Das mystische Bewußtseyn,
dargestellt
nach Meister Eckart, Dr. Tauler, Suso und dem Verfasser der »deutschen Theologie.«

Hat der Leser durch den hier mitgetheilten Auszug eine allgemeine Vorstellung gewonnen von dem mystischen Grundton, den Meister Eckart angeschlagen hat, so haben wir hiedurch einen Ausgangspunct erhalten für eine umfassendere Betrachtung, in welche wir einen größeren Kreis hiehergehörender mystischer Schriften hineinziehen. Indem wir nicht bei den gegebenen Mittheilungen aus Eckart stehen bleiben, sondern in der Entwickelung des mystischen Bewußtseyns seine Predigten fortwährend im Auge behalten, betrachten wir ihn doch von jetzt an nur in einem umfassenderen Zusammenhange, weil wir nicht sowohl die Schilderung einzelner Individualitäten beabsichtigen, als vielmehr die Betrachtung und Beurtheilung des mystischen Geistes, der größtentheils durch ihn geweckt und hervorgerufen ist. Außer ihm habe ich besonders auf die oben genannten Mystiker Rücksicht genommen., Obgleich Ruysbroock wesentlich in dieselbe Kategorie gehört, habe ich doch wegen seiner abstrusen, nicht selten schwülstig-phantastischen Darstellung so gut wie keine besondere Rücksicht auf ihn genommen. Soweit ich ihn kenne, gibt er keine neue Gesichtspuncte und in der Reinheit des Ausdrucks wird er von den Anderen weit übertroffen.

Es liegt in der Natur der Sache, daß wir, um der deutschen Mystik ihre eigenthümliche Stelle anzuweisen, zugleich eingehen müssen in das allgemeine Wesen aller Mystik.

deko