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Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen cover

Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen

Chapter 134: Donnerstag und Donnerstags – nachmittag und nachmittags
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Der Text versammelt typische Fehler und unsichere Wendungen der deutschen Sprache und erläutert sie nach Wortbildung, Formenlehre und Satzbau geordnet. Er behandelt Deklinationen und Konjugationen, Plural- und Genitivformen, Steigerung, Partizipien, Präpositionen, Relativsätze, Tempus- und Modusfragen sowie zahlreiche Beispiele problematischer Formulierungen. Ziel ist weniger ein vollständiges Regelwerk als die Schärfung des Sprachgefühls: durch kritische Analyse und treffende Beispiele soll eine einfachere, natürlichere Ausdrucksweise gefördert werden. Das Werk ist als aufmerksam zu studierender Leitfaden gedacht, nicht als bloßes Nachschlagewerk.

Donnerstag und Donnerstags – nachmittag und nachmittags

Auch auf die Frage: wann? muß bei periodisch wiederkehrenden Handlungen stets der Genitiv stehen. Auf die Frage: wann ist der Eintritt ins Museum frei? kann nur geantwortet werden: Montags und Donnerstags, wenn damit gesagt sein soll, daß es jeden Montag und jeden Donnerstag so sei. Ebenso bezeichnet morgens, mittags, vormittags, nachmittags, abends Handlungen, die jeden Morgen, jeden Mittag usw. geschehen. Die einmalige Handlung dagegen wird durch den Akkusativ ausgedrückt. Aber auch hier herrscht jetzt Verwirrung. Genitive wie Sonntags, Montags gelten jetzt lächerlicherweise manchen beim Schreiben für unfein, und umgekehrt drängt sich wieder der Genitiv dahin, wo er nicht hingehört. In der Umgangssprache wird er schon ganz anstandslos auch von einmaligen Handlungen gebraucht: kommst du mittags zurück? Nein, ich komme erst abends zurück. Es muß heißen: zu Mittag und am Abend oder mit dem bloßen Akkusativ: Mittag, Abend. Also: ich bin heute mittag in Berlin, aber heute abend schon wieder in Leipzig; dagegen: ich bin mittags stets in Berlin, abends stets in Leipzig.[123] Ganz abscheulich ist es, zu schreiben: anfangs April, anfangs Dezember, anfangs der fünfziger Jahre, anfangs der Spielzeit, es muß unbedingt heißen: Anfang April, Anfang Dezember, wie Mitte Dezember, Ende Dezember. Auch Anfang, Mitte, Ende sind hier Akkusative, Dezember ein (natürlich schlechter!) Genitiv (vgl. S. 8). Anfangs kann immer nur allein als Adverbium stehen, im Gegensatze zu dann, später, endlich (anfangs wollt ich fast verzagen).