Lektion 3.
Tief unten.
Heute wollen wir unser Netz gebrauchen. Halte den Stock recht fest und wirf das Netz in den Teich, wie ein Fischer die Angelfliege auswirft. Der Stein wird das Netz langsam zum Sinken bringen. Wenn man es nun vorsichtig durch den Schlamm und die Wasserpflanzen zieht, wird man sicher etwas fangen.
Bringe dann das Netz ans Land, leere es auf dem Grase aus und setze alles, was du findest, in das klare Wasser der Flasche. Man findet vielleicht einen kleinen Fisch, einige Kaulquappen oder Wasserschnecken. Es ist auch wohl eins von den sonderbaren Geschöpfen darin, die auf Seite 13, Fig. a abgebildet sind. Ihr werdet gewiß nicht glauben, daß dies die Larve der Libelle ist. Aber es ist doch so. Es ist ein langes Insekt, das aus lauter Ringen besteht, sechs Beine besitzt und Augen, die denen der Libelle gleichen. Es hat keine Flügel; eine sonderbare Art von Arm, mit Zangen am Ende, kommt unter der Unterlippe hervor.
Dieser Arm ist tatsächlich ein Teil der Unterlippe. Er wird Fangmaske genannt und besitzt Gelenke, so daß er unter die Unterlippe und zwischen die Beine zurückgeschlagen werden kann. Wenn die Larve nun Nahrung nötig hat, wartet sie ruhig im Schlamm, bis ein Käfer oder eine Wasserwanze vorbeikommt. Dann schnellt die Maske hervor und hält die Beute mit den Zangen fest.
Nun betrachte den Hinterleib, der entweder spitz oder in drei lappenförmige Anhängsel ausläuft. Durch die Öffnung am Leibesende läuft Wasser in diesen und die darin enthaltene Luft dient zum Atmen. Jenes wird wieder ausgestoßen, durch den dadurch erzeugten Stoß bewegt sich die Larve fort.
Diese Libellenlarve lebt zwei Jahre lang unten im Teich. Sie wechselt mehrere Male die Haut, und es wachsen ihr ein paar Flügelstümpfe. Dann kriecht sie an einem Stengel hinauf, wie wir in der letzten Lektion sahen, und wird eine Libelle.
Aber was ist dies hier in unserem Netz? Zuerst könnte man denken, es wäre ein Stückchen Holz oder Schlamm mit kleinen Steinen darin, oder ein paar verfilzte Grashalme. Und so ist es auch. Aber im Innern sitzt etwas Lebendiges. Wenn man aufmerksam zusieht, so wird man bemerken, daß ein Insekt den vorderen Körperteil mit sechs Beinen herausstreckt.
Es ist ein weiches kleines Geschöpf, die Larve der Köcherfliege. Wenn man die Stückchen Gras oder die kleinen Steinchen usw. wegnimmt, so findet man die weiche Larve im Innern. Sie hat sechs Beine und eine Anzahl von kleinen Büscheln an den Seiten des Körpers. Damit atmet sie, ebenso wie die Kaulquappe mit den Kiemen.
Man kann oft diese Larven der Köcherfliegen auf dem Grunde der Bäche kriechen sehen, wo sie wie kleine sich bewegende Bündel von Holzstückchen oder von Steinen erscheinen. Man kann sie aufnehmen, ohne ein Netz zu gebrauchen. Sie bauen diese Gehäuse um sich herum, um ihre weichen Körper zu schützen, die von Fischen gern gefressen werden.
Allmählich verwandeln sie sich in kleine gelbbraune Insekten, die wie Motten aussehen. Am Abend fliegen sie über dem Wasser auf und ab. Wir haben sie nicht mit den Eintagsfliegen und Mücken zusammengesehen, weil sie den Sonnenschein nicht lieben.
Ihr werdet wahrscheinlich noch viele kleine Wasserlarven mit eurem Netz herausfischen. Aber ihr müßt sorgfältig aufpassen, denn sie sind sehr klein. Einige von ihnen haben kleine Büschel an den Seiten. Dies sind die Larven der Mücken und Eintagsfliegen, die über dem Teiche fliegen. Sie alle leben einige Zeit im Wasser. Wenn letztere aber in die Luft herauskommen, leben sie nur noch kurze Zeit.