setzen.
» » » » » » 1 » » » » » 15. zu streichen.
» 2 » » » » 2 v. o. » » » 2. vor erden zu
setzen.
» » » » » » 3 » » » » » 3. vor gewilde zu
setzen.
» » » » » » 10 » » » » » 7. in die vorhergehende
Zeile vor ieglicher sch. zu setzen.
» » » » » » 11 v. o. ist die Ziffer 8. in die vorhergehende
Zeile vor blibent zu setzen.
» 3 » » » » 3 » » ist die Ziffer 3. vor lutbar zu
setzen.
» 5 » » » » 7 v. u. » » » 13. in die nächste
Zeile vor Behemer zu setzen.
» 6 » » » » 9 v. o. » » Ziffer 9. vor gewerre zu
setzen.
» 7 » » » » 6 » » » » » 6. vor muge zu
setzen.
» » » » » » 9 » » » nach geschryen der Punkt zu
streichen.
» 8 » » » » 8 v. u. ist die Ziffer 14. vor künnen zu
setzen.
» 11 » » » » 8 » » » nach zergon ein C. zu setzen.
» » » » » » 7 » » » » weinet » D. » »
» » » » » » 2 » » » statt 17. die Ziffer 18. zu
setzen.
» » » » » » 4 » » » statt vernunftbait vernunftlait zu setzen.
» 16 » » » » 4 v. o. » die Ziffer 3. vor w belebent zu
setzen.
» » » » » » 1 v. u. » » » 21. zu streichen.
» 19 » » » » 9 v. o. » » » 9. in die vorhergehende
Zeile vor Es ist ff. zu setzen.
» 30 » » » » 2 v. o. ist nach mensch fehlt ein D zu
setzen.
» 32 » » » » 4 v. u. soll es für eschöpffe geschöpffe heissen.
» 36 » » » » 6 v. o. ist nach nacket ein D zu setzen.
[1] [2, 5. (vgl. 7, 13) iemerig. Zu dieser Adjectivbildung von einem Adverbium der Zeit vgl. nûic in einer Brünner Urkunde von 1328 (Rössler Rechtsdenkmäler 2, S. 404) von gnaden ... unsers nuycgen kunig Johans und ebd. mit den nuicgen und mit den alten gesworn schephen. Martin.]
[2] 2, 9. graw (grûwe) sw, m. ›Grausen‹: s. Virginal hrsg. v. Zupitza im V. Bd. des Brl. Hb. 274, 10 und Anm. ›mich bestuont der grœste griuwe.‹
[3] 3, 1. ankreutung zu dem st. n. krot und sw. v. kröten, kroten (auch kruden) gehörig, ein md. Wort: ›Anfechtung, Belästigung.‹
[4] 4, 6. von vogelwait ist mein pflug. pflug hatte im mhd. auch die Bedeutung ›Geschäft, Erwerb, Beruf‹, wofür die Wörterbücher hinreichend Belege bieten. vogelwaide war nicht blos der Ort, wo Vögel gefangen, sondern auch der, wo sie gepflegt wurden. Nach einer Vermuthung Prof. Martins wäre sonach die ganze Stelle in symbolischer Bedeutung aufzufassen: ›Mein Erwerb (d. h. das, was mir den Lebensunterhalt verschafft,) kommt von der Vogelweide‹, d. h. von der Feder. Dafür spricht auch die entsprechende Stelle im tschechischen Gegenstücke Cap. III: ›Ich bin ein Weber aus gelehrtem Stande, kann ohne Holz, ohne Rahmen und ohne Eisen weben. Mein Schiffchen, mit dem ich anzettele, ist aus Vogelwolle, mein Garn ist gemacht aus der Kleidung verschiedener Thiere; der Thau, der meinen Acker befeuchtet, ist nicht gewöhnliches Wasser, noch ungemischt, und beim Gebrauche sprenge ich ihn herauf, herab, hin und her‹. Wenn diese Vermuthung angenommen werden darf, so ist es um so wahrscheinlicher, dass einer der unten nachgewiesenen Schulrectoren und Notare von Saaz der Verfasser des Werkes sei.
[5] 4, 13. turkeltaube, auch türkel- und durkeltûbe findet sich: s. Lexer II, 1588. Dialektisch im westlichen Böhmen jetzt fast ausschliesslich im Gebrauche.
[6] 5, 4 ff. Vgl. Wolframs Parzival 57, 10 ff.:
als noch diu turteltûbe tuot.
diu het ie den selben muot:
swenne ir an trûtscheft gebrast,
ir triwe kôs den dürren ast.‹
[7] 7, 2. flutend vielleicht zusammenhängend mit vlœje, vlât; also ›sauber, schön, glänzend‹?
[8] 8, 11 f. Evang. Matth. V, 45.
[9] 8, 15. bilbis s. J. Grimm Mythologie2 S. 441 ff. zauberin ebend. 990 ff.
[10] 9, 10. Papenfels vielleicht ebenso gebraucht wie unser Tripstrill, d. h. von einem unbekannten Orte gemeint. Man vergleiche dazu ›Gouchesberc‹ Freidank 82, 9, Boner 65, 55 und ›Affenberc‹ Docen Misc. II, 187. Die gleich folgenden Worte sind offenbar sprichwörtlich. Aehnliche Redensarten bei Wander (deutsches Sprüchwörter-Lexicon Leipzig 1876) Bd. IV S. 644: Nr. 4 ›Doar fall’t kên Spöön, se ward denn hau’t‹ (Süderdithmarschen); Nr. 7 ›Es fallen kein spän, man haw sie denn‹. Desselben Inhaltes sind Nr. 8, 9. Vgl. auch Zingerle die deutschen Sprichwörter im Mittelalter S. 64 unter ›Haupt‹.
[11] [10, 2, mein erenreicher valke, mein tugenthaftige fraw: diese Vergleichung scheint schon MSF. 10, 17 angedeutet. Weit häufiger ist der Falk das Bild für den geliebten Mann: s. Vollmöller, Kürenberg 17 ffg. Martin.]
[12] 11, 14. Matth. VIII, 22.
[13] 12, 5. engelt ›Ersatz‹. Grimm Wb. III, 541 übersetzt es mit ›pretium‹.
[14] 12, 10. nestlinge in übertragener Bedeutung von den Kindern: s. Sanders Wb. d. d. Sp. II1, 429, und zu 43, 4.
[15] 13, 17. entrisch s. Schmeller b. W. I, 88. Hier ist es zusammengebracht mit ags. ent Riese. Beóv. 1680, 2718, 2775 (3. Ausg. v. M. Heyne). Schmeller I, 77 erklärt enderische (entarisch, entrisch) mit ›befremdlich, ungewöhnlich, nicht recht, nicht geheuer‹; es liege darinn immer der Begriff des Fremden, Andern.
[16] 15, 13. zuchtiger ›Henker, Scharfrichter.‹ Schmeller IV, 247.
[17] 15, 14. wigen ein mir unbekanntes Wort, vielleicht ein Marterwerkzeug. Dies wäre möglich, wenn es sich mit weigan ›vexare‹ (s. Lachmann kl. Sch. 203 und Wb. III, 555b f.) zusammenbringen liesse.
[18] 17, 6. Ein bekanntes Sprichwort, das auch im Mittelalter oft gebraucht wurde; so Hartm. Büchlein I, 496, Boner Edelstein 63, 53. Redensartlich: ›schaden und schande gewinnen‹ Erec2 6741, Iw.3 2029. s. Martin zur Kudrun 132, 4.
[19] 23, 5 ff. Zu vergleichen W. Wackernagel kl. Schr. I, 338 Anm. 130. Sollte wol eine Abbildung des Saturnus zu Grunde liegen? Man vergleiche, was Fulgentius (in Auctores Mythographi Latini. Cajus Julius Hyginus, Fab. Planciad. Fulgentius, Lactantius Placidus, Albricus Philosophus. Curante Augustino van Staveren. Lugd. Bat. et Amstelaed. 1742. S. 626) sagt: ›Saturnus Pollucis filius dicitur, Opis maritus senior, velato capite falcem gerens...‹ und Albricus (ebd. S. 869): ›Saturnus pingebatur, ut homo senex, canus, prolixa barba, curvus, tristis, et pallidus, tecto capite, colore glauco; qui una manu, sed dextra, falcem tenebat...‹
Noch besser würde zu der in unserem Werke gegebenen Schilderung die Darstellung des Jupiter Dolichenus passen, wie Prof. Dr. O. Benndorf mir freundlichst mitteilte. In Felix Hettners: De Jove Dolicheno S. 2 heisst es: ›Deus sic fere solet sculpi: stat in tauro dextrorsum verso barbatus, caput vestitus pileo, lorica indutus, paludamento amictus, ocreatus, soccatus; in sinistra tenet fulmen, in dextra elevata bipennem; praeterea in plerisque monumentis fictae sunt aquila et Victoria deum coronatura.‹ Ein heidnisches bilde, welches den tôt darstellt, wird zertrümmert Wolfdietrich D (B. Hb. IV) VI, 114 ffg.
[20] 24, 1. Genes. II, 17.
[21] 24, 9. Dieses Sprichwort ist auch heute noch gang und gäbe s. Wander III, 362 Nr. 24: ›Alter Mann, neue Mär; gelehrter Mann, unbekannte Mär.‹
[22] [26, 15. einen lewen an dem bein namest: wol Anspielung auf deutsche Sagen; s. König Rother (in Rückerts Ausgabe) 1146 ff. Martin.]
[23] [26, 18. wetlauf, den du tettest mit dem hasen. s. Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm 3. Aufl. 3. Bd. S. 255 Nr. 187 ›Der Hase und der Igel‹. Martin.]
[24] 27, 7. Bekannt ist der Ausspruch Caesars, auf den hier wol angespielt ist: ›Ἴθι ἔφη, γενναῖε, τόλμα καὶ δέδιθι μηδέν· Καίσαρα φέρεις καὶ τὴν Καίσαρος τύχην συμπλέουσαν‹ s. Plutarchs vitae. C. Julius Caesar Cap. XXXVIII.
[25] 27, 12. esel wefels weis getragen: so verbessert von Martin, wefelsweis ›in der Weise eines Webers‹.
[26] 27, 14. gluckesrad. s. Wackernagel: ›Das Glücksrad und die Kugel des Glückes‹ in Haupts Ztsch. VI, 134-149. S. 138 heisst es: ›Es blieb jedoch das glücksrad nicht so innerhalb der poetischen sprache als blosser redeschmuck und tropus stehen: es trat auch, und zwar eben dieses von menschen erklommene und die menschen wieder abwerfende in die lebendigc sage über: vgl. ... die erzälung von den 12 Johansen, die auf einer glückscheibe durch die lande fahren und alles erkunden, was in der ganzen weit geschieht‹. Dazu die Anmerkung: ›Die sage bezeichnet sie als deutsche schüler, die jedoch im dienst eines fränkischen, d. h. wol eines königs von Frankreich stehen, vgl. ackermann v. Böheim Cap. 18‹.
[27] [27, 16. Ueber die Beratung der Tugenden als Töchter Gottes über die Erlösung vgl. Heinzel Ztsch. f. d. A. XVII, 43 ff. Martin.]
[28] 28, 18. zu kurtz geschach mir ›ich wurde verkürzt, benachteiligt‹. activ: einen ze kurz tuon ›einen benachteiligen, verkürzen‹.
[29] 29, 8. es must der hamer den amposz treffen und hert wider hert wesen. Vgl. Freidank 130, 22
hânt vil herten widerstôz.
Vgl. ausserdem Kudrun 1444, 2.
[30] 29, 16. Offenbar L. Annaeus Seneca, der Philosoph, der sich 66 n. Ch., da er wegen Teilnahme an einer Verschwörung des Piso zum Tode verurteilt wurde, die Adern öffnete. s. Tac. Ann. XV 60 ff. Von seinen Werken mag wol eine der zwei Trostschriften gemeint sein: de consolatione ad Polybium oder de consolatione ad Marciam; welche, ist bei der Allgemeinheit der Stelle nicht zu entscheiden.
[31] 29, 20. Aehnlich Wander I, 80 Nr. 21: ›Anfang und Ende reichen einander die Hände‹.
[32] 30, 9. s. Wander IV, 832 Nr. 46: ›Sobald ein Mensch geboren, ist er alt genug zu sterben‹. (Aus Petri ›der teutschen Weissheit‹ Hamburg. 1605. Bd. II.)
[33] 30, 13 f. Aehnliche Sprichwörter bei Wander I, 382 Nr. 33 ›Reife Birnen fallen gern in den Koth‹ (geschöpft aus dem Florilegium Politicum von Christophorus Lehmann 1630.) Lehm. II, 535, 30. Eiselein (Sprichwörter und Sinnreden des deutschen Volkes 1840) 78. Nr. 36: ›Wenn de Bire ruip es, fällt se meir up’n Dreck, osse up’t Regne‹. (Regne = Reine); (Lippe). Firmenich (Germaniens Völkerstimmen. Berlin 1843 ff.) I, 267. Nr. 37: ›Wenn dei Beer riep is, föllt sei ihre in’n Dreck, as up’n Rosenbladt‹. (Mecklenburg). Nr. 48: ›Zeitige birn fallen zuletz in koth‹. Henisch (Teutsche Sprach und Weissheit 1616) 392.
[34] 30, 14. reisend: ›von selbst abfallend‹ (in Folge ihrer Reife.)
[35] 30, 19. Hermes offenbar H. genannt Trismegistos: s. Paulys Realencyclopädie der klass. Alterthumswissenschaft III, 1209 ff. und Preller griech. Mythol.3 S. 340 und Anm. 3.
[36] 32, 8. Der Sinn ist: ›Wie die Gans gedankenlos schnattert, so hast auch du keine Richtschnur (fadenricht) für deine Gedanken, sprichst Thörichtes‹.
[37] [34, 5. Vielleicht mit Cab pickel ›Spitzhacke‹? Martin.]
[38] 36, 6. Psalm L, 7 B.
[39] 36, 15. leschkruk: wol mit Bezug auf das viele Trinken.
[40] 37, 2. swelckend. Mundartlich im westlichen Böhmen noch heute für ›verwelkend‹.
[41] 37, 18. sussen ›mit seinen Freundlichkeiten‹: man erwartete den Dat. Sing.
[42] 38, 10. schretlein: s. Schmeller III, 519. In Haupts Zeitsch. VI, 174 Vers 187 wird es beschrieben:
gein dem fiur ez vaste spranc,
ez was gar eislich getân
und het ein rôtez keppel an‹.
[43] 38, 11. clagmuter: s. Schmeller II, 355. ›Klagmuetter, das klagweiblein, die Stimme des Käuzleins, welche von Abergläubischen als Verkünderinn eines Todfalles gefürchtet wird.‹ vgl. Mythol.1 S. 660.
[44] 38, 14. Genes. I, 26.
[45] 39, 1. durchnechtigclichen: s. Schmeller I, 393. ›vollkommen, gänzlich‹.
[46] 40, 8. In unserem Werke werden ein und zwanzig freie Künste angeführt: Gramatica, Rhetorica, Loica, Geometria, Arismetrica, Astronomia, Musica, Philosophia, Physica, Geomancia, Pyromancia, Ydromancia, Astrologia, Geromancia, Nigromancia, Notenkunst, die des Augur, des Aruspex, Pedomancia, Ornamancia und die des Juristen. Die freien Künste hat Heinrich von Mügeln (s. Schröer, die Dichtungen Heinrichs von Mügeln in den Wiener Sitzungsberichten Bd. LV. S. 474 f.) mehr als einmal behandelt. In einem kleinen Gedichte von sieben Strophen behandelt er sieben Künste: 1. gramatica, 2. logica, 3. rhetorica, 4. arithmetika, 5. geometria, 6. musica, 7. astronomia. In der Maide Kranz kommen ausser der philosophia noch vier dazu: 9. physica, 10. alchimia, 11. metaphisica, 12. theologia. In einem spätern Gedichte von fünfzehn Strophen wächst die Zahl auf fünfzehn, wobei sich auch theilweise die Aufeinanderfolge ändert. Als achte tritt zu den erstgenannten sieben: alchamia, 9. philosophia, 10. die Lehre der perspectiven, 11. phisica, 12. theologia, 13. nigromancia, 14. pyromancia, 15. geomancia. Im tschechischen Gegenstücke zum Ackermann werden zwei und zwanzig Künste aufgezählt: Grammatica, Rhetorica, Logika, Geometria, Arithmetika, Astronomia, Musika, Philosophia, Phisica, Geomancia, Pyromancia, Baromancia, Astrologia, Chiromancia, Nigromancia, Alchimia, Neroka, Auguria, Auspicium, Gedomancia, Ornomancia und Jura. Die Form Arismetrica begegnet öfters, u. a. bei Heinrich v. Mügeln in der Hs. M.
[47] 41, 18. vogelgederme ist nur ein Ersatz für die unverständlichen Worte der Hss. Man würde, nach dem tschechischen Werke zu schliessen, ein Wort erwarten, das Hahn oder Geier bezeichnet. Hier heisst es nämlich I 93: ›Ornamancia, die angestellt wurde an den Eingeweiden des Auerhahnes und Hühnergeiers‹.
[48] 42, 6. geuknecht: s. Schmeller II S. 2. gäu ›Land‹, bes. ›das flache Land‹. Angeführt wird: gäubauern ›Bauern der Ebene‹, gäumann ›landmann‹, gäuleute ›Landleute‹.
[49] 43, 4. nest ›das Lager, Bett, Ehebett‹, s. zu 12, 10.
[50] 43, 12. Ein im Mittelalter oft gebrauchtes Sprichwort; so in Freidank 101, 7 ›ez enist kein huote alsô guot sô da’s ein wîp ir selber tuot‹. Vgl. Zingerle a. a. O. S. 36 f.
[51] 44, 18. widerpurren sw. v. (simplex: bürn, burn oder burren) ›sich wider Jemanden erheben, sich entgegensetzen‹.
[52] 45, 2. werewort ›Vertheidigungsworte‹.
[53] 45, 14. muffeln wol hier gleich muffen ›murren, brummen‹, s. Schmeller III, 554; vgl. Wb. 2, 274a.
[54] 47, 15. hauptman von berge: s. W. Wackernagel kl. Schr. I, 307 Anm. 6 und Grimm Mythol. S. 807; beide geben auch nur Vermuthungen über den Sinn des Ausdrucks.
[55] 48, 3. Epist. B. Joannis Apostoli I, 2, 16.
[56] [48, 14. Vgl. Hagen MS. III, 452a: die snüere müezen brechen wol, swâ der esel klenket gîgendœne; vgl. auch Strauch, der Marner S. 160 Anm. zu Z. 4 f. und ferner Carm. Bur. S. 40 Brunelli chordas incitant. Afrz. Flore ed. Bekker v. 812 et les asnes faisoit harper. Bildlich dargestellt auf dem bekannten Portal zu Verona, wovon andere Stücke in der Z. f. d. A. XII, 331 beschrieben sind. Missverstanden aus dem griechischen: ὄνος πρὸς λύραν von einem gegen jede Musenkunst unempfindlichen Menschen. Martin.]
[57] [49, 1. Der starke Boppe. Wackernagels Vermutung (Zeitsch. VIII, 349), dass der öfters vorkommende Beiname der starke von dem Baseler Dichter Boppe, dessen Sprüche in die siebziger und achtziger Jahre des dreizehnten Jahrhunderts fallen, herrühre, steht in Widerspruch gegen eine von Haupt (ebd. III, 239) angeführte Stelle in den lat. Predigten Bruder Bertholds, der bekanntlich 1272 starb und von Boppe in Ausdrücken spricht, die annehmen lassen, dass dieser früher gelebt habe. Sie stützt sich auf die Colmaer Annalen, die um 1270 einen Baseler des Namens, ohne ihn indessen als Dichter zu bezeichnen, seiner Stärke wegen rühmen, in Ausdrücken, die dem Epos entnommen sind: s. meine Anm. zur Kudrun 106, 1. So möchte doch wol auch der erste Träger des Beinamens vielmehr einer Zeit angehören, die auch sonst historische Persönlichkeiten sagenhaft verherrlicht hat. Mon. Germ. St. 6, 203 sagt Eckehard von Ursperg: ex parte quoque regis Heinrici Poppo (de Henneberg fügt die Anm. des Herausgebers hinzu) vir mire fortis occubuit: in dem Treffen zwischen Heinrich und dem Gegenkönige Rudolf bei Strowi am 7. Aug. 1078. Wie dieser Poppo VIII. hatte auch Poppo XIII. den Beinamen fortis: v. d. Hagen MS. 4, 62. Es wird sich mit dem Namen der Beiname ebenso eng verbunden und zusammen vererbt haben, wie Dietrich der mære helt: s. Uhland in Pfeiffers Germ. 1, 306. Martin.]
[58] 50, 4. krochen, vielleicht kroten? oder sollte es reimen mit dem folgenden gerochen? krachen mit B gegen Aab einzusetzen, zumal auch C ein o hat, schien voreilig.
[59] 50, 14. Aus Platos Phaedon Cap. XVI: s. die Abhandlung.
[60] 52, 12. Ecclesiastes IX, 12.
[61] 54, 1. ff. ist wol als Interpolation anzusehen, trotzdem sich diese Stelle in drei Hss. (ABD) findet. Die ganze Stelle zeigt nämlich eine auffallende Aehnlichkeit mit der Bibelstelle Ecclesiastes II, 4 ff. Der Schreiber der gemeinsamen Vorlage mochte diese am Rande als Erläuterung des Vorangehenden eingetragen haben, und von hier mag sie in den Text gekommen sein.
[62] 54, 20. gewaltiger herschaft ›durch Vollmacht erlangter, precärer‹? M.
[63] 55, 11. C. XXXIV. Die grossen rothen Buchstaben stehen am Eingange der Absätze, die, den letzten allein ausgenommen, mit dem Refrain: ›erhore mich‹ schliessen. Nun sind aber in allen Ueberlieferungen ausser den sechs Buchstaben, die den Namen ›Johann‹ geben, auch noch E und S durch Grösse ausgezeichnet. Sie stehen ebenfalls am Anfange von Absätzen, die mit ›erhore mich‹ schliessen. Durch Umsetzung dieser Abschnitte erhielte man den Namen ›Johannes‹. Dann müsste nach dem Worte gut (58, 6) eine grössere Interpunktion gesetzt werden und die beiden Theile, die mit Ewige lucern (56, 17.) und Schatz von dem (57, 5.) beginnen, derselben nachgesetzt werden. Möglich ist jedoch auch, dass der Verfasser in diesem Akrostichon die Buchstaben nicht ganz in der Reihe, wie sie in seinem Namen stehen, folgen liess.
[64] 55, 17. alter greiser jungling. So genannt, weil er in Christus sich erneute; ›sein graues Haar, sein weisser Bart wurden braun‹. s. W. Grimm Konrads goldene Schmiede Einleitung S. XXIX, 17 ff. ›Daher ist er auch altherre und juncherre zugleich‹ (ebd.). Vgl. noch Walther 24, 26.
[65] 55, 19. O liecht. Vgl. g. sm. XLVIII, 19 und XXXVIII, 34.
[66] 56, 1. Genes. I, 3.
[67] 56, 8. hantbeschauer. beschauern nach dem Wb. der Brüder Grimm I. 1548 ›tueri, tegere‹. Hier wird auch verglichen schauer ›Obdach‹. Sonach hiesse hantbeschauer ›Schützer mit der Hand‹.
[68] [56, 12. Vgl. R. Köhler Germ. VIII, 304: ›Die Ungleichheit der menschlichen Gesichter‹. Martin.]
[69] 56, 17. Ewige lucern. S. g. sm. XXXIX, 5.
[70] 57, 2. essemeister eigtl. Metallarbeiter, dann wol Verfertiger, Schaffer überhaupt?
[71] 57, 22. jeger, dem alle spur unverborgen sein. S. g. sm. XXXIII, 5, wo auch auf bildliche Darstellungen dieses Gleichnisses auf Kirchengemälden hingewiesen wird.
[72] ›Nirgend aber erscheint der Tod als gänzlich entfleischtes Gerippe: so stellt man ihn erst seit dem 16. Jh. dar; überall nur als eingefallene zusammengeschrumpfte Leiche, nicht mit nackt daliegenden, nur mit stärker hervortretenden Knochen. Das war im Mittelalter allgemeiner Gebrauch: er hatte seinen Vorgang in der spätern Kunst der Griechen und Römer.‹ s. W. Wackernagel kl. Schr. I, 325 u. Anm.
[73] Ueber diese Stelle sehe man die Anmerkung hiezu.
[74] Dieser Name ist mit Bestimmtheit zu errathen. Der Tod sagt nämlich, er habe schon lange nichts in Böhmen zu thun gehabt, ausser unlängst in einer festen hübschen Stadt, auf einem Berge gelegen, die vier Buchstaben habe: der 18. im Alphabet, der 1., der 3. und der 23. Dies ergibt Sacz.
[75] Hier wie im Folgenden sehe man die Anmerkungen zu den betreffenden Stellen.
[76] ›Der Ackermann aus Böheim. Gespräch zwischen einem Wittwer und dem Tode. Erneuet durch Friedr. Heinr. von der Hagen. Frankfurt a. M. 1824‹. Er hat das Werk nach der Gottsched’schen Abschrift des Druckes a herausgegeben.
[77] Eusebi Chronicorum libri duo ed. Alfred Schoene Berlin 1875. Die Stellen sind in der Uebersetzung des Hieronymus angeführt.
[78] Im Alterthume gebrauchte diese Zählungsweise, offenbar durch Eusebius veranlasst, Orosius in seiner Weltgeschichte. In dem Schlussworte (l. VII, C. 43) sagt er: ›explicui adiuvante Christo secundum tuum praeceptum, beatissime pater Augustine, ab initio mundi usque in praesentem diem, h. e. per annos MMMMMDCXVII, cupiditates et punitiones hominum peccatorum....‹
[79] So ist wol die dort angeführte Stelle zu verstehen: ›Alse ene langhe tyt, alse wol vyf dusent iaer unde twe hondert iar min, [nach Prof. Martin: min I = een] dat dat mynschelike gheslechte vnsalichlike nedderlach‹.
[80] G. Geschichte der deutschen Dichtung II5, 357.
[81] W. W. kl. Sch. I S. 314 in der Abhandlung ›der Todtentanz‹.
[82] s. Anmerkungen.
[83] In der Einleitung zu seiner Ausgabe S. XI f. Die Ansicht v. d. H., dass die Schreiber den Ackermann und Belial gerne neben einander anführen, bestätigt sich auch hier: in der Stuttg. Hs. A folgt der Belial auf den Ackermann.
[84] D. h. Der Kläger und das Unglück.
[85] D. h. Ich bin ein Weber von gelehrtem Stande, kann ohne Holz, ohne Rahmen und ohne Eisen weben.
[86] Die Ueberschrift ist hier wie oben bei Hanka citiert.
[87] D. h. Ach ach hört, ach ach Weh, ach Gewalt, ach über dich, du schrecklicher und grimmiger Vertilger aller Erde, schädlichen Schädiger aller Welt, unverschämter Mörder aller guten Leute.
[88] Im Texte aber steht: ›Und dies geschah von uns in dem Jahre vor der Verbrennung dieser Stadt, etwa im dritten Monate und dann seit Erschaffung der Welt, als man zählte 5000 Jahre und dann im einhundert und siebenundsechzigsten‹.
[89] Tkadlec = Weber, Tkadleček ist das Deminutivum davon.
[90] Diese Zeitangabe ist unrichtig. Man sehe darüber weiter unten.
[91] Pernikářka = Lebzeltnerin.
[92] Dass die Abfassung des Werkes nicht lange nach dieser Trennung anzusetzen sei, ergibt sich aus den Worten I, 13: ›ausser dass wir jetzt unlängst in Gräz an der Elbe, in dieser umwallten Stadt in Böhmen nach unserer Macht und unserem Stande zwei junge Leute, an Jahren einander fast gleich, die mit einander seit einigen Jahren gut und ehrbar lebten, trennten‹. (Die erste Zahl bei Citaten aus dem tschechischen Werke bedeutet den Theil, die zweite die Seite.)
[93] I, 24 heisst es: ›Weshalb willst du denn glücklicher sein, damit wir dich mehr ehren, als den Kaiser Julius oder den König Alexander (oder den guten, wahrhaft guten Kaiser Karl, in der Zeit böhmischen König), die trotz ihrer Macht unserem Netze und unserer Anfechtung dennoch nicht entgehen konnten‹.
[94] Diese starb aber schon 1336.
[96] I, 86 theilt nämlich der tschechische Verfasser das Lebensalter eines Menschen in fünf Theile: 1. die Kindheit (infantia), die bis zum siebenten Jahre reiche, 2. die Knabenzeit (pueritia) bis zum vierzehnten Jahre, 3. das Jünglingsalter (adolescentia) bis zum vierundzwanzigsten Jahre, 4. das Mannesalter (aetas virilis) bis zum fünfzigsten Jahre. In diesem befinde sich noch eine Unterabtheilung: Das junge Mannesalter (iuventus). 5. Das Greisenalter (decrepitus) bis zum achtzigsten Jahre. Die drei ersten Lebensalter habe er schon zurückgelegt, die beiden andern harren noch seiner. Mithin befand er sich an der Scheidegränze des Jünglings- und Mannesalters. I, 91 führt der Verfasser noch eine zweite übliche Eintheilung des menschlichen Lebens an: die Dreitheilung in Jugend-, Mannes- und Greisenalter. Er befinde sich noch im Jugendalter, könne aber mit jedem Tage schon in das Mannesalter eintreten. [Diese Eintheilung ist wol geschöpft aus Aristoteles Rhetorik C. XII ff.] Dasselbe Alter von etwa 24 Jahren nimmt auch Gebauer an, s. o. S. 109.
[97] Als Beweis will ich einzelne Capitelanfänge neben einander stellen:
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Anfang von C. II im deutschen Werke lautet ›Hort, hort, hort, new wunder! Grausam und ungehorte taiding vechten uns an. Von wem die komen, das ist uns zumale fremde...‹ C. III: ›Ich bins genant ein ackerman, von vogelwait ist mein pflug...‹ Cap. IV: ›Wunder nimpt uns sollicher ungehorter anfechtung, die uns nie mer hat begeint. Bistu ein ackerman wonend im Beheimlande, so tunket...‹ |
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im tschechischen Werke: ›Hara! Hara, ei hör, hör, hör diese neuen Reden! ei hör, hör dieses Fluchen, dieses unbekannte Schmähen, das uns in so roher Weise zu Theil wird, merke die Drohung, merke das Schmähen, merke die schändlichen Vorwürfe! Woher das sei, höre es immer und höre es zu Ende, was uns anficht...‹ ›Ich bin ein Weber gelehrten Standes, kann ohne Holz, ohne Rahmen und ohne Eisen weben. Mein Schiffchen, mit dem ich anzettele, ist aus Vogelwolle...‹ ›Uns darüber wundernd Tag für Tag, als wir die Rede hörten, können wir uns dennoch von Stunde zu Stunde nicht genug wundern, und nachdem wir uns lange darüber gewundert, sind uns wunderbar, sehr wunderbar diese sonderlichen, ungehörten Angriffe und solch verschiedenartige Reden, in denen du uns, wie wir sehen, für so gering hältst. Und bist du denn auch, wie du sagst, der Weber aus gelehrtem Stande, verständigem Stande, hervorragendem Range?...‹ |
In dieser Weise entsprechen sich auch noch im Folgenden die Capitel V bis incl. X; zu den Capiteln XI bis XV des tschechischen Werkes finden wir dann nach Ueberspringung zweier Capitel des deutschen Werkes (XI u. XII) die entsprechenden Gegenstücke in den Capiteln XIV-XVII des Ackermanns. C. XVI im Tkadleček tritt als letzter Abschnitt hinzu, grösstentheils wieder nur aus leeren Reflexionen bestehend, ohne in irgend einer Weise einen passenden Schluss zu bilden.