WeRead Powered by ReaderPub
Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen cover

Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen

Chapter 123: Zur Steuerung des Notstandes
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Der Text versammelt typische Fehler und unsichere Wendungen der deutschen Sprache und erläutert sie nach Wortbildung, Formenlehre und Satzbau geordnet. Er behandelt Deklinationen und Konjugationen, Plural- und Genitivformen, Steigerung, Partizipien, Präpositionen, Relativsätze, Tempus- und Modusfragen sowie zahlreiche Beispiele problematischer Formulierungen. Ziel ist weniger ein vollständiges Regelwerk als die Schärfung des Sprachgefühls: durch kritische Analyse und treffende Beispiele soll eine einfachere, natürlichere Ausdrucksweise gefördert werden. Das Werk ist als aufmerksam zu studierender Leitfaden gedacht, nicht als bloßes Nachschlagewerk.

Zur Steuerung des Notstandes

Ein persönliches Passivum kann natürlich nur von solchen Zeitwörtern gebildet werden, die ein direktes Objekt (im Akkusativ) zu sich nehmen: ich bestreite die Nachrichtdie Nachricht wird von mir bestritten. Von Zeitwörtern, die ein indirektes Objekt (im Dativ) haben, läßt sich nur ein unpersönliches Passivum bilden: ich widerspreche der Behauptungder Behauptung (nicht: die Behauptung!) wird von mir widersprochen. Daher ist es falsch, so, wie es unsre Zeitungen jetzt täglich tun, von unwidersprochnen Nachrichten zu reden, oder zu sagen wie unsre Reichstagsabgeordneten: dieser Artikel darf nicht unwidersprochen bleiben, diese Äußerung möchte ich nicht unwidersprochen ins Land gehen lassen. Unwiderlegt – das wäre richtig, und aufs Widerlegen kommts doch wohl auch viel mehr an als aufs Widersprechen. Ebenso falsch sind bedankt und unbedankt (nun sei bedankt, mein lieber Schwan! – der Vorstand kann Sie an diesem Tage nicht unbedankt hinweggehen lassen); denn es heißt nicht: ich danke dich, sondern ich danke dir, oder: ich bedanke mich bei dir.[114]

Ebenso kann natürlich ein Objektsgenitiv nur an solche Verbalsubstantiva gehängt werden, die aus Zeitwörtern mit direktem Objekt gebildet sind. Falsch und liederlich ist es, zu schreiben: die Kündigung der Arbeiter (wenn nicht gemeint ist, daß die Arbeiter kündigen, sondern daß den Arbeitern gekündigt wird), ebenso falsch: zur Steuerung oder zur Abhilfe des Notstandes – sie war zur Hilfeleistung ihrer Mutter anwesend – denn gesteuert oder abgeholfen wird dem Notstande, nicht der Notstand.