiden Kampfrichtern, dem Luchs und dem Leopard, dem siegreichen Fuchs mitzuteilen, es sei nunmehr genug, und er, der König, wünsche, daß man den Kampf endige. Diese beiden eilten sogleich in den Kreis und sprachen: »Hört, Reineke! Wir Kampfrichter verkünden Euch den Befehl des Königs! Er will den Krieg zwischen euch beiden endigen und euch trennen. Er bittet Euch, Isegrim freizugeben und am Leben zu lassen. Es wäre dem König leid, wenn einer von euch beiden in dem Kampfe bliebe! Ihr, Reineke, habt den Sieg davongetragen, das sagt hier jung und alt, und alle rechtlich Denkenden zollen Euch Beifall.«

Reineke entgegnete darauf: »Dafür sollen sie alle meinen Dank haben! Gern gebe ich den Worten des Königs Gehör und gehorche seinem Befehle. Mehr verlange ich nicht als den Sieg. Doch bitte ich den König, mir zu gestatten, daß ich erst meine Freunde befrage.«

Da riefen alle seine Freunde und Verwandten: »Ja, Reineke, es dünkt auch uns gut, daß Ihr dem Willen des Königs folgt!«

Darauf kamen sie von allen Seiten herbei, denn es hatten sich eine ganze Menge zu dem interessanten Schauspiel eingefunden. Der Dachs, der Affe und der Biber, die Otter, der Marder und das Eichhorn drängten sich nun alle an den Fuchs heran. Ja, viele, die gegen ihn geklagt hatten und nichts von ihm hatten wissen mögen, erzeigten ihm jetzt die größte Liebe. Jeder wollte sein nächster Verwandter sein und sich in seine Gunst setzen. Ja, so geht es in der Welt. Wem es gut geht, der hat viele Freunde, wem es aber übel geht, der hat gewiß keine! So war es auch hier. Als Reineke gewonnen hatte, wollte jeder auf seiner Seite stehen. Die einen pfiffen, die anderen sangen, bliesen auf Posaunen oder schlugen die Pauken. Alle seine Freunde riefen ihm zu: »Reineke, seid froh! Ihr habt Euch in dieser Stunde mit Ruhm bedeckt. Wir waren schon sehr betrübt, als Ihr zu unterliegen schienet. Aber das Glück hat sich bald gewendet. Ihr seid mit Ehren aus dem Kampf hervorgegangen! Das war ein treffliches Meisterstück!«

Reineke dankte allen seinen Freunden und trat dann, von den Kampfrichtern begleitet, vor den König. Demütig kniete er vor dem Throne nieder. Der König aber hieß ihn aufstehen und sprach in Gegenwart aller Herren zu ihm: »Ihr habt den Streit mit Ehren bestanden und tapfer für Euer Recht gekämpft! So spreche ich Euch denn frei von jeder Schuld, und keine Strafe soll Euch treffen. Alles übrige soll entschieden werden, sobald Isegrim von seinen Wunden wiederhergestellt ist.«

Reineke sprach: »Herr, Eurem Rate folge ich immer gern. Ehe ich herkam, klagte manch einer über mich, dem ich nie Schaden zugefügt hatte. Mancher stimmte wohl nur in das allgemeine Geschrei gegen mich ein aus Furcht vor dem Wolfe. Sie merkten, daß Isegrim damals besser bei Euch angeschrieben war als ich. Wer im Recht war, das kümmerte sie nicht. Sie glichen jenen gierigen Hunden, die vor der Küche warteten, ob man ihnen nicht einen Knochen hinauswerfe. Da sahen sie einen Hund herauskommen, der dem Koch ein großes Stück gesottenes Fleisch wegstibitzt hatte. Es war ihm aber auch schlecht bekommen. Der Koch hatte ihm sein Hinterteil mit kochendem Wasser begossen und ihm den ganzen Schwanz verbrüht. Gleichwohl hielt er das Gestohlene fest. Als er nun zu den anderen Hunden kam, riefen diese: ›Seht, diesem geht es gut! Er hat den Koch zum Freunde! Welch prachtvolles Stück hat er ihm gegeben!‹ Da sprach der arme Verbrannte traurig: ›Ihr preist mich glücklich, weil ihr mich nur von vorne seht und euch das Stück Fleisch gefällt. Aber seht mich nur mal von hinten an, da werdet ihr eure Meinung bald ändern!‹ Als sie ihn nun recht besahen und bemerkten, wie verbrannt er war, wie ihm die Haare ausfielen, und wie die ganze Haut eingeschrumpft war, da befiel sie ein Grauen. Kein einziger wollte in die Küche; sie liefen weg und ließen ihn allein.

Herr, mit diesem Beispiel meine ich die Habgierigen. Kommen sie zu Macht und Ansehen, so will sie ein jeder zum Freunde haben. Man sieht täglich, ja stündlich auf sie, denn sie tragen das Fleisch im Munde. Ein jeder sagt, was sie gern hören. Jeder lobt sie, ob sie gleich nichts taugen. Und so wird ihre böse Sache immer von ihnen bestärkt. Allein die Strafe folgt ihnen endlich nach. Ihr Regiment schlägt schließlich um; zuletzt kann man sie nicht mehr leiden, und das Haar fällt ihnen auf beiden Seiten aus; das sind ihre großen und kleinen Freunde, die sämtlich von ihnen abfallen und sie allein stehen lassen, wie diese Hunde taten, als sie ihren Kameraden verbrannt, blutig und beschimpft vor sich sahen. Herr, versteht mich recht. Von Reineke soll dies nicht gesagt werden. Ich will das beste Teil erwählen, und meine Freunde sollen sich meiner nicht zu schämen haben. Ich danke Euer Gnaden gehorsamst und bin jederzeit bereit, nach Eurem Willen zu leben.«

Der König sprach darauf: »Wohl habe ich Euch verstanden, Reineke! Ich setze Euch wieder in alle Eure Ehren ein. Ihr sollt zu den ersten Baronen meines Reiches gehören. Jederzeit sollt Ihr bereit sein, in meinem geheimen Rat zu erscheinen. Der Hof kann Euren Rat nicht entbehren. Wenn Ihr Eure Weisheit mit Tugend verbindet, so steht hier niemand so hoch wie Ihr. In Zukunft will ich keine Klagen mehr gegen Euch mit anhören. Ihr sollt als Kanzler des Reiches Euer eigenes Urteil sprechen. Mein königliches Siegel lege ich in Eure Hand. Was Ihr schreibt und siegelt, das hat Geltung, als hätte ich es selbst getan.«

So wurde nun Reineke der erste Staatsdiener an des Königs Hofe. Er neigte sich vor König Nobel und sagte: »Gnädiger Herr, ich danke Euch sehr, daß Ihr mir so große Ehre erweist! Ich werde mich immer erkenntlich dafür zeigen und Eure Güte zu verdienen streben!«

Dem Wolf erging es indessen sehr übel. Zum Tode ermattet und in großen Schmerzen war er auf der Erde liegen geblieben. Nur seine Frau, seine Kinder, Braun, der Bär, und Hinze, der Kater, waren um ihn versammelt. Sie schafften eine Bahre herbei, legten ihn vorsichtig hinauf und trugen ihn traurig vom Kampfplatz. Man rief sogleich Ärzte herbei, die seine Wunden untersuchten. Er hatte deren sechsundzwanzig. Er wurde verbunden und mußte Arznei zu sich nehmen; denn er war sehr schwach und krank. Endlich schlief er ein wenig ein. Aber es dauerte nicht lange, und er erwachte wieder. Der Kummer über die erlittene Schmach ließ ihn keine Ruhe finden. Sein Weib, Frau Gieremund, saß an seinem Lager in tiefer Betrübnis. Sie jammerte über die Schmerzen, die ihr armer Mann auszuhalten hatte, und ärgerte sich, daß der Bösewicht Reineke den Sieg über ihn davongetragen hatte.

Reineke indessen weilte wohlgemut und frohen Sinnes im Kreise seiner Freunde, die ihn umschmeichelten. Der König sagte ihm freundliche Worte zum Abschied. »Reineke,« sprach er, »kehrt bald zurück, mein lieber Kanzler!«

Der Fuchs kniete vor dem Throne nieder und sagte:

»Gnädiger Herr, ich danke Euch aus vollem Herzen, wie auch meiner gnädigen Königin, Euren Räten und allen Herren am Hofe. Gott erhalte Euch lange, reich an Ruhm und Ehren! Was Ihr anordnet, werde ich jederzeit tun, nicht nur aus Pflicht, sondern auch aus Liebe! Denn ich liebe und ehre Euch, wie Ihr es verdient. Wenn Ihr es gestattet, hoher Herr, so will ich jetzt zu meinem Weibe und meinen Kindern reisen, die ungeduldig meiner harren und gewiß über mein langes Ausbleiben schon sehr bekümmert sind.«

Der König sprach: »So reist denn glücklich, mein lieber Reineke!«

So schied Reineke von des Königs Schloß, mit schönen Worten und in großer Gnade. Der König gab ihm ein ansehnliches Geleit mit auf den Weg. Wohl vierzig Ritter folgten ihm, alle sehr stolz auf diese Ehre. Reineke schritt wie ein Prinz voran. Es war ihm sehr wohl zumute. Er hatte des Königs Gnade wiedergewonnen und war Reichskanzler geworden. »Ei,« dachte er bei sich, »nun soll mir's nicht fehlen! Wem ich jetzt wohl will, dem kann ich helfen; wer mein Freund ist, dem soll's auch gut gehen! Daher preise ich die Weisheit mehr als alles Gold der Welt!«

Also ging Reineke mit seinen Freunden nach seinem Hause Malepartus. Er dankte ihnen allen sehr für ihre Treue, daß sie ihm in der Not beigestanden hatten, und bot ihnen seine Dienste für die Zukunft an. Darauf schieden sie voneinander.

Reineke trat in seine Burg ein, wo ihn Frau Ermelyn sehr erfreut willkommen hieß. Sie erkundigte sich nach den Angelegenheiten bei Hofe, und wie es ihm ergangen wäre. Der Fuchs sagte zu ihr: »Die Sache hat eine glückliche Wendung genommen. Ich stehe hoch in der Gnade des Königs. Er hat mich wieder zum Rat an seinem Hofe ernannt und mich über alle Herren gesetzt. Das gereicht unserem Geschlecht zu großen Ehren. Er hat mich zum Kanzler des Reiches erwählt, und ich werde künftighin seine Siegel führen. Was Reineke tut und schreibt, das hat Gültigkeit. Dem Wolfe habe ich wohl für immer die Lust benommen, mich zu verklagen. Er ist im Zweikampf unterlegen. Ich habe ihn auf einem Auge geblendet und schwer verwundet. Wer weiß, ob er mit dem Leben davonkommt! Aber wenn er auch lebt, Schaden kann er mir doch nicht mehr anhaben; denn ich bin sein Obermann geworden und aller seiner Gesellen dazu!«

Da war nun die Frau Füchsin über die Maßen froh, und mit ihr freuten sich die beiden Söhnchen Reinhart und Rossel, daß ihr Vater so hoch erhoben war. Sie riefen: »Nun wollen wir froh und sorglos leben, unsere Burg befestigen und immer glücklich und zufrieden sein!«

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Druck von A. Seydel & Cie. G.m.b.H., Berlin SW 61.