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Der Schleier der Pierrette: Pantomime in drei Bildern cover

Der Schleier der Pierrette: Pantomime in drei Bildern

Chapter 17: Transcriber's Note:
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About This Book

The three tableaux unfold in silent, staged episodes set in early nineteenth-century Vienna, where a melancholy performer obsessively tends an image of his beloved Pierrette while friends attempt cheer and diversion through music, dance, and mockery. A wedding celebration elsewhere contrasts gaiety with the performer’s inner turmoil; a white veil becomes a focal object that links lovers and exposes tensions. The final scene reveals the performer collapsed and the stunned arrival of the bride and her companion, leaving questions of longing, theatricality, and the boundary between appearance and reality unresolved.


III. Bild.

Dekoration des ersten.

Erste Szene.

Pierrot liegt tot hingestreckt auf dem Boden, hinter der Staffelei.

Der Schleier liegt in der Mitte des dunkeln Zimmers, weiß schimmernd da. Die Kerzen größtenteils herabgebrannt, einige ganz erloschen.

Die Szene bleibt einige Augenblicke vollkommen leer.

Die Türe öffnet sich.

Arlechino und Pierrette treten ein.

Arlechino hält Pierrette bei der Hand.

Pierrette eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch.

Da ist er. Nun laß uns gehen.

Arlechino.

Nein. Wo bin ich hier?

Er geht im Zimmer hin und her.

Bald steht er vor der Leiche Pierrots, fährt zurück, hält aber Pierrot nicht für tot, sondern für betrunken. Wendet sich zu Pierrette.

Also das war es? Mit diesem Menschen warst du zusammen?

Er gewahrt die Reste des Mahls.

Hier habt Ihr miteinander getafelt und getrunken. Hier hat er dich in den Armen gehalten. Wartet nur.

Wieder zu Pierrot hin.

Pierrette auf ihn zu, will ihn zurückhalten.

Arlechino schleudert sie von sich.

Pierrette schleicht sich zum Fenster.

Arlechino kniet vor Pierrot nieder.

Du Schurke, du Hund. Wer bist du denn? Antworte! Antworte! Steh auf!

Er faßt Pierrot bei den Schultern und schüttelt ihn.

Der tote Pierrot fällt schwer auf den Boden hin.

Arlechino fährt entsetzt zurück.

Er geht zu Pierrette, die regungslos am Fenster steht.

Hast du's gewußt?

Pierrette.

Ja.

Arlechino geht überlegend auf und ab. Kehrt wieder zu Pierrette zurück, sieht sie lange an.

Was soll ich mit dir tun?

Kommt auf einen Einfall, lacht höhnisch auf. Tritt wieder zu dem toten Pierrot hin, will ihn emporheben.

Pierrette eilt entsetzt nach vorne.

Arlechino weist sie von sich, ergreift den Leichnam des Pierrot, trägt ihn zu dem Divan, lehnt ihn dort in die vordere Ecke.

Pierrette ist entsetzt bis ans Ende des Zimmers geschlichen und schaut dem Beginnen des Arlechino zu.

Arlechino setzt sich auf den Tisch dem Pierrot gegenüber. Schenkt in zwei Gläser ein, erhebt das eine, trinkt dem Pierrot zu. Dann winkt er Pierrette mit einem teuflischen Lächeln herbei.

Pierrette bleibt regungslos stehen.

Arlechino erhebt sich, winkt Pierrette gebieterisch.

Pierrette kommt langsam.

Arlechino geht ihr entgegen, reicht ihr in der Mitte des Zimmers den Arm, geleitet sie zu einem Sessel neben dem Tische, gibt ihr eins der gefüllten Gläser in die Hand, stößt mit ihr an.

Pierrette kann nicht trinken.

Arlechino.

So trink doch.

Pierrette trinkt.

Arlechino setzt sich neben Pierrette, drängt sich näher an sie, umfaßt sie, sucht sie an sich zu ziehen.

Pierrette schaudert zusammen.

Arlechino wird zärtlicher.

Pierrette springt auf, ihr Sessel fällt um, sie flüchtet nach rückwärts in die Fensterecke.

Arlechino ihr nach, spielt den Verliebten.

Ich bete dich an, meine Teure.

Kniet nieder, versucht sie an sich und mit sich zu ziehen.

Pierrette entflieht, bis sie links hinter den toten Pierrot zu stehen kommt.

Arlechino hat sich erhoben, geht auf Pierrot zu, verbeugt sich vor ihm, dann verbeugt er sich vor Pierrette.

Du bist ja in guter Gesellschaft.

Dann geht er zur Tür.

Pierrette folgt seinen Bewegungen mit wachsendem Entsetzen.

Arlechino wendet sich in der Türe nochmals um und verbeugt sich höhnisch.

Pierrette stürzt ihm nach, wirft sich vor ihm auf die Knie.

Arlechino schüttelt sie von sich ab, geht und versperrt die Türe hinter sich.

Zweite Szene.

Pierrette poltert an die Tür. Eilt zum Fenster, reißt es auf. Sieht Arlechino fortgehen, ruft ihn zurück. Er entschwindet ihren Blicken. Wieder zur Tür, rüttelt, reißt, vergeblich. Rennt im Zimmer umher, sucht nach irgend einem Ausgang. Findet keinen. Endlich bleibt sie wieder gegenüber dem toten Pierrot stehen. Sieht ihn lange an, läuft davon. Kommt wieder zurück. Nickt ihm zu. Gerät von neuem in Angst, schleicht längs der Wände im ganzen Zimmer hin und her. Ihre Bewegungen verändern sich ins Tanzartige. In ihren Augen spricht sich der beginnende Wahnsinn aus. Wieder ist sie hinter Pierrot, schleicht sich langsam hinter dem Divan zu ihm hervor. Sie ist in einer halb knienden Stellung vor ihm und blickt ihm ins Gesicht. Verbeugt sich vor ihm. Beginnt zu tanzen. Zuerst vor ihm, dann in immer weiterem Bogen, endlich im ganzen Zimmer herum. Sie hält inne, um dann mit erneuerter Kraft wieder weiter zu tanzen.

Poltern an der Türe.

Pierrette ist beinahe atemlos, ihre Kräfte beginnen zu schwinden, ihre Augen glänzen trübe, sie ist dem Verlöschen nahe.

Neues, verstärktes Poltern.

Pierrette sinkt zu Boden, tot. Zu Füßen des toten Pierrot.

Die Türe wird erbrochen.

Dritte Szene.

Fred, Florestan, Annette, Alumette treten ein.

Der Morgen ist herangedämmert. Beginnender Sonnenaufgang.

Fred und Florestan wenden sich lachend zu den Mädchen. Beide Paare tänzeln Arm in Arm bis ganz nahe zu Pierrot und Pierrette hin, fassen was geschehen ist und weichen entsetzt zurück.



Vorhang.

Ende.


Anmerkungen zur Transkription:

Dieses elektronische Buch basiert auf gescannten Bilddateien, die freundlicherweise von Austrian Literature Online (http://www.literature.at) zur Verfügung gestellt wurden.

Die im Original gesperrt dargestellten Rollennamen werden in dieser HTML-Version fett wiedergegeben.

Im Originalbuch ist kein Inhaltsverzeichnis enthalten. Für eine bessere Übersicht wurde dieses hinzugefügt.

Gegenüber der gedruckten Version wurden folgende Satzfehler korrigiert:

S. 2 (1) original: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern
ebook: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern.
S. 4 (1) original: wird selbst verständlich nur pantomimisch ausgedrückt
ebook: wird selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt
S. 6 (1) original: Florestan, Alumette und Fred, Annette
ebook: Florestan, Alumette und Fred, Annette
S. 6 (2) original: Florestan und Alumette
ebook: Florestan und Alumette
S. 6 (3) original: Fred und Annette
ebook: Fred und Annette
S. 9 (1) original: Geh wohin du willst
ebook: Geh wohin du willst.
S. 10 (1) original: Pierrettekostums
ebook: Pierrettekostüms
S. 11 (1) original: Sie beginnt zu schwanken. (Kein neuer Absatz)
ebook: Sie beginnt zu schwanken. (Absatz vor dem Text eingefügt)
S. 18 (1) original: reicht ihm das eine
ebook: reicht ihm das eine.
S. 19 (1) original: gibt den Musikern ein Zeichen,
ebook: gibt den Musikern ein Zeichen.
S. 23 (1) original: Arlechino ... Zuerst antworte!
ebook: Arlechino. ... Zuerst antworte!
S. 23 (2) original: mit verzweifelt bachantischer Geste
ebook: mit verzweifelt bacchantischer Geste
S. 24 (1) original: Während du fort warst, ist dir dieser Schliere
ebook: Während du fort warst, ist dir dieser Schleier
S. 26 (1) original: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hält ihn hoch
ebook: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch
S. 29 (1) original: verändern sich ins tanzartige.
ebook: verändern sich ins Tanzartige.

Transcriber's Note:

This ebook is based on scanned images which have been generously made available by Austrian Literature Online (http://www.literature.at).

Actors' names are printed spaced-out in the original text. Within this HTML version, they are reproduced in bold.

The original book did not have a table of contents. It has been added for the reader's convenience.

The following corrections were applied to the original text:

p. 2 (1) original: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern
ebook: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern.
p. 4 (1) original: wird selbst verständlich nur pantomimisch ausgedrückt
ebook: wird selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt
p. 6 (1) original: Florestan, Alumette und Fred, Annette
ebook: Florestan, Alumette und Fred, Annette
p. 6 (2) original: Florestan und Alumette
ebook: Florestan und Alumette
p. 6 (3) original: Fred und Annette
ebook: Fred und Annette
p. 9 (1) original: Geh wohin du willst
ebook: Geh wohin du willst.
p. 10 (1) original: Pierrettekostums
ebook: Pierrettekostüms
p. 11 (1) original: Sie beginnt zu schwanken. (Kein neuer Absatz)
ebook: Sie beginnt zu schwanken. (Absatz vor dem Text eingefügt)
p. 18 (1) original: reicht ihm das eine
ebook: reicht ihm das eine.
p. 19 (1) original: gibt den Musikern ein Zeichen,
ebook: gibt den Musikern ein Zeichen.
p. 23 (1) original: Arlechino ... Zuerst antworte!
ebook: Arlechino. ... Zuerst antworte!
p. 23 (2) original: mit verzweifelt bachantischer Geste
ebook: mit verzweifelt bacchantischer Geste
p. 24 (1) original: Während du fort warst, ist dir dieser Schliere
ebook: Während du fort warst, ist dir dieser Schleier
p. 26 (1) original: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hält ihn hoch
ebook: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch
p. 29 (1) original: verändern sich ins tanzartige.
ebook: verändern sich ins Tanzartige.