d. h. der ihm Aufträge erteilt[6732]. Verschiedene Stellen in den epischen Gedichten, z. B. im „Ramâyana“, sind wegen der zahlreichen Einschiebungen, die diese immer und immer wieder erlitten, nicht so beweisend für ein unabsehbares Alter der indischen Eisentechnik, wie OPPERT dies annahm[6733]; auch stammt die berühmte schmiedeeiserne Kutub-Säule zu Delhi nicht, seiner Voraussetzung gemäß, aus dem 9. vor-, sondern aus dem 4. nachchristlichen Jahrhundert[6734]. Da sie indessen bei 60 cm Durchmesser und 7,5 m Höhe etwa 170 dz schwer und außerdem in höchst merkwürdiger, bisher nicht näher aufgeklärter Weise zusammengeschweißt ist, so setzt auch schon das angegebene Alter eine lange und stetige Entwicklungszeit der Schmiedekunst voraus, und für diese zeugen noch einige andere kleinere, aus einzelnen Stücken verschweißte, teils hohle, teils mit Schlacke gefüllte Säulen und Träger im Tempel zu Dhar (Mittelindien) und in der Pagode zu Orissa (Bengalen)[6735]. Die Gewinnung des Eisens erfolgte in Indien und auch in Ceylon, wo es schon im 1. Jahrhundert n. Chr. häufig und vielgebraucht war[6736], durch Rennarbeit, vermutlich in ganz den nämlichen, oft auffällig kleinen Öfen, deren sich die Schmiede und die in Indien noch sehr verbreiteten Wanderschmiede, bis auf den heutigen Tag bedienen[6737]; der erweichte Eisenklumpen wurde dann ausgeschmiedet, worüber es bereits in den seit etwa 1000 v. Chr. abgefaßten „Upanischaden“ in einem Gleichnisse heißt: „(und dies geschieht) ... gerade so, wie ein Eisenklumpen, vom Feuer überwältigt und von den Werkleuten gehämmert, mannigfaltige Gestalten annimmt“[6738].
An das fertige Eisen knüpften sich zahlreiche abergläubische Vorstellungen: Pflanzen, die in der Nähe von Eisen wuchsen, galten für giftig; mit Wunder- oder Heilkräften begabte Pflanzen durften nicht mit eisernen Geräten berührt oder geschnitten werden[6739]; zwei eiserne Schwerter, die auf dem Grunde eines Brunnens lagen, wehrten Sturm und Hagel ab, wenn man sie hervorholte und in die Erde pflanzte[6740], usf.
Indisches Eisen und indischer Stahl (στόμωμα) waren nach PLINIUS bereits zu Anfang der Kaiserzeit hochgeschätzt[6741] und wurden u. a. auch nach Ostafrika ausgeführt[6742], dessen Eisen man vielleicht schon damals, jedenfalls aber in späteren Jahrhunderten, nach Indien verschiffte, weil es besseren Stahl ergeben sollte als das indische selbst[6743]. Seit alters her gelangte ferner indischer Stahl nach Arabien[6744], Persien und Syrien, später aber bezog man ihn dorthin oft nur in Blöcken, um ihn erst entsprechend umzuarbeiten[6745]; berühmt waren die Schwerterschmiede der von Kaiser DIOKLETIAN in Damaskus angelegten Waffenfabriken, die ihre Kunst, allen Stürmen der Zeiten trotzend, von Geschlecht zu Geschlecht vererbten, bis 1399 TAMERLAN ihre letzten Nachkommen gewaltsam aufhob und ins Exil nach Samarkand und Chorasan verschleppte[6746]. — Der sog. „damascierte Stahl“ war aber ursprünglich kein damascener Erzeugnis, sondern gelangte nur über diese Stadt in den Handel, oder wurde dort zu den wegen ihrer Schönheit und Biegsamkeit hochgeschätzten damascener Klingen und Schwertern umgeschmiedet, und zwar aus einem Rohmaterial, dessen Heimat Indien und vor allem die Gegend des Pendschabs war[6747]. Seine Herstellung geschieht dort noch heutzutage im kleinen, indem man das aus sehr reinen Erzen gewonnene Schmiedeeisen in Stäbchen zerteilt, diese in gewisser Weise mit Holz und Blättern bestimmter Pflanzen zusammenschichtet und erhitzt, das entstehende Gemisch an Kohlenstoff ärmeren und reicheren Eisens wiederholt umschmiedet und es schließlich anätzt, wobei die Säure das kohlenstoffreichere Produkt schwächer angreift und hierdurch die bekannte wellen- oder flammenförmige Zeichnung erzeugt; als wesentlich ergibt sich hierfür, daß genügend lange, aber nicht zu stark (keinesfalls bei oder oberhalb 700°) geglüht und die fertige Mischung der Eisen-Kohlenstoff-Verbindungen (feinkörnigen Cementits und Perlits) weder einer zu hohen Temperatur ausgesetzt noch während der Abkühlung durchgearbeitet wird[6748]. Unrichtig ist, daß dabei geringe, aus den benützten Erzen herrührende Gehalte an seltenen Bestandteilen, z. B. an Wolfram, von Einfluß sind, und fraglich, ob sich ein schon 1780 von PERRET erwähntes eigentümliches Härten (durch Abkühlen mit kalter, durch eine schmale Spalte austretender Preßluft) als nützlich oder notwendig erweist[6749]. Das Zusammenschweißen von fertigen Stäben Stahl und Schmiedeeisen nebst etwas Holzkohle, Graphit oder Roheisen, — oft nach ganz bestimmten Mustern —, ergibt zwar in den Händen Geübter recht schöne Ware, führt aber stets nur zu mehr oder minder gelungenen Nachahmungen der eigentlichen echten; Schärfe und Gleichmäßigkeit der Zeichnung, sowie Glanz und Schiller ins silber- oder goldfarbige hängen dabei völlig von Beschaffenheit, Reinheit und Mischungsverhältnis der Rohstoffe ab, sowie von Erfahrung und Geschicklichkeit des Ausführenden[6750].
Die alten Araber schrieben nach IBN RUSTEH (um 900) die Erfindung der eisernen Pflüge, Waffen und Geräte meist dem König SALOMON zu, verlegten sie also in die mythische Vorzeit, während THAʿALIBI (um 1000) zu erzählen weiß, der um etwa 500 Jahre ältere DHU IHZAN aus dem Stamme der Himjariten sei zuerst auf den Gedanken gekommen, die Speeresspitzen aus Rinderhorn durch solche aus Eisen zu ersetzen[6751]. In Wirklichkeit bestand aber schon in vorislamischer Zeit eine alte einheimische Eisenindustrie in Ostarabien, Bahraïn, Oman und Jemen, wo Lanzen, Helme, Schwerter und auch Panzer angefertigt wurden, die besten aus persischem, indischem und angeblich auch chinesischem Eisen und Stahl, welche letzteren man auf dem Seewege erhielt[6752]. Die Behauptung, die ersten Schwerter hätten aus Eisen des Himmels = Meteoreisen bestanden, ist eine bloße Sage[6753], gegen die nicht nur die Schwierigkeit spricht, dieses Material zu schmelzen und zu bearbeiten, sondern auch die Tatsache, daß die Schmiede bei den Arabern seit jeher und bis auf den heutigen Tag mißachtet sind, für stammfremd gelten und außerhalb der Ehegemeinschaft stehen[6754]; es ist dies um so auffälliger, als die 57. Sure des Korans lehrt, daß das Eisen eine den Menschen von ALLAH verliehene Gabe sei, weshalb es die Araber, abweichend von vielen anderen Völkern, auch niemals als solches hinter Kupfer oder Bronze zurücksetzten[6755]. Nach Beginn der Eroberungskriege und zur Zeit des Khalifats entfaltete sich die Eisenindustrie in glänzender Weise, worüber schon weiter oben Näheres berichtet wurde, und zwar besonders in Syrien und Persien[6756], in Kerman[6757], in Transoxanien, das jährlich 1300 Barren als Tribut bezahlte[6758], aber auch im Maghreb (Westafrika)[6759]. Persisches Harteisen, fulâd (= Stahl), gehörte zu den wichtigsten Ausfuhrwaren nach Indien und China[6760], obwohl die Araber bis zur Schwelle der Neuzeit hin auch wieder indischen Stahl nach den ägyptischen, syrischen und kleinasiatischen Häfen brachten[6761], zugleich aber europäische Eisenwaren aller Art über Ägypten nach Indien verkauften[6762]. Arabischer Vermittlung verdankt der indische Stahl auch seinen hohen Ruf bei den mittelalterlichen Schriftstellern, die ihn nicht selten als den vorzüglichsten und widerstandsfähigsten der Welt anpreisen; in dieses Lob stimmen selbst die Dichter ein, wie z. B. WIRNT VON GRAVENBERCH (um 1210) an einer Stelle seines „WIGALOIS“ sagt[6763]:
In Mitteleuropa beginnt die eigentliche Eisenzeit um 1000 v. Chr., wenn auch vereinzelte Gegenstände schon einige Jahrhunderte vorher bekannt gewesen sein mögen[6764], und umfaßt die ältere sog. Hallstädter- und die jüngere sog. La Tène-Periode, deren Zeitgrenze etwa das Jahr 400 v. Chr. bildet[6765]. Nach FORRER scheint man anfangs versucht zu haben, kleinere Gegenstände nach Art der Bronze und in ähnlichen Formen durch Guß herzustellen[6766], wobei sich in der Regel bedeutende Schwierigkeiten und unzureichende Erfolge ergeben mußten, die das neue Metall nur langsam und spärlich Boden fassen ließen; daher weisen auch die späteren Pfahlbauten nur wenige eiserne Schmucksachen auf, z. B. hin und wieder Bronzebeile mit eingelegten Eisenklingen, u. dgl.[6767]. Zur Hallstädter Zeit hatte, falls überhaupt noch kleinere Gußsachen vorkamen[6768], die Schmiedekunst schon das völlige Übergewicht erlangt und hierdurch dem Eisen ausgebreitete und steigende Anwendung gesichert; Schmuck ist selten, Waffen, Werkzeuge und Geräte werden aber in verhältnismäßig bedeutenden Mengen angefertigt und auch schon oberflächlich gehärtet und verstählt[6769]. Noch größere Ausdehnung und Mannigfaltigkeit erreicht die Erzeugung zur La-Tène-Zeit[6770], daß es aber damals auch eine Gußtechnik gegeben habe, die aus unbekannten Gründen wieder verloren gegangen und dann erst gegen Ende des Mittelalters aufs neue entdeckt worden sei[6771], ist ganz unwahrscheinlich und wird durch die gemachten Funde nicht bestätigt. Die metallographische Prüfung der Erzeugnisse beider Perioden erweist die Auswahl guter, oft sogar vorzüglicher Erze und weitgehende Erfahrung hinsichtlich der Ausgleichung von Fehlern der Materialien durch die Bearbeitung, lehrt aber zugleich, daß diese doch noch eine äußerst unvollkommene und unregelmäßige war, so daß z. B. von ausreichender Trennung zwischen Schmiedeeisen und Stahl gar nicht die Rede sein kann, und Gegenstände besserer Beschaffenheit auch dann als Einfuhrware (meist etruskische) gelten dürfen, wenn nicht schon andere Kennzeichen sie mit Sicherheit als solche erweisen[6772].
Träger der Hallstädter Kultur scheinen Illyrier gewesen zu sein[6773], Träger der von La-Tène Kelten[6774]. Letztere waren schon lange vor der römischen Zeit im Bergbau wohlerfahren und verstanden bereits, Schwerter, Speere, Spieße u. dgl., ferner Handwerkszeug und vielleicht auch eine Art zum Tauschhandel dienlicher Eisenbarren in ganz der nämlichen Weise herzustellen, von der später CAESAR berichtet[6775]; auch wußten Kelten und Keltiberer frühzeitig treffliche Stahlwaffen zu gewinnen[6776], deren außerordentliche Härte und Biegsamkeit bereits der Kriegsschriftsteller PHILON (gegen 200 v. Chr.) als eine altbekannte rühmt[6777], und zwar sollen sie zu diesem Zwecke das Eisen zunächst in die Erde eingegraben und so lange in ihr belassen haben, bis die weniger widerstandsfähigen Anteile verrostet waren, und nur das Brauchbarste als Kern (nucleus = acies) übrigblieb[6778]. — Die Germanen, denen ursprünglich, wie allen Indogermanen, allein das Kupfer bekannt war, — noch HERODOT meldet als etwas Besonderes, daß ein Skythenstamm seinen Kriegsgott unter der Gestalt eines eisernen Schwertes (σιδήρεος ἀκινάκης) verehre[6779] —, empfingen das Eisen, sowohl Sache wie Namen, etwa seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. von den Kelten[6780]; in das Licht der Geschichte eintretend besitzen sie bereits Eisen und Stahl, wenngleich, wie noch TACITUS hervorhebt, nur in bescheidener Menge[6781], und bereiten es durch Ausschmelzen der Erze in kleinen Erdlöchern mittels des Gebläses, sowie durch Aushämmern der Rohluppen in jenen urwüchsigen Waldschmieden, die sich in wenig veränderter Gestalt bis tief ins Mittelalter hinein erhielten[6782]. Auch bei ihnen gelangte erst in der Eisenzeit die Kunst des Schmiedens zur eigentlichen Entwicklung, daher ist ihnen der Schmied, für den die Indogermanen noch keine Bezeichnung haben, und der im Gotischen smitha, im Altnordischen smîdr, im Althochdeutschen smid heißt, anfänglich nur ganz im allgemeinen ein Künstler, ein zu irgendwelchen Handgriffen Geschickter, der sich z. B. auf das Holzschnitzen, oder auf das Zurechtmachen und Wiederherstellen von allerlei Hausgeräten versteht usf.[6783]. Erst weiterhin wird er zum ausschließlichen Fachmanne, zum Eisen-Schmiede, dem angesichts seiner besonderen Kunst ein gewisser Schein des Weisen, Wundertätigen und Zauberers anhaftet; in dieser Eigenschaft vollbringt er übernatürliche Taten, wie sie die Sage etwa von WIELAND DEM SCHMIED berichtet[6784], überlistet und vertreibt er böse Geister und Dämonen (später auch den Teufel), heilt dadurch als „Kurschmied“ kranke Tiere und Menschen und verfertigt eiserne Opfer- und Weihe-Gaben aller Art, wie sie bei der katholischen Bevölkerung des deutschen Südens noch gegenwärtig eine wichtige Rolle spielen[6785]. Der deutsche Name, Eisen, wird seitens einiger Forscher vom gemein-keltischen und in vielen geographischen Bezeichnungen der Kelten nachklingenden isarno abgeleitet, dessen erste Silbe is mit ayas, aes, aiz (ursprünglich = Kupfer) zusammenhängen soll, und das zunächst in das germanische îsarn, eisarn überging[6786]; nach anderen aber hat isarno nichts mit ayas oder aes zu tun, sondern kommt vom keltischen isarâ = stark, kräftig, das sich in zahlreichen Flußnamen erhalten hat (u. a. in Isarkos = Eisack), und bedeutet also das starke, kräftige Metall (gegenüber dem Kupfer und der Bronze). Da aber die angedeuteten Namen, auch Isarkos, ursprünglich illyrisch sein sollen, so gilt hiernach die Voraussetzung für gerechtfertigt, die Kelten hätten hinwiederum das Metall und seinen Namen den Illyriern entlehnt, womit es übereinstimme, daß illyrische Veneter als Träger der älteren Eisenkultur der Hallstädter Zeit anzusehen seien[6787].
Im Norden Europas, z. B. in Schweden, wird Eisen um 800 v. Chr. bekannt[6788], die Eisenzeit aber beginnt nach MONTELIUS und S. MÜLLER frühestens um das 5. Jahrhundert v. Chr.[6789]; es werden eiserne Schmucksachen, Waffen und Werkzeuge dargestellt[6790], im ganzen geht aber die nordische Entwicklung nur äußerst langsam vor sich, so daß z. B. nach Norwegen bessere Stahlwaren noch im 9. Jahrhundert n. Chr. aus Lüttich zur Einfuhr gelangen[6791].
Während die östlichen Finnen das Eisen mit dem iranischen oder kaukasischen Lehnworte andun benennen, heißt es bei den Westfinnen rauta (ursprünglich = Kupfer)[6792], wonach SCHRADER vermutet, die Finnen hätten es erst durch ihre germanischen Nachbarn kennen gelernt und wären anläßlich seiner Benützung allmählich zu tüchtigen Schmieden geworden[6793]. Nach HACKMANN besaßen indessen die im 4. oder 5. Jahrhundert in ihre jetzigen Sitze einwandernden Finnen bereits die Kultur des Eisenzeitalters[6794], und die alten Sagen der „Kalewala“ gedenken in der Tat unzählige Male des Eisens, des Stahles und der Schmiede, und schildern auch in ausführlicher Weise die Vorstellungen, die man sich von der Entstehung des Eisens aus dem Sumpferze machte[6795]. Im „Kalewipoeg“ ist sehr häufig von Eisen und Stahl die Rede, u. a. von „Stahl, gehärtet mit 7 Wässern“[6796]; in den „Mythischen und magischen Liedern der Esthen“ schmelzen und schmieden die „Unterirdischen“ das Eisen, „dessen Wunden giftig sind“[6797], und in den „Esthnischen Märchen“ sind eiserne Geräte „Gegenstände täglichen Gebrauches, bei uns zu Lande verfertigt“[6798].
Völlig irrtümlich ist die Angabe, man habe im Norden schon zu sehr früher Zeit die Kunst verstanden, Weißblech darzustellen, also das Eisen zu verzinnen; diese Erfindung wurde vielmehr aller Wahrscheinlichkeit nach während des 14. Jahrhunderts im Erz- und Fichtelgebirge gemacht, auf das Sorgfältigste geheimgehalten und erst um 1665 an einen aus England entsandten Auskundschafter verraten[6799].