Nach diesem, auch als „Causa causarum“ (Ursache der Ursachen) bekannten, in syrischer Sprache im 11. oder 12. Jahrhundert abgefaßten, aber auf weit ältere Quellen zurückgehenden Buche bestand die Welt ursprünglich aus einer form- und gestaltlosen Urmaterie „Hýle“[4161], aus der nach Gottes Willen zunächst vermöge der vier Qualitäten die vier Elemente hervorgingen, die ganz bestimmte Eigenschaften besitzen und unveränderlich an Menge und Gewicht sind[4162], weiterhin aber alle übrigen Dinge[4163], auch die Gestirne, die kein besonderes fünftes Element enthalten[4164].
Die ersten, allerorten gegenwärtigen Substanzen, die sich aus den Elementen bilden, sind Schwefel und Quecksilber[4165]. Aus dem Innern der Erde steigen nämlich Dünste und Dämpfe gegen ihre Oberfläche empor, auf der die Berge nicht anders sitzen wie die Schädel auf den Rümpfen oder die Deckel auf den Töpfen, und in ihnen schlagen sich die Dünste nieder und tropfen ab[4166], wobei sich Erde und Feuer zu weiblichem Schwefel vereinigen, Wasser und Luft aber zum [männlichen] Quecksilber[4167]; der Schwefel wird fest, das Quecksilber (Ziwag) ist und bleibt jedoch ein Wasser, eine Art Tau, der zuweilen auch als solcher aus den wässerigen Dünsten des Himmels herabfällt[4168]. Unter den Einflüssen der planetarischen Strahlungen[4169] und der „auskochenden“ Kraft der Sonne verbinden sich Schwefel und Quecksilber[4170] und ergeben, je nach ihrer Reinheit und den Mengenverhältnissen, je nach Ort, Klima, Luftmischung, Wärme, Zeitdauer und je nach Gottes Zulassung alle übrigen Substanzen, nämlich Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Eisen und Blei, ferner Edelsteine, Perlen, Purpur und andere Farbstoffe[4171], sodann die verschiedenen Arten Schwefel, Arsen, Markasit, Magnesia, Lasur, Mennige, Tutia, Salz, Nitron, Alaun, Vitriol und endlich sämtliche übrigen Gesteine und Erden[4172].
Die Erze finden sich hauptsächlich in den Bergwerken[4173], und aus ihnen gewinnt man die Metalle durch kunstvolle Trennungen, denn Gold z. B. läßt sich von Kupfer ebenso scheiden wie süßes Wasser vom Salze des Meeres[4174]; ihre Eigenschaften sind oft sehr merkwürdige, u. a. erhält das Eisen erst durch Blitzschlag seine beste Beschaffenheit[4175], auch wird es vom Magneten angezogen, soferne nicht die Gegenwart übelriechender Stoffe, wie Zwiebel oder Knoblauch, dessen Kraft behindert[4176].
Außer den Metallen bearbeitet man mittels Feuers auch das Glas, und die Glasmacher vollbringen mit Hilfe ihrer sinnreich gebauten Öfen, die in mehreren Abteilungen ein rasches Erhitzen und ein langsames, stufenweises Abkühlen gestatten, die erstaunlichsten Künste[4177].
Im Feuer, das sonst alles tötet, lebt der Vogel Amianton, dessen Gefieder den Asbest liefert[4178]; die das Leben erhaltende Luft hinwiederum ist an manchen Orten tödlich, z. B. in tiefen Schachten und in Zisternen[4179].