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Das Gedächtnis cover

Das Gedächtnis

Chapter 14: Die Einbildung.
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About This Book

The work examines the nature and central role of memory, defining it as the capacity to imprint, retain and later reproduce perceptions and ideas. It outlines the adoption of scientific experiment in studying mental life and describes consciousness and the internal mechanisms that support remembering. A substantial practical section offers rules for effective memory work, covering attention, rhythmic structuring, grouping, localization, organization, interest, whole-versus-part learning, spaced repetition, imagination and mnemonic techniques. It also addresses sensory testimony and its errors, individual differences in imagery, ways to detect missing elements in knowledge, and how inhibition, facilitation and health affect retention, concluding with a concise synthesis of theory and practice.

Die Einbildung.

Nichts hindert alle unsre Fähigkeiten so sehr, wie der lähmende Zweifel: „Wirst du es fertig bringen? Vermagst du es noch?“ So wird jeder z. B. beim Hoch- oder Weitspringen die Beobachtung machen, daß er gewiß nicht über die Schnur kommt, wenn er sich die Frage vorlegt: „Wirst du drüber kommen?“ Sagt er sich aber: „Das wäre noch schöner! Das leistest du bestimmt,“ dann kann er sicher sein, daß er die sich selbst zugetraute Leistung vollbringt.

Der Glaube an sich selbst wirkt Wunder. Daher ist die Stärkung des Selbstvertrauens eine wichtige Aufgabe der Erziehung. Ganz besonders macht sich das Vertrauen auf eigene Kraft beim Gedächtnis bemerkbar. Wenn ein Schüler mit dem bangen Zweifel aufzusagen beginnt: „Wirst du es auch noch können?“ so bleibt er sicher stecken. Der felsenfeste Glaube aber: „Das bringst du fertig!“ ist unter allen Umständen von größtem Vorteil.

Um diesen Vorteil zu gewinnen, brauchen manche Schüler ein merkwürdiges, aber doch wirkungsvolles Mittel. Sie legen beim Schlafen das Buch unter den Kopf, nachdem sie die Aufgabe sicher gelernt haben. Am frühen Morgen wird alles nochmals durchgelesen und dann später mit gutem Erfolge aufgesagt, weil der lähmende Zweifel infolge der Einbildung (Autosuggestion) ausgeschaltet ist.

Wir wollen nicht auf die herabschauen, die zu absonderlichen Mitteln greifen, um das unbedingt nötige Vertrauen auf ihr Gedächtnis zu gewinnen, wenn es ihnen nicht aus freiem Willensantrieb gelingt. So mancher große Geist hat in sonderbaren Begleitumständen die nötige Anregung zur Arbeit gefunden, wobei ohne Zweifel die Einbildung die größte Rolle gespielt hat. Haydn und Richard Wagner legten z. B. beim Tondichten gewählte Kleidung an. Wagners Vorliebe für Samt und starke Wohlgerüche ist ja allgemein bekannt. Grün und rotgelbe Tapeten galten Goethe als Anregungsmittel, und die Beispiele für ähnliches Verhalten sind zahllos!

Übers Aufhalten des Vergessens handelt ausführlich die „Praktische Gedächtnispflege“ S. 29–35 übers absichtliche Vergessen und über falsche und richtige Psychanalyse, d. h. über Befreiung unserer Seele, „Neue Gedächtnisgesetze. Ihre Anwendung in Lehre und Leben“.

[12] Wundts Philosoph. Studien, Bd. 18, 1903.

[13] Hat doch sogar Trautschold, ein Schüler Wundts, einmal in den „Philosophischen Studien“ den Versuch gewagt, die Assoziationszeit und die Zeit für eine Gehbewegung in Verbindung zu bringen.

[14] Von H. Seidels Erzählungen (J. G. Cotta Nachfg., Stuttgart) ist auch eine Probe „Die Augen der Erinnerung“ in der billigen „Schatzgräber-Sammlung“ Nr. 90 (Kunstwart-Verlag) erschienen.

[15] Das der rege Leipziger Lehrerverein einrichtete.

[16] Pädagogisch-psychologische Arbeiten, Bd. VI. 1. Alfred Leopold Müller, Unterschiede der Vorstellungen und Vorstellungsverbindungen bei Kindern verschiedener Altersstufen.