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Das Gedächtnis

Chapter 10: Gruppenbilden, Stelle-Anweisen (Lokalisieren), Gliedern.
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About This Book

The work examines the nature and central role of memory, defining it as the capacity to imprint, retain and later reproduce perceptions and ideas. It outlines the adoption of scientific experiment in studying mental life and describes consciousness and the internal mechanisms that support remembering. A substantial practical section offers rules for effective memory work, covering attention, rhythmic structuring, grouping, localization, organization, interest, whole-versus-part learning, spaced repetition, imagination and mnemonic techniques. It also addresses sensory testimony and its errors, individual differences in imagery, ways to detect missing elements in knowledge, and how inhibition, facilitation and health affect retention, concluding with a concise synthesis of theory and practice.

Gruppenbilden, Stelle-Anweisen (Lokalisieren), Gliedern.

Auch beim beobachtenden Merken einer Reihe von Gegenständen ist ohne Zweifel das Gruppenbilden vorteilhaft. Es ist ein Gliedern beim Gesichtssinn. Ein Kaufmann hat Kisten zu zählen. Es bedeutet für ihn eine große Zeit- und Kraftersparnis, wenn er stets drei oder vier Kisten zusammenfaßt.

Abb. 15. Beförderung eines Stierkolosses beim Palastbau des assyrischen Königs Sanherib (705–681 v. Chr.). Relief aus Kujundschik, den Ruinen des alten Ninive. (Nach Layard, aus Bücher, Arbeit und Rhythmus.) — Der Leiter der Arbeit steht am Vorderende der zu befördernden Last und gibt mit Handklatschen den Seilziehern das Zeichen zum gleichzeitigen Anziehen. (Vgl. S. 39.)

Dieses Einheitenbilden, das Umfassen mehrerer Personen oder Gegenstände mit einem Blick, sollte oft geübt werden. Gelegenheit dazu bieten spielende Kinder, auf der Straße sich bewegende Personen, vorüberfahrende Eisenbahnzüge, Gartenzäune, Häuserfronten mit ihren zahlreichen Fenstern usw.

Besteht doch auch die Tätigkeit des geübten Lesers nicht mehr in einem mühseligen Aneinanderreihen von Buchstaben, sondern einige wenige Buchstaben werden scharf ins Auge gefaßt, was an Zeichen dazwischen liegt, wird überflogen und in Gruppen zusammengefaßt. Gar nicht anders ist es beim schnellen Klavierspielen oder Stimmenbuchlesen. Diese Hinweise deuten darauf, daß die eben angeregte Übung des Geistes im Zusammenfassen zu Einheiten keine Spielerei ist, sondern den mannigfachsten angewandten Gebieten zugute kommt, nicht zuletzt dem Gedächtnis, dessen wichtige Grundlagen in einer scharfen gründlichen Beobachtung und eben im Einheitenbilden bestehen. Die Vorteile, die Takt und Gruppenbilden dem Gedächtnis gewähren, scheinen zum Teil ihre Ursache in dem „Stelle-Anweisen“ zu haben.

Jedes Glied einer übersichtlichen Gruppe hat seinen bestimmten Platz. In ungeordneter Masse ist das unwillkürliche Merken eines bestimmten Platzes sehr erschwert. Da nun Zahlen, sinnlose Silben, verwickelte Formen gewissermaßen glatt sind und dem Gedächtnis kein hervorstechendes Merkmal bieten, fördert tatsächlich Ortsmerken das Gedächtnis.

In Lehre und Leben läßt sich das Stelleanweisen mannigfaltig mit Erfolg verwenden. Mündliche Darbietungen müssen gut gegliedert, klar geordnet sein. Auf alles Neue muß der Hörer durch eine Ankündigung, gewissermaßen Überschrift, vorbereitet werden, damit er weiß, wohin es einzuordnen ist. Schriftliche Darbietungen an der Tafel oder in Unterrichtsbüchern sind übersichtlich zu gruppieren. Gelegenheit zu einem Überblick, zu Rückschau und Zusammenfassung sollte oft geboten werden. Ist etwa die Übersicht über jene vier Begriffe auf S. 21 dem Leser überflüssig erschienen? Oder hat nicht vielmehr jeder deutlich gefühlt, wie dadurch mehr Klarheit geschaffen und Verwechslungen vorgebeugt wurde?