ZWEITES CAPITEL.
Die chemisch-physikalischen und morphologischen Eigenschaften der Zelle.

Die Zelle ist ein Organismus und als solcher kein einfaches, sondern ein aus vielen, verschiedenartigen Theilen zusammengesetztes Gebilde. Die wahre Natur aller dieser Theile, welche sich augenblicklich noch grösstentheils unserer Kenntniss entziehen, genauer festzustellen, wird noch für lange Zeit eine Aufgabe biologischer Forschungen bleiben. Wir stehen jetzt in unserem Verständniss dem Zell-Organismus in ähnlicher Weise gegenüber, wie vor hundert Jahren die Naturforscher dem thierischen und pflanzlichen Gesammtorganismus vor der Entdeckung der Zellentheorie. Um in das Geheimniss des Zellorganismus noch tiefer einzudringen, müssen die optischen Hülfsmittel, noch mehr aber und vor allen Dingen die chemischen Untersuchungsmethoden auf eine höhere Stufe der Vollendung, als sie zur Zeit besitzen, gebracht werden. Es scheint mir zweckmässig, diese Gedanken gleich hier hervorzuheben, damit sie der Leser bei der folgenden Darstellung immer vor Augen hat.

In jeder Zelle ist ausnahmslos ein besonders geformter Theil nachzuweisen, welcher im ganzen Organismenreich mit einer grossen Gleichförmigkeit auftritt, der Zellenkern. Ihm und dem übrigen Theil der Zelle, dem Protoplasma, kommen offenbar eigenartige Aufgaben im Lebensprocess des Elementarorganismus zu. Daher lässt sich die Untersuchung der chemisch-physikalischen und morphologischen Eigenschaften der Zelle am besten in zwei Theile zerlegen: in die Untersuchung des Protoplasmakörpers und in die Untersuchung des Zellkerns.

Daran schliessen sich als Anhang noch 3 kleinere Abschnitte an. Von diesen handelt der erste über die Frage: Giebt es kernlose Elementarorganismen? Der zweite beschäftigt sich mit den Pol- oder Centralkörperchen, welche als besondere Zellorgane neben dem Kern zuweilen im Protoplasma aufgefunden werden; in dem dritten wird ein kurzer Abriss von der Nägeli’schen Theorie der Molecularstructur organisirter Körper gegeben werden.