Die vielfachen und in hellenistischer Zeit ganz besonders engen Beziehungen zwischen Ägypten und Syrien machen es sehr wahrscheinlich, daß in letzterem Lande auch die alchemistischen Lehren bereits frühzeitig eine Stätte fanden, ja den nach Westen vordringenden Arabern zuerst schon dort bekannt wurden[4072]. Mit Recht betonte daher, wie dies bereits oben bei Besprechung des PSEUDO-DEMOKRITOS Erwähnung fand, der berühmte Orientalist G. HOFFMANN schon 1884 die Wichtigkeit der einschlägigen früh-syrischen und -arabischen Handschriften (namentlich der in London und Cambridge vorhandenen) und deren Unentbehrlichkeit zur Aufklärung der anfänglichen Geschichte der Chemie und Alchemie. Ebenso wurde weiter oben auch erwähnt, daß BERTHELOT, dem gegebenen Fingerzeige folgend, DUVAL und HOUDAS zur Herausgabe und Übersetzung zweier der bedeutsamsten dieser Manuskripte veranlaßte; sie erwiesen sich teils als vermutlich dem 7.–9. und 9.–10. Jahrhunderte angehörige Kompilationen[4073], teils als dem 9.–10. und 10.–11. Jahrhunderte entstammende Übersetzungen aus dem Griechischen, die vieles sehr Alte, aber auch so vieles von weit späteren Autoren Zugefügte und Eingeschobene enthalten, daß ihr eigentlicher Sinn oft arg verdunkelt, oft auch bis zur gänzlichen Unerkennbarkeit entstellt erscheint. Da die Niederschriften der jetzt vorliegenden Fassung frühestens dem 11. Jahrhundert angehören sollen, Zeitgrenzen für die Interpolationen aber kaum genau festzulegen sind, lassen sich bestimmte Schlüsse auf die ursprüngliche, von arabischen Einflüssen noch unberührte Gestalt dieser Werke vorerst nur mit großer Zurückhaltung ziehen, und zumeist bleiben die Ergebnisse zu erhoffender weiterer Erforschung der zugehörigen alten Litteratur abzuwarten; zur Vorsicht betreff dieser mahnt aber das Vorhandensein vieler Pseudepigraphen, zu denen u. a. auch die von BERTHELOT[4074] aus dem „Fihrist“ angeführten, angeblich im 6. Jahrhundert verfaßten Übersetzungen des SERGIUS VON RESAINA zählen, — wie dies HOFFMANN schon 1884 hervorhob[4075].