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Ich würdige vollauf den reichen Segen, welcher für unsere teure evangelische Kirche davon ausgehen kann, daß ihre Glieder aller Orten an das große Erbe und die edlen Güter erinnert werden, welche Gott der Herr durch die Reformation uns beschert hat.

Kaiser Wilhelm I.

Erster Abschnitt.
Was Gott durch D. Martin Luther gethan hat.

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1. Von Luthers Eltern und wie es unserm Reformator in seiner Kindheit ergangen ist.

Armer Leute Söhne müssen sich aus dem Staube arbeiten, müssen viel leiden. Und weil sie nichts haben, darauf sie können stolzieren und pochen, lernen sie Gott vertrauen, drücken sich und schweigen still.

Luther.

W

Wenn sich Gott für eine große Arbeit in seinem Reiche ein Rüstzeug erwählt, pflegt er nicht nach Reichtum oder Macht oder Ehre zu fragen. Wen er zu einer großen Aufgabe beruft, dem schenkt er auch die nötigen Gaben. Den König David hat er von den Herden weggeholt. Der Apostel Petrus legte sein Fischernetz beiseite, um dem Herrn zu folgen. Und der Mann, den Gott zum Reformator der Kirche ausersah, bekannte von sich: »Ich bin eines Bauern Sohn, mein Vater, Großvater und Ahn sind rechte Bauern gewesen.« Es mag ein gar kümmerliches Leben gewesen sein, das Vater Hans Luther mit seiner Ehefrau Margarethe in dem Dörfchen Möhra, zwischen Eisenach und Salzungen gelegen, geführt haben. Nach altem Landesbrauch war der väterliche Bauernhof dem jüngsten Bruder zugefallen. Die älteren hinterlassenen Söhne mußten sehen, wie sie durch fleißige Arbeit in fremder Leute Dienst sich ihr Brot verdienten. Da der blühende Bergbau guten Lohn verhieß, wandte sich Hans Luther diesem zu und zog nach Eisleben.

In der Langen Gasse zu Eisleben zeigt man noch heute das Haus, in dem am 10. November 1483 Nachts zwischen elf und zwölf Uhr Hans Luther und seiner Frau das erste Knäblein geboren wurde. Man wartete damals nicht lange mit der heiligen Taufe. Schon am nächsten Tag wurde das Kind in der nahen Peterskirche getauft. Weil aber für diesen Tag im Kalender der Name des heiligen Martinus steht, erhielt der kleine Luther den Namen Martin.

Luthers Geburtshaus
Luthers Geburtshaus.

Luther war sechs Monate alt, als die Eltern mit ihm nach Mansfeld zogen. Der Vater hoffte dort lohnendere Arbeit zu finden. Allezeit hat unser Luther mit herzlicher Dankbarkeit an Vater und Mutter zurückgedacht. »Meine Eltern,« sagt er einmal, »sind erstlich arm gewesen; mein Vater war ein armer Häuer und die Mutter hat ihr Holz auf dem Rücken getragen, damit sie uns Kinder erzogen haben. Sie haben sich's lassen blutsauer werden.« In diesem Hause ist kein Kind verzogen worden. Aber bei aller strengen Zucht herrschte herzliche Liebe. Recht wenig Freundlichkeit aber scheint in der Schule zu Mansfeld gewohnt zu haben. Der Lehrer hat den kleinen Martin einmal an einem Vormittag fünfzehnmal hinter einander »gestrichen«.

Luthers Vater
Luthers Vater.

Wie gern hätte Vater Luther etwas Ordentliches an sein Kind gewandt! Aber woher die Mittel dazu nehmen? Doch dachte er, sollte nicht Gott, der meinem Martin gute Geistesgaben verliehen hat, auch etwas Tüchtiges aus ihm machen können? Es gab manchen armen Schüler, der von Haus zu Haus zog, mit seinen Kameraden vor den Thüren ein Lied sang und dann eine milde Gabe empfing. Wollte Martin einmal ein Gelehrter werden, dann blieb ihm auch nichts anderes übrig. So hat er denn auch »das Brot vor den Häusern genommen«, erst, seit dem Jahre 1497 in Magdeburg, dann, vom folgenden Jahre ab, in Eisenach. In Eisenach aber hat Gott den jungen Luther in ein wohlhabendes Kaufmannshaus geführt. Das ist ihm zum zweiten Elternhaus geworden. Frau Ursula Cotta hatte schon öfters den Knaben beobachtet in seinem Singen und herzlichen Beten. Der arme Junge that ihr leid. In ihrem Hause war noch Platz genug. Darum nahm sie ihn wie ein eigenes Kind zu sich. »Als er eine Zeit lang in Eisenach,« so erzählt der Joachimsthaler Pfarrer und Freund Luthers, Johann Mathesius, »auch vor den Thüren sein Brot ersang, nahm ihn eine andächtige Matrone zu sich an ihren Tisch, dieweil sie um seines Singens und herzlichen Gebets willen in der Kirche eine sehnliche Zuneigung zu dem Knaben trug.« Das war eine Fügung Gottes. Nun lastete nicht mehr der Druck der Armut und Sorge ums tägliche Brot auf dem kindlichen Gemüt. Im freundlichen Hause der edlen Frau Cotta hat wohl Martin erst die Freude der Erholung nach gethaner Arbeit recht kennen gelernt. Hier konnte er nun auch mit ganzem Eifer lernen. Seinem braven Eisenacher Lehrer ist er zeitlebens dankbar gewesen. Der Magister Trebonius — so hieß er — war nicht nur ein grundgelehrter Mann, sondern auch ein freundlicher Lehrer. Kam er ins Schulzimmer, nahm er sein Barett ab und grüßte die Kinder; denn, sagte er, ich kann nicht wissen, ob unter ihnen ein zukünftiger Ratsherr, Bürgermeister oder Kardinal ist. Nach alledem verstehen wir, warum Luther Eisenach seine »liebe Stadt« nennt.

Luthers Mutter

Luthers Mutter.

Schule Luthers in Mansfeld

Schule Luthers in Mansfeld.

Eisenach mit der Wartburg

Eisenach mit der Wartburg.