WeRead Powered by ReaderPub
Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen cover

Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen

Chapter 38: Zahlwörter
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Der Text versammelt typische Fehler und unsichere Wendungen der deutschen Sprache und erläutert sie nach Wortbildung, Formenlehre und Satzbau geordnet. Er behandelt Deklinationen und Konjugationen, Plural- und Genitivformen, Steigerung, Partizipien, Präpositionen, Relativsätze, Tempus- und Modusfragen sowie zahlreiche Beispiele problematischer Formulierungen. Ziel ist weniger ein vollständiges Regelwerk als die Schärfung des Sprachgefühls: durch kritische Analyse und treffende Beispiele soll eine einfachere, natürlichere Ausdrucksweise gefördert werden. Das Werk ist als aufmerksam zu studierender Leitfaden gedacht, nicht als bloßes Nachschlagewerk.

Zahlwörter

Gegen die richtige Bildung der Zahlwörter werden nur wenig Verstöße begangen; es ist auch kaum Gelegenheit dazu. Lächerlich ist es, daß manche Leute immer sechszig und siebenzig drucken lassen, denn in ganz Deutschland sagt man sechzig und siebzig. Für fünfzehn und fünfzig sagen manche lieber funfzehn und funfzig. Im Althochdeutschen stand neben unflektiertem funf ein flektiertes funfi, woraus im Mittelhochdeutschen fünfe wurde. Funfzig ist nun mit funf gebildet, mit fünf dagegen fünfzehn und fünfzig, die in der Schriftsprache die Oberhand gewonnen haben.[32]

Statt hundertunderste kann man jetzt öfter lesen: hundertundeinte, aber doch nur nach dem unbestimmten Artikel: nicht als ob ich zu den hundert Fausterklärungen noch eine hundertundeinte hinzufügen wollte. Es schwebt dabei wohl weniger die Reihenfolge und der neue letzte Platz in dieser Reihenfolge vor, als die Zahl, die von hundert auf hundertundeins steigt. Trotzdem hat die Form keine Berechtigung.

Die Bildungen anderthalb (d. h. der andre, der zweite halb), drittehalb (2½), viertehalb (3½) sind jetzt mehr auf die Umgangssprache beschränkt; in der Schriftsprache sind sie seltner geworden. Es ist aber nichts gegen sie einzuwenden.