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Bäume und Sträucher

Chapter 7: Lektion 4. Bäume mit Kätzchenblüten.
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About This Book

Das Werk wendet sich an junge Leser und erklärt auf klare, einfache Weise die Bedeutung, Lebensweise und Nutzung von Bäumen und Sträuchern. Es behandelt Aussaat und Wachstum, Blüten und Früchte, Blattformen und Aufbau sowie typische Baumarten und ihre Beziehungen zu Vögeln, Insekten und anderen Tieren. Ebenfalls thematisiert werden Hecken- und Gartensträucher, Parkbäume und alltagsnahe Verwendungen von Holz. Zahlreiche natürgetreue Abbildungen und kurze, abgeschlossene Lektionen regen zu eigenen Beobachtungen und praktischer Beschäftigung mit der Natur an.

Lektion 4.
Bäume mit Kätzchenblüten.

Die Roßkastanie ist einer der wenigen großen deutschen Bäume, die große Blütenrispen haben. Es gibt in den Hecken viele hübsche blühende Sträucher, wie Schwarz- und Weißdorn und Schneeball. Aber viele große Bäume haben kleine Blüten. Da einige dieser Bäume blühen, ehe sich ihre Blätter entfalten, so kann man ihre Blüten sehen. So wollen wir denn einige betrachten.

Wenn in der Nähe eurer Wohnung viele Bienen sind, und dort einige Salweiden entweder in den Hecken oder Gehölzen wachsen, so geht an einem sonnigen Märztage hinaus, legt euch unter einen der Bäume und paßt auf.

Bald werdet ihr ein Summen hören, das so lange dauert, wie die Sonne scheint. Denn die Bienen sind aus ihrem langen Winterschlafe erwacht und brauchen Honig und Blütenstaub, um Bienenbrot zu bereiten. Es blühen nur sehr wenige Blumen im März, und wenn der süße Duft des Honigs von den Blüten der Weide aufsteigt, so werden die Bienen seiner schnell gewahr.

Ihr werdet mich vielleicht fragen, woran man eine Salweide erkennt. Ihr kennt sie sehr gut, obwohl ihr vielleicht den Namen nicht wißt. Es ist ein großer, buschiger Baum mit einem grauen Stamm; sie wächst in Hecken und feuchten Gehölzen. In manchen Gegenden schneiden die Leute am Palmsonntag Zweige davon ab und nennen sie Palmen.

Im März und April werdet ihr an den Zweigen runde, weiche, walzenförmige Gebilde sehen, so groß wie Fingerhüte, die bald auf der einen, bald auf der anderen Seite des Zweiges wachsen. In diese stecken die Bienen ihre Köpfe hinein. Ihr erinnert euch an die Kätzchen, die wir im ersten Buch auf den Nußbäumen sahen. Diese weichen Gebilde, die sich dicht an die Weide schmiegen, sind auch Kätzchen. Bei Weiden stehen sie nach oben, anstatt wie bei dem Nußbaum nach unten zu hängen, und bei der Salweide umfassen sie den Zweig.

Aber nun möchte ich, daß ihr noch weiter aufpaßt. Der Baum, unter dem ihr gerade sitzt, hat hoffentlich breite gelbe Kätzchen (vergl. bunte Tafel II), und wenn ihr einen Zweig abpflückt und ihn genau anseht, werdet ihr sehen, wie die gelben Staubbeutel rund um die Kätzchen herumstehen. Aber ihr findet vielleicht ganz in der Nähe einen anderen Baum derselben Art, auf dem die Kätzchen weich und grau sind (vergl. bunte Tafel II, 1). Sie sind viel länger und schmäler als die gelben Kätzchen.

Blüten der Salweide.
1. Blüte mit Fruchtknoten. 2. Blüte mit Staubgefäßen. L. Blattschuppe. H. Honigdrüse. O. Fruchtknoten. S. Staubgefäß.

Pflücke einen Zweig von jedem dieser Bäume und nimm ihn mit zur Schule. Wenn ihr die Kätzchen zerpflückt, so werdet ihr finden, daß jedes derselben aus winzigen Blüten besteht. Bei den gelben Kätzchen besteht jede Blüte nur aus einem kleinen schuppigen Blatte (L, 2) mit zwei Staubgefäßen. Nein! Ich habe etwas vergessen. Es ist noch etwas anderes dabei, denn unten an dem schuppigen Blatt sitzt ein kleiner Becher (H), der einen Tropfen Honig enthält. So sind, wie ihr seht, sehr viele Tropfen Honig in einem Kätzchen.

Wenn ihr nun die grauen Kätzchen zerpflückt, so werdet ihr denselben Honigbecher (H) unten an der Blütenschuppe finden, aber anstatt der Staubgefäße bemerkt ihr einen kleinen Fruchtknoten (O) in der Form einer Flasche mit einer verschrumpften Narbe.

Nun könnt ihr auch sehen, wozu der Honig dient. Da die Staubgefäße und Fruchtknoten auf verschiedenen Bäumen sitzen, so müssen die Blüten die Bienen in die Versuchung bringen, den Blütenstaub fortzutragen. Es ist klug, Weiden dahin zu pflanzen, wo in der Nachbarschaft Bienen gehalten werden; denn diese holen im Frühling eine Menge Honig aus ihnen heraus. Die Korbweide, die in Sümpfen wächst, und deren Zweige zu Körben verarbeitet werden, blüht zu derselben Zeit wie die Salweide. Aber die gemeine Silber-, auch Kopfweide genannt, die oft ein großer Baum wird, und die Bruch- oder Knackweide, deren Zweige beim Versuche, sie zu biegen, so leicht brechen, blühen später, erst nachdem die Blätter hervorgewachsen sind. Alle blühen aber immerhin noch frühzeitig, und wenn die winzigen, mit weißem Flaum bedeckten Samen aus den Kätzchen herausgeweht sind, benutzen manche Vögel sie beim Nestbau.

Ein anderer Baum, der blüht, ehe die Blätter kommen, ist die deutsche Pappel, die fast überall wächst. Pappeln haben zwei Arten von Blüten auf verschiedenen Bäumen wie die Weiden. Aber sie haben keinen Honig, und so kommen keine Bienen in ihre Nähe. Ich denke, daß ihr bald erraten werdet, wie die Übertragung des Blütenstaubes geschieht, wenn ihr Pappeln in eurer Nähe habt und sie beobachtet. Die stürmischen Aprilwinde schwingen die lang herabhängenden Kätzchen hin und her und der trockene Blütenstaub wird durch die Luft von Baum zu Baum geweht.

Zweige der Pappel.
1. Kätzchen mit Staubgefäßblüten. 1a. Einzelne Blüte vergrößert. 2. Kätzchen mit Stempelblüten, die also einen Fruchtknoten enthalten. 2a. Einzelblüte vergrößert.

Wißt ihr auch wohl, welchen Baum ich unter „deutscher Pappel“ verstehe? Nicht jene hohen steifen Bäume, die gerade zum Himmel emporsteigen. Diese kommen aus Italien und heißen italienische Pappeln. Die deutschen Pappeln sind sehr breitästige Bäume mit großen Blättern, die an langen Stielen hängen. Bei der Silberpappel sind die Blätter unterseits weißfilzig, und die der Espe oder Zitterpappel sind auf der Unterseite mit seidenartigen Haaren bedeckt. Die Blätter drehen sich an ihren langen Stielen, wenn der Wind geht, und sehen sehr hübsch aus, wenn sie ihre weißen Seiten zeigen.

Noch einen anderen Baum mit zweierlei Blüten müßt ihr aufsuchen. Die Blüten mit Staubgefäßen bilden lange lose Kätzchen, während die mit dem Stempel und Fruchtknoten in kleinen, mit Schuppen umgebenen Knospen sitzen. Dies ist unser Freund, der Eichbaum, nachdem er zu einem großen Baume herangewachsen ist. Die Eiche blüht im Frühling, gerade wenn die Blätter hervorkommen. Man kann leicht die Kätzchen erkennen, wie sie im Winde hin- und herschwanken, aber die Blüten, aus denen die Eicheln entstehen, sind sehr klein und wachsen einzeln oder in Paaren zwischen den Stielen der Blätter und der Zweige. Jede ist von einer kleinen Zahl von Schuppen umgeben, die sich nach und nach zu dem Becher der Eichel verhärten.

Die Eiche ist ein so wichtiger Baum, daß wir von ihr in einer besonderen Lektion sprechen müssen.

Suche im März Weidenkätzchen mit weiblichen und männlichen Blüten. Suche nach dem Honigbecher. Suche Blätter und Zweige der deutschen Pappel.